Boisse

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Boisse (Aussprache [bwas], okzitanisch Boissa) ist eine französische Gemeinde mit 251 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Bergerac und zum Gemeindeverband Communauté de communes des Portes Sud Périgord. Die Einwohner werden Boissiens und Boissiennes genannt.

Schnelle Fakten
Boisse
Boisse (Frankreich)
Boisse (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département (Nr.) Dordogne (24)
Arrondissement Bergerac
Kanton Sud-Bergeracois
Gemeindeverband Communes de Portes Sud Périgord
Koordinaten 44° 43′ N,  39′ O
Höhe 84–206 m
Fläche 16,58 km²
Einwohner 251 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 15 Einw./km²
Postleitzahl 24560
INSEE-Code

Mühlen von Boisse
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Geografie

Bodenbedeckung, Hydrografie und Infrastruktur der Gemeinde (2018)

Boisse liegt etwa 52 Kilometer südsüdwestlich von Périgueux, etwa 48 Kilometer westsüdwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 20 Kilometer südöstlich von Bergerac an der Grenze zum benachbarten Département Lot-et-Garonne in der Région naturelle des Bergeracois, Teil des touristisch benannten Périgord pourpre. Die Gemeinde liegt im Einzugsgebiet der Garonne und wird entwässert von den Flüsschen Nette, Noël, Pissarot, Pontet, dem Ruisseau de Roumanou und von verschiedenen kleineren Fließgewässern.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Boisse liegt in der vierten Stufe von Nordosten. Hier im Bergeracois sind Ablagerungen auf die Erosion der Pyrenäen zurückzuführen, die Sedimente in Form von Molasse ablagerte, die sich mit harten Seekalkablagerungen aus dem Tertiär abwechseln.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Sedimentgesteinen aus dem Känozoikum.

Das Gebiet der Gemeinde erstreckt sich auf einer hügeligen, insgesamt wenig waldreichen Hügellandschaft mit Höhen selten über 200 m. Der topographisch höchste Punkt mit 206 m befindet sich auf einer Anhöhe der Mühlen von Boisse. Das Zentrum liegt am Rand eines Hügels auf etwa 165 m Höhe.

Rund 93 % der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich, hauptsächlich als Kulturboden genutzt, rund 7 % sind bewaldet.[2]

Umgeben wird Boisse von den acht Nachbargemeinden:

Montaut Bardou
Monmarvès
Issigeac
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Saint-Léon-d’Issigeac
Cavarc (Lot-et-Garonne) Sainte-Radegonde Faurilles
Risikokarte des Quellungs/Schrumpfungsverhältnisses von Tonmineralen in Böden für Boisse

Natürliche Risiken

Naturrisiken manifestieren sich in Boisse als

  • Dürren
  • Waldbrände
  • Bodensetzungen.

Im großen Teil des Gemeindegebiets besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräte sowie eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]

Wie die Risikokarte zeigt, ist über die Hälfte des Gemeindegebiets von Boisse von der starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.[4]

Etymologie und Geschichte

Der Name von Boisse wurde im 13. Jahrhundert in der latinisierten Form Buxia 1286 erwähnt, im 15. Jahrhundert in der Schreibweise Boyssa. Er kommt vom Lateinischen (terra) buxea (deutsch Boden mit Buchsbäumen). Das Altfranzösische kannte ebenfalls die Form bois für buis, was vom lateinischen Namen buxus für „Buchsbaum“ stammt.[5]

Der Landstrich dürfte seit sehr langer Zeit durchgehend besiedelt worden sein, denn in der Nähe eines Dolmens aus der Urgeschichte ist 1851 ein irdenes Gefäß mit Münzen mit Abbildungen römischer Kaiser gefunden worden. Im Mittelalter war Boisse ein adliger Rückzugsort, der durch seine geografische Lage auf dem Kamm eines Hügels eine gewisse Bedeutung hatte. Im 16. Jahrhundert gehörte die Kastellanei der Familie Escodéca, die über das Dorf bis zum 17. Jahrhundert herrschte. Im darauffolgenden Jahrhundert ging das Lehen an die Familie de la Force über. Der Bau von zwei Windmühlen erlaubte in der Folge, die Wirtschaft zu entwickeln.[6]

Zwischen 1790 und 1794 wurden die Gemeinden Le Petit Boisse und Saint Amand de Boisse in die Gemeinde Boisse eingegliedert.[7]

Einwohnerentwicklung

Boisse: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
 
666
1800
 
710
1806
 
685
1821
 
719
1831
 
670
1836
 
614
1841
 
660
1846
 
716
1851
 
667
1856
 
643
1861
 
606
1866
 
579
1872
 
539
1876
 
573
1881
 
591
1886
 
544
1891
 
516
1896
 
429
1901
 
512
1906
 
507
1911
 
505
1921
 
346
1926
 
365
1931
 
386
1936
 
361
1946
 
348
1954
 
339
1962
 
301
1968
 
266
1975
 
207
1982
 
206
1990
 
196
1999
 
196
2006
 
226
2013
 
249
2020
 
246
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[7] INSEE ab 2006[8][9][10]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und erneut in der Mitte des gleichen Jahrhunderts auf Höchststände von rund 720. In der Folgezeit sank die Größe der Gemeinde bei relativ kurzen Erholungsphasen insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg bis zu den 1990er Jahren auf rund 200 Einwohner, bevor eine moderate Wachstumsphase einsetzte.

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Saint-Pierre

Ursprünglich wurde an dieser Stelle im 11. Jahrhundert eine Kapelle errichtet. Sie diente als Sitz der Bruderschaft der Bußprediger aus Saint-Côme-d’Olt. Im 16. Jahrhundert wurde sie zur Pfarrkirche zu Ehren des heiligen Petrus ausgebaut. Ihre Besonderheit ist ihre gewundene Kirchturmspitze.[11]

Menhir, genannt Caillou von Monjerma

Es handelt sich um einen 2,20 m hohen Steinblock aus Feuerstein, der sich unweit des Zentrums von Boisse befindet.[12]

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Landwirtschaft, hier insbesondere der Weinbau, ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde.[6]

Boisse liegt in der Zone AOC des Bergerac mit den Appellationen Bergerac und Côtes de Bergerac.[13]

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 115 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Boisse erwerbstätig, entsprechend 80,8 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse. Die Zahl der Arbeitslosen war mit 9 im Jahr 2022 höher als im Jahr 2019 (7). Die Arbeitslosenquote stieg von 6,5 % (2016) auf 7,7 % (2022).[14]

Branchen und Betriebe

22 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2022 in Boisse wirtschaftlich aktiv:[14]

Weitere Informationen Branche, Anzahl ...
Branche
Anzahl%
Gesamt22
Fertigung, Bergbau und andere Industrien29,1 %
Baugewerbe418,2 %
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie418,2 %
Immobilien522,7 %
Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten418,2 %
Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln14,5 %
Andere Dienstleistungen29,1 %
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Landwirtschaft

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung.[15] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 36 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 28 im Jahr 2000, auf 20 im Jahr 2010 und schließlich auf 17 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 52,8 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche blieb bei 1257 Hektar im Jahre 1988 und der gleichen Größe im Jahre 2020 in diesem Zeitraum unverändert. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg hingegen signifikant von 34,1 Hektar auf 74 Hektar.[16][17][18]

Sport und Freizeit

Der Rundweg Boucle de Boisse besitzt eine Länge von 19,1 km bei einem Höhenunterschied von 86 m. Er führt vom Zentrum durch das Gebiet der Gemeinde an den beiden Windmühlen, am Caillou von Monjerma und am Zentrum von Issigeac vorbei.[19]

Verkehr

Boisse liegt fernab größerer Verkehrsachsen. Das Gemeindegebiet wird durchquert von den Departementsstraßen D 14 und D 23, die Boisse mit Issigeac verbinden. Die D 14 führt über Sainte-Radegonde in das benachbarte Département Lot-et-Garonne, die D 23 führt nach Saint-Léon-d’Issigeac.

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Boisse – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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