Bergwaldprojekt

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Das Bergwaldprojekt ist eine multinationale Umwelt- und Naturschutzorganisation, die als NGO mit Freiwilligen in Wäldern und anderen Ökosystemen arbeitet. Die Organisation plant und realisiert Arbeitseinsätze in Deutschland, Liechtenstein, Österreich, der Schweiz und in Spanien.

Gründung1987
SitzWürzburg, Deutschland Deutschland (Bergwaldprojekt e.V.)
Llavorsí, Katalonien Katalonien (Spanischer Verein)
Trin GR, Schweiz Schweiz (Schweizer Stiftung)
ZweckSchutz, Erhaltung und Pflege von Ökosystemen durch Freiwilligenarbeit
VorsitzStephen Wehner (geschäftsführender Vorstand Deutschland)
Martin Kreiliger (Geschäftsführer Schweiz)
Schnelle Fakten Gründung, Sitz ...
Bergwaldprojekt
Logo
Gründung 1987
Sitz Würzburg, Deutschland Deutschland (Bergwaldprojekt e.V.)
Llavorsí, Katalonien Katalonien (Spanischer Verein)
Trin GR, Schweiz Schweiz (Schweizer Stiftung)
Zweck Schutz, Erhaltung und Pflege von Ökosystemen durch Freiwilligenarbeit
Vorsitz Stephen Wehner (geschäftsführender Vorstand Deutschland)
Martin Kreiliger (Geschäftsführer Schweiz)
Beschäftigte ca. 50
Mitglieder ca. 3.000 Förderer
Website Deutschland:
www.bergwaldprojekt.de
Katalanien:
www.projecteboscos.cat
Österreich:
www.alpenverein.at
Schweiz:
www.bergwaldprojekt.ch
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Zaunbau gegen Wildverbiss mithilfe einer Rammkatze

Geschichte

Das Bergwaldprojekt wurde 1987 von dem Greenpeace-Mitarbeiter Wolfgang Lohbeck und dem Förster Renato Ruf in der Schweiz als Projekt bei WWF und Greenpeace initiiert. Der erste Einsatz fand in Malans im Kanton Graubünden statt. Zunächst wurde das Projekt organisatorisch und finanziell durch die beiden Umweltschutzorganisationen getragen bevor es 1990 selbstständig wurde und in der Schweiz zur Gründung einer gemeinnützigen Stiftung führte. In Deutschland wurde 1993 ein gemeinnütziger Verein gegründet, in dessen Verantwortung die seit 1991 in Deutschland laufenden Projekte selbstständig durchgeführt werden. Seit 1994 finden Einsätze in Österreich unter dem Dach des Österreichischen Alpenvereins statt und seit 2004 im Fürstentum Liechtenstein, organisiert von der Schweizer Stiftung. Seit 2007 werden auch in den Pyrenäen bzw. Katalonien mehrere Einsatzwochen im Jahr von einem unabhängigen spanischen Verein organisiert. Von 2006 bis 2015 fanden zudem in den Karpaten der Ukraine jeweils mehrere einwöchige Projekte statt.

Arbeitsweise

Die Organisation führt ganzjährig einwöchige Arbeitseinsätze als Mitmachangebot für Erwachsene durch. Die Einsatzorte reichen von den Bergwäldern der Alpen und Pyrenäen über Mittelgebirge wie Schwarzwald, Rhön und Harz bis zum Inselwald auf Amrum und Moor- und Offenlandbiotopen in allen Regionen. Die Organisation arbeitet hierbei nur in öffentlichen Wäldern bzw. auf Flächen, die gemeinnützigen Organisationen gehören oder wie in Deutschland zum Nationalen Naturerbe gehören.

Zu den vielfältigen Arbeiten während eines Arbeitseinsatzes gehören Wald- und Jungwuchspflege, Bau von Begehungswegen (Steigbau), Aufforsten von Schutzwald, Maßnahmen zum Schutz vor Wildverbiss, Zaunbau, Bau von Dreibeinböcken (zur Reduktion von Schneebewegungen), Erosionsverbauungen, Landschafts- und Biotop-Pflege, Bekämpfung von Neophyten und Moorwiedervernässung. In den letzten Jahren widmen sich die Projekteinsätze auch verstärkt der ökologischen Waldentwicklung, um nicht-klimaresistente Reinbestände (meist mit Kiefern und Fichten) in stabile Mischwälder zu wandeln. Die durchgeführten Arbeiten sind in der Regel für Forstdienstleister aufgrund der geografischen Lage oder der Art der Arbeit mit einem hohen Anteil Handarbeit wirtschaftlich unrentabel.

Neben der Arbeit wird während der Einsätze Wissenswertes über die lokalen Ökosysteme vermittelt, in denen die Freiwilligen tätig sind. Zu jeder Projektwoche gehört auch eine natur- oder forstkundliche Exkursion.

Seit 1987 haben mehr als 100.000 Freiwillige bei Projekten mitgearbeitet (Stand Ende 2024). Die teilnehmenden Frauen und Männer aus allen Alters- (ab 18 Jahren) und Berufsgruppen zahlen lediglich die An- und Abreise zum Projektort, die Organisation sorgt für Unterkunft, Verpflegung sowie professionelle Betreuung und Anleitung während der Einsatzwoche.

Zusätzliche Angebote

Das Bergwaldprojekt wird auch als Partner für Gemeinnütziges Arbeitnehmerengagement (Corporate Volunteering) von Unternehmen genutzt, die sich mit ihren Mitarbeitenden sozial und nachhaltig engagieren wollen oder einen sinnvollen Team-Einsatz suchen.

Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz bietet das Bergwaldprojekt Waldschulwochen für Schulklassen und Bildungseinrichtunge an, die mit ihren Lehrern eine Woche zusammen im Wald arbeiten – auch hier unter Anweisung und Aufsicht der beim Bergwaldprojekt angestellten Förster. In Zusammenarbeit mit der Caritas finden in Deutschland auch Wochen mit Jugendhilfeeinrichtungen statt, um Kinder und Jugendliche „für die gesamtgesellschaftliche Herausforderung des Schutzes der biologischen Vielfalt und des Klimas praxisnah zu sensibilisieren.“[1] Zudem wird in Deutschland mit speziellen Projektwochen die Forderung nach Inklusion durch die gemeinsame Arbeit mit Menschen mit Behinderungen verwirklicht. In der Schweiz und in Deutschland wird als Teil des Integrationsprozesses auch mit Geflüchteten zusammengearbeitet.

Organisation

Bergwaldprojekt Deutschland

Als Zweck des gemeinnützigen deutschen Vereins gilt „der Schutz, die Erhaltung und die Wiederherstellung von Ökosystemen, die Förderung des Bewusstseins für die Verbundenheit mit der Natur und ihre Unersetzlichkeit sowie die aktive Mitgestaltung der sozial-ökologischen Transformation in der Gesellschaft“.[2] Darüber hinaus trägt die Arbeit vom Bergwaldprojekt dazu bei, die unterschiedlichsten Menschen zusammenzuführen, so dass sie gemeinsam etwas schaffen und darüber ins Gespräch kommen.[3]

Finanziert wird die Vereinsarbeit durch private Spenden und Fördermitglieder, Kostenerstattungen für die Arbeitseinsätze durch die Projektpartner und Zuwendungen von Unternehmen und Institutionen aufgrund Kooperationsprojekten.[4] So können etwa Bahnkunden ihre gesammelten Bahnbonuspunkten für eine Privatspende an den Verein einlösen, um dessen Arbeit zu unterstützen.[5]

Zukunftswald Unterschönau

Seit 2020 kaufte das Bergwaldprojekt zusammen mit der Umweltstiftung Greenpeace insgesamt 280 Hektar Waldfläche bei Unterschönau im Thüringer Wald, inklusive der ehemaligen Burganlage Moosburg. Das Projekt „Zukunftswald“ verfolgt die Entwicklung eines ehemaligen Reinbestandes mit Fichten, welcher der Klimakrise nicht angepasst ist, hin zu einem naturnahen Waldökosystem. Mit der praktischen Umsetzung des Konzepts einer ökosystembasierten Waldnutzung soll es „anderen Waldbesitzern Orientierung bieten und zur Nachahmung anregen.“[6] Die Waldnutzung orientiert sich dabei an dem ökosystembasierten Waldentwicklungskonzept der Wald-Allianz, einer bundesweiten Initiative waldorientierter Fachleute und Institutionen, die „Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der konventionellen Forstwirtschaft“ verbindet.[7]

Bergwaldprojekt Schweiz

Die Schweizer Stiftung, die unter Aufsicht des eidgenössischen Departements des Innern steht, verfolgt den Zweck, „die Erhaltung, Pflege und den Schutz des Waldes und der Kulturlandschaft im Berggebiet zu fördern.“ Der Fokus ihrer Arbeit liegt stark auf alpinen Bergwäldern und Hochgebirgsökosystemen. Angeboten werden auch mehrwöchige Einsätze in der Tradition der Alpwirtschaft, bei der die Freiwilligen u. a. als Ziegenhirten arbeiten, um mit der Beweidung die Kulturlandschaft der Alpen zu pflegen.

Die Geschäftsstelle der Schweizer Organisation befindet sich im Bergwaldzentrum Mesaglina in Trin, das von der Stiftung auch als offizielle Schweizer Jugendherberge betrieben wird.[8]

Medienbeiträge

Einzelnachweise

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