Bodio TI

Dorf im Kanton Tessin in der Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

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Bodio
Wappen von Bodio
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Leventinaw
Kreis: Kreis Giornico
Gemeinde: Giornicoi2
Postleitzahl: 6743
frühere BFS-Nr.: 5064
UN/LOCODE: CH BOD
Koordinaten: 712962 / 137571
Höhe: 321 m ü. M.
Fläche: 6,48 km²
Einwohner: 961 (31. Dezember 2024)[1]
Einwohnerdichte: 148 Einw. pro km²
Gemeindepräsident: Stefano Imelli
Website: www.giornico.ch
Karte
Bodio TI (Schweiz)
Bodio TI (Schweiz)
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Gemeindestand bis zur Fusion am 6. April 2025
TI ist das Kürzel für den Kanton Tessin in der Schweiz. Es wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Bodiof zu vermeiden.

Bodio (lombardisch Böit) ist ein Dorf in der politischen Gemeinde Giornico im Schweizer Kanton Tessin. Bis zum 6. April 2025 bildete Bodio eine eigenständige Gemeinde.

Geographie

Bodio liegt auf einer Höhe von 331 m ü. M. in der unteren Valle Leventina an der Strasse Biasca-Airolo, am linken Ufer des Ticino, 5 km nordwestlich von Biasca.

Nachbargemeinden sind Pollegio, Personico und Serravalle.

Geschichte

1227 wurden Bodio als Boidi sowie die dortige Kirche Santo Stefano erwähnt. Zusammen mit den oberhalb gelegenen, im Mittelalter bewohnten Siedlungen von Simbra (oder Saimola) bildete das Dorf eine Degagna der ehemaligen Nachbarschaft Giornico. Während der Herrschaft des Domkapitels Mailand über die drei ambrosianischen Täler wurden im Mai und November in Bodio die sogenannten placita donnegalia der Leventina abgehalten, Versammlungen, die dazu dienten, Recht zu sprechen und einige Abgaben einzufordern. Bis ins 16. Jahrhundert gehörte das Dorf zur Pfarrei Giornico. Eine eigene Pfarrei Bodio ist ab 1567 belegt, bis 1602 gehörte auch Pollegio dazu. Letztere wurde vermutlich zusammen mit einem grossen Dorfteil durch einen Erdrutsch im 15. Jahrhundert zerstört. Die heutige Kirche stammt aus dem 19. Jahrhundert. 1799 erstellten die österreichisch-russischen Truppen Suworows im Dorf ein verschanztes Lager. Bodio stimmte 1814 für den Anschluss der Leventina an den Kanton Tessin.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überschwemmte der Fluss Ticino die Gemeinde mehrfach. Diese Naturkatastrophen verursachten grosse Schäden und forderten Todesopfer. Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine grosse Auswanderungswelle ein. Etwa ein Fünftel der damaligen Bevölkerung Bodios wanderte in die Vereinigten Staaten aus und siedelte vorwiegend in Kalifornien und Nevada.

Das Elektrizitätswerk Centrale elettrica della Biaschina entstand in den Jahren 1906–1911.[2] Unternehmen wie die Metallschleifwerkstätten Diamant,[2] die Officine del Gottardo[2] (Metallkomponenten) und die chemischen Werkstätten von Nitrum[2] (Derivate aus Stickstoff) und zwei Betriebe zur industriellen Gewinnung von Calciumcarbid[2] wurden in Bodio gegründet. Der Niedergang dieser Unternehmen begann mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, da die Produktion wieder umgestellt werden musste, die während des Konflikts hauptsächlich aus Kriegsmaterial für Sprengstoffe bestand, und die Erhöhung der Eisenbahntarife. Am 21. Juli 1921 zerstörte eine Explosion fast gänzlich drei Fabriken und tötete 15 Personen. Der Sachschaden belief sich auf 6 Millionen Franken.[3][4] Anfang der 1970er Jahre folgte ein grosser Streik beim Stahlwerk Monteforno.[5]

Am 6. April 2025 wurde Bodio in die politische Gemeinde Giornico eingemeindet. Es bildet aber nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.[6]

Bevölkerung

In Bodio wurden 1354 32 und 1567 50 Feuerstätten gezählt.[7]

Seit dem Jahr 1600 entwickelte sich die Bevölkerung wie folgt:

Bodio TI: Einwohnerzahlen von 1600 bis 2024
Jahr  Einwohner
1600
 
210
1683
 
230
1719
 
323
1769
 
314
1799
 
282
1808
 
293
1824
 
320
1836
 
362
1850
 
362
1860
 
322
1870
 
348
1880
 
422
1888
 
272
1900
 
356
1910
 
527
1920
 
860
1930
 
779
1941
 
737
1950
 
935
1960
 
1.276
1970
 
1.425
1980
 
1.477
1990
 
1.219
1991
 
1.168
1992
 
1.169
1993
 
1.165
1994
 
1.198
1995
 
1.185
1996
 
1.176
1997
 
1.167
1998
 
1.158
1999
 
1.130
2000
 
1.108
2001
 
1.078
2002
 
1.038
2003
 
1.047
2004
 
1.081
2005
 
1.083
2006
 
1.066
2007
 
1.019
2008
 
993
2009
 
978
2010
 
983
2011
 
1.019
2012
 
1.044
2013
 
1.042
2014
 
1.030
2015
 
1.037
2016
 
1.038
2017
 
1.031
2018
 
992
2019
 
968
2020
 
937
2021
 
911
2022
 
890
2023
 
899
2024
 
961
Quelle(n): bis 1980 Bundesamt für Statistik[8][9] ab 1990: Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991–2024[10]

Die starke Zunahme der Einwohner zwischen 1941 und 1980 bzw. die starke Abnahme von 1980 bis 2000 ist auf die Stahlwerke Monteforno zurückzuführen. Diese eröffneten 1946 und beschäftigten 1971 1750 Personen. Nach der Übernahme 1977 durch die Firma Von Roll wurden in den Folgejahren in fortschreitendem Masse Arbeitsplätze abgebaut. Am 31. Januar 1995 wurden die Stahlwerke endgültig geschlossen.

Wirtschaft

Durch den Bau der Gotthardbahn kam Industrie in die Gegend. Das Unternehmen heute ist die Timcal, die synthetisches Graphit und Schmiermittel für hohe Temperaturen produziert. Bis auf 4 Hektar Weinanbau gibt es auf dem Gemeindegebiet keine Landwirtschaft mehr.

Das Südportal des Gotthard-Basistunnels liegt am Ostrand des Dorfes Bodio, der Installationsplatz und das Besucherzentrum sind in der Nachbargemeinde Pollegio.

Industrie

Elektrizitätswerk Biaschina

Sport

  • Football Club Bodio[12]

Sehenswürdigkeiten

  • Pfarrkirche Santo Stefano mit Fresken des Malers Pompeo Maino[13] und Glasmalerei (1983) des Malers Roberto Pasotti, Kapuziner[14][15]
  • Villa Corecco[15]
  • Elektrizitätswerk Biaschina (1906–1911), Architekten: Ugo Monneret de Villard, Agostino Nizzola[16]

Verkehr

Es gibt einen Bahnhof in Bodio, welcher im Schienennetz zwischen Biasca und Airolo eine Haltemöglichkeit bietet. Zudem ist das südliche Ende des Gotthard-Basistunnels in Bodio.

Bodio ist an dem Tarifverbund Arcobaleno (CTA) angeschlossen. Die Gemeinde liegt in einem Überschneidungsgebiet von den Tarifzonen 22 und 23. In Bodio verkehren die Buslinien 120 und 125.[17]

Bilder

Persönlichkeiten

  • Stefano Franscini (1796–1857), Lehrer, Staatsrat, Bundesrat, Publizist und Statistiker
  • Antonio Corecco (1821–1902), Arzt, Gemeindepräsident von Bodio, Tessiner Grossrat und Staatsrat
  • Eros Bellinelli (1920–2019), Journalist und Autor
  • Rodolfo Pedroli (* 29. August 1920 in Bodio; † 3. Februar 2012 in Neuenburg), Bauingenieur, Dozent am Abendtechnikum in Bern für hydraulische Konstruktionen[18]
  • Giorgio Cambissa (* 17. Mai 1921 in Bodio; † 29. Juni 1998 in Muravera (Cagliari)), Komponist und Orchesterdirigent[19]
  • Paolo Paoloni (1929–2019), italienischer Schauspieler
  • Ennio Maccagno (* 1960 in Bodio), Dozent, Philosoph, Schriftsteller[20][21]

Literatur

Einzelnachweise

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