Chinesische Rotbauchunke
Art der Gattung Unken (Bombina)
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Die Chinesische Rotbauchunke (Bombina orientalis), auch Orientalische Rotbauchunke, ist ein ostasiatischer Froschlurch aus der urtümlichen Familie der Unken und Barbourfrösche (Bombinatoridae).
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Chinesische Rotbauchunke (Bombina orientalis) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Bombina orientalis | ||||||||||||
| (Boulenger, 1890) |
Merkmale, Fortpflanzung
Die vier bis sechs Zentimeter lange Unke ist auf der Oberseite meistens leuchtend grün (manchmal auch grau-bräunlich) gefärbt, während die Unterseite grell blutrot (manchmal auch gelb-orange) ist. Sowohl Ober- als auch Unterseite sind mit unregelmäßigen schwarzen Tupfen versehen. Auch die Fingerspitzen weisen eine intensive rote Färbung auf. Der Rücken ist mit deutlich hervortretenden, sehr rauen Warzen übersät. Die Pupillen sind dreieckig geformt. Das Männchen verfügt über keine Schallblase und ruft entsprechend relativ leise. Zur Paarungszeit (Mai bis Mitte August) bildet es schwarze Brunstschwielen an den beiden inneren Fingern der Hände/Unterarme und umklammert das Weibchen wie alle Arten der Archaeobatrachia in der Lendenregion (inguinal). Der Laich wird in zeitlichen Intervallen von mehreren Stunden bis Tagen in kleinen Portionen von 3 bis 45 Eiern abgegeben und unter anderem an Wasserpflanzen geheftet. Ein Weibchen laicht drei- bis viermal im Jahr und produziert pro Laichperiode 38 bis 257 Eier. Die Embryonal- und Larvalentwicklung dauert etwa zwei Monate.
Verbreitung, Lebensraum
Die Chinesische Rotbauchunke kommt natürlicherweise im äußersten Südosten Sibiriens (nördlichste, naturgemäß nur noch sehr sporadische Verbreitung: 48°40'N bei 137°12'E), in Nordostchina und in Korea vor. Es handelt sich um eine Tieflandart mit einer maximalen Höhenverbreitung von 500 m.
Sie lebt tagaktiv meist in der Nähe verschiedener stehender oder fließender Gewässertypen, etwa Bäche, Tümpel und Gräben. Die Art ist relativ wärmebedürftig, so dass ihre Aktivitätsperiode insbesondere in den sibirischen Vorkommen entsprechend kurz ist (Winterruhe von Ende September/Anfang Oktober bis Ende April/Anfang Mai). Im Spätsommer gehen diese Unken oft zu einer terrestrischen Lebensweise über und bewohnen dabei Mischwälder, Feuchtwiesen und andere Biotope. Dort erfolgt in der Regel auch die Überwinterung in frostsicheren Unterschlüpfen.
In Europa findet man gelegentlich von Tierhaltern ausgesetzte Exemplare, die hier jedoch den Winter wohl nicht überleben, da die bei Terrarianern besonders beliebten, intensiv bunt gefärbten Individuen eher aus dem Süden des Verbreitungsgebietes stammen. Die in einigen Regionen Mitteleuropas einheimische Rotbauchunke (Bombina bombina – siehe dort auch weitere Beschreibungen zu Lebensweise und Verhalten) ist normalerweise unscheinbarer gefärbt als Bombina orientalis und weniger warzig.
Rufverhalten
Männchen rufen ausdauernd während der Nacht, bei hoher Fortpflanzungsaktivität auch während des Tages, wenngleich weniger anhaltend. Beim Rufen bleiben sie mehrere Stunden an der gleichen Stelle.[1] Häufig praktizieren zwei, meist benachbarte Männchen alternierendes Rufen oder Wechselrufen. Dabei setzen die Männchen ihre Rufe exakt in die Intervalle des Partners. Das Wechselrufen hält gewöhnlich einige Minuten an, danach ruft jedes Männchen wieder in seinem eigenen Rhythmus.[2]
Zur Vorbereitung des Rufens nehmen die Männchen Luft in die Lungen und in die Mundhöhle auf. Infolge der aufgenommenen Luft liegen die rufenden Tiere auf der Wasseroberfläche, bis zu zwei Drittel des Körpers befinden sich dabei außerhalb des Wassers. Mit den nach vorn und leicht seitwärts gerichteten Vorderbeinen halten sie sich an Pflanzen, Steinen oder anderen Gegenständen fest. Die Hinterbeine liegen frei im Wasser. Körperlängsachse, Ober-, Unterschenkel und Fuß stehen annähernd senkrecht zueinander.[1] Bei der Abgabe eines Rufes kontrahieren die Männchen die Mundbodenmuskulatur, sodass Luft aus dem Mundraum durch den Kehlkopf in die Lungen strömt. Dabei entsteht ein Ruf. Unmittelbar danach fließt die Luft stimmlos in den Mundraum zurück. Das Männchen ist erneut bereit, einen Ruf abzugeben. Da die Rufe durch den Luftstrom gebildet werden, der der Einatmung entspricht, werden sie als inspiratorische Rufe, die Methode als inspiratorische Rufbildung bezeichnet. Die Männchen rufen nur in einem bestimmten Temperaturbereich. Die untere Rufschwelle liegt bei 12–13 °C, die obere bei 31–33 °C Wassertemperatur.
Die Männchen verfügen über drei Ruftypen: Paarungsruf, Klammerungsruf, Befreiungsruf. Bei Paarungs- und Befreiungsrufen können zwei Subtypen unterschieden werden.[1]
Die Männchen geben Paarungsrufe in langen Serien ab. Steigt die Wassertemperatur nehmen die Wiederholungsrate der Rufe und die Tonhöhe zu, während die Dauer der Rufe abnimmt. Bei zunehmender Körpergröße nimmt die Tonhöhe dagegen ab, während die Dauer der Rufe zunimmt. Die Wiederholungsrate bleibt von der Tiergröße unbeeinflusst.
Männchen geben Klammerungsrufe ab, wenn sie eine andere Unke anschwimmen und diese umklammern.
Sowohl Männchen als auch Weibchen geben Befreiungsrufe ab. Die Rufe der Weibchen sind leiser als die der Männchen. Männchen wehren sich mit diesen Rufen gegen Umklammerungsversuche anderer Männchen. Weibchen rufen, wenn die Umklammerung durch ein Männchen nicht korrekt ist oder wenn es von mehreren Männchen umklammert wird. Die Rufe werden zumeist in Serie abgegeben.
Den Takt für die Ruffolge gibt ein im Gehirn lokalisierter Schrittmacher (Oszillator) vor.[2][3]
Rufverhalten als Merkmal der Systematik
Bei Chinesischer Rotbauchunken, vermutlich verschiedener Ursprungsorte, wurden das Rufverhalten und die Rufe analysiert.[1] Die Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass bei der Chinesischen Rotbauchunke im Rufverhalten geografische Unterschiede bestehen, die möglicherweise zu neuen Arten führen. Da die Paarungsrufe angeboren sind, stellen sie spezifische Merkmale dar, die hilfreich sind, Fragen der Systematik zu klären, wie das bereits bei Laubfröschen der Gattung Hyla und Wasserfröschen der Gattung Pelophylax geschehen ist.[4]
Paarbildung und Eiablage

Paarungsbereite Weibchen schwimmen auf die rufenden Männchen zu, verharren in deren nächster Nähe und erzeugen durch Beinbewegungen Wasserwellen oder sie schwimmen bis zu den Männchen und berühren sie. Beides führt zur sofortigen Umklammerung, bei der die Männchen die Weibchen vor deren Hinterbeine umklammern. Die Weibchen geben die Eier einzeln oder in kleinen Paketen ab und befestigen sie zumeist an Pflanzen.[1]
Artenschutz

Gesetzlicher Schutzstatus
- Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV): besonders geschützte Art gemäß §1 Satz 1. Der Halter dieser Art ist verpflichtet, den Besitz der Tiere anzuzeigen. Diese Vorsichtsmaßnahme dient dem Schutz der in Deutschland einheimischen Arten Bombina bombina (Rotbauchunke) und Bombina variegatus (Gelbbauchunke), damit die Einhaltung des BNatSchG §40 (4) sichergestellt werden kann. Das Aussetzen von Bombina orientalis stellt eine Faunenverfälschung dar, da B. orientalis als Neozoon bestandsbedrohend für die einheimischen Unken werden könnte (vgl. auch Neobiota).
- Nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) darf die Art gemäß §40 (4) als nichteinheimische Art ohne behördliche Genehmigung nicht in die Natur ausgebracht werden.
Bombesin
1970 wurde aus der Haut des Tieres ein Peptidhormon isoliert und entsprechend Bombesin genannt, das aus 14 Aminosäuren besteht und in ähnlicher Struktur (27 Aminosäuren) auch beim Menschen nachgewiesen werden kann. Bombesin bewirkt u. a. das Auftreten eines Sättigungsgefühls, spielt aber auch bei der Entwicklung von neuartigen Radiopharmaka eine Rolle.