Bessarabske
Siedlung städtischen Typs in der Oblast Odessa in der südlichen Ukraine
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Bessarabske (ukrainisch Бессарабське; russisch Бессарабское Bessarabskoje, deutsch Tarutino, rumänisch Tarutina, griechisch Thyratyna - bis 2024 Tarutyne/ukrainisch Тарутине; russisch Тарутино Tarutino) ist seit 1957 eine Siedlung städtischen Typs, gehört zur Oblast Odessa in der südlichen Ukraine und ist Teil der historischen Landschaft Bessarabien.

| Bessarabske | ||
|---|---|---|
| Бессарабське | ||
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Oblast: | Oblast Odessa | |
| Rajon: | Rajon Bolhrad | |
| Höhe: | 84 m | |
| Fläche: | 3.99 km² | |
| Einwohner: | 5.201 (1. Januar 2025) | |
| Bevölkerungsdichte: | 1.304 Einwohner je km² | |
| Postleitzahlen: | 68502 | |
| Vorwahl: | +380 4847 | |
| Geographische Lage: | 46° 11′ N, 29° 9′ O | |
| KATOTTH: | UA51060170010058387 | |
| KOATUU: | 5124755100 | |
| Verwaltungsgliederung: | 3 Siedlungen städtischen Typs, 11 Dörfer | |
| Verwaltung | ||
| Adresse: | вул. Красна 201 68500 смт. Тарутине | |
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118 km westlich von Odessa gelegen, war die Siedlung bis Juli 2020 das Zentrum des Rajons Tarutyne.
Geschichte
Der Ort liegt im Gebiet des ehemaligen Fürstentums Moldau, das ein Vasallenstaat des Osmanischen Reichs war. Durch den Friede von Bukarest (1812) kam es mit dem Budschak an das Russische Kaiserreich. Die Neuerwerbung wurde als Kolonisationsgebiet behandelt und zunächst dem Generalgouverneur von Neurussland zugeordnet. Alexander I. (Russland) rief in einem Manifest von 1813 deutsche Kolonisten ins Land, um die neu gewonnenen Steppen in Neurussland zu kolonisieren. Deutsche Auswanderer gründeten 1814 Tarutino als erste deutsche Kolonie in Bessarabien. Bei der Auswahl des Siedlungsortes war eine Wasserquelle entscheidend. Ursprünglich hieß der Ort auf Geheiß der russischen Ansiedlungsbehörde „Elisabeth“, später wurde er in Tarutino umbenannt, dem Ort der siegreichen Schlacht bei Tarutino der russischen Armee gegen die Franzosen im Russlandfeldzug 1812, einem Dorf im Gouvernement Kaluga. Die neu gegründete Ortschaft Tarutino gehörte zu den 24 bessarabiendeutschen Mutterkolonien. Sie wurden von Einwanderern gegründet, während Tochterkolonien später von Bewohnern der Mutterkolonien gegründet wurden.
Die deutschen Auswanderer, die sich hier 1814 niederließen, stammten vorwiegend aus dem norddeutschen Bereich. Darunter waren etwa 500 Personen aus Preußen, 250 aus dem Herzogtum Warschau und 90 aus Mecklenburg. Nur etwa 70 kamen mit dem Schwabenzug aus Süddeutschland. Daher wurde im Ort plattdeutsch gesprochen.
Ihre gute wirtschaftliche Entwicklung verdankt die Siedlung einem 1826 eingerichteten Wochenmarkt. Später gab es einen Getreide-, Pferde-, Wein- und Holzmarkt. Tarutino war die größte bessarabiendeutsche Ansiedlung in Bessarabien mit etwa 3.700 Bewohnern im Jahr 1940. Im Ort befanden sich zwei der drei höheren Schulen der Bessarabiendeutschen:
- Evangelisch-deutsches Mädchenlyzeum (Höhere Töchterschule), 1878 eröffnet
- Evangelisch-deutsches Knaben-Lyzeum, 1906 eröffnet
Die Siedlung gehörte bis 1918 zum Russischen Reich und kam dann zum Königreich Rumänien. Im Zuge der Besetzung Bessarabiens durch die Sowjetunion im Sommer 1940, gedeckt von dem Hitler-Stalin-Pakt, kam Tarutino an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (USSR). Die etwa 1.600 bessarabiendeutschen Ortsbewohner ließen sich im Herbst 1940 entsprechend einer deutsch-sowjetischen Vereinbarung unter dem Motto Heim ins Reich nach Hitler-Deutschland umsiedlen. Von 1941 bis 1944 war Tarutino, wie ganz Bessarabien, von Rumänien annektiert. Danach kam es wieder an die USSR. Seit 1991 ist sie ein Teil der unabhängigen Ukraine.
Am 19. September 2024 wurde die Siedlung mit Wirkung vom 26. September 2024 durch Beschluss der Werchowna Rada nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine 2022 im Rahmen der Ukrainisierung von Tarutyne auf den heutigen Namen Bessarabske umbenannt.[1]
Verwaltungsgliederung
Am 12. Juni 2020 wurde die Siedlung zum Zentrum der neugegründeten Siedlungsgemeinde Tarutyne (Тарутинська селищна громада/Tarutynska selyschtschna hromada), zu dieser zählen auch noch die Siedlungen städtischen Typs Beresyne und Serpnewe sowie die 13 in der untenstehenden Tabelle angeführten Dörfer,[2] bis dahin bildete sie die gleichnamige Siedlungsratsgemeinde Tarutyne (Тарутинська селищна рада/Tarutynska selyschtschna rada) im Zentrum des Rajons Tarutyne.
Seit dem 17. Juli 2020 ist sie ein Teil des Rajons Bolhrad.[3]
Seit 2024 trägt sie analog zum namensgebenden Dorf den Namen Siedlungsgemeinde Bessarabske (Бессарабська селищна територіальна громада/Bessarabska selyschtschna terytorialna hromada).
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Bessarabske Teil der Gemeinde:
| Name | |||
|---|---|---|---|
| ukrainisch transkribiert | ukrainisch | russisch | rumänisch |
| Jaroslawowe | Ярославове | Ярославово (Jaroslawowo) | Malu-Mic (Alt-Posttal) |
| Jarowe | Ярове | Яровое (Jarowoje) | Diulmeni |
| Kalatschiwka | Калачівка | Калачовка (Kalatschowka) | Colăceni |
| Krasne | Красне | Красное (Krasnoje) | Crasna (Krasna) |
| Luschanka | Лужанка | Лужанка | Catzbach (Katzbach) |
| Petriwsk | Петрівськ | Петровск (Petrowsk) | Petrești (Peterstal) |
| Pidhirne | Підгірне | Подгорное (Podgornoje) | Kulmea (Kulm) |
| Prykordonne | Прикордонне | Прикордонное (Prikordonnoje) | Malu-Mare (Wittenberg) |
| Riwne | Рівне | Ровное (Rownoje) | Cuporani |
| Serpnewe | Серпневе | Серпневое (Serpnewoje) | Leipțig, Leipzig |
| Slobidka | Слобідка | Слободка (Slobodka) | Minciuna |
| Soborne | Соборне | Соборное (Sobornoje) | Berezina (Beresina) |
| Suchuwate | Сухувате | Суховатое (Suchowatoje) | Curudgica (Kurudschika) |
| Wilne | Вільне | Вольное (Wolnoje) | Iserlia |
| Wynohradiwka | Виноградівка | Виноградовка (Winogradowka) | Ciuleni |
Ethnien
Gewerbe
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts siedelten sich im Dorf zahlreiche Industriebetriebe an, beispielsweise eine Tuchfabrik, Brauerei, Färberei, Spinnerei, Gießerei, Dampfmühle, Ziegelei, Druckerei sowie Molkereien. Im Einzelhandelsbereich gab es Läden für Schuhe, Glas, Kurzwaren, Leder, Banken, Buchhandel. Die Bessarabiendeutschen entwickelten ein kulturelles Leben mit Sport- und Bildungsvereinen.
Persönlichkeiten

- Guido Pingoud (1851–1914), von 1892 bis 1914 Generalsuperintendent für den Petersburger Konsistorialbezirk
- Andreas Widmer (1856–1931), bessarabiendeutscher Bauer und Politiker aus Wittenberg
- Lew Israilewitsch Gutenmacher (1908–1981), jüdischer Informatiker aus Tarutino, Pionier der Computertechnik
- Israel Gohberg (1928–2009), jüdischer Mathematiker aus Tarutino
- Lucian Pintilie (1933–2018), rumänischer Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor aus Tarutino
- Rolf Schill (1933–1992), deutscher Komponist und Kapellmeister
- Boris Winogradow (* 1948), russischer Politiker
Siehe auch
Weblinks
- Literatur zu Tarutino beim Bessarabiendeutschen Verein
- Kurzbeschreibung beim Bessarabiendeutschen Verein
- Ortsbeschreibung 1848 (englisch)
- Historische Kurzbeschreibung
- Heutige Fotos
- Datenliste der deutschen Auswanderer als Gründer von Tarutino


