Bildschirmzeit
Zeit, die ein Nutzer vor einem Bildschirm verbringt
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Bildschirmzeit (englisch: „screen time“) ist die Dauer, die eine Person vor Bildschirmen verbringt, einschließlich Smartphones, Tablets, Computern, Fernsehern und Spielkonsolen, um digitale Inhalte zu konsumieren oder zu bedienen. Der Begriff „Bildschirmzeit“ wird in den Medienwissenschaften, der Pädagogik, der Public-Health-Forschung sowie in der Entwicklungs- und Gesundheitsmedizin verwendet.

Verbreitung
Studien zeigen, dass besonders Kinder und Jugendliche einen Großteil ihres Tages mit digitalen Medien verbringen. In einer Datenerhebung gaben Jugendliche an, allein am Smartphone durchschnittlich fast vier Stunden täglich aktiv zu sein, andere Geräte sind hier noch nicht mit einbezogen.[1]
Aspekte der Nutzung
Messung der Bildschirmzeit
Die Bildschirmzeit kann entweder durch Selbstauskünfte, Beobachtungen oder mithilfe technischer Funktionen auf den jeweiligen Endgeräten erfasst werden.[1] Sie lässt sich über Gerätefunktionen wie „Bildschirmzeit-Tracker“ objektiv erfassen oder durch Umfragen und Protokolle messen. Neuere Ansätze verfolgen zunehmend auch sensorbasierte Methoden, um das Nutzungsverhalten im Alltag besser zu erfassen.[2]
Unterschiedliche Nutzungsformen
Nicht jede Bildschirmnutzung ist gleich. Es gibt passive Aktivitäten wie Fernsehen oder scrollen in sozialen Medien, welche andere Effekte haben als das aktive Lernen mit Medien. Die Wirkung hängt stark vom Inhalt und Kontext der Nutzung ab.[3]
Gesundheitliche Auswirkungen
Körperliche Effekte
Exzessive Bildschirmzeit steht im Zusammenhang mit verschiedenen körperlichen Beschwerden. Hierzu zählen unter anderem die geringere körperliche Aktivität, welche das Risiko für Übergewicht erheblich erhöhen kann – insbesondere wenn Medien während der Mahlzeiten genutzt werden.[4] Außerdem kann langes Nahsehen und weniger Aufenthalt im Freien die Chancen für Kurzsichtigkeit erhöhen und die Augen stärker belasten.[5]
Psychische Gesundheit
Systematische Übersichten zeigen, dass ein höherer Bildschirmkonsum mit schlechterem psychischen Wohlbefinden bei Jugendlichen assoziiert wird, vor allem bei intensiver Nutzung sozialer Medien. Welches sich jedoch auf soziale Medien bezieht und nicht auf die Screen Time an sich.[6]
Effekte von Covid-19
In der Covid-19-Pandemie und in dem dazugehörigen Lockdown hat die Bildschirmnutzung stark zugenommen. Durchschnittliche Bildschirmzeiten sind von etwa acht Stunden pro Tag, auf circa zehn angestiegen.[7]
So zeigte eine Metaanalyse, dass die intensive Mediennutzung bei Jugendlichen zu einer geringeren mentalen Gesundheit führte. Allerdings muss auch in Betracht gezogen werden, dass die fortschrittliche Digitalisierung, welche vor allem durch die Pandemie stark vorangetrieben wurde, eine Rolle in der Bildschirmzeit spielt.[8] Auch die Kommunikation mit Freunden und Verwandten fand hauptsächlich über Messenger wie WhatsApp statt.[9] Insgesamt sind Medienbeschäftigungen mit am Beliebtesten unter Jugendlichen. Doch die Nutzung digitaler Medien war 2021, im Vergleich zum Vorjahr, sogar rückläufig, was zeigt, dass Jugendliche trotzdem noch anderen Hobbys, wie dem Treffen mit Freunden oder dem Betreiben von Sport nachgehen.[8]
Schlaf und Tagesrhythmus
Empfehlungen und Richtlinien

Gesundheitsbezogene Empfehlungen für die Bildschirmzeit existieren in vielen Ländern. Eine deutsche nationale Leitlinie empfiehlt, die Bildschirmnutzung bei Kleinkindern stark zu limitieren und altersabhängige Obergrenzen für ältere Kinder festzulegen. Beispielsweise maximal 30 Minuten täglich für Drei- bis Sechsjährige unter elterlicher Beobachtung.[11]
Internationale Berichte betonen zudem, dass es nicht nur auf die Dauer, sondern auch auf die Qualität der Bildschirmzeit ankommt. Daher empfehlen sie bildschirmfreie Zeiten, während Mahlzeiten oder vor dem Schlafengehen. Zudem unterstützen die Berichte die gemeinsame Nutzung zur Förderung der Medienkompetenz.[10]
Entwicklung und Bildung
Im Bildungs- und Berufsleben gehört die Bildschirmzeit mittlerweile zum Alltag, etwa im digitalen Unterricht, im Studium oder im Homeoffice. Um Vorteile digitaler Medien zu nutzen und gleichzeitig gesundheitliche Risiken zu reduzieren, sollte ein bewusster Umgang mit digitalen Technologien stattfinden.[12]
Gesellschaftliche Diskussion
Bildschirmzeit ist ein regelmäßig diskutiertes Thema in Familien, Gesundheitspolitik und der Öffentlichkeit. Dabei beschäftigen sie sich mit Themen wie geeigneten Grenzwerten, die Rolle der Eltern und Schulen, digitale Gestaltung von Freizeit und Lernen sowie die gesellschaftliche Verantwortung von Technologieanbietern.[13]