Bernhard Hörning

deutscher Agrarwissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Bernhard Hörning (* 29. August 1961 in Moers) ist ein deutscher Agrarwissenschaftler. Er hatte bis 2024 die Professur für „Ökologische Tierhaltung“ am Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde inne. Zu seinen Hauptthemen gehören die Verbesserung des Tierwohls in der Landwirtschaft, insbesondere durch Untersuchungen an alternativen Haltungssystemen.

Bernhard Hörning bei einem Vortrag bei der GEH

Ausbildung

Auch geprägt von dem großväterlichen Bauernhof im Münsterland besuchte Hörning das Gymnasium Adolfinum in Moers bis zum Abitur 1980, leistete den Zivildienst zeitweise auch als Betriebshelfer in landwirtschaftlichen Betrieben am Niederrhein und studierte von 1984 bis 1988 Agrarwirtschaft an der Universität Kassel am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften in Witzenhausen mit dem Schwerpunkt Tierproduktion. Im Rahmen des Studiums absolvierte er ein halbjähriges Praktikum beim gemeinnützigen Verein zur Förderung der eigenständigen Regionalentwicklung in Hessen (VER).[1] Das Studium beendete Hörning als Diplom-Agraringenieur (Dipl.-Ing. agr.); das Thema der Diplomarbeit war Kriterien für eine artgerechte Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere und Möglichkeiten für eine Umsetzung in die Praxis.

Nach dem Agraringenieurstudium folgte bis 1991 ein Studium Ökologische Umweltsicherung an der Universität Kassel mit dem Abschluss als Dipl.-Ing. ökol. Umweltsicherung. In Witzenhausen promovierte er bei Professor Detlef W. Fölsch mit einer Arbeit über Milchviehlaufställe[2] (Thema: „Tiergerechtheit und Verfahrenstechnik eingestreuter Milchviehlaufställe in der Praxis“).

Die Habilitationsschrift galt dem Thema Nutztierethologische Untersuchungen zur Liegeplatzqualität in Milchviehlaufstallsystemen unter besonderer Berücksichtigung eines epidemiologischen Ansatzes.[3] Die Habilitation für das Fachgebiet „Tierhaltung und Nutztierethologie“ erfolgte durch die Universität Kassel im Sommer 2003, der Titel Privatdozent wurde im Oktober 2003 verliehen.

Werdegang

Nach dem Studium gründeten Peter Weiberg, Christel Simantke und Bernhard Hörning den gemeinnützigen Verein Beratung Artgerechte Tierhaltung (BAT) in Witzenhausen.[4] Dort war Hörning von 1989 bis 1994 Geschäftsführer. In der Zeit führte er über 200 Beratungen landwirtschaftlicher Betrieb durch und hielt etwa 100 Vorträge, vor allem vor Landwirten.[2] Ferner entstanden mit Unterstützung durch die Schweisfurth Stiftung drei Bücher über artgemäße Rinder-, Schweine- bzw. Hühnerhaltung, erschienen in der Schriftenreihe Alternative Konzepte der Stiftung Ökologie & Landbau. Hörning war der Hauptautor des Buches über Schweinehaltung.[5]

Von 1993 bis 1998 wirkte Hörning als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Angewandte Nutztierethologie und Artgemäße Tierhaltung in Witzenhausen und anschließend bis 2004 als wissenschaftlicher Assistent am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel.

Für ein Experiment zur Bedeutung synchronen Verhaltens bei Milchkühen konnte Hörning 2003 an der Universität Wageningen forschen sowie 2003 und 2004 an der Universität Helsinki zum Thema „Organic animal husbandry“ einen Lehrauftrag durchführen. Lehraufträge erteilten auch die Humboldt-Universität in Berlin und die Fachhochschule Neubrandenburg jeweils für mehrere Jahre.

Im Sommersemester 2005 übernahm Hörning zunächst eine Vertretungsprofessur und ab dem Wintersemester 2005/2006 eine Professur „Artgerechte Tierhaltung und Tierernährung“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde. Auf seinen Antrag wurde das Fachgebiet in „Ökologische Tierhaltung“ umbenannt, um die Ausrichtung auf die Tierhaltung im Ökolandbau stärker zu verdeutlichen.[6] Er wirkte an dieser Hochschule im Prüfungsausschuss, Fachbereichsrat und in Berufungskommissionen. Er beteiligte sich am Aufbau der Ökolandbau-Studiengänge, auch mit der Leitung des Studiengangs Öko-Agrarmanagement. Seine Abschieds-Vorlesung widmete Hörning der Frage „Wie schaffen wir mehr Tierwohl in der Landwirtschaft?“.[7]

Wirken

Hörning engagierte sich bereits als Student in der Arbeitsgemeinschaft Kritische Tiermedizin (AGKT).[8] Nach dem Agrarstudium gründete er den gemeinnützigen Verein Beratung Artgerechte Tierhaltung (BAT) in Witzenhausen. Von 1997 bis 2008 war er in der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) Koordinator für den Bereich Schweine und Beiratsmitglied. 2025 wurde er von der Mitgliederversammlung erneut für diese Aufgaben gewählt.[9] Von 2001 bis 2018 war er Vorsitzender der Gesellschaft für ökologische Tierhaltung (GÖT).[10] Von 2003 bis 2018 war er Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Ökolandbau des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL).[11] Er wirkte aktiv am Brandenburger Tierschutzplan 2017 mit.[12] Seit 2023 ist Hörning Mitglied im Beirat von Neuland (Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung).[7] Von Band 24 bis 28 übernahm Hörning die Schriftleitung der Schriftenreihe Tierhaltung (kassel university press), zusammen mit Professor Detlev W. Fölsch, ab Band 29 als Co-Editor.[13]

1994 verlieh die Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN) für eine Studie zur intensiven Hähnchenmast Hörning einen Forschungspreis.[14]

Seine Forschungsschwerpunkte waren vor allem artgemäße Haltungssysteme für Nutztiere (z. B. Einstreusysteme für Milchkühe und Mastschweine, Ausläufe für Milchkühe und Mastschweine, Freilandhaltung für Zuchtsauen und Legehennen, Abferkeln ohne Fixierung, Kosten von Tierschutzmaßnahmen) sowie Alternativen in der Tierzucht (z. B. gefährdete Rassen, Bruderhähne, Zweinutzungshühner). Etliche Untersuchungen wurden in der landwirtschaftlichen Praxis durchgeführt. Auch trug er zur Weiterentwicklung von Kriterien zur Bewertung der Tiergerechtheit auf Praxisbetrieben bei, zum Beispiel durch den Tiergerechtheitsindex (TGI 200)[15] oder im Rahmen der von der EU geförderten COST Action Measuring and Monitoring Farm Animal Welfare.[16]

Darüber hinaus nahm Hörning im Auftrag von Behörden oder auch von NGOs Politikberatung wahr durch kritische Stellungnahmen zu aktuellen Tierschutzproblemen der Nutztierhaltung (z. B. Definition von „Massentierhaltung“, ausgestaltete Käfige für Legehennen, Kastenstände für Sauen, Vollspalten für Mastschweine, Anbindehaltung von Milchkühen, Stallbrände, Hormoneinsatz bei Sauen, Hochleistungszucht).

Während seiner Hochschulzeit betreute Hörning knapp 200 Abschlussarbeiten, darunter mehrere preisgekrönte, und begleitete sieben Promotionen. Er hielt circa 200 eingeladene Vorträge; er initiierte und organisierte 25 Tagungen.[2] Die Hochschule Eberswalde fasst das Wirken Hörnings so zusammen:

Seine beeindruckende berufliche Laufbahn, sein Engagement für Forschung und Lehre zur Ökologischen Tierhaltung haben Generationen von Studierenden geprägt. [...]
In Themen wie beispielsweise Anbindehaltung, Käfighaltung von Legehennen oder Spaltböden für Mastschweine begleitete Prof. Dr. Bernhard Hörning Wissenschaft, Politik und Landwirtschaft mit wissenschaftlich fundierten, kritischen und klaren Positionen die Entwicklung des Tierwohls in der Tierhaltung. [...] Er verband die Frage nach dem Mehr an Tierwohl in der Landwirtschaft mit der Forderung nach einer Verantwortlichkeit aller gesellschaftlichen Gruppen von Konsument*innen, Politik, Handel, Zivilgesellschaft, NGOs und Landwirtschaft. Seine Arbeit in Forschung und Lehre ist als erfolgreicher Beitrag zum Ausbau der Artgerechten Haltung und des Tierwohls in der Landwirtschaft zu sehen.[2]

Veröffentlichungen (Auswahl)

Bernhard Hörning ist Autor von etwa 360 überwiegend populärwissenschaftlichen Publikationen.[2] Beispielhaft seien erwähnt:

  • Status und Verbreitung des Braunbären (Ursus arctos) in Europa sowie Massnahmen zur Erhaltung der Art, (= Ökologie & Umweltsicherung: 1) Gesamthochschule Kassel, Witzenhausen 1992 (Inhaltsverzeichnis)
  • Gemeinsam mit Sabine Raskopf, Christel Simantke unter Mitarbeit von Engelhard Boehncke: Artgemäße Schweinehaltung. Grundlagen und Beispiele aus der Praxis, (= Alternative Konzepte: 78), Müller, Karlsruhe 1992, ISBN 978-3-7880-9842-1
  • Hrsg. und Beratung Artgerechte Tierhaltung e.V. (BAT) und Universität Gesamthochschule Kassel (GhK), Fachgebiet Angewandte Nutztierethologie und Artgemässe Tierhaltung (Hrsg.): Ökologische Geflügelhaltung. Haltung, Fütterung, Züchtung, Wirtschaftlchkeit, Mensch–Tier–Beziehung, Witzenhausen 1995, ISBN 978-3-88122-822-0 (Inhaltsverzeichnis)
  • Mit Detlef W. Fölsch (Hrsg.): Ökologische Rinderhaltung. (= Tierhaltung; 25), Fachgebiet Angewandte Nutztierethologie und Artgemäße Tierhaltung, Universität GH Kassel, Witzenhausen 1997, ISBN 978-3-88122-826-8 (Inhaltsverzeichnis)
  • Tiergerechtheit und Verfahrenstechnik eingestreuter Milchviehlaufställe in der Praxis, Dissertation, Kassel 1997 (Inhaltsverzeichnis)
  • Mit GEH (Hrsg.): Gefährdete Schweinerassen und alternative Schweinezüchtung, NZH-Verlag, Wetzlar 1997, ISBN 3-92687-25-X (Inhaltsverzeichnis)
  • KTBL (Hrsg.): Auslaufhaltung von Legehennen (= KTBL-Arbeitspapier 279), Landwirtschaftsverlag, Münster 2002 (Inhaltsverzeichnis)
  • Nutztierethologische Untersuchungen zur Liegeplatzqualität in Milchviehlaufstallsystemen unter besonderer Berücksichtigung eines epidemiologischen Ansatzes, Habilitationsschrift, Kassel 2003 (Inhaltsverzeichnis)
  • KTBL (Hrsg.): Gesunde Milchkühe im Ökolandbau - ein Leitfaden für die Praxis (= KTBL-Heft; 55), KTBL, Darmstadt 2006, ISBN 3-939371-00-9 (Inhaltsverzeichnis)
  • KTBL (Hrsg.): Ausläufe in der Schweinehaltung (= KTBL-Heft 68), KTBL, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-939371-31-1 (Inhaltsverzeichnis)
  • Auswirkungen der Zucht auf das Verhalten von Nutztieren, (= Tierhaltung: 28) Kassel Univ. Press, Kassel 2008, ISBN 978-3-89958-391-5 (Inhaltsverzeichnis und Inhaltstext, erschien auch als Online-Ausgabe, herunterladbar)
  • KTBL (Hrsg.): Ökologische Schweinehaltung – zukunftsweisende Haltungsverfahren (= KTBL-Schrift 484), KTBL, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-941583-49-8 (Inhaltsverzeichnis)
  • Gemeinsam mit Christoph Menke und Kristin Christmann: Weidehaltung von Schweinen. Gesellschaft für Ökologische Tierhaltung e.V. (GÖT), Eberswalde 2016 (Online-Ausgabe)
  • 50 Jahre Freiburger Tagungen – eine Auswertung der Beiträge. In: Aktuelle Arbeiten zur artgemäßen Tierhaltung 2018 (= KTBL-Schrift 514), KTBL, Darmstadt 2018 (Online-Ausgabe)
  • Intensivhaltung von Nutztieren in Deutschland – Probleme und Alternativen. In: Elke Diehl und Jens Tuider (Hrsg.): Haben Tiere Rechte? Aspekte und Dimensionen der Mensch-Tier-Beziehung. (= Schriftenreihe Nr. 10450), Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb), Bonn 2019, ISBN 978-3-7425-0450-0 (Link zum barrierefreien PDF)
  • Alte Schwarzbunte und Sattelschweine. Gefährdete Rassen in Brandenburg, herausgegeben von Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, Potsdam 2022 (Online-Ausgabe)
  • Zur Umsetzung des Kükentötungsverbots in Deutschland. In: Berichte über Landwirtschaft – Zeitschrift für Agrarpolitik und Landwirtschaft (Hrsg. BMEL), Bd. 101, H. 3, 2023 (Online-Ausgabe)[19]

Fußnoten

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