Bestiensäule
Pfeiler mit Darstellung von Menschen und Tieren im Kampf
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Eine Bestiensäule (oft auch Bestienpfeiler) ist eine Säule bzw. ein Pfeiler mit einer plastischen Darstellung miteinander kämpfender Menschen und Tiere auf dem gesamten Schaft. Wichtigstes Kennzeichen ist, dass die Stützfunktion selbst völlig zurücktritt gegenüber dem eingearbeiteten Relief der über- und nebeneinander dargestellten und sich gegenseitig verschlingender Figuren. Sie galt aufgrund des zur Schau gestellten bildhauerischen Könnens schon zu ihrer Entstehungszeit als sehr kostbar. Diese gänzlich im Bildlichen aufgelöste romanische Säulenform blieb jedoch eine Seltenheit.
Beispiele
Das einzige deutsche Beispiel findet sich in der Krypta des Freisinger Doms. Auf drei Seiten der Säule kämpfen Ritter mit Drachen, die diese zu verschlingen drohen, in einem Fall ist nurmehr der Oberkörper noch zu sehen. Auf der vierten, der Ostseite der Freisinger Bestiensäule zeigt sich das Bild einer schönen Frau, die unbedrängt von den Bestien das aufgehende Licht aus dem Osten erwartet, dem Licht, das Jesus Christus als Erlöser bringt.
Weitere Bestienpfeiler finden sich an den ehemaligen Abteikirchen von Moissac und Souillac in Frankreich sowie in Lucca in Italien. Während die verschiedenartigen Bestien in Souillac sich gegenseitig beißen, ist dieses Motiv in Moissac ornamental abstrahiert zu einem formalen Überkreuzen und einer gleichmäßigen Übereinanderstaffelung der sechs gleichgearteten Tiere.
Bedeutung
Trotz des Mangels schriftlicher Quellen zu diesen Gestaltungsformen darf davon ausgegangen werden, dass Bestien in der mittelalterlichen Vorstellung eng verknüpft waren mit dem schlechthin Animalischen, Dämonischen, Bösen oder Teuflischen. In der christlichen Glaubenswelt symbolisieren andauernde Bedrohung des Menschen durch derartige Kräfte, zu denen auch die dem Christentum vorausgegangenen heidnischen Götterwelten gehörten, die fortbestanden und den „richtigen Glauben“ unterminierten. Böse Kräfte sollten durch ihre Spiegelung in figürlichen Darstellungen gebannt und vertrieben werden. Anstatt auf der gesamten Säule war es dabei weitaus üblicher sich auf deren Kapitellen zu beschränken und Bildfelder der romanischen Portale zu nutzen (wie später etwa auch die Wasserspeier gotischer Kathedralen),
- Die Bestiensäule in der Krypta des Freisinger Doms
- Kleiner Bestienpfeiler von Souillac
- Bestienkapitell in Aubeterre-sur-Dronne
Siehe auch
Literatur
- Anton Mayer, Otto Schmitt: Bestiensäule, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. 2, 1938, Sp. 366–371.