Bernd Athner

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Bernd Athner (* 1941 in Grimmen; † 2025 in der Lüneburger Heide), Tarnname Klaus Böhm, war ein deutscher Agent im Dienst der Vereinigten Staaten von 1965 bis 1980. 1982 wurde er in der DDR verhaftet, wegen Spionage zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und 1985 in den Westen ausgetauscht.

Leben

Athner wuchs in der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR auf. Seine Mutter war nach dem Zweiten Weltkrieg Kindergärtnerin; sein Vater Bücherrevisor und Steuerberater, verließ die Familie jedoch kurz nach seiner Geburt. In der Schule war Bernd Athner Klassensprecher, wurde aber abgewählt, weil er nicht in die Freie Deutsche Jugend eintrat. Im Alter von 14 Jahren flüchtete seine Mutter mit ihm nach West-Berlin. Ein Jahr später brach er die Schule ab und heuerte in Hamburg in der Frachtschifffahrt an. Im Sommer 1962 erlitt er vor der US-Küste eine Blinddarmentzündung und wurde von einem Schiff der United States Navy an Land gebracht, wo er in einem US-Militärkrankenhaus behandelt wurde. Durch seine Papiere erfahren die US-Amerikaner von seinen zahlreichen Hafenaufenthalten.

Zurück in West-Berlin nahmen zwei Personen, wahrscheinlich vom Office of Naval Intelligence, mit Athner Verbindung auf und warben ihn als nachrichtendienstliche Quelle. Später wurde er wahrscheinlich von der United States Air Force geführt. Zunächst sollte er auf seinen Seereisen Schiffe der Sowjetischen Marine fotografieren. Dazu sollte er gezielt auf Frachtschiffen anheuern, die Häfen in der Sowjetunion, Polen und China anliefen. Da Athner aus Überzeugung und etwas Abenteuerlust handelte, erhielt er nur eine Aufwandsentschädigung und keinen hohen Agentenlohn. Über eine Telefonnummer in Schleswig-Holstein wurden Treffs zur Übergabe der Fotos an die US-Amerikaner verabredet.

Im Sommer 1965 erhielt Athner in einer konspirativen Wohnung in West-Berlin neue Anweisungen. Er sollte als Kurier tätig werden. In seiner Tarnidentität war er Österreicher aus Innsbruck, der mit einem schwarzen Fiat 500 Urlaubsreisen durch Dänemark, Schweden und Polen machte. Der Fiat 500 wurde auch im Ostblock produziert und fiel so weniger auf. Auch hatten Österreich und Polen zu jener Zeit schwarze Kraftfahrzeugkennzeichen. Der erste Auftrag Athners in der neuen Rolle war, ein Paket mit vermutlich einem Funkgerät in Posen abzulegen. Später überbrachte er auch Codebücher, beobachtete sowie fotografierte militärische Objekte und war auch in der DDR eingesetzt. Bei Nachbesprechungen schlossen die US-Amerikaner ihn an einen Lügendetektor an. Neben diesen nachrichtendienstlichen Aufträgen fuhr er weiterhin zur See.

Anfang der 1970er Jahre lernte Athner die damals 20-jährige Monika aus Baden-Württemberg kennen, die er heiratete. Sie wohnten in West-Berlin. Beide kauften ein Grundstück in der Lüneburger Heide. Dort baute Bernd Athner einen Schuppen zu einem Wochenendhaus um. Die Fahrten zu diesem Umbau, viele Wochen im Jahr, nutzte Athner als Legende gegenüber seiner Frau, die von seiner Agententätigkeit nichts wusste. Später sollte er auch selbst Agenten in der DDR werben. Er reiste über den Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße nach Ost-Berlin ein, wechselte dort auf einen Ost-Berliner Ausweis und fuhr weiter mit der S-Bahn oder Deutschen Reichsbahn in die DDR. Er stattete die neuen Quellen mit Funkgeräten und Codebüchern aus und empfing auch selbst Kurzwellen-Nachrichten. Im November 1980 reiste er ein letztes Mal im nachrichtendienstlichen Auftrag in die DDR und beendete seine Agententätigkeit dann auf eigenen Wunsch nach 18 Jahren.

Am Sonntag, den 15. August 1982, wurden Athner und seine Frau verhaftet, als sie auf der Transitstrecke auf der Rückreise von der Lüneburger Heide nach West-Berlin waren, in die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Alt-Hohenschönhausen gebracht und später in die Haftanstalt Bautzen II. Der mitreisende Sohn wurde an Freunde der Athners in West-Berlin übergeben. Die Hauptabteilung 2 (Spionageabwehr) des Ministerium für Staatssicherheit bearbeitete den Fall als operativen Vorgang Assel.[1] Mindestens ein von Athner geführter und/oder geworbener Agent in der DDR wurde ebenfalls verhaftet. Bernd Athner wurde wegen Spionage in besonders schwerem Fall zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Monika Athner erfuhr erst vor Gericht von der Agententätigkeit ihres Mannes, wurde aber dennoch wegen angeblicher Beihilfe ebenfalls zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Athners verbrachten drei Jahre in Bautzen in Haft. Am 11. Juni 1985 wurden sie beim größten Agentenaustausch des Kalten Krieges zusammen mit 21 weiteren tatsächlichen oder angeblichen US-Agenten auf der Glienicker Brücke gegen vier Ostspione ausgetauscht.

Athner starb 2025 im Alter von 83 Jahren an Leberzellkrebs. Seine Seebestattung fand im Mai 2025 von Cuxhaven aus in der Nordsee statt.

Siehe auch

  • Paul Hildebrandt: Bernd Athner gegen die DDR. (Audio-Podcast) In: Zeitfragen. Feature. deutschlandfunkkultur.de, 18. Februar 2026;.

Einzelnachweise

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