Birstein
Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis, Hessen, Deutschland
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Birstein ist eine Gemeinde am südlichen Fuß des Vogelsbergs und am nordöstlichen Rand des Main-Kinzig-Kreises im südöstlichen Hessen.

| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
| ||
| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 50° 21′ N, 9° 19′ O | |
| Bundesland: | Hessen | |
| Regierungsbezirk: | Darmstadt | |
| Landkreis: | Main-Kinzig-Kreis | |
| Höhe: | 286 m ü. NHN | |
| Fläche: | 86,61 km² | |
| Einwohner: | 6094 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 70 Einwohner je km² | |
| Postleitzahlen: | 63633, 63699 | |
| Vorwahlen: | 06054, 06668 | |
| Kfz-Kennzeichen: | MKK, HU, GN, SLÜ | |
| Gemeindeschlüssel: | 06 4 35 004 | |
| Gemeindegliederung: | 16 Ortsteile | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Carl-Lomb-Str. 1 63633 Birstein | |
| Website: | www.birstein.de | |
| Bürgermeister: | Fabian Fehl (SPD) | |
| Lage der Gemeinde Birstein im Main-Kinzig-Kreis | ||
Geografie
Geografische Lage
Birstein liegt am Südrand des Vogelsbergs, 13 km vom Kinzigtal entfernt und an dieses durch die B276 angebunden.
Die Gemeinde ist Teil des Main-Kinzig-Kreises, des Regierungsbezirkes Darmstadt und des Landes Hessen (Bundesrepublik Deutschland).
Die Kerngemeinde Birstein liegt bei 283 m über NHN. Der höchste Ortsteil der Gemeinde Birstein ist Völzberg mit 472 m über NHN und der topographisch höchste Punkt der gesamten Gemeindegemarkung ist das Völzberger Köpfchen mit 570,7 m über NHN.
Viele Gewässer entspringen in der Gemarkung und durchziehen sie:
- Der Reichenbach mit seinen Zuflüssen Riedbach und Sotzbach entwässert über die Bracht in die Kinzig und weiter über den Main in den Rhein.
- Ebenso fließt die westlich des Völzberger Köpfchens entspringende Salz, der Kinzig, dem Main und dem Rhein zu.
- Während die am Osthang des Völzberger Köpfchens entspringende Lüder über die Fulda der Weser zufließt.
Nachbargemeinden
Birstein grenzt im Norden an die Gemeinde Grebenhain (Vogelsbergkreis), im Nordosten an die Gemeinde Freiensteinau (Vogelsbergkreis), im Osten an die Städte Steinau an der Straße und Schlüchtern, im Süden an die Stadt Bad Soden-Salmünster, im Südwesten an die Gemeinden Brachttal und Wächtersbach sowie im Westen an die Gemeinde Kefenrod und die Stadt Gedern (beide Wetteraukreis).
| Grebenhain | Freiensteinau | |
| Kefenrod, Gedern | Steinau an der Straße, Schlüchtern | |
| Brachttal, Wächtersbach | Bad Soden-Salmünster |
Gemeindegliederung
Die Gemeinde besteht aus den 16 Ortsteilen Birstein, Bösgesäß, Böß-Gesäß, Fischborn, Hettersroth, Illnhausen, Kirchbracht, Lichenroth, Mauswinkel, Oberreichenbach, Obersotzbach, Unterreichenbach, Untersotzbach, Völzberg, Wettges und Wüstwillenroth.
Die Trennung von Bösgesäß (Bösgesäß I, umgangssprachlich „Preußisch-Bösgesäß“) und Bös-Gesäß (Bösgesäß II, umgangssprachlich „Hessisch-Bösgesäß“) ist schon für das ausgehende Mittelalter nachgewiesen. Damals wurde die durch den Ort fließende Bracht als Grenze zwischen den isenburgischen Gerichten Reichenbach und Wolferborn festgelegt. Die beiden Ortsteile liegen etwa 100 Meter auseinander.
Zum Ortsteil Hettersroth gehören noch die kleinen Wohnplätze Höfen, Birkenstöcke und Loosemühle. Aufgrund ihrer geringen Größe werden diese offiziell meist nicht explizit genannt.
Zur Kerngemeinde Birstein gehören noch die inoffiziellen Ortsteile Unterberg und Oberberg.
Geschichte

Ortsgeschichte
Das „castrum birsenstein“ (birsen = birschen, mit Spürhunden jagen) wurde 1279 erstmals urkundlich erwähnt. Die Herrschaft Birstein war fuldischer Besitz, hervorgegangen aus dem fuldischen Zent Reichenbach, und war zunächst an die Herren von Büdingen als Lehen gegangen. Von diesen hatten es die Herren von Trimberg geerbt, und im Jahre 1279 belehnte Fürstabt Bertho IV. Heinrich von Weilnau und dessen Frau Lukardis von Trimberg gemeinsam mit diesem Erbe ihrer Familie, dem „castrum birsenstein et Advochatiam in Richenbach“.
Graf Heinrich II. von Weilnau verlegte 1326 seinen Wohnsitz nach Birstein. Die Weilnauer Herrschaft in Birstein dauerte allerdings nicht lange. Bereits 1332 erwarb Heinrich II. von Ysenburg durch Heirat die Hälfte der Burg und Herrschaft Birstein, und 1438 ging der gesamte Rest, soweit er nicht bereits an die Herren von Stockheim oder die von Reifenberg gefallen oder verpfändet war, an Diether I. von Ysenburg, wiederum als fuldisches Lehen.
1552 ließ Graf Reinhard von Isenburg die Burg Birstein „zu einem Schloss ausbauen“, die seine Residenz wurde. Im Schloss wurde auch eine Kapelle eingerichtet. Eine wechselvolle Geschichte erlebte Birstein und die Isenburger Herrschaft während des Dreißigjährigen Krieges, mit einer Vertreibung 1635 und Rückkehr 1644[2]. In den Jahren 1684 und 1744 gab es in Birstein zwei Brandkatastrophen und am 27. Juni im Jahr 1767 ein großes Unwetter mit Hagel und Sturm. Aufgrund dieses letzteren Ereignisses verordnete Fürst Wolfgang Ernst II. von Isenburg jährlich am 27. Juni einen „Hageltag mit Arbeitsruhe und Gottesdienst“. Der Hageltag wurde in Birstein bis nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert.[2] 1744 wurde Graf Wolfgang Ernst I. von Isenburg-Birstein, durch Kaiser Karl VII. in den Reichsfürstenstand erhoben. Sein Nachfolger Fürst Wolfgang Ernst II. nahm in den Jahren 1764 bis 1768 einen umfassenden Ausbau des Schlosses zur heutigen Gestalt vor. In der Napoleonischen Zeit war das Fürstentum Birstein von 1806 bis 1815 Mitglied des Rheinbundes. 1815 kam das Fürstentum zu Österreich und 1816 aufgeteilt zum Großherzogtum Hessen und zum Kurfürstentum Hessen. 1840 veranlasste Prinzessin Crescentia von Isenburg den Bau einer katholischen Kapelle, die 1912–1914 durch die heutige Kirche ersetzt wurde.[2]
Zum 1. Februar 1971 fusionierten die bis dahin selbständigen Gemeinden Birstein, Bösgesäß, Fischborn und Kirchbracht im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur erweiterten Gemeinde Birstein.[3] Am 1. März 1971 kamen Hettersroth und Oberreichenbach hinzu.[4] Böß-Gesäß und Illnhausen folgten am 31. Dezember 1971.[5] Obersotzbach, Unterreichenbach und Untersotzbach wurden am 1. April 1972 aufgenommen. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung der damaligen Gemeinde Oberland kraft Landesgesetz am 1. Juli 1974 abgeschlossen.[6][7] Die ehemals selbstständigen Gemeinden von Oberland, Lichenroth, Mauswinkel, Völzberg, Wettges und Wüstwillenroth wurden Ortsteile von Birstein. Für das Gebiet jeder der früher selbstständigen 16 Gemeinden, die sich in der Gemeinde Birstein zusammengeschlossen haben, wurden je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[8]
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Birstein angehörte:[9][10]
- vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Isenburg-Birstein, Gericht Reichenbach (oder Birstein)
- ab 1806: Fürstentum Isenburg (Rheinbund), Gericht Reichenbach oder Birstein
- ab 1813: Generalgouvernement Frankfurt, Gericht Reichenbach
- ab 1815: Kaisertum Österreich, Gericht Reichenbach
- ab 1816: Kurfürstentum Hessen, Amt Wenings, Gericht Reichenbach
- ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Kreis Salmünster[Anm. 2]
- ab 1830: Kurfürstentum Hessen, Kreis Gelnhausen
- ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau
- ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Kreis Gelnhausen
- ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen
- ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen
- ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen
- ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Gelnhausen
- ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen
- ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen
- ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen
- ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis
Bevölkerung
Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Birstein 6317 Einwohner. Darunter waren 165 (2,6 %) Ausländer, von denen 92 aus dem EU-Ausland, 52 aus anderen europäischen Ländern und 21 aus anderen Staaten kamen.[11] (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 5,6 %.[12]) Nach dem Lebensalter waren 1086 Einwohner unter 18 Jahren, 2526 zwischen 18 und 49, 1479 zwischen 50 und 64 und 1227 Einwohner waren älter.[13] Die Einwohner lebten in 2484 Haushalten. Davon waren 582 Singlehaushalte, 723 Paare ohne Kinder und 902 Paare mit Kindern, sowie 219 Alleinerziehende und 58 Wohngemeinschaften.[14] In 468 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1611 Haushaltungen lebten keine Senioren.[13]
Einwohnerentwicklung
Quelle: Historisches Ortslexikon[9]
- 1514: 39 Zinsende[Anm. 3]
- 1551: 51 Zinsende
- 1606: 87 Untertanen
- 1655: 23 Haushaltungen
- 1766: 86 Mann
| Birstein: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1834 | 965 | |||
| 1840 | 1.015 | |||
| 1846 | 1.081 | |||
| 1852 | 1.114 | |||
| 1858 | 1.008 | |||
| 1864 | 974 | |||
| 1871 | 974 | |||
| 1875 | 1.041 | |||
| 1885 | 1.117 | |||
| 1895 | 1.065 | |||
| 1905 | 1.121 | |||
| 1910 | 1.111 | |||
| 1925 | 1.111 | |||
| 1939 | 1.042 | |||
| 1946 | 1.700 | |||
| 1950 | 1.784 | |||
| 1956 | 1.765 | |||
| 1961 | 1.732 | |||
| 1967 | 1.717 | |||
| 1970 | 1.704 | |||
| 1973 | 5.749 | |||
| 1975 | 5.740 | |||
| 1980 | 5.709 | |||
| 1985 | 5.840 | |||
| 1990 | 6.172 | |||
| 1995 | 6.406 | |||
| 2000 | 6.603 | |||
| 2005 | 6.588 | |||
| 2010 | 6.297 | |||
| 2011 | 6.317 | |||
| 2015 | 6.269 | |||
| 2020 | 6.191 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: [9]; Hessisches Statistisches Informationssystem[12]; Zensus 2011[11] Nach 1970 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte. | ||||
Religion
Die Bevölkerung der Gemeinde Birstein ist zu einem recht hohen Anteil evangelischer Konfession. Neben den fünf evangelischen Kirchen im Gemeindegebiet existieren eine katholische Kirche und weitere Glaubensgemeinschaften.
Juden und jüdische Gemeinden
1649 wird in Birstein ein erster Jude erwähnt, 1660 in Lichenroth und 1694 in Kirchbracht. Seit 1674 existierte eine jüdische Gemeinde in Birstein und seit 1679 ein jüdischer Friedhof. Er wurde von mehreren Ortschaften gemeinsam genutzt. 1853 lebten 99 Juden in Birstein, 60 in Fischborn und 95 in Lichenroth, entsprechend einem Fünftel der Bevölkerung[15]. Im Jahre 1925 machten Juden 10,4 % der Bevölkerung aus. In den ersten Jahren des Nationalsozialismus sah sich ein Großteil der Birsteiner Juden zur Auswanderung gezwungen. Schon vor 1933 hatten die meisten Juden die „Birsteiner Gemeinden verlassen und sind in deutsche Großstädte, nach Palästina, in die USA oder nach Großbritannien“[15] verzogen; 1937 wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst. Mindestens 26 der in Birstein geborenen oder ansässigen Juden wurden in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet[16], entsprechende Zahlen gelten auch für andere Ortsteile.
Zahlen zur Religionszugehörigkeit
| • 1885: | 883 evangelische (79,05 %), 130 katholische (= 11,64 %), 104 jüdische (= 9,31 %) Einwohner[9] |
| • 1961: | 1173 evangelische (= 67,84 %), 523 katholische (= 30,20 %) Einwohner[9] |
| • 1987: | 4774 evangelische (= 80,7 %), 824 katholische (= 13,9 %), 319 sonstige (= 5,4 %) Einwohner[17] |
| • 2011: | 4477 evangelische (= 70,9 %), 870 katholische (= 13,8 %), 970 sonstige (= 15,4 %) Einwohner[18] |
Politik
Gemeindevertretung
Die Kommunalwahl am 14. März 2021 lieferte folgendes Ergebnis,[19] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[20][21][22]
| Parteien und Wählergemeinschaften | % 2021 |
Sitze 2021 |
% 2016 |
Sitze 2016 |
% 2011 |
Sitze 2011 |
% 2006 |
Sitze 2006 |
% 2001 |
Sitze 2001 | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| SPD | Sozialdemokratische Partei Deutschlands | 38,6 | 10 | 27,3 | 7 | 33,5 | 9 | 36,9 | 9 | 34,7 | 11 | |
| CDU | Christlich Demokratische Union Deutschlands | 21,0 | 5 | 23,9 | 6 | 28,7 | 7 | 34,3 | 9 | 33,6 | 10 | |
| FBG | Freie Bürgergemeinschaft | 33,6 | 8 | 38,4 | 9 | 27,5 | 7 | 28,8 | 7 | 25,3 | 8 | |
| ABB | Aktive Bürger für Birstein | – | – | — | — | 5,5 | 1 | — | — | — | — | |
| FDP | Freie Demokratische Partei | 6,8 | 2 | 6,4 | 2 | 4,8 | 1 | — | — | — | — | |
| GRÜNE | Bündnis 90/Die Grünen | – | – | 4,1 | 1 | — | — | — | — | 6,5 | 2 | |
| gesamt | 100,0 | 25 | 100,0 | 25 | 100,0 | 25 | 100,0 | 25 | 100,0 | 31 | ||
| Wahlbeteiligung in % | 59,2 | 55,5 | 55,5 | 49,6 | 59,4 | |||||||
Bürgermeister

Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Birstein neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und zehn weitere Beigeordnete angehören.[23] Bürgermeister ist seit dem 1. April 2020 Fabian Fehl (SPD).[24] Er wurde als Nachfolger von Wolfgang Gottlieb, der nach vier Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte,[25] am 3. November 2019 in einer Stichwahl bei 61,9 Prozent Wahlbeteiligung mit 52,8 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl im Oktober 2025.[26]
- Amtszeiten der Bürgermeister[27]
Ortsbeiräte
Für alle Ortsteile und die Kerngemeinde besteht je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung.[8] Die Ortsbezirke sind durch die Gebiete der Ortsteile abgegrenzt. Die Ortsbeiräte bestehen aus drei bis fünf Mitgliedern. Deren Wahl erfolgt im Rahmen der Kommunalwahlen. Der Ortsbeirat wählt eines seiner Mitglieder zum Ortsvorsteher bzw. zur Ortsvorsteherin. Zur Zusammensetzung siehe die jeweiligen Stadtteile.
Ortsbeirat Ortsteil Birstein
Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 47,0 %. Dabei wurden gewählt: drei Mitglieder der „Freien Bürgergemainschaft“ (FBG), zwei Mitglieder der SPD.[30] Der Ortsbeirat wählte Peter Blumöhr (FBG) zum Ortsvorsteher.[31]

Wappen
Am 8. März 1979 wurde der Gemeinde Birstein vom Hessischen Innenministerium das Wappen genehmigt. Die Blasonierung lautet: „In Silber zwei schwarze Balken, belegt mit einem blauen schräglinks laufenden Wellenbalken und rechts oben mit einem Mühlrad in verwechselten Farben mit 16 Schaufeln“.[32]
Die zwei schwarzen Balken erinnern an die Isenburgische Geschichte der Region. Der blaue Wellenbalken ist ein Symbol des Wasserreichtums der Gemeinde, die aus 16 Ortsteilen besteht, entsprechend den 16 Schaufeln des Wasserrades.
Infrastruktur und Wirtschaft
Verkehrsanbindung
Straße
Birstein ist an das Autobahnnetz über die Bundesstraße 276, die zur Anschlussstelle Bad Orb/Wächtersbach der A 66 führt, angebunden.
Bahn
Vom Bahnhof Wächtersbach aus besteht Anschluss an die Bahnstrecke Frankfurt–Fulda. Der Bahnhof ist behindertengerecht ausgebaut. Der Regional-Express Fulda–Frankfurt (RE 50) verkehrt im Stundentakt, hinzu kommt die Regionalbahn Wächtersbach–Frankfurt (RB 51).
Fahrrad
Es besteht Anschluss an das Radwegenetz Hessen über den Vogelsberger Südbahnradweg, welcher durch Birstein führt. Auf diesem verkehrte bis 1967 die heute stillgelegte Vogelsberger Südbahn. Entlang des Radwegs wurden etliche Rastplätze mit Informationstafeln eingerichtet. Pedelecs können an mehreren kostenlosen Ladestationen wiederaufgeladen werden. Ein paar der Ladestationen sind auf der Website der Kreiswerke Main-Kinzig veröffentlicht. Viele weitere Ladestationen sind auf den Karten der Website GoingElectric.de zu finden.
Öffentlicher Nahverkehr
Die Buslinien MKK-71 und MKK-72 der Kreiswerke Main-Kinzig GmbH stellen eine stündliche Verbindung über die Orte Wächtersbach–Schlierbach–Neuenschmidten–Birstein dar. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.
Freiwillige Feuerwehr
In allen Ortsteilen der Großgemeinde Birstein gibt es Freiwillige Feuerwehren. Einzelne, kleinere Ortsteile wie Kirchbracht, Mauswinkel und Illnhausen, haben ihre diesbezügliche Aktivitäten zusammengeführt[33]. Die Zusammenarbeit der einzelnen Wehren erfolgt über die Gemeindeverwaltung und den Gemeindebrandinspektor.
Die Freiwillige Feuerwehr Birstein (Kernort) ist 1883 gegründet worden, 1969 folgte die Gründung der Jugendfeuerwehr Birstein. Die Stärke der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr beträgt derzeit 33 Kameraden und die der Jugendfeuerwehr auf 9 Personen. Die ebenfalls vorhandene Kinderfeuerwehr Birstein zählt 22 Kinder[34][35].
Die Einsatz- und Gefahrenschwerpunkte der Feuerwehr Birstein sind:
- Schloss Birstein,
- Behindertenwohnanlagen,
- Alten- und Pflegeheime,
- Sägewerk.
Kultur
Kindergärten
Birstein verfügt sowohl in der Kerngemeinde als auch in den Ortsteilen über Kindergärten:
- Kindertagesstätte Villa Kunterbunt mit Naturgruppe Im Schneckenwäldchen in Birstein, mit 85 Plätzen in drei Kindergruppen und einer Krippengruppe, betreut durch 10 Erzieherinnen.
- Kindertagesstätte Krabbelstube Löwenzahn in Birstein, mit 24 Plätzen
- Kindergarten Pusteblume in Birstein, mit 70 Plätzen
- Kindergarten Im Zauberwald in Birstein - Kirchbracht, mit 70 Plätzen für Kinder ab drei Jahren.
- Kindergarten Zwergenstübchen in Birstein-Lichenroth, mit 20 Plätzen für Kinder ab zwei Jahren.
- Der Naturkindergarten Lämmerschlupp in Birstein-Kirchbracht ist eine Kinderbetreuung von freien Trägern. Er bietet Platz für 20 Kinder ab zwei Jahren.
Schulen
Grundschule
Die Grundschule am Hasenwäldchen hat seinen Einzugsbereich: in der Großgemeinde Birstein und in Teilen von Brachttal und Bad Soden-Salmünster.
Weiterführende Schulen
In der Gemeinde gibt es die Haupt- und Realschule Birstein. Darüber hinaus ist Birstein an die Friedrich-August-Genth-Schule (kooperative Gesamtschule) in Wächtersbach, das Grimmelshausen-Gymnasium in Gelnhausen und die Henry-Harnischfeger-Schule (integrierte Gesamtschule) in Bad Soden-Salmünster angebunden.
Vereine
Dutzende von eingetragenen Vereinen in Birstein beleuchten das lebhafte Vereinswesen der Gemeinde und der Ortsteile. Unter ihnen sind:
- Wilde Kultur Birstein, von 2010,
- Naturschutzbund Deutschland e.V., NABU,
- Gesangverein Liedertafel e.V. von 1842,
- Geschichtsverein Birstein, von 1985,
- Gewerbe- und Verkehrsverein Birstein, von 1972,
- Kneipp-Verein Birstein e.V. von 1976
und viele mehr.
Veranstaltungen
- Birsteiner Festspiele
Der seit 2010 aktive Verein Wilde Kultur Birstein e.V. organisiert Freilichttheater und Musicals. Die Themen der Stücke kreisen schwerpunktmäßig um lokale Ereignisse und Personen. Aufgeführt wurden unter Anderen: „Der Raub des Seraphinenordens“ (2011/2012), „Der wilde Grimm“ (2016/2017).
- Birsteiner Markt
Alljährlich „am ersten Wochenende im September findet der traditionelle Birsteiner Markt statt“[36]. Er wird begleitet von einem Umzug mit geschmückten Festwagen und findet seinen Abschluss mit einem Höhenfeuerwerk.
Freizeit und Sport
Sportvereine
Viele Sportvereine prägen das Freizeitverhalten der Kommune. Unter ihnen sind[37]
- Angelverein Eisvogel e. V., von 1966
- Volleyball-Gemeinschaft Birstein e. V., von 1976
- Dart-Club Hotzenplotz, von 1983
- Tennisclub Blau Weiß e. V. von 1968
- SKC Sotzbach e. V., von 1986
- Schach-Club Sotzbach, von 1981
- SV Birstein, 1920 e. V.
- Tischtennisverein der KSG Unterreichenbach, von 1966.
Sporteinrichtungen
Sporteinrichtungen sind in allen Ortsteilen zu finden, so z. B.:
- Zwei Allwettertennisplätze und zwei Sandplätze bietet der Tennisclub Blau Weiß e. V.,
- Freizeitbad Birstein,
- Viele Sport- und Bolzplätze gibt es in den einzelnen Ortsteilen,
- Im Restaurant "Zum Alten Hofhaus" gibt es Kegelbahnen.
Wandern
Eine Reihe von Wander- und Radwegen sind um Birstein herum ausgewiesen, darunter:
- Der Vulkanring Vogelsberg, ein 125 km langer Wanderweg, der den Vogelsberg umrundet.
- Teich an der Salz – Dorfbrunnen Lichenroth Runde (5,3 km).
- Kleiner Löhren – Kleiner Hohberg Runde von Unterreichenbach, verbindet Unter- mit Oberreichenbach und Fischborn (13,2 km).
- Alter Wasserturm Runde von Mauswinkel (9,3 km)[38].
- Vogelsberger Südbahnradweg (33 km).
Sehenswürdigkeiten

- Schloss Birstein, seit 1517 Sitz des Grafen- und Fürstenhauses Isenburg, einem der ältesten Adelsgeschlechtern Europas.
- alter Ortskern von Birstein (Kirchgasse, Schlossstraße, Schulweg, Lauterbacher Straße), u. a. mit der ehemaligen Lateinschule (erbaut 1692), dem ehemaligen Amtsgericht (erbaut 1903) und dem ehemaligen Rathaus.
- evangelisches Pfarrhaus (erbaut 1556).
- evangelische Kirche Birstein (erbaut 1914) nebst Begräbnisstätte des Fürstenhauses Isenburg[39].
- evangelische Kirche Birstein-Unterreichenbach (erbaut 1748), auch „Vogelsberger Dom“ genannt.
- katholische Kirche Mariae Heimsuchung, Birstein (erbaut 1914).
- Sotzbacher Feuerwehrscheune, das einzige Feuerwehrmuseum seiner Art im Main-Kinzig-Kreis.
- Naturlehrpfad „Graf-Dietrich-Weiher“ in Birstein-Fischborn, der den Besuchern die Flora und Fauna des 1980 gegründeten Naturschutzgebiets rund um den Graf-Dietrich-Weiher näherbringt.
- Lehrpfad „Der Weg des Wassers“ in Birstein-Fischborn, welche den Weg des Trinkwassers aus dem Vogelsberg nach Frankfurt am Main rekonstruiert.
- Durch das Stadtgebiet verläuft der BahnRadweg Hessen. Auf ehemaligen Bahntrassen führt er ca. 250 km durch Vogelsberg, Wetterau, das Schlitzerland, den Landkreis Hersfeld-Rotenburg, das grenznahe Thüringen, die Rhön, Fulda und durch Teile des Kinzigtals.
- Lokomotiv-Denkmal der letzten verbliebenen Diesellok VL13, welche bis 1967 auf der Vogelsberger Südbahn zwischen Wächtersbach, Birstein und Hartmannshain verkehrte.

Persönlichkeiten
Töchter und Söhne der Gemeinde
- Johann Winter von Güldenborn (* 1595 in Birstein – 1668), Militär und Verwaltungsbeamter in kurmainzisch-kurpfälzischen Diensten
- Philipp Ludwig Fabricius (* 1599 in Birstein – 1666), Jurist und hessen-darmstädtischer Rat, Vizekanzler und Kanzler
- Wilhelm Moritz II. zu Ysenburg-Philippseich (* 1688 in Birstein – 1772), kurpfälzischer Generalleutnant und erster Herrscher über die Grafschaft Isenburg-Philippseich
- Carl Philipp Kopp (* 1728 in Birstein – 1777), Jurist, Hessischer Geheimer Rat und Oberappellationsgerichts-Direktor
- Carl Friedrich Ludwig Moritz von Isenburg-Birstein (* 1766 in Birstein – 1820), Fürst zu Isenburg und Büdingen, souveräner Fürst des Rheinbund-Staates Fürstentum Isenburg von 1806 bis 1815
- Walter Kautz (1803–1874), Schultheiß und Mitglied der kurhessischen Ständeversammlung
- Wilhelm Einschütz (* 1816 in Birstein – 1875), Bürgermeister und Mitglied der Zweiten Kammer der kurhessischen Ständeversammlung.
- Fürst Karl II. zu Isenburg-Birstein (* 1838 in Birstein – 1899), Chef des hochadeligen Hauses Isenburg-Birstein, Standesherr und Mitglied des Preußischen Herrenhauses sowie der Ersten Parlamentskammer der Landstände des Großherzogtums Hessen.
- Antonia Pilars de Pilar, geborene Freiin von Oer-Egelborg (* 10. April 1872 in Birstein – 1946), Hofdame der Herzogin Marie Antoinette von Mecklenburg-Schwerin (1884–1944), verheiratet mit dem Schriftsteller Ladislaus Pilars de Pilar.
- Wilhelm Ziegler (* 1891 in Birstein – 1962), deutscher Theologe, Publizist, Historiker und Ministerialbeamter.
- Fritz Maubach (* 1912 in Birstein; † 1963 in Eichenzell), Sohn des ehemaligen fürstlichen Hofapothekers Andreas Maubach. Schriftsteller, schrieb 1947 das Buch „Die Zwingburg“, in dem er seine Birsteiner Jugendjahre beschrieb. Zudem veröffentlichte er unter dem Pseudonym Caspar Reiserecht (zum Beispiel „Rhön von allen Seiten“ und „Heimstatt der leichten Muse“). Er war wie sein Vater Apotheker, arbeitete später als Redakteur und war als solcher auch Berichterstatter bei den Nürnberger Prozessen.
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten
- Anton Praetorius (1560–1613), reformierter Theologe, wirkte von 1596 bis 1598 als Hofprediger in Birstein
- Friedrich Karl von Buri (1702–1767), Jurist und Diplomat, Hof-, regierungs- und Konsistorialrat in Birstein
- Friedrich von Oer (1842–1896), Oberer Kämmerer des Fürsten Ysenburg.
- Siegfried Theimer (1926–2004), Industrieller, wirkte im Ortsteil Obersotzbach als Produzent in der grafischen Industrie.[40] Seit 1991 Träger des Bundesverdienstkreuzes.[41]
Literatur
- Martin Zeiller: Bierstein. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Hassiae et Regionum Vicinarum (= Topographia Germaniae. Band 7). 2. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1655, S. 24–25 (Volltext [Wikisource]).
- Literatur über Birstein nach GND In: Hessische Bibliographie
- Literatur von und über Birstein im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Weblinks
- Birstein, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Linkkatalog zum Thema Birstein bei curlie.org (ehemals DMOZ)
