Bergfried-Park
Villa in Saalfeld/Saale
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Der Bergfried-Park ist ein Landschaftspark in Saalfeld/Saale in Thüringen. Optischer Mittelpunkt des 20 Hektar großen Parks ist das Haus Bergfried – auch Villa Bergfried genannt.


Das Bergfried-Ensemble hat eine nahezu einmalig erhaltene Geschlossenheit in der Gestaltung von anspruchsvollem Wohnhaus im Heimatstil mit zahlreichen Nebengebäuden inmitten eines großflächigen Landschaftsparks.
Es ist mit seiner architektonischen und landschaftlichen Gestaltung ein herausragendes Beispiel der Gartenkunst der 1920er Jahre. Die Parkanlage ist mit Haus, Nebengebäuden und ausgedehntem japanischen Garten einzigartig in Thüringen. Sie steht seit 1976 unter Denkmalschutz.
Lage und Ausstattung


Das denkmalgeschützte Bau-Ensemble Bergfried-Park und Villa Bergfried liegt auf einer Anhöhe im Süden der Stadt Saalfeld. Bejahrte Baumbestände bieten Ruhe und Geborgenheit und die weitläufige Parkanlage mit ihren Ruheplätzen besten Blick auf Saalfeld und das Saaletal. Der ausgedehnte japanische Garten ist einzigartig in Thüringen.
Der Bergfried-Park ist mit seiner Größe fast ein Volkspark – und strahlt mit seinen individuellen Gartenräumen zugleich private Intimität aus mit Nymphäum, Japangarten und Schmuckhof mit markanter Linden-Doppelallee, die zum Weiherhäuschen führt.
Das Gärtnerhaus am Fuße des Bergfried-Parks ist das älteste Haus des einstigen Gärtnerei-Geländes. Die Ausstellung dort bietet zahlreiche Informationen zum Ensemble Park und Villa Bergfried. Sie thematisiert die Schokoladenproduktion in Saalfeld und das Leben des Kaufmanns und Unternehmers Karl Ernst Hüther (1880–1944, Eigentümer der Schokoladenfabrik Mauxion GmbH Saalfeld) und seiner Familie zur Zeit der 1920er Jahre. Erlebbar ist dort der virtuelle 360-Grad-Rundgang durch die historische Villa mit alten und neuen Ansichten. Der Glockenturm im Gelände des Bergfried-Parks entstand 1927 und beherbergt ein Glockenspiel (Carillion) mit 25 Glocken. Es gehört zu den ältesten Glockenspielen in Deutschland.
Geschichte

Initiator für Park und Villa war der vermögende Schokoladenfabrikant Ernst Hüther. Der Eigentümer der Schokoladenfabrik Mauxion in Saalfeld ließ zwischen 1922 und 1924 den Park gestalten und die Villa als Wohnsitz für seine Familie mit vier Kindern errichten. Das Wohnhaus mit 70 Räumen hatte 3.800 m² Nutzfläche, davon 1.600 m² für die Privaträume der Familie Hüther.[1]
Nach Entwürfen des namhaften Architekten Max Hans Kühne aus Dresden und in Abstimmung mit dem damals ebenfalls deutschlandweit bekannten Gartenarchitekturbüro Ludwig Späth aus Berlin entstand ein Ensemble, das zu den wichtigsten Kulturdenkmalen der 1920er Jahre in Thüringen gehört.
Zum Park-Ensemble gehören die Villa Bergfried, der Torfried, der Talfried, das Weiherhäuschen, der Glockenturm mit Carillon, Bärenzwinger und die Parkbereiche Japangarten, Lindenallee, Steingarten, Seerosenteich, Tennisplatz[2] und einstiger Golfplatz. Die Gesamt-Baukosten betrugen damals vier Millionen Mark.
Nach Hüthers Tod im Jahre 1944 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges endete die „Hüther-Ära“ mit der Enteignung im Jahr 1948. Ab 1949 diente die Villa als Erholungsheim für Beschäftigte der Maxhütte Unterwellenborn[3], von 1963 bis 1992 als Diabetiker-Sanatorium „Bergfried“[4][5] (mit Außenstellen Haus Löhma[6] und Haus Königsee[7]). Seit 1998 verwaltet die Stadt Saalfeld das Ensemble, und der Verein „Freunde des Bergfriedes e. V.“ engagiert sich für Villa und Park.
2021 war der Bergfried Außenstandort der Bundesgartenschau.[8] Aus diesem Anlass wurde im ehemaligen Gärtnerhaus eine multimediale Ausstellung eingerichtet mit Einblicken in das Leben der Familie Hüther, in die Geschichte des Schokoladenwerkes und der Parkanlage.
Im Juni 2023 begann die umfassende Restaurierung der Villa, bei der bestandsgefährdende Schäden beseitigt und zahlreiche historische Details detailgetreu wiederhergestellt wurden. Am 14. August 2025 wurde das historische Gebäude-Ensemble wieder eröffnet. Die Baukosten betrugen insgesamt knapp 2,9 Millionen Euro; 1,9 Millionen Euro davon waren Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“,[9] das restliche Drittel steuerte die Stadt Saalfeld bei. Der Verein „Freunde des Bergfrieds“ konnte mit Spendengeldern die Restaurierung der Kronleuchter in den Sälen im Erdgeschoss finanzieren. Jedoch bleiben zahlreiche der 70 Zimmer der Villa dringend renovierungsbedürftig – wann und zu welchen Kosten dies geschehen kann, ist offen.[10]
Vorgeschichte
Das Grundstück der Flur „Vordere Pöllnitz“, das Ernst Hüther 1917 für seinen Familiensitz erwarb, hieß „Bohnscher Garten“. Der Name geht auf den früheren Eigentümer Christian Bohn, einen Farbenfabrikanten, zurück.
An der Stelle des Glockenturms stand am Ende einer Kirschallee ein Gartenhaus, das von Vereinen für Feste genutzt wurde. Als es abgerissen wurde, fanden Bauarbeiter Reste des gemauerten Fundaments eines Galgens – ein Überbleibsel des Galgenbergs des einstigen Saalfelder Hochgerichts.
Glockenturm mit Carillon

Seit 1927 erhebt sich über der einstigen Richtstätte der Glockenturm mit seinem Carillon-Geläut aus 25 chromatisch gestimmten Bronze-Kirchenglocken mit den Tönen es′ bis es″′: Gegossen 1924 von der Glockengießerei Ulrich in Apolda, wiegen sie jeweils zwischen 32 Kilogramm und 1,45 Tonnen, ihre unteren Durchmesser betragen 30 Zentimeter bis 1,30 Meter.[11]
Sechs von ihnen tragen Widmungen für die Hütherschen Familienmitglieder.[12] Das Carillon mit dem Glocken-Gesamtgewicht von 9.060 Kilogramm gehört zu den ältesten Glockenspielen in Deutschland.[13][14][15]
1967 gab es Überlegungen zur Modernisierung des Instrumentes, 1985 wurde das Saalfelder Glockenspiel als Carillon über zwei Oktaven umgerüstet. Projektant des Umbaus war Glockengießermeister Franz Peter Schilling aus Apolda, die Ausführung der Arbeiten übernahm das Wissenschaftlich-technische Institut Bau Unterwellenborn. Das erforderliche Stockklavier entstand in der Werkstatt des Saalfelder Drechslermeisters Wilhelm Buhler. Ziel der Sanierung war die Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit der Anspielautomatik und der Einbau eines neuen genormten Spieltisches.
Unter den Carillons in Deutschland nimmt dieses Instrument in Saalfeld eine Sonderstellung ein, sind doch aus seiner Entstehungszeit nur wenige Carillon-Ensembles erhalten. Carillon-Konzerte von Knut Schieferdecker sind in Saalfeld Tradition geworden. Das Instrument erklingt zu Feiertagen und Veranstaltungen der Villa Bergfried, beliebt sind die vorweihnachtlichen Konzerte.[16]
Literatur
- Villa und Park Bergfried in Saalfeld/Saale – Die bewegte Geschichte von 1924 bis 2024. Hrsg. Freunde des Bergfriedes e. V., München 2025, ISBN 978-3-96303-575-3
- Bergfried Saalfeld – Ein kleiner Parkführer, Faltplan (beidseitig bedruckt) mit Logo „Thüringen entdecken“, Herausgeber Saalfelder Feengrotten GmbH, Saalfeld 2022
- Karin Hartewig: Mauxion, Rotstern und Stollwerck - die bewegte Geschichte der Schokoladenfabrik in Saalfeld. Universitätsverlag, Leipzig 2021, ISBN 978-3-96023-343-5
- Ingo Lokies: Der Saalfelder Schokoladenfabrikant Dr. Ernst Hüther. Eine Betrachtung seiner finanziellen Verhältnisse und der wirtschaftlichen Lage der Firma Mauxion. Saalfelder Weihnachtsbüchlein, Saalfeld 2018
- Claudia Streitberger: Mauxion Saalfeld. Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-200-1
- Martin Baumann: Der Park Bergfried in Saalfeld. In: Die Denkmalpflege 61, 2003, Nr. 2, S. 137–142
- Beate Brucksch: Bergfried Saalfeld – Eine denkmalpflegerische Zielstellung. 2000 (unveröffentlichtes Manuskript)
- Max Hans Kühne: Haus Bergfried/Saalfeld. Ein Herrensitz im Herzen Thüringens, o. J. (Dresden 1929)
- E. Haenel: Das Haus Bergfried bei Saalfeld, Thüringen. In: Die Kunst 81–91, 58. Bd., 31. Jg., München 1928
Weblinks
- Villa und Park Bergfried, PDF, Stadtverwaltung Saalfeld/Saale 2021
- Bergfried Saalfeld – Ein kleiner Parkführer, PDF, Saalfeld 2021
- Park und Villa Bergfried – Zurück in die 1920er Jahre auf saalfeld-tourismus.de (24. Januar 2026)
- Villa und Park Bergfried auf saalfeld-tourismus (24. Januar 2026)
- Park und Villa Bergfried Saalfeld/Saale auf thueringer-wald.com (24. Januar 2026)
- Gärtnerhaus Bergfried auf thueringer-wald.com (24. Januar 2026)
- Villa und Park Bergfried auf gartenkultur-thueringen.de (24. Januar 2026)
- Schmuckstück zurück: Villa Bergfried in Saalfeld wiedereröffnet auf mdr.de, 14. August 2025 (24. Januar 2026)
- Rundgang durch die Villa Bergfried, Stadt Saalfeld auf youtube.com (24. Januar 2026)
- Räumlichkeiten Villa Bergfried Saalfeld auf mdm-online.de (24. Januar 2026)
- Bilder Villa Bergfried PDF auf saalfeld.de (24. Januar 2026)
- Rundgang Bergfried Saalfeld auf saalfeld-entdecken.de (24. Januar 2026)
- Parks & Gärten – Zeitreise durch die Thüringer Gartenepochen, PDF, Druckseiten 46–47, Thüringer Tourismus GmbH, Erfurt 2022