Boris Greverus
deutscher Sänger
From Wikipedia, the free encyclopedia
Boris Greverus, bürgerlich Fritz Pokropp[1] (* 18. Dezember 1902 in Dworatzken, Provinz Ostpreußen; † 14. September 1976 in Berlin-Reinickendorf[2]) war ein deutscher Sänger in der Stimmlage Tenor. Von 1933 bis 1936 nutzte er die Namensform Bodo Greverus.
Leben und Wirken
In einer Werbung für seine Schallplatten heißt es: „Der Künstler ... stammt aus dem russischen Hochadel und mußte in der Revolution aus seiner Heimat fliehen“,[3] eine Aussage die zweifelhaft ist, da er in einem kleinen Dorf in Ostpreußen geboren wurde. In Berlin erhielt er kostenlosen Gesangsunterricht bei dem renommierten Pädagogen Ernst Grenzebach. Ein erster Auftritt ist dort im Frühjahr 1926 in einen Konzert nachgewiesen,[4] sein Bühnendebüt hatte Greverus im Herbst 1929 am Nationaltheater Mannheim als Hermann in Tschaikowskys „Pique Dame“.[5] Nach einer Saison am Stadttheater Essen ging er nach Prag und dann nach Graz. 1933 wurde er am Landestheater Wiesbaden engagiert. In jener Zeit war er Mitglied der NSDAP. Wegen vorgeworfener Homosexualität wurde er Anfang 1936 zusammen mit dem Bühnenbildner Lothar Schenck von Trapp verhaftet,[6][7] für 9 Monate inhaftiert[8] und nach seiner Freilassung im selben Jahr entlassen. Er ging darauf nach Berlin an das Theater der Jugend, ab 1938 wirke er gastierend. Von 1945 bis 1951 war Greverus Mitglied der Städtischen Oper in West-Berlin.[9] Im Mai 1951 wurde er „wegen ehrverletztender Äußerungen über den Interdanten Heinz Tietjen und mehrere weibliche Angehörige des Ensembles“ fristlos entlassen.[10] Von 1961 bis zu seinem Rückzug von der Bühne 1964 gehörte er zum Ensemble des Theater des Westens. Hier wirkte er 1961 in der deutschsprachigen Erstaufführung des Musicals My Fair Lady mit.[11]
Repertoire (Auswahl)
- Beethoven: Florestan (Fidelio)
- Bizet: Don José (Carmen)
- Werner Egk: Arsidas (Circe) in der Uraufführung Berlin Dezember 1948
- Graener: Titelpartie in Friedemann Bach
- Hindemith: Kavalier (Cardillac)
- Nicolai: Fenton (Die lustigen Weiber von Windsor)
- Puccini Rodolfo (La Bohème), Des Grieux (Manon Lescaut), Cavaradossi (Tosca)
- Schattmann: Mönch (Die Hochzeit des Mönchs)
- Verdi: Radames (Aida), Titelpartie in Don Carlos, Alfred (La traviata), Alvaro (Die Macht des Schicksals), Herzog (Rigoletto), Gabriele Adorno (Simon Boccanegra)
- Tschaikowsky: Hermann (Pique Dame)
- Wagner: Titelpartien in Lohengrin und Parsifal, Siegmund (Die Walküre)
- Weber: Max (Der Freischütz)
- Wolf-Ferrari : Titelpartie in Sly.
Diskografie
Ultraphon
Boris Greverus mit Mitgliedern des Orchesters der Städtischen Oper Berlin, Dirigent Selmar Meyrowitz.
- O weine nicht, Liu / Keiner schlafe aus: Turandot (Puccini). Best.-Nr. A 400 (Matrizennummern 10720 / 10721). Aufgenommen am 3. März 1930
- Der Lenz (Hildach) / Liebesfeier (Weingartner). Best.-Nr. A 488 (Matrizennummern 10722-1 / 10723-1). Aufgenommen am 3. März 1930
- Lasset sie glauben, daß ich in die Welt zog aus: Das Mädchen aus dem goldenen Westen / Wo lebte wohl ein Wesen aus: Manon Lescaut (Puccini). Best.-Nr. A 486 (Matrizennummern 10928 / 10931). Aufgenommen Mai 1930.

Schallplatte der Ultraphon
Rundfunk (live)
- Don Carlos (Gesamtaufnahme) (Verdi). Mit Irma Demuth, Johanna Blatter, Dietrich Fischer-Dieskau, Boris Greverus (Don Carlos), Josef Greindl, Josef Hermann. Orchester der Städtischen Oper Berlin, Dirigent Ferenc Fricsay. Aufgenommen am 18. November 1948 (Premiere). Veröffentlicht auf verschiedenen CD-Labels.
Philips
- My Fair Lady – Deutsche Originalaufnahme (Loewe). Mit Karin Hübner, Paul Hubschmidt, Alfred Schieske, Friedrich Schoenfelder, Rex Gildo, Boris Greverus (Jamie). Orchester des Theater des Westens, Dirigent Franz Allers. Philips S 08 644. Aufgenommen 1962 (Studio). (Besetzung der deutschsprachigen Erstaufführung vom 25. Oktober 1961).
Literatur
- Greverus. In: Künstler-Almanach 1934. Lexikon für Bühne, Konzert, Film und Funk. 4. Ausgabe, Wilhelm Ritter, Berlin-Dahlem 1934, S. 45
- Greverus, Bodo. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003. ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände). S. 1830.
