Blockumfahrung

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Eine Blockumfahrung ist eine Verkehrsführung, bei der Fahrzeuge oder Linienverkehre einen Straßenblock vollständig umrunden, um die Fahrtrichtung zu wechseln oder ein Ziel zu erreichen. Der Begriff wird insbesondere im öffentlichen Personennahverkehr verwendet, wo Blockumfahrungen häufig als platzsparende Wendemöglichkeit für Busse oder Straßenbahnen dienen.

Zeichen 590-10 StVO: Blockumfahrung

Blockumfahrungen kommen vor allem in dicht bebauten innerstädtischen Gebieten zum Einsatz, in denen für klassische Wendeanlagen wie Wendeschleifen oder Wendefahrbahnen kein ausreichender Raum zur Verfügung steht. Sie stellen damit eine betriebliche und infrastrukturelle Lösung dar, um Linienverkehre auch unter beengten räumlichen Bedingungen aufrechtzuerhalten.

Zweck und Funktion

Blockumfahrungen ermöglichen es, Fahrzeuge ohne aufwendige bauliche Anlagen zu wenden oder indirekte Fahrbeziehungen herzustellen. Im öffentlichen Personennahverkehr dienen sie vor allem dazu, Linienendpunkte flexibel zu gestalten, wenn Flächen für eigene Wendeanlagen fehlen oder nicht wirtschaftlich bereitgestellt werden können.

Darüber hinaus können Blockumfahrungen dazu beitragen, bestehende Straßenräume effizient zu nutzen. Sie vermeiden zusätzliche Flächeninanspruchnahme und lassen sich häufig in bestehende Netze integrieren. Gleichzeitig erfordern sie eine sorgfältige Abstimmung mit anderen Nutzungen des Straßenraums, etwa ruhendem Verkehr oder Lieferverkehr sowie nicht-verkehrlichen Ansprüchen wie dem Lärmschutz.

Anwendung im ÖPNV

Im öffentlichen Personennahverkehr werden Blockumfahrungen vor allem als Ersatz für Wendeanlagen eingesetzt. Ein Bus oder eine Straßenbahn fährt dabei am Linienende nicht in eine Schleife oder Wendeanlage ein, sondern umrundet einen nahegelegenen Häuserblock und nimmt anschließend die Gegenrichtung wieder auf.

Diese Form der Wende wird auch als Schleifenfahrt bezeichnet. Sie kommt insbesondere in folgenden Situationen vor:

  • Endpunkte in dicht bebauten Quartieren; meist gewachsene Stadtstrukturen mit engen Straßenräumen
  • Generell bei fehlendem Platz für Wendeschleifen oder Wendefahrbahnen
  • Temporäre Linienführungen, etwa bei Baustellen

Bei Straßenbahnen ist die Blockumfahrung vor allem bei Systemen mit Einrichtungsfahrzeugen relevant, wenn keine Gleisschleife vorhanden ist. Alternativ könnten auch Zweirichtungsfahrzeuge eingesetzt werden, die keine Wende durch Umfahrung benötigen.

Anforderungen an die Gestaltung und den Betrieb

Damit eine Blockumfahrung im Betrieb zuverlässig funktioniert, müssen bestimmte Anforderungen erfüllt sein:

  • Freigehaltene Fahrbereiche, insbesondere in Kurven
  • Ausreichend große Kurvenradien an den Knotenpunkten für die eingesetzten Fahrzeuge
  • Möglichst konfliktarme Führung im Mischverkehr
  • Geeignete Lage von Haltestellen vor oder nach der Umfahrung

Insbesondere parkende Fahrzeuge oder Lieferverkehre können die Befahrbarkeit einschränken und müssen daher bei der Planung berücksichtigt werden. Zudem finden Blockumfahrungen meist durch das Nebenstraßennetz statt, sodass Konflikte mit vulnerablen Verkehrsteilnehmenden (Fußverkehr, Radverkehr) ausgeschlossen werden müssen. Da Nebenstraßen vorrangig gesunde Lebensverhältnisse sicherstellen sollen, ergeben sich darüber hinaus besondere Anforderungen z. B. an den Lärmschutz.

Blockumfahrungen beeinflussen auch den Betrieb des öffentlichen Personennahverkehrs. Durch die zusätzliche Fahrstrecke verlängern sich in der Regel die Umlaufzeiten der Fahrzeuge, was sich auf Fahrpläne und Taktungen auswirken kann.

Gleichzeitig bieten sie betriebliche Flexibilität, da sie oft ohne aufwendige Infrastruktur eingerichtet oder angepasst werden können. Dies ist insbesondere bei temporären Änderungen, etwa im Zuge von Baustellen oder Linienanpassungen, von Vorteil.

Bei der Planung sind zudem Aspekte wie Wendezeiten, Aufenthaltsmöglichkeiten für Fahrpersonal sowie die Lage von Endhaltestellen zu berücksichtigen. In der Praxis zeigt sich dahingehend beispielsweise, dass Blockumfahrungen besondere Herausforderungen bei der Angebotsgestaltung und der Fahrgastinformation bedeuten, sofern sich innerhalb der Blockumfahrung Haltestellen befinden. Diese Haltestellen können aufgrund der Betriebsform nur in einer Richtung angefahren werden. Da sich davor oder dahinter eine Endhaltestelle mit entsprechenden Aufenthaltszeiten befindet, sind Streckenabschnitte innerhalb von Blockumfahrungen oft für durchfahrende Fahrgäste unattraktiv.

Beispiel einer Blockumfahrung

Ein typisches Beispiel ist eine Buslinie, die in einem innerstädtischen Wohngebiet endet. Da am Endpunkt keine Fläche für eine Wendeschleife vorhanden ist, wird die Linie über mehrere Straßenzüge um einen Häuserblock geführt.

Nach dem Ausstieg der Fahrgäste an der Endhaltestelle fährt der Bus weiter, biegt in die umliegenden Straßen ein und kehrt nach einer vollständigen Umfahrung wieder zur Ausgangsstraße zurück. Dort beginnt die Fahrt in Gegenrichtung.

In der Praxis kann es erforderlich sein, in einzelnen Abschnitten Parkstände zu entfernen oder Halteverbote einzurichten, um die Befahrbarkeit für den Bus sicherzustellen.

Anwendung im motorisierten Individualverkehr

Auch im motorisierten Individualverkehr wird das Prinzip der Blockumfahrung eingesetzt, allerdings mit anderer Zielsetzung. Hier dient sie dazu, indirekte Fahrbeziehungen zu ermöglichen, wenn ein direktes Abbiegen – insbesondere Linksabbiegen – nicht vorgesehen oder nicht möglich ist.

Fahrzeuge werden dabei zunächst in eine andere Richtung geführt und erreichen ihr Ziel über mehrere Abbiegevorgänge, indem sie einen Häuserblock umrunden. Diese Form der Verkehrsführung kann dazu beitragen, konfliktträchtige Abbiegevorgänge zu reduzieren und den Verkehrsfluss auf Hauptstraßen zu verbessern.

In der Vergangenheit wurde unter den Prinzipien der autogerechten Stadt die Blockumfahrung oft verwendet, um Fahrzeugpulks entlang von grünen Wellen nicht von bedingt-verträglich linksabbiegenden Fahrzeugen stören zu lassen. In diesem Fall wurde das Linksabbiegen an der Stelle verboten und stattdessen eine Blockumfahrung eingerichtet. Da es sich bei den Straßen entlang der Blockumfahrung aber oft ebenfalls um Nebenstraßen handelt, wird diese Lösung inzwischen kritisch betrachtet, da sie überwiegend Nachteile mit sich bringt.

Ein verwandtes Konzept ist das in den USA verbreitete indirekte Linksabbiegen, etwa beim sogenannten Michigan Left.

Vorteile und Grenzen

Zu den Vorteilen von Blockumfahrungen zählen:

  • geringe Flächeninanspruchnahme
  • flexible Integration in bestehende Straßenräume
  • vergleichsweise geringe bauliche Kosten
  • Möglichkeit zur nachträglichen Umsetzung

Dem stehen auch Einschränkungen gegenüber:

  • längere Fahrwege und damit mögliche Zeitverluste
  • zusätzliche Belastung angrenzender Straßen
  • potenzielle Konflikte mit ruhendem Verkehr
  • erhöhte Anforderungen an die Verständlichkeit der Verkehrsführung

Die Eignung einer Blockumfahrung hängt daher stark von den örtlichen Rahmenbedingungen ab.

Literatur

  • Henning Natzschka: Straßenbau – Entwurf und Bautechnik. B. G. Teubner Verlag, Stuttgart/Leipzig/Wiesbaden 2003, ISBN 3-519-15256-8, S. 229/230.

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