Berîvan Aymaz

deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen), MdL From Wikipedia, the free encyclopedia

Berîvan Aymaz (geb. 5. Juli 1972 in Genç, Türkei) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie sitzt für ihre Partei seit dem 1. Juni 2017 im Landtag Nordrhein-Westfalen und war dort unter anderem Sprecherin für Integrationspolitik und Internationales ihrer Fraktion.[1][2] Am 1. Juni 2022 wurde Aymaz zur 2. Vizepräsidentin des Landtages gewählt.[3] Bei der Kommunalwahl 2025 kandidierte sie für das Amt der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, in der Stichwahl unterlag sie Torsten Burmester (SPD).[4]

Berîvan Aymaz (2024)

Leben

Aymaz wurde in der kurdisch geprägten Provinz Bingöl im Osten der Türkei geboren. Ihr Vater war bis 1977 Gouverneur dieser Provinz und reiste 1978 als Kulturattaché nach Deutschland. Im selben Jahr zog Berîvan Aymaz mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach. Ihr Vater sollte aufgrund seiner kurdischen Ethnie kurz vor dem Militärputsch in der Türkei 1980 von seinem Amt abberufen werden, weigerte sich aber, zurück in die Türkei zu reisen.

Die Familie zog zunächst nach Paderborn, lebte seit 1980 aber in Köln, wo Aymaz in den rechtsrheinischen Stadtteilen Brück und Kalk sozialisiert wurde.[5] An der gymnasialen Kaiserin-Theophanu-Schule in Kalk, an der sie auch Schülersprecherin war, absolvierte Aymaz 1990 das Abitur. Anschließend studierte sie Rechtswissenschaft an der Universität zu Köln sowie ergänzend Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen, erwarb jedoch keinen Abschluss.[6] Sie arbeitet seit Beginn ihres Studiums als freie Übersetzerin und Moderatorin. Rückblickend schilderte sie, die Familie sei nach der Abberufung ihres Vaters zeitweise „ohne Pässe, papierlos“ gewesen; ihr Vater habe zwischenzeitlich als Gemüsehändler gearbeitet, später habe sein Lehrerberuf den Aufenthaltsstatus der Familie gesichert.[7] Sie berichtete zudem von in der Türkei verhafteten und gefolterten nahen Verwandten.[7]

Bereits als Schülersprecherin engagierte sich Aymaz für Menschenrechts-, Friedens- und Antirassismuspolitik. Sie organisierte 1991 die ersten Schülerdemos gegen den Golfkrieg. Aymaz war 1993 Mitbegründerin und bis 2003 erste Generalsekretärin der Kurdischen Gemeinde Deutschland.

Als Projektleiterin zu Migration, Transnationalität und interkultureller Erinnerungsarbeit engagierte sich Aymaz bei diversen Menschenrechts- und Migrantenorganisationen schon früh für eine menschenrechtsorientierte Flüchtlings- und emanzipatorische Migrationspolitik. 2010 war sie Mitkoordinatorin der bundesweiten Kampagne „Gerechtigkeit für Doğan Akhanlı“, die sich für die Freilassung des Kölner Schriftstellers einsetzte. Im Zuge dessen war sie mehrmals als Prozessbeobachterin in der Türkei. Im Vorfeld der türkischen Parlamentswahlen 2015 initiierte Aymaz für den Grünen Bundesparteitag den Antrag „Für Frieden und Freiheit in der Türkei“, der Solidarität mit der türkisch-kurdischen Partei HDP bekundet.[8]

Politische Laufbahn

2009 trat Aymaz Bündnis 90/Die Grünen bei, gründete 2012 die Landesarbeitsgemeinschaft „Säkulare Grüne NRW“ mit und war bis 2018 deren Sprecherin. Von 2013 bis 2016 war sie Mitglied der von der Bundespartei eingesetzten Kommission „Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat“. Sie kandidierte als Direktkandidatin für den Bundestag im Jahr 2013 für den Wahlkreis Köln I (Wahlkreis 93).[9] Von 2013 bis 2014 war sie im Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen Köln. Aymaz kandidierte 2014 für den Rat der Stadt Köln und zog über Listenplatz 5 in den Rat ein. Dort vertrat sie die Grüne Fraktion bis September 2017.

Im Mai 2017 zog Aymaz über Listenplatz 13 in den nordrhein-westfälischen Landtag ein und legte daraufhin ihr Ratsmandat für die Stadt Köln nieder. Sie ist Sprecherin für Europa, Internationales und Eine Welt der Grünen Landtagsfraktion.[1][2] Bei der Landtagswahl 2022 gewann sie mit 37,0 % der gültigen Erststimmen das Direktmandat für den Wahlkreis Köln VI.[10]

Als Mitglied des Sondierungsteams von CDU und Grünen hat Aymaz die erste schwarz-grüne Koalition in Nordrhein-Westfalen mit verhandelt.[11]

Aymaz ist ordentliches Mitglied im Ältestenrat des Landtags, ordentliches Mitglied im Ausschuss für Europa und Internationales sowie stellvertretendes Mitglied im Innenausschuss und Integrationsausschuss.[6]

Im Januar 2025 wurde Aymaz auf der Kreismitgliederversammlung ihrer Partei in geheimer Wahl mit 322 von 353 gültigen Stimmen – das entspricht einer Zustimmung von 91,2 Prozent – zur Kandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln für die Kommunalwahl 2025 gewählt.[12] Den ersten Wahlgang gewann sie am 14. September 2025 mit 28,1 Prozent vor Torsten Burmester (SPD), der 21,3 Prozent errang.[13] In der Stichwahl am 28. September 2025 unterlag sie mit 46,5 % der abgegebenen Stimmen Burmester, der 53,5 % erhielt.[4]

Abgeordnete und Vizepräsidentin des Landtags Nordrhein-Westfalen

Aymaz ist Vorsitzende der Parlamentariergruppe NRW-Israel.[6][14] Zudem hat Aymaz als Vizepräsidentin des Landtags einen Sitz im Kuratorium der Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen inne.[15] Darüber hinaus ist sie stellvertretendes Mitglied im WDR-Rundfunkrat,[16] Mitglied im Aufsichtsrat der UNO-Flüchtlingshilfe e.V. in Bonn[17] sowie Ehrenmitglied des Kuratoriums für die Restaurierung der Historischen Stadt- und Wallraf-Bibliothek in Köln.

Commons: Berîvan Aymaz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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