Bolszewo

Dorf in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Bolszewo (deutsch Bohlschau; kaschubisch Bòlszéwò) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Es gehört zur Gmina Wejherowo im Powiat Wejherowski.

Schnelle Fakten Basisdaten ...
Bolszewo
?
Hilfe zu Wappen
Bolszewo (Polen)
Bolszewo (Polen)
Bolszewo
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Wejherowski
Gmina: Wejherowo
Geographische Lage: 54° 37′ N, 18° 11′ O
Einwohner:
Schließen

Geographische Lage

Das Dorf liegt in der historischen Landschaft Pommerellen an der Bolszewka (Bohlschau), eines Nebenflusses der Reda (Rheda), etwa 28 Kilometer ostnordöstlich der Stadt Lębork (Lauenburg i. Pom.) und vier Kilometer westnordwestlich der Stadt Wejherowo (Neustadt in Westpreußen).

Geschichte

Dorfstraße (2016)
Ortszentrum (2025)

Auf Ackerfeldern am Ufer der Bohlschau waren im 19. Jahrhundert von Landwirten mehrmals prähistorische Steinkistengräber gefunden worden, die Begräbnisurnen enthielten; zwei Gesichtsurnen, eine kleine und eine große, konnten unversehrt geborgen werden.[1][2][3]

Bohlschau, früher ein Gutsbezirk, in älteren Urkunden Bolischo, Bolschow, auch Bolczewo und Bulszewo genannt, war ehemals ein angestammter Wohnsitz der alten pommerschen Familie Bohlschau, deren Name schon in den Kopenhagener Wachstafeln vorkommt und die in Pommerellen begütert war; ein Familienzweig saß auf Schloss Rutzau.[4] Im 13. Jahrhundert war das Gut unter den Besitzungen des Klosters Zuckau erwähnt worden, während der Ordenszeit gehörte es zur Komturei Danzig.[5]

Um 1818 hatte das am Fluss Rheda gelegene adlige Gut Bohlschau eine lutherische Kirche, eine Wassermühle, eine Spiritusbrennerei, eine Brauerei, einen Schänker, einen Krüger und acht Handwerksbetriebe.[6] 1832 war es Teil des Konglomerats Bohlschauer Güter mit zusammen 73 Häusern, vier Wassermühlen und einer evangelischen Mutterkirche, das zum Kreis und Patrimonialgericht Neustadt gehörte und wo jährlich drei Kram- und Viehmärkte stattfanden.[7]

Am 26. Mai 1893 wurde der Gutsbezirk Bohlschau aufgelöst.[8] Er hatte aus dem Rittergut Bohlschau und den beiden Vorwerken Worle und Gossentin bestanden. Aus Grundstücken des Gutsbezirks Bohlschau und Bestandteilen benachbarter Gemeinden wurden am 29. Juli 1893 die Landgemeinden Bohlschau, Gossentin und Worle gebildet.[9]

Um 1910 hatte die Landgemeinde Bohlschau ein Elektrizitätswerk, eine Spar- und Darlehenskasse, eine Zementfabrik, eine Molkerei, ein Sägewerk und eine Ziegelei.[10] Die Preußische Portlandzementfabrik Bohlschau war am 25. September 1871 zum Zweck der Fabrikation von Portlandzement und des Betriebs sämtlicher Nebengewerbe gegründet worden[11] und hatte ein Kontor in Worle, wo auch die Generalversammlungen stattfanden. Hergestellt wurden Zement und Kunststeine sowie auch Kalk und Düngemittel.[12]

Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 823,6 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Bohlschau 84 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 60 Pferde, 207 Stück Rindvieh, 35 Schafe und 374 Stück Borstenvieh hielten.[13]

Bis 1919 gehörte das Dorf Bohlschau zum Kreis Neustadt in Westpreußen im Regierungsbezirk Danzig in der Provinz Westpreußen im Deutschen Reich.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags, der die Verlegung des Polnischen Korridors durch westpreußisches Territorium vorsah, die Region mit dem Dorf Bohlschau an Polen abgetreten werden. Nach dem Überfall auf Polen 1939 trat das Korridor-Gebiet zum Deutschen Reich, und das bisher polnische Dorf Bolszewo wurde in Bohlschau umbenannt. Am 1. April 1944 fand zwischen der Gemeinde Bohlschau und der Stadt Neustadt ein Gebietsaustausch statt.[8]

Im Jahr 1945 bildete Bohlschau eine Landgemeinde im Kreis Neustadt in Westpreußen im Regierungsbezirk Danzig im Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee das Kreisgebiet. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde die Region mit dem Dorf wieder Teil Polens.

Demographie

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner Anmerkungen
1780adliges Dorf mit 24 Feuerstellen (Haushaltungen) und einer lutherischen Kirche, in dem jährlich ein Jahrmarkt stattfindet[14]
1818211Dorf, mit 29 Feuerstellen (Haushaltungen), adlige Besitzung, mit einer lutherischen Kirche; davon 132 Evangelische, 71 Katholiken und acht Juden[6][15]
1832656Bohlschauer Güter, Dorf mit 73 Häusern, vier Wassermühlen, einer evangelischen Mutterkirche, zum Kreis und Patrimonialgericht Neustadt gehörig, mit drei Kram- und Viehmärkten[7]
1864361am 3. Dezember, Gutsbezirk[16]
1867545am 3. Dezember, Rittergut[17]
1871548am 1. Dezember, Rittergut, davon 357 Evangelische und 191 Katholiken[17]
1885925am 1. Dezember, davon 165 in der Landgemeinde (125 Evangelische, 40 Katholiken) und 760 im Gutsbezirk (354 Evangelische, 406 Katholiken)[18]
1895491am 2. Dezember, Landgemeinde, davon 266 Evangelische und 225 Katholiken[19]
1910768am 1. Dezember, davon 389 mit deutscher Muttersprache (298 Evangelische, 91 Katholiken), eine Person mit polnischer Muttersprache (katholisch) und 378 mit kaschubischer Muttersprache (sämtlich Katholiken)[20]
Schließen

Kirche

Dorfkirche

Die erste evangelische Kirche wurde 1580 gegründet und befand sich bei dem südwestlich des Dorfkerns gelegenen Vorwerk Neukrügen, an einer Stelle, an der ein vom Berg kommender Bach im Erdboden verschwindet und seinen Lauf unterirdisch fortsetzt. Die Kirche brannte ab, an ihrem Standort wurden später Münzen und Gerätschaften gefunden.[21][22] Die Kirche mit Turm war vollständig mit Schindeln gedeckt bzw. verkleidet; 1663 wurde sie durch ein Bethaus in Form eines gewöhnlichen Hauses ersetzt.[23] (1818 hatte das Vorwerk Neukrügen eine Feuerstelle (Haushaltung) und 14 Einwohner, die sämtlich Lutheraner waren, und einen Krüger.[24] An der Chaussee bei dem Vorwerk Neukrügen war 1825 eine Zollstation,[25] 1875 befand sich hier ein Gast- und Chausseehaus.[26] Um 1860 wohnte in Neukrügen Maria Antonie Josepha von Larisch geb. Reichsgräfin von Mettich (1806–1886), Witwe aus zweiter Ehe des preußischen Generalmajors Joseph von Larisch (1777–1841).[27])

Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche in Bohlschau auch von Lutheranern des Nachbarorts Neustadt besucht, da es dort noch keine evangelische Kirche gab.[28]

Im Jahr 1857 wurde ein neues massives Kirchengebäude mit rechteckigem Grundriss, Apsis und kleinem Turm im halbgotischen Stil errichtet. Die Glocken wurden in einem separaten Glockenstuhl eingehängt. Der Gebetsraum wurde mit einer Orgel mit Pedal und 14 Registern ausgestattet.[29] Als Kirchenpatron fungierte der Besitzer der ehemaligen Herrschaft Bohlschau-Gossentin-Worle.[30]

Die evangelische Dorfkirche Bohlschau wurde 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet.

Kirchspiel bis 1945

Das evangelische Kirchspiel war in Bohlschau. Eingepfarrt waren Bohlschau, Damerkau, Gutsbezirk Gohra, Gossentin, Gutsbezirk Kamlau mit Platenrode und Schloss Platen, Kniewenbruch, Lusin, Forstgutsbezirk Lusin, Gutsbezirk Pentkowitz mit Groß und Klein Gowin, Gutsbezirk Rieben, Robbakau, Seelau, Soppieschin, Gutsbezirk Soppieschin mit Ustarbau, Strebielin, Ustarbau und Warschkau, außerdem aus dem benachbarten Kreis Putzig die Dörfer Prießnau und Neusasserei (im Forstgutsbezirk Neustadt).[30] In Bolschau reichte der Bestand an Kirchenbuch-Eintragungen zu Geburten bis 1710, zu Trauungen bis 1774 und zu Todesfällen bis 1709 zurück.[31]

Das katholische Kirchspiel war in Gohra.

Evangelische Seelsorger 1580–1945

  1. Jacob Gruwelke, verwaltete 1600–1617 das Predigeramt[32]
  2. George Rubaldi, wurde 1618 berufen und war bis zu seinem Tod 1635 in diesem Amt[32]
  3. Jacob Kluge, verwaltete das Pfarramt von 1638 bis zu seinem Tod 1650[32]
  4. Balthasar Pouchenius, wirkte hier 1651–1659 als Pfarrer[32]
  5. Johann Reinholdi, bekleidete 1660–1679 das hiesige Pfarramt[32]
  6. Johann Mollerus, verwaltete das Pfarramt von 1680 bis zu seinem Tod 1707[32]
  7. Johann George Pomian Pesarovius, trat 1708 das Predigeramt an, ging aber im selben Jahr nach Leba[32]
  8. Adam Carpov, war 1708–1744 Pfarrer der Gemeinde[32]
  9. Michael Adam Carpov, war hier Pfarrer vom 24. Mai 1744 bis an sein Lebensende am 17. Mai 1753[32]
  10. Jacob Luttermann, war vom 1. Advent 1753 bis zu seinem Tod am 24. Januar 1799 hier 45 Jahre lang im Pfarrer, litt vor 1772 unter Katholiken[32][29]
  11. Jacob Scheerbarth, versah das hiesige Pfarramt vom 22. Mai 1799 bis zu seinem Tod am 7. April 1822[32]
  12. Christian Daniel Ludwig Wegner, war vom 27. Mai 1821 bis zum 7. April 1822 hier Pfarrer[32]
  13. Carl Adolph Blech, aus Danzig, amtierte hier seit dem 2. März 1823 als Pfarrer, wurde aber schon am 23. April 1826 nach Bohnsack im Danziger Werder berufen.[32]
  14. August Ferdinand Eduard Braune, aus Giebichenstein, war hier Pfarrer von 7. Januar 1827 bis?[32]
  15. Johann Franz Becker (* 1863, ordiniert am 10. Oktober 1886), wirkte hier als Pfarrer von 1887 bis?[30]
Commons: Bolszewo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI