Berngau

Gemeinde im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern From Wikipedia, the free encyclopedia

Berngau ist eine Gemeinde im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern.[3] Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Neumarkt in der Oberpfalz.[4]

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Berngau
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Berngau hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 49° 15′ N, 11° 24′ O
Bundesland:Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Neumarkt in der Oberpfalz
Verwaltungs­gemeinschaft: Neumarkt in der Oberpfalz
Höhe: 436 m ü. NHN
Fläche: 27,12 km²
Einwohner: 2654 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 98 Einwohner je km²
Postleitzahl: 92361
Vorwahlen: 09181, 09188
Kfz-Kennzeichen: NM, PAR
Gemeindeschlüssel: 09 3 73 114
Gemeindegliederung: 8 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ramoldplatz 6
92361 Berngau
Website: www.berngau.de
Erster Bürgermeister: Thomas Meier[2]
Lage der Gemeinde Berngau im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz
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Ortsansicht von Berngau
Rathaus in Berngau in der ehemaligen Mädchenschule

Geographie

Der Hauptort befindet sich knapp 5,5 km südwestlich des Neumarkter Stadtzentrums. Die Staatsstraße 2238 von Freystadt nach Neumarkt durchquert das Gemeindegebiet von West nach Ost. Nordwestlich von Berngau liegt die Quelle der Sulz.[3]

Gemeindegliederung

Es gibt acht Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[5][6]

Die Gemeinde befindet sich auf den Flächen der Gemarkungen Berngau, Mittelricht, Röckersbühl und Woffenbach.

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden sind von Norden aus im Uhrzeigersinn: Postbauer-Heng, Neumarkt in der Oberpfalz, Sengenthal und Freystadt.[3]

Postbauer-Heng

Neumarkt in der Oberpfalz

Kompass
Freystadt

Sengenthal

Geschichte

Bis zur Gründung der Großgemeinde und Verwaltungsgemeinschaft Neumarkt i.d.Opf.

Berngau wurde 1142 zum ersten Mal im Gründungsbuch des Collegiat-Stiftes St. Jacob zu Bamberg urkundlich erwähnt. Dort wird u. a. eine "Hiltegunt de Berengoe" genannt.[7] Am 8. Juni 1142 fertigt der Eichstätter Bischof Gebhard II. eine Urkunde, mit der dem Kloster Plankstetten eine Hube im Wald "Berngue zum nutzgenuß der Mönche" übergeben wird.[8] Um das Jahr 1186 wurde eine erste Kirche (ein Holzgebäude) durch Bischof Otto von Eichstätt geweiht.[9]

Der Ort war seit dem 12. Jahrhundert Mittelpunkt eines Reichsguts. Ein Kurpfälzisches Urbar des Jahres 1280 weist nach, dass sich Berngau ab dieser Zeit im Besitz des Adelsgeschlechts der Wittelsbacher befand. Zur Sicherung Ihrer Ansprüche setzten sie dort einen Amtmann ein, der das neugewonnene Gebiet um Berngau verwaltete. Ab ca. 1315 bis in das 17. Jahrhundert war Berngau eine Kurfürstliche Hofmark.[10]

Am 6. April 1315 übertrug Ludwig der Bayer dem Kloster Waldsassen das Patronat über Bergau. Gleichzeitig erhielt das Kloster umfangreichen Grundbesitz in der Bergauer Gemarkung, der aus der Besitzmasse des 1312 aufgelösten Templerordens gestammt haben soll. Am 4. November 1327 genehmigte Papst Johannes XXII die Inkorporation der Pfarrei Berngau durch das Kloster Waldsassen.[10]

Im Jahre 1359 erfolgte die Grundsteinlegung für das als Wehrkirche konzipierte neue Kirchengebäude in Berngau. Der Bau der einfachen gotischen Kirche, die das bisherige Holzgebäude ersetzen sollte, wurde vom Abt von Waldsassen veranlasst, da ihm kraft Inkorporation die Baupflicht oblag.[10]

Am 12. Juni 1536 wurde die Bindung der Pfarrei Berngau an das Kloster Waldsassen durch einen Tausch beendet. Hierbei trat der Prior des Klosters die Grundstücke und Rechte an Kurfürst Ludwig und Pfalzgraf Friedrich ab.[10]

Eine erste Schule wird im Jahre 1593 zunächst in einer leerstehenden Schmiede eingerichtet. Das erste Schulhaus wird dann bereits im folgenden Jahr errichtet.[11]

Berngau gehörte im Kurfürstentum Bayern zum Rentamt Amberg und zum Landgericht Neumarkt. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Ruralgemeinde Berngau zu der auch der Weiler Allershofen gehörte und deren Einwohnerzahlen sich wie folgt entwickelten:

Weitere Informationen Berichtsjahr, Hauptort Berngau ...
Berichtsjahr Hauptort Berngau Gemeinde Berngau
1871 686 725
1925 728 770
1950 865 908
1970 869 1424
1987 1090 -
2011[12] 1958 2472
2025[12] 2033 2661
Quelle: [13]
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Ein neues Schulhaus mit zwei Klassenzimmern wurde in den Jahren 1853 bis 1854 errichtet. In 1902 folgte dann die Mädchenschule. Dieses Gebäude wird heute als Rathaus genutzt.[11]

In 1922 wurde eine erste Fernwasserversorgung errichtet. Im Folgejahr erfolgte dann die Elektrifizierung des Dorfes[11].

Die Erstellung der Ortskanalisation, der Ortsstraßenbau sowie die Errichtung einer Kläranlage wurde im Zeitraum von 1960 bis 1963 abgeschlossen. Der Neubau eines Schulhauses mit Turnhalle wurde in den Jahren 1967 bis 1969 durchgeführt. In 1968 wurde die neu erbaute Kirche geweiht.[11]

Gemeindegebietsreform und Eingemeindungen

Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Röckersbühl mit Teilen der am 1. April 1933 aufgelösten Gemeinde Mittelricht eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam Tyrolsberg aus der aufgelösten Gemeinde Woffenbach hinzu, die bis zum 4. Januar 1950 den Namen Tyrolsberg trug.[14]

Die Gemeinden Berngau, Pilsach und Sengenthal beantragten bereits im September 1973 bei der Regierung der Oberpfalz die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft. Mit Wirkung vom 1. Januar 1977 wurde die Verwaltungsgemeinschaft Neumarkt i.d.Opf. mit Rechtsverordnung der Regierung der Oberpfalz gebildet. Am 1. März nahm die Verwaltungsgemeinschaft Neumarkt i.d.Opf. ihre Tätigkeit auf.[4]

In den Jahren 1984 bis 1985 wurde das Schulhaus Berngau erweitert. Im September 1989 konnte dann das neue Feuerwehrhaus seiner Bestimmung übergeben werden. Der Anschluss an das deutsche Ferngasnetz erfolgte im Jahre 1991.[11]

Einwohnerentwicklung

Zwischen 1987 und 2024 wuchs die Einwohnerzahl (Hauptwohnsitz) der Gemeinde Berngau von 1668 um 986 (oder 59,1 %) auf 2.654.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat besteht aus 14 Gemeinderäten und dem Ersten Bürgermeister.

CSU / Bürgerliste BerngauFreie Wähler BayernGesamt
20268614 Sitze
20209514 Sitze
201411314 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 8. März 2026)

Bürgermeister

Seit 1. Mai 2020 ist Thomas Meier (CSU/Bürgerliste Berngau) der 1. Bürgermeister. Er wurde am 8. März 2026 mit 52,9 % der gültigen Stimmen wiedergewählt. Sein Mitbewerber Sebastian Schrafl (FREIE WÄHLER Berngau) konnte 47,1 % der gültigen Stimmen auf sich vereinen. Die Wahlbeteiligung lag bei 82,1 % Prozent.

Kirche St. Peter und Paul

Wappen

Wappen von Berngau
Wappen von Berngau
Blasonierung: „Unter schwarzem Schildhaupt, darin ein von Rot und Silber in zwei Reihen geschachter Schrägbalken, in Gold wachsender schwarzer Adler.“[17]
Wappenbegründung: Der wachsende Adler erinnert daran, dass Berngau seit dem 12. Jahrhundert Mittelpunkt eines Reichsgutkomplexes und bis in das 17. Jahrhundert eine sog. kaiserliche Hofmark war, die sich seit spätestens 1280 im Besitz der Wittelsbacher befand. Ludwig der Bayer übertrug 1315 das Patronatsrecht über die Pfarrkirche an das Zisterzienserkloster Waldsassen; auf diese enge Verbindung verweist der geschachte Schrägbalken, das Wappenabzeichen der Zisterzienser, im Schildhaupt.

Aktionsbündnis Oberpfalz-Mittelfranken (ILE AOM)

Die Gemeinde Berngau ist Teil des vom Freistaat Bayern geförderten Aktionsbündnisses Oberpfalz-Mittelfranken. Zu diesem gehören auch der Markt Allersberg, die Stadt Berching, die Stadt Freystadt, die Gemeinde Mühlhausen , die Märkte Postbauer-Heng und Pyrbaum sowie die Gemeinde Sengenthal. Mit diesem Zusammenschluss können Aufgaben wie Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Digitalisierung, Stärkung der regionalen Wirtschaftskreisläufe u. v. m. effizienter und zielgerichteter bewältigt werden. Staatlicherseits erfolgt hierbei auch eine Förderung von Einzelmaßnahmen durch das Amt für Ländliche Entwicklung.[18]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Keltenschanze bei Dippenricht

Sehenswürdigkeiten

In Berngau und den Ortsteilen sind u. a. nachstehende Sehenswürdigkeiten zu entdecken:

  • Das Kriegerdenkmal für 1866 und 1870/71 "Am Plan" aus dem Jahre 1887.
  • Aus dem Jahre 1773 stammt das ehemalige Schulhaus, ein zweigeschossiger Walmdachbau.
  • Besonderts beeindruckend ist die spätlènezeitliche Viereckschanze, gelegen im Waldgebiet Appel zwischen Dippenricht und Pavelsbach.[19]
  • Auf dem 591 m hohen Buchberg ist eine Wallanlage vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung (Höhensiedlung der Urnenfelder- und der Latènezeit) zu finden.[19]
Ortskern (2024)

Kirchen und Kapellen

  • Pfarrkirche St. Peter und Paul mit dem 56 m hohen Kirchturm
  • Kleine Wallfahrtskapelle in Wolfsricht, die dem Bruder Klaus geweiht ist
  • Filialkirche St. Leonhard in Mittelricht
  • Filialkirche Zur Heiligen Dreifaltigkeit in Röckersbühl
  • Kapelle Zur Heiligen Dreifaltigkeit in Tyrolsberg
  • Wegekapelle an der Neumarkter Straße
LSG Tyrolsberg

Natur

Das Landschaftsschutzgebiet Tyrolsberg wurde in 2001 mit der WDPA ID 396108 (World Database on Protected Areas) in die Liste der Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz aufgenommen.[20]

Feuerwehren und Vereinsleben

Im Gemeindegebiet gibt es die Freiwillige Feuerwehr Röckersbühl-Mittelricht und als überregionale Stützpunktfeuerwehr die FF Berngau-Tyrolsberg, die zu den ältesten Feuerwehren des Landkreises Neumarkt i.d.Opf. zählt.

Der in 1949 gegründete FSV Berngau e.V., dessen größte Sparte die Fußballabteilung ist, verzeichnet nahezu 1.200 Mitglieder.[21]

Daneben bestehen die Obst- und Gartenbauvereine Berngau, Röckersbühl und Tyrolsberg, die Schützenvereine Tannenwald Berngau und Edelweiss 64 Röckersbühl sowie die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Berngau. Den musischen Bereich decken die Blaskapelle Berngau, der Kirchenchor und der Rhythmus-Chor Berngau ab. Für soziale Belange zeichnen die CAJ sowie die KAB Berngau verantwortlich.[22]

Infrastruktur

Bildung

In Berngau befindet sich eine Grund- und Mittelschule, in der 22 Lehrkräfte tätig sind. Im Auftrag der Gemeinde Berngau werden die schulpflichtigen Kinder der Ortsteile täglich von einem privaten Busunternehmen zur Schule und wieder zurück nach Hause gebracht.[23]

Die Kindertagesstätte St. Peter und Paul verfügt über 100 anerkannte Kindergarten- und 36 Krippenplätze für Kinder im Alter ab 1 Jahr. Die Kinder sind dabei in sieben Gruppen aufgeteilt und werden von 11 Erzieherinnen und 9 Kinderpflegerinnen betreut. Unterstützt werden sie dabei von einer Praktikantin, die in der Kita Berngau ihr Sozialpädagogisches Einführungsjahr absolviert. Für das leibliche Wohl der Kinder sorgt eine Küchenkraft.[24][25]

Im "Lukas-Anwesen" Am Plan 4 ist die Pfarr- und Gemeindebücherei Berngau untergebracht.[26] Als besonderen Service bietet die Bücherei einen Onlineservice an, der es ermöglicht rund um die Uhr Bücher zu reservieren.[27]

Raiffeisen-Lagerhaus (2014)

Industrie und Dienstleistung

In Berngau sind mehrere mittelständische Firmen in den Bereichen Handwerk, Dienstleistung und Transport insbesondere im Gewerbegebiet Ziegelhütte ansässig. Am Ortsausgang Richtung Pavelsbach befindet sich das Raiffeisen-Lagerhaus.[28]

In der Gemeinde finden sich verschiedene Angebote an ärztlicher, fachärztlicher und weiterer medizinischer Versorgung sowie eine Metzgerei und eine Bäckerei für den täglichen Einkauf.[28]

Verkehr

Berngau liegt direkt der Staatsstraße ST2238 und der Kreisstrasse NM44. Über die Staatsstraße ST2238 ist das rd. 7 km entfernte Neumarkt i.d.Opf. zu erreichen. Die Entfernung zur A 3 mit Anschluss in Neumarkt beträgt 12 km und zur A 9 mit Anschluss in Allersberg rund 15 km.[3]

Die Gemeinde Berngau ist in den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) integriert und wird täglich durch zahlreiche Busverbindungen der Linien 505, 506 514, 516, 569, 592 und AST A525 nach Neumarkt, Freystadt und Allersberg des OVF und der Stadtwerke Neumarkt angefahren.[4]

Persönlichkeiten

  • Johann Baptist Eustochius Eustach Adler (* 1724 in Berngau; † 5. Februar 1771 Freystadt) studierte ab 1736 am Jesuitengymnasium Neuburg an der Donau, trat als OFM Ref. dem Franziskanerorden bei und wirkte vor allem in Neuburg an der Donau.[29]
  • Albert Deß (* 1947 in Röckersbühl), Politiker (CSU), MdB 1990–2004, MdEP 2004–2019
  • Richard Distler (* 1946 in Röckersbühl), Monsignore, Stadtpfarrer der Hofkirche Neumarkt, Dekan des Dekanates Neumarkt in der Oberpfalz
  • Johann Rackl (* 1931 in Allershofen; † 27. September 2011), katholischer Geistlicher, 1975 bis 2002 Orgelsachverständiger der Diözese Eichstätt

Literatur

Commons: Berngau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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