Bitterer Reis

Film von Giuseppe De Santis (1949) From Wikipedia, the free encyclopedia

Bitterer Reis ist ein italienischer in schwarzweiß gedrehter Soielfilm von Giuseppe De Santis aus dem Jahr 1949, der dem italienischen Neorealismus zugeordnet wird. Der Film schildert nicht nur die amourösen Verwicklungen zwischen zwei Paaren, sondern zeigt vor allem auch ein Beispiel für den Klassenkampf in einer Gesellschaft, die durch weit verbreitete Armut geprägt ist und sich noch lange nicht vom Zweiten Weltkrieg erholt hat.

TitelBitterer Reis
OriginaltitelRiso amaro
ProduktionslandItalien
OriginalspracheItalienisch
Schnelle Fakten Titel, Originaltitel ...
Film
Titel Bitterer Reis
Originaltitel Riso amaro
Produktionsland Italien
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 1949
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Giuseppe De Santis
Drehbuch Corrado Alvaro
Giuseppe De Santis
Carlo Lizzani
Carlo Musso
Ivo Perilli
Gianni Puccini
Produktion Dino De Laurentiis
Musik Goffredo Petrassi
Kamera Otello Martelli
Schnitt Gabriele Varriale
Besetzung
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Im Jahr 2008 wurde Bitterer Reis auf die vom italienischen Kulturministerium offiziell gebilligte Liste der „100 erhaltenswerten italienischen Filme“ aufgenommen. Diese entstanden zwischen 1942 und 1978 und sollen das kollektive Gedächtnis Italiens maßgeblich geprägt haben.[1]

Hintergrund

In seinem gesellschaftskritischen Spielfilm vermischt De Santis die Arbeitswelt der italienischen Arbeiterinnen auf den Reisfeldern und ihren Klassenkampf mit Elementen des Gangsterfilms und der Melodramatik. Dabei spielen die Musik (der Film enthält einige Boogie-Woogie-Tanzszenen) und der Gesang der Frauen bei der Feldarbeit eine wichtige Rolle, um einen Bezug zur Realität herzustellen. (Das berühmte Partisanenlied „Bella ciao“ hat seinen Ursprung in den padanischen Reisfeldern.[2]) Dabei fiel die Wahl nicht zufällig auf die Reisarbeiterinnen, die mit harten Arbeitsbedingungen zu kämpfen hatten, denn die realen Vorbilder mussten oft über mehrere Monate im Wasser in der heißen Sonne stehend schuften, um am Ende schlecht entlohnt ihre Heimreise anzutreten. Diese sogenannten „Mondine“ nahmen zudem eine Vorreiterrolle in der italienischen Arbeiterbewegung ein, da sie bereits in einer Gewerkschaft organisiert waren und einen Achtstundentag eingeführt hatten. Ihre Solidargemeinschaft nahm De Santis sich zum Vorbild, um sie in seinem Film besonders herauszustellen.[3]

Der Film kam am 27. Oktober 1950 in die deutschen Kinos.

Handlung

Ein Juwelendieb Walter ist mit seiner Beute auf der Flucht vor den Gesetzeshütern. Er bittet seine Freundin Francesca, das Raubgut für ihn zu verstecken und sich unauffällig unter die Saisonarbeiterinnen zu mischen, die auf dem Weg zu einer Reispflanzung in der Po-Ebene sind. Unter diesen befindet sich auch Silvana, die von einem Leben im Luxus träumt und lieber Tänzerin wäre, als die harte Arbeit auf den Feldern auszuführen. Silvana findet bald heraus, dass Francesca etwas zu verbergen hat. Walter folgt den Frauen in den Norden und wird von Francesca abgewiesen, die sich inzwischen in den Unteroffizier Marco verliebt und sich mit den Arbeiterinnen solidarisiert hat. Walter gewinnt Silvana mit falschen Versprechungen als Komplizin für seinen Plan, den für die Bezahlung der Arbeiterinnen vorgesehenen Reis zu stehlen.[3]

Silvana flutet während der großen Abschiedsfeier absichtlich die Felder, um alle abzulenken, damit Walters Komplizen den Reis unbemerkt auf Lastwagen abtransportieren können. Die bleiben jedoch im Schlamm stecken. Francesca, die vom Diebstahlsplan erfahren hat, bittet Marco um Hilfe; in einem Schlachthaus kommt es zur Konfrontation mit Silvana und Walter. Letzterer verletzt Marco und wird selbst von Francesca angeschossen. Als diese offenbart, dass der geraubte Schmuck, den Walter Silvana als Liebespfand geschenkt hat, falsch ist, schießt sie auf ihn, und er wird im Fallen von einem Fleischerhaken aufgespießt.[4] Danach nimmt sie sich durch einen Sprung von einem hölzernen Gerüst das Leben.

Kritik

„Eines der bekanntesten Werke des italienischen Neorealismus, das 1949 zu einem Skandal führte, weil es die leidenschaftlichen Verwicklungen realistisch einfing. Der in der Schauspielerführung miserable Film enthält sich jeder geistig-moralischen Bewertung; er überzeugt jedoch immer noch durch seine exemplarisch schöne Bildgestaltung.“

Lexikon des internationalen Films[5]

„Seinen großen Publikumserfolg verdankte der Film indessen eher Äußerlichkeiten – den leichtgeschürzten Arbeiterinnen, der erotischen Ausstrahlung seiner Hauptdarstellerin. In der Umgangssprache in der Bundesrepublik galt ‚Bitterer Reis‘ geraume Weile als Synonym für überproportionierte Busen. So geriet in den Ruch des Spektakels, was trotz mancher Kolportage-Elemente im Ansatz ein realistisches Stück Sozialkritik war.“

Reclams Filmführer[6]

Nominierungen

Synchronisation

Neben der bekannteren Kinofassung von 1950, die auf der 2015 erschienenen DVD enthalten ist, existiert auch eine zweite Synchronisation, die 1984 im Auftrag der ARD erstellt wurde.[9]

Weitere Informationen Rolle, Darsteller ...
Rolle Darsteller Synchronsprecher 1950[10] Synchronsprecher 1984[11]
FrancescaDoris DowlingElisabeth RiedInken Sommer
MarcoRaf ValloneMax EckardThomas Danneberg
SilvanaSilvana ManganoGisela TroweRita Engelmann
WalterVittorio GassmanFriedrich JoloffChristian Brückner
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Trivia

  • Der Schenkel-Skandal

Die Arbeiterinnen im Reisfeld raffen ihre Kleider, um sie nicht mit Schlamm zu beschmutzen. Dadurch sind in etlichen Szenen weibliche Oberschenkel zu sehen, was 1949 noch als unerhört galt.[12][13] Silvana Mangano wurde dadurch jedenfalls zu einem der ersten Sexsymbole der Nachkriegszeit.[14]

  • Irrtum

Viele Beschreibungen des Films geben an, dass der Film während der Reisernte spiele.[12] Tatsächlich findet die Handlung jedoch während der Pflanzung[15] im Mai statt. Der im Lager vorhandene Reis stammt aus dem Vorjahr und ist zur Bezahlung der Frauen vorgesehen. Jede Arbeiterin soll davon ein Kilo pro Arbeitstag erhalten.

  • Filme nach dem Vorbild von Bitterer Reis
    • In den 1950er Jahren versuchte man in Italien mit ähnlich gelagerten Filmen wie Die Frau vom Fluß (1955) und Das Reismädchen (1956) an den Erfolg von Bitterer Reis anzuknüpfen. In die Fußstapfen von Silvana Mangano traten Sophia Loren und Elsa Martinelli.
    • 1956 drehte der deutsche Regisseur Hans Heinz König den Film Heiße Ernte. In der Nähe von Tettnang während der Hopfenernte angesiedelt, lehnt sich das als Heimatfilm angelegte Leidenschaftsdrama deutlich an Bitterer Reis an. König-Schwägerin Edith Mill war in der Rolle der Landarbeiterin Auschra zu sehen. Produzent war Richard König.

Einzelnachweise

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