Bourniquel
französische Gemeinde
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Bourniquel (Aussprache [buʁniˈkɛl], okzitanisch Borniquèl) ist eine französische Gemeinde mit 62 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Bergerac und zum Gemeindeverband Communauté de communes des Bastides Dordogne-Périgord. Die Einwohner werden Bourniquelois und Bourniqueloises genannt.
| Bourniquel | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département (Nr.) | Dordogne (24) | |
| Arrondissement | Bergerac | |
| Kanton | Lalinde | |
| Gemeindeverband | Communes des Bastides Dordogne-Périgord | |
| Koordinaten | 44° 49′ N, 0° 47′ O | |
| Höhe | 55–171 m | |
| Fläche | 8,96 km² | |
| Einwohner | 62 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 7 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 24150 | |
| INSEE-Code | 24060 | |
| Website | www.bourniquel.fr | |
Pfarrkirche Sainte-Madeleine | ||
Geografie

Bourniquel liegt etwa 42 Kilometer südsüdöstlich von Périgueux, etwa 36 Kilometer westsüdwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 23 Kilometer ostsüdöstlich von Bergerac in der Région naturelle des Bergeracois, im touristisch benannten Landesteil des Périgord pourpre. Die Gemeinde besitzt entsprechend ihrer Einwohnerzahl nur ein kleines Zentrum mit wenigen Häusern rund um die Kirche. Das Bürgermeisteramt befindet sich etwa 350 Meter entfernt in südwestlicher Richtung. Bourniquel liegt im Einzugsgebiet der Dordogne und wird vom Flüsschen Roumaguet entwässert, das ihr Gebiet im Süden begrenzt, sowie von einem kleineren Fließgewässer.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Bourniquel liegt in der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und aus Sedimentgesteinen, teils aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.
Das Gebiet der Gemeinde erstreckt sich über eine hügelige, relativ bewaldete Landschaft, die vom Tal des Roumaguet und im Südwesten auch vom Tal der Couze markant begrenzt wird. Der topografisch höchste Punkt liegt mit 171 m im Osten, der tiefste Punkt mit 42 m befindet sich im Nordwesten beim Austritt des Roumaguet aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt auf etwa 147 m Höhe.
Rund 55 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 46 % werden landwirtschaftlich, hauptsächlich heterogen genutzt.[2]
Umgeben wird Bourniquel von den fünf Nachbargemeinden:
| Pontours | ||
| Bayac | Molières | |
| Beaumontois en Périgord | Saint-Avit-Sénieur |

Natürliche Risiken
Naturrisiken manifestieren sich in Bourniquel als
- Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen
- Dürren
- Waldbrände
- Bodensetzungen.
Aufgrund der Schäden, die durch Überschwemmungen und Schlammlawinen verursacht wurden, wurde 1982 für die Gemeinde der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des Départements über Hauptrisiken sind vorbeugende Maßnahmen zur Reduktion von Hochwasserschäden festgelegt. Dazu gehören u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dürfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von Regenrückhaltebecken.
Im nahezu gesamten Gemeindegebiet besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräte und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]
Wie die Risikokarte zeigt, sind etwa zwei Drittel des Gemeindegebiets von einer mittleren, im Nordwesten teilweise auch starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.[4]
Toponymie und Geschichte
Der Name des Dorfes reicht bis in das 11. Jahrhundert, vielleicht schon bis in das 9. Jahrhundert zurück, in der Schreibweise Bruniquelt. Er stammt vom ursprünglich germanischen Frauennamen Brunihelt, der aus den Gedichten des Mittelalters in der Form Brunehaut bekannt ist.[5]
Es handelt sich hierbei um Brunichild, eine Frankenkönigin westgotischer Herkunft. Auf ihrer Reise von der Iberischen Halbinsel nach Austrasien zu ihrem Verlobten König Sigibert I. im Jahre 566 überquerte der Tross der Legende nach die Dordogne bei Pontours. Der Name der Stadt ist mit der Legende von Brunichild verbunden, die der Überlieferung nach in die Region geflohen sein soll, bevor sie verhaftet wurde und unter schrecklichen Umständen starb. Diese Legende hat die Identität der Stadt maßgeblich geprägt.[6]
Am Ende des 13. Jahrhunderts erschien der Dorfname als Bruniquel in den Schriften (1281). Der Wechsel von -ru- nach -ur- ist jüngeren Datums.[5]
Die Entdeckung zahlreicher urgeschichtlicher Werkzeuge belegt eine frühe Besiedelung des Landstrichs. Die attraktive geografische Lage auf einer Hügelkette, die die Täler der Dordogne und des Roumaguet trennen, hat sicherlich dazu beigetragen. Die Menschen des Solutréen (24.000–18.000 v. Chr.) und des Magdalénien (18.000–12.000 v. Chr.) haben eine große Zahl von Werkzeugen und Kunstgegenständen hinterlassen, die an zwei bedeutenden Fundorten auf dem Gebiet der Gemeinde zutage gebracht wurden. Die Mehrzahl der Artefakte sind heutzutage auf verschiedene Museen aufgeteilt. In der Nähe des Ortsteils Pujol befinden sich außerdem zwei Grabhügel, von denen einer ein Skelett verbarg, das 1883 ans Licht befördert wurde.[7]
Einwohnerentwicklung
| Bourniquel: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 297 | |||
| 1800 | 290 | |||
| 1806 | 297 | |||
| 1821 | 319 | |||
| 1831 | 354 | |||
| 1836 | 366 | |||
| 1841 | 367 | |||
| 1846 | 372 | |||
| 1851 | 358 | |||
| 1856 | 341 | |||
| 1861 | 312 | |||
| 1866 | 284 | |||
| 1872 | 267 | |||
| 1876 | 266 | |||
| 1881 | 276 | |||
| 1886 | 240 | |||
| 1891 | 219 | |||
| 1896 | 184 | |||
| 1901 | 176 | |||
| 1906 | 161 | |||
| 1911 | 148 | |||
| 1921 | 129 | |||
| 1926 | 93 | |||
| 1931 | 95 | |||
| 1936 | 91 | |||
| 1946 | 90 | |||
| 1954 | 81 | |||
| 1962 | 112 | |||
| 1968 | 62 | |||
| 1975 | 88 | |||
| 1982 | 78 | |||
| 1990 | 52 | |||
| 1999 | 61 | |||
| 2006 | 63 | |||
| 2013 | 65 | |||
| 2020 | 71 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[8] INSEE ab 2006[9][10][11] Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz | ||||
Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche Sainte-Madeleine
Die Maria Magdalena geweihte Kirche wurde im 12. Jahrhundert im romanischen Stil errichtet. Spuren von vier viereckigen Säulen und von innenliegenden Strebepfeilern lassen den Schluss zu, dass es einst eine Kuppel über dem letzten Joch vor der Apsis gab, die ursprünglich mit Blendarkaden versehen war. Gerötete Steine verraten, dass das Gebäude während der Zeit der Katharer oder während der Hugenottenkriege in Brand gesteckt wurde. Ein Vertrag aus dem Jahre 1781 belegt die Durchführung von umfangreichen Baumaßnahmen, Erneuerung des Dachstuhls, Durchbruch von zwei Fenstern in der südlichen Wand, Verkleidung der Decke mit Tannenholz und Errichtung des Glockengiebels, wie die Jahreszahl „1781“ belegt, die in der westlichen Fassade eingraviert ist. Eine Zeichnung von Léo Drouyn aus dem Jahre 1846 zeigt die Kirche gleichsam als Ruine. Sie belegt die Restaurierung des Gotteshauses in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Eingangsportal, die Sakristei und die Seitenkapellen sind 1848 neu errichtet worden, wie die entsprechende Jahreszahl über dem Eingangsportal anzeigt, die allerdings heute nicht mehr lesbar ist. Zur gleichen Zeit wurde die südliche Fassade von der südwestlichen Ecke und seinem dicken Strebepfeiler mit Wassernase bis ungefähr einem Meter vor dem kleinen südlichen Eingang zum Langhaus erhöht. Das Kreuzrippengewölbe in der südwestlichen Ecke des Langhauses ist ebenfalls das Resultat einer modernen Neukonstruktion.[12]
Schloss Cardoux
Zumindest der Grundbau des heutigen Schlosses datiert aus dem 14. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde das Anwesen umgestaltet. Im 18. und im 19. Jahrhundert erfuhr das Schloss umfangreiche Restaurierungsarbeiten und eine Umwandlung von einem militärischen Bauwerk zu einem Ort der Erholung und Sommerfrische. Im 19. Jahrhundert wurde insbesondere die Schlosskapelle errichtet. Die Familie Feytou verfügte im 14. Jahrhundert über das Lehen, anschließend die Familie Beaudet. Diese besaßen das Recht der Fischerei auf der Dordogne und gestalteten ihr Wappen mit drei silbernen Angelhaken auf rotem Hintergrund. Unter der Herrschaft des französischen Königs Ludwig XV. gelangte das Schloss in die Hände der Familie Saint-Exupéry. Ein Mitglied dieser Familie war 1775 hier geboren. Er war Ritter des Malteserordens und Marineoffizier und fiel bei Abukir. Das Schloss ist heute noch im Eigentum der Familie Saint-Exupéry, deren bekanntestes Mitglied Antoine de Saint-Exupéry war. Im Schlossgarten wächst eine Libanon-Zeder, die zweifellos gepflanzt wurde kurze Zeit nach der Einführung dieser Baumart in Frankreich durch Bernard de Jussieu. Die Zeder gehört zu den bemerkenswertesten Bäumen Frankreichs.[13][14]

Archäologischer Fundort Les Champs-Blancs oder Jean-Blancs
Der Fundort mit Artefakten aus dem Jungpaläolithikum ist seit dem 11. März 1943 als Monument historique klassifiziert.[15]
Archäologischer Fundort Le Malpas
Der Fundort mit Artefakten aus dem Solutréen ist seit dem 11. November 1927 als Monument historique klassifiziert.[16]
Befestigte Einheit
Es könnte sich um die Überreste mittelalterlicher Befestigungsanlagen am Lieu-dit Mothe Rouge handeln. Die geringe Größe der Stätte lässt vermuten, dass der Name „Roter Hügel“ lediglich auf ein bestimmtes Merkmal verweist. Die Mothe Rouge könnte einfach ein Haufen Lehm oder roter Ziegel sein. Die Ergänzung des Wortes „Motte“ (Hügel) macht ihn jedoch zu einem eigenständigen Erdhügel mit einer definierten Landnutzung.[17]
Wirtschaft
Erwerbstätigkeit
Im Jahre 2022 waren 34 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Bourniquel erwerbstätig, entsprechend 90,6 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse. Die Zahl der Arbeitslosen war mit einer Person im Jahr 2022 niedriger als im Jahr 2016 (3). Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 9,7 % (2016) auf 3,4 % (2022).[18]
Branchen und Betriebe
Zum 31. Dezember 2023 verfügte die Gemeinde über vier Betriebe, darunter drei in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Fischerei und einen im Verwaltungssektor.[18]
Landwirtschaft
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf die Haltung von Geflügel.[19] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 8 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 5 im Jahr 2000, auf 3 im Jahr 2010 und stieg auf 4 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 50 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 259 Hektar im Jahre 1988 deutlich auf 117 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb sank von 32,4 Hektar auf 29,3 Hektar.[20][21][22]
Fernwanderweg
Der Fernwanderweg GR 6E führt am Zentrum von Bourniquel vorbei. Er ist ein ca. 20 km langes Verbindungsstück zwischen dem GR 6 bei Couze-et-Saint-Front und dem GR 36 bei Sainte-Croix.
Verkehr
Bourniquel liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Lokale Landstraßen verbinden das Dorfzentrum mit den Weilern und Nachbargemeinden.
Literatur
- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
