Bisphenol F

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Bisphenol F (kurz BPF) ist eine aromatische organische Verbindung aus der Gruppe der Diphenylmethan-Derivate und eines der Bisphenole. In BPF sind die beiden aromatischen Ringe durch eine Methylengruppe (CH2) verbunden.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformel von BPF
Allgemeines
Name Bisphenol F
Andere Namen
  • Bis(4-hydroxyphenyl)methan
  • 4,4′-Methylenbisphenol
  • 4,4′-Methylendiphenol
Summenformel C13H12O2
Kurzbeschreibung

rötlich-kristalliner Feststoff[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 210-658-2
ECHA-InfoCard 100.009.691
PubChem 12111
ChemSpider 11614
Wikidata Q9658061
Eigenschaften
Molare Masse 200,20 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

162–164 °C[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[1]
Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 315319335
P: 261264271280302+352304+340305+351+338312321332+313337+313362403+233405501[1]
Toxikologische Daten

4,950 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)[1]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Verwendung

BPF wird zur Herstellung von Epoxidharzen und -beschichtungen verwendet, die in der Industrie eingesetzt werden, um die Dicke und Haltbarkeit von Materialien zu erhöhen, wie in:[3][3][4]

BPF-Epoxidharze werden auch für verschiedene Verbraucherprodukte eingesetzt:[3]

  • Beschichtungen
  • Lacke
  • Lebensmittelverpackungen, beispielsweise Beschichtungen von Getränke- und Konservendosen

Im zahnmedizinischen Bereich werden BPF-Epoxidharze in oder für Dentalmaterialien verwendet: als Restaurationsmaterial, für Auskleidungen, als Klebstoff, zur Herstellung von Prothesen und Gewebeersatzstoffen.[3]

Verstoffwechselung und Toxizität

Studien haben gezeigt, dass BPF primär in Phase-II-Biotransformationsreaktionen glucoronidiert und sulfatiert wird,[4][5][6] wobei die Art der Verstoffwechselung jeweils vom Zelltyp abhängig ist. In Zellmodellen entstanden in einer humanen Hepatomzelllinie (HepG2) hauptsächlich die entsprechenden Sulfate, wohingegen in Hepatozyten sowohl Sulfate als auch Glucuronide gebildet wurden.[6] Darüber hinaus entstehen in Phase-I-Biotransformationsreaktionen verschiedene hydroxylierte BPF-Metaboliten, darunter hauptsächlich meta-hydroxyliertes BPF, ortho-hydroxyliertes BPF und 2,4-Dihydroxybenzophenon (DHB).[5][7] Diese Stoffwechselwege sind P450-abhängig.[5]

In einer an Ratten durchgeführten Studie wurden BPF und seinen Metaboliten innerhalb von 96 Stunden zu 43–54 % der Dosis über den Urin und 15–20 % über den Kot ausgeschieden; der Rest der verabreichten Dosis verblieb in verschiedenen Organen der Ratte und wurde hauptsächlich im Lumen des Verdauungstrakts und in der Leber wiedergefunden. Bei trächtigen Ratten wurde BPF auch in Gebärmutter, Plazenta, Fruchtwasser und Feten gefunden, was darauf hinweist, dass BPF die Plazentaschranke zu passieren vermag.[4] Eine weitere Ratten-Studie zeigte als hauptsächlichen Effekt eine Lebertoxizität.[8]

Eine Übersichtsarbeit zur hormonellen Aktivität der Bisphenole A, S und F fand in vier von fünf in-vivo-Studien Berichte über estrogene, androgene und thyroidogene Wirkungen für BPF.[3] In-vitro-Studien zu BPF zeigten Effekte wie Zytotoxizität, zelluläre Dysfunktion, DNA-Schädigung und Chromosomenaberration.[3]

Vorkommen und Freisetzung

BPF konnte in der Umwelt und in Lebensmittelkontaktmaterialien nachgewiesen werden.[9]

BPF kommt in Senf vor, es entsteht dort als Abbauprodukt des natürlich vorkommenden Glucosinalbin.[10] Das Bundesinstitut für Risikobewertung schätzt mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die daraus resultierende Exposition als unwahrscheinlich ein.[9] Weiterhin kommt BPF in den Knollen bestimmter Orchideenarten vor.[11]

Einzelnachweise

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