Biskuithalle
Industrie- und später Veranstaltungs- und Diskothekenhalle im Bonner Stadtteil Dransdorf an der Siemensstraße
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Die Biskuithalle war eine ehemalige Industrie- und spätere Veranstaltungs- und Diskothekenhalle im Bonner Stadtteil Dransdorf an der Siemensstraße. Zwischen Mitte der 1980er-Jahre und dem Ende der 1990er-Jahre entwickelte sie sich zu einer prägenden Konzert- und Party-Location Bonns. Sie erlangte überregionale Bedeutung für Musik-, Club- und Subkulturen.[1]

Geschichte
Industriezeit (1896–1984)
Das Gebäudeensemble entstand ab 1896 als Produktionsstätte der Wessel’s Wandplattenfabrik AG Bonn. Es handelte sich um eine Ausgliederung der Porzellan- und Steingutfabrik Ludwig Wessel. In den Hallen wurden Wand- und Keramikfliesen hergestellt. Diese wurden unter anderem im sogenannten Biskuitbrand gefertigt. Dabei handelte es sich um ein unglasiertes Brennverfahren. Nach diesem Verfahren wurde der spätere Name der Halle gewählt.[2] Das Unternehmen exportierte seine Produkte zeitweise weltweit. Lieferziele umfassten unter anderem Afrika, Australien sowie Inselstaaten wie Tahiti und Madagaskar.[2] 1984 wurde die industrielle Produktion eingestellt. Die Gebäude standen anschließend leer.
Umwandlung zur Veranstaltungsstätte 1985
Ein Jahr nach der Stilllegung pachteten die Bonner Veranstalter Peter Kral und Ernst-Ludwig Hartz die Hallen und ließen sie zu einer großflächigen Veranstaltungsstätte umbauen. Hintergrund war das Fehlen größerer Konzertorte in Bonn nach der Schließung etablierter Spielstätten wie der Rheinterrassen.[2] Die Biskuithalle eröffnete am 12. Mai 1985. Das Eröffnungskonzert bestritt die britische Band The Sisters of Mercy.[1] Charakteristisch waren die für damalige Verhältnisse außergewöhnliche technische Ausstattung. Dazu zählten eine auf Schienen bewegliche Bühne, fahrbare Traversen sowie eine leistungsstarke Licht- und Tonanlage. Die Kapazität lag bei bis zu 3.000 Besuchern.[3]
Blütezeit in den 1980er- und 1990er-Jahren
In den folgenden Jahren etablierte sich die Biskuithalle als fester Bestandteil des Bonner Nachtlebens. Regelmäßige Discoabende fanden mittwochs, freitags und samstags statt. Insbesondere der Mittwoch entwickelte sich mit günstigen Eintrittspreisen und Getränken zu einem Kulttermin. Wöchentlich kamen mehrere Tausend Besucher.[1] Zeitzeugen berichteten von langen Warteschlangen vor dem Eingang, insbesondere an Konzert- und Discotagen.[4]
Das musikalische Spektrum reichte von Dark Wave, New Wave und Post-Punk über Rock, Pop und Neue Deutsche Welle bis hin zu Industrial, Electronic Body Music und frühem Techno. In den 1990er-Jahren traten auch frühe Techno-DJs wie Westbam, Sven Väth, Marusha und Carl Cox auf.[1]
Neben Clubnächten fanden regelmäßig Mottopartys, Schaumpartys, Poolpartys, Miss-Wahlen sowie Kunst- und Performance-Acts statt. Die Halle war zudem Austragungsort von Flohmärkten, Motorradtreffen, Tattoo-Conventions und Kunstausstellungen.[3]
Die Biskuithalle war überregional für ihr dichtes Konzertprogramm bekannt. Zu den auftretenden internationalen Künstlern zählten unter anderem Ozzy Osbourne, Backstreet Boys, Iggy Pop, The Ramones, Red Hot Chili Peppers, Bob Geldof und Public Enemy.[1][3] Auch bekannte deutsche Künstler wie Die Toten Hosen, Rammstein, Herbert Grönemeyer, Rio Reiser und BAP traten auf.[2][4]
Darüber hinaus diente sie als Veranstaltungsort oder Ausgangspunkt mehrerer Festivalreihen. Dazu gehörte unter anderem das Bonn Blues Festival.[1][5]
Niedergang und Umbenennungen
In den 1990er-Jahren nahm der Konkurrenzdruck durch größere Veranstaltungsorte im Raum Köln zu. Ende 1998 wurde der Betrieb der Biskuithalle eingestellt.[1] Der damalige Betreiber Peter Kral hatte bereits zuvor auf wirtschaftliche Schwierigkeiten hingewiesen. 1998 wurde schließlich ein Konkursverfahren gegen ihn eröffnet.[2]
Ab 2001 versuchten wechselnde Betreiber, den Standort unter neuen Namen weiterzuführen. Die Halle firmierte zunächst als Exx-Nacht-Erlebniswelt. Später wurde sie als Keksdose betrieben. Zuletzt trug sie den Namen Viva Palace.[6] 2005 gab es im damaligen Viva Palace einen Brand, bei dem die Polizei von Brandstiftung ausging und einen Schaden von rund 80.000 Euro feststellte.[7] 2008 endete der Pachtvertrag endgültig. Der vordere Teil des Gebäudes wurde abgerissen. Der hintere Hallenbereich stand nicht mehr für Veranstaltungen zur Verfügung.[6]
Erinnerung und Revival
Seit 2012 finden regelmäßige „Biskuithallen-Revival-Partys“ im Brückenforum im Bonner Stadtteil Beuel statt. Sie werden von Jürgen Harder organisiert, der zuvor viele Jahre in der Biskuithalle tätig war.[4] An den Revival-Veranstaltungen nahmen teils rund 1000 Besucher teil.[4]