Bourrou

französische Gemeinde From Wikipedia, the free encyclopedia

Bourrou (Aussprache [buˈʁu], okzitanisch Borron) ist eine französische Gemeinde mit 139 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Périgueux und zum Gemeindeverband Le Grand Périgueux. Die Einwohner werden Bourrounais und Bourrounaises genannt.

Schnelle Fakten
Bourrou
Bourrou (Frankreich)
Bourrou (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département (Nr.) Dordogne (24)
Arrondissement Périgueux
Kanton Périgord Central
Gemeindeverband Le Grand Périgueux
Koordinaten 45° 3′ N,  36′ O
Höhe 110–233 m
Fläche 9,13 km²
Einwohner 139 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 15 Einw./km²
Postleitzahl 24110
INSEE-Code

Blick auf das Zentrum von Bourrou
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Geografie

Bodenbedeckung, Hydrografie und Infrastruktur der Gemeinde (2018)

Bourrou liegt etwa 18 Kilometer südsüdwestlich von Périgueux, etwa 52 Kilometer westnordwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 23 Kilometer nordnordöstlich von Bergerac am Übergang der Région naturelle des Landais zum Périgord central im touristisch benannten Landesteil des Périgord blanc. Die Gemeinde liegt im Einzugsgebiet der Dordogne und wird von einem namenlosen, zeitweise trockenfallenden Bach entwässert, der im Gemeindegebiet entspringt.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Bourrou liegt in der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und aus Sedimentgesteinen, teils aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.

Das Gebiet der Gemeinde erstreckt sich über eine hügelige, relativ bewaldete Landschaft. Der topografisch höchste Punkt liegt mit 233 m im äußersten Süden an der Grenze zur Nachbargemeinde Douville, der tiefste Punkt mit 110 m befindet sich im äußersten Norden beim Austritt des namenlosen Bachs aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt erhöht auf etwa 204 m Höhe.

Rund 55 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 45 % werden landwirtschaftlich, hauptsächlich heterogen genutzt.[2]

Umgeben wird Bourrou von den sechs Nachbargemeinden:

Manzac-sur-Vern Saint-Paul-de-Serre (Berührungspunkt)
Jaure Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Grun-Bordas
Villamblard Douville
Risikokarte zur Quellungs/Schrumpfung von Tonmineralen in Böden für Bourrou

Natürliche Risiken

Naturrisiken manifestieren sich in Bourrou als

  • Dürren
  • Waldbrände
  • Bodensetzungen.

Im gesamten Gemeindegebiet besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräte und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]

Wie die Risikokarte zeigt, ist nahezu das gesamte Gemeindegebiet von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. In den Jahren 1996, 1999, 2008 und 2023 sind beispielsweise Dürreperioden bezogen auf die Gemeinde als Naturkatastrophen klassifiziert. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.[4]

Toponymie und Geschichte

Das kleine Dorf wurde im 14. Jahrhundert Borrellum (1337) und Borronium (1360) genannt. Im folgenden Jahrhundert erschien eine andere, latinisierte Form, Nemus de Borrona (deutsch Wald von Borron) (1472) sowie Borro (1490). Die Schreibweise Borrellum ist zweifellos ein Fehler des Kopisten. Die anderen Formen lassen eine Verdrehung der Endung -on zu -ou vermuten. Bourrou stammt von einem Namen einer gallorömischen Person, gefolgt von -onem, von Burrus bei gallischem Ursprung, von Boro(n) bei germanischem Ursprung.[5]

Spuren einer Besiedelung des Gebiets der Gemeinde reichen bis in die gallorömische Zeit zurück. Aquitanien wurde 418 eine Provinz der Westgoten, die sich ab dem fünften Jahrhundert an den Ufern der größeren Flüsse niederließen. Mit dem Sieg des fränkischen Königs Chlodwig I. über den Westgoten Alarich II. in der Schlacht von Vouillé im Jahre 507 sollte die Region Teil des Frankenreichs werden, doch die Dordogne wollte lieber ihre Unabhängigkeit, so dass es zwischen 700 und 708 zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam, unter denen auch Bourrou zu leiden hatte. Die Dordogne und damit auch die Gemeinde waren in dem Hundertjährigen Krieg und den Hugenottenkriegen involviert. Die Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahr 1685 zwang viele Protestanten im Landstrich zur Auswanderung. Des Weiteren brach 1584 die erste Rebellion der Croquants aus. Angeführt wurde er in der Region von Pierre Grellety als Reaktion auf die Einführung neuer Steuern. Bauernaufstände setzten sich im 16., 17. und 18. Jahrhundert immer wieder fort und trugen so zur Tradition des Widerstands in der Region bei. Während der Französischen Revolution nahm der Pfarrer von Bourrou in der Nationalversammlung teil, um an der Vereinigung des französischen Klerus zu wirken.[6]

Einwohnerentwicklung

Bourrou: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
 
370
1800
 
271
1806
 
314
1821
 
433
1831
 
399
1836
 
386
1841
 
375
1846
 
423
1851
 
409
1856
 
401
1861
 
375
1866
 
384
1872
 
333
1876
 
340
1881
 
392
1886
 
357
1891
 
327
1896
 
296
1901
 
274
1906
 
278
1911
 
239
1921
 
194
1926
 
184
1931
 
138
1936
 
131
1946
 
167
1954
 
141
1962
 
181
1968
 
189
1975
 
173
1982
 
176
1990
 
155
1999
 
153
2006
 
156
2013
 
131
2020
 
124
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[7] INSEE ab 2006[8][9][10]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Städtepartnerschaften

Bourrou unterhält über den ehemaligen Kanton Vergt seit 1996 eine Städtepartnerschaft mit:

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Saint-Michel

Pfarrkirche Saint-Michel

Eine einfache Kapelle, von der allein die flache Apsis übrig geblieben ist, wurde im Jahre 1500 erbaut. Die heutige, dem Erzengel Michael geweihte Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit finanzieller und tatkräftiger Unterstützung der Gemeinde neu gebaut und vergrößert. Am 18. August 1868 wurde sie eingeweiht. Sie besteht aus einem Langhaus mit einem Haupt- und zwei Seitenschiffen. Das ehemalige Eingangsportal im Westen ist mit fünf spitzbogenförmigen Archivolten ausgestaltet. Der heutige Eingang zu einer Vorhalle im Osten ist mit einer breiten Archivolte verziert, die auf kleinen Säulen ruht. Über der Vorhalle erhebt sich der Glockenturm mit Rundbogenfenstern und einem spitzen Dach. Über dem Eingang befindet sich eine steinerne Statue, darüber eine Turmuhr. Zu beiden Seiten des Glockenturms streben kleine sechseckige Türme empor. Sie besitzen schmale Öffnungen, die an Schießscharten erinnern. An ihren Spitzen sind schmiedeeiserne Kreuze zu erkennen, die bis zur halben Höhe des Glockenturms reichen. Das Haupt- und die beiden Seitenschiffe sind mit vierteiligem Kreuzrippengewölbe ausgestattet. Zahlreiche Glasfenster entstammen der Glasmalereiwerkstatt der Karmelitinnen von Le Mans. In der Nähe der Kirche befindet sich ein Konvent, der von rund zehn Nonnen bewohnt ist, die sich um ältere und behinderte Mitmenschen kümmern.[12][13]

Schloss Monciaux

Es ist im 19. Jahrhundert erbaut worden und diente den Familien de la Farque und du Jonchay als Wohnsitz. Es besteht aus zwei T-förmig angeordneten Wohntrakten. Vier Fenster und Türen auf jeder Etage akzentuieren die Fassaden in Richtung Innenhof und in Richtung Garten. Jeder Endpunkt des Gebäudes ist mit hexagonalen dreigeschossigen Türmen bestückt, die kleine Schießscharten besitzen. Das Gebäude befindet sich in der Mitte seines Parks, umgeben von ehemaligen landwirtschaftlichen Nebengebäuden. Im Jahre 2003 wurden die Landgüter von Monciaux und la Sudrie von zwei verschiedenen Besitzern gekauft. Das Landgut von Monciaux hat seinen Hotel- und Tourismusbetrieb behalten, das Landgut la Sudrie hat den Betrieb eines Reiterzentrums aufgenommen mit Einrichtungen hohen Niveaus, u. a. mit einer olympischen Reitbahn.[14]

Ehemaliger Taubenschlag

In der Nähe des Zentrums von Bourrou erhebt sich die Ruine eines ehemaligen Taubenschlags am Hang eines Hügels, der die Landschaft überragt. Er gehört zur Sorte von freistehenden Taubenschlägen, die insbesondere im 18. Jahrhundert aufgestellt wurden. Sein Umfang und die Dicke der Mauern zeigen an, dass er einst einem Reichen gehörte, der ein sehr großes Landgut besaß.[13]

Bildung

Bourrou verfügt über die private Hausunterrichtsschule (école maison) „Jacques Sevin“.[15]

Wirtschaft und Infrastruktur

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 63 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Bourrou erwerbstätig, entsprechend 85,5 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Frauen (85,7 %) etwas höher war als bei den Männern (85,3 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 11 Personen im Jahr 2022 signifikant höher als im Jahr 2016 (4). Die Arbeitslosenquote stieg entsprechend von 6,9 % (2016) auf 16,9 % (2022).[16]

Branchen und Betriebe

13 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2022 in Bourrou wirtschaftlich aktiv:[16]

Weitere Informationen Branche, Anzahl ...
Branche
Anzahl%
Gesamt13
Fertigung, Bergbau und andere Industrien17,7 %
Baugewerbe215,4 %
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie430,8 %
Finanzen und Versicherungen17,7 %
Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten17,7 %
Andere Dienstleistungen430,8 %
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Landwirtschaft

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Haltung von Schafen oder Ziegen.[17] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 16 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 11 im Jahr 2000, auf 6 im Jahr 2010 und auf 5 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 68,8 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 283 Hektar im Jahre 1988 auf 134 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg hingegen von 17,7 Hektar auf 26,8 Hektar.[18][19][20]

Sport und Freizeit

Das Reiterzentrum von Bourrou bietet auf einer Fläche von 61 Hektar u. a. diverse Reitkurse und -trainings, Ausritte und an Bedürfnissen behinderter Menschen orientierten Pferdesport an.[21]

Fernwanderwege

An der Grenze zur Nachbargemeinde Douville verläuft der Fernwanderweg GR 654, der in seinem Verlauf der Via Lemovicensis, einem der vier Jakobswege in Frankreich, ähnelt.[22]

Verkehr

Bourrou liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Lokale Landstraßen verbinden das Zentrum der Gemeinde mit den Weilern und Nachbargemeinden.

Persönlichkeiten

Jean-Louis-Auguste Clavel, bekannt unter dem Namen als Kanoniker Clavel de Saint-Geniez, geboren am 21. Januar 1808 in Saint-Geniez-d’Olt (Département Aveyron), gestorben im Jahre 1876, war katholischer Priester sowie Arzt und Botaniker. Nach seiner Ordination war er u. a. Pfarrer der Gemeinde Bourrou.[23]

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Bourrou – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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