Boßdorf

Ortsteil von Wittenberg From Wikipedia, the free encyclopedia

Boßdorf ist eine Ortschaft von Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Sie umfasst die Ortsteile Boßdorf, Assau, Kerzendorf und Weddin.[2]

Schnelle Fakten Lutherstadt Wittenberg ...
Boßdorf
Koordinaten: 51° 59′ N, 12° 41′ O
Höhe: 143 m ü. NHN
Fläche: 32,69 km²
Einwohner: 249 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 8 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 06889
Vorwahl: 034920
Kriegerdenkmale vor der Kirche
Kriegerdenkmale vor der Kirche
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Geografie

Boßdorf liegt 10 Kilometer südlich von Niemegk und 14 Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Lutherstadt Wittenberg im Naturpark Fläming an der Landesgrenze zu Brandenburg. Nachbargemeinden im dortigen Landkreis Potsdam-Mittelmark sind Rabenstein/Fläming und Treuenbrietzen. Im Nordosten der Gemarkung liegt die wüste Feldmark Schrobsdorf.

Geschichte

14. bis 16. Jahrhundert

Das Straßenangerdorf wurde erstmals im Jahr 1356 durch einen Auftritt eines Johannes Bostorp in Treuenbrietzen urkundlich erwähnt. In den Jahren 1419/1420 wurde von einem Ort czu bostorff berichtet. Der Name wandelte sich zu Bostorff im Jahr 1592.[3] In den Jahren 1419/1420 besaß die Familie Kracht die Hebungen aus sechs Krughufen. Die Familie von Leipzig(er) hielten in dieser Zeit den dritten Teil des Dorfes. Der verbleibende Teil könnte sich im Besitz der Familie Kracht befunden haben. Im Jahr 1447 besaßen die von Leipziger die Gerichtsbarkeit und zwei Teile des Dorfes. Ihr Anteil kam 1515 in den Besitz der Brandt von Lindau zu Wiesenburg bzw. Schmerwitz und blieb dort bis 1711. Anschließend übernahm ihn die Familie von Ribbeck, die ihn bis 1799 hielt. Bis um 1822 war er im Besitz des Kröpstädter Zweigs der Familie von Leipziger, die ihn 1860 an die von Freiberg zu Reinsdorf bei Wittenberg weitergaben. Von dort kam er von 1862 bis 1869 in den Besitz der Bratz, die damit das Dorf, die Ober- und Untergerichtsbarkeit sowie das Kirchenpatronat besaßen. Das Rittergut wurde 1869 durch Verkäufe zerschlagen, das Kirchenpatronat ging an das Vorwerk Karlshof über. Um 1515 wurde Boßdorf zusammen mit dem benachbarten Assau zu einer Exklave im Kurkreis des Kurfürstentums Sachsen, da es zu dieser Zeit zum Zaucheschen Kreis in der Kurmark der Mark Brandenburg gelangte.[4] Eine detaillierte Statistik über die Besitzverhältnisse liegt aus dem Jahr 1592 vor. Demzufolge besaß der Schulze vier freie Lehnhufen, fünf wüste Assauer und zwei wüste Schrobsdorfer Hufe. Von den drei Vierdorfhufner besaß einer zwei wüste Assauer Hufe, ein anderer eine Hufe vom Gotteshaus, drei wüste Assauer und eine wüste Schrobsdorfer Hufe. Der dritte Hufner besaß eine wüste Assauer und eine wüste Schrobsdorfer Hufe. Die drei Dreidorfhufner besaßen folgende Anteile: Der erste Hufner besaß eine Hufe vom Gotteshaus und zwei wüste Schrobsdorfer Hufe. Der zweite Hufner besaß zwei wüste Assauer und zwei wüste Schrobsdorfer Hufe und der dritte Hufner vier wüste Assauer und zwei wüste Schrobsdorfer Hufe. Die beiden Zweidorfhufner besaßen drei wüste Assauer und drei wüste Schrobsdorfer Hufe bzw. einen Hofe zu Assau und zwei wüste Assauer und drei wüste Schrobsdorfer Hufe. Der Kossät wohnte in einem Haus mit Hof, besaß einen Gottesacker und ein Breitchen. Der Windmüller besaß ein Haus und Hof; ein Reitschmied ebenfalls ein Haus und Hof sowie Gottesland, zwei wüste Assauer Hufen und zinste der Kirche von wüsten Kardeleben. Der Pfarrer konnte im Jahr 1592 auf drei Pfarrhufen, zwei wüste Hufen zu Assau und einen wüsten Hof in Kardeleben zurückgreifen. Der Küster besaß einen wüsten Hof im Dorf und bekam zu Neujahr aus jedem Haus ein Brot. Die Einkünfte der Kirche speisten sich aus zwei Hufen und ein Stück Gottesland.[5] Der Schulze war im Jahr 1597 ausgekauft und hatte das Vorwerk und die Schäferei angerichtet.[6]

17. Jahrhundert

Der Ertrag des Vorwerks betrug im Jahr 1627 insgesamt 280 Scheffel Roggen, 183 Scheffel Gerste, 140 Scheffel Hafer und umfasste einen Bestand an 300 Schafen. Die Gemarkung war um 1685 insgesamt 25 Hufen groß. Eine Statistik aus dem Jahr 1687 führte auf: acht besessene Hufner, vier Kossäten (darunter ein Schmied), einen Leineweber, einen Rademacher, einen Schneider, einen Pachtschäfer, einen Kuhhirten und einen Windmüller.[6]

18. und 19. Jahrhundert

Im Jahr 1745 lebten im Dorf acht Bauern und drei Kossäten; es gab eine Windmühle. Im Jahr 1772 wurde von einem Prediger, sieben Bauern, 13 Kossäten, einem Müller und einer Schmiede berichtet.

Für das Jahr 1801 sind überliefert: acht Ganzbauern, acht Ganzkossäten, 12 Büdner sowie sieben Einlieger. Es gab eine Schmiede, einen Krug, eine Windmühle und einen Förster. Die Gemarkung umfasste 25 Bauernhufen sowie sechs Lehnhufen und 37 Feuerstellen (=Haushaltungen). Boßdorf bestand im Jahr 1837 aus dem Rittergut und Dorf mit 64 Wohnhäusern.[6] Das Dorf war dabei 2157 Morgen (Mg) groß: 37 Mg Gehöfte, 2116 Mg Acker, 4 Mg Wiese. Das Rittergut umfasste 1957 Mg: 4 Mg Gehöfte, 1400 Mg Acker, 3 Mg Wiese, 500 Mg Wald.[3] Es gab im Dorf sechs öffentliche, 58 Wohn- und 66 Wirtschaftsgebäude, darunter zwei Getreidemühlen. Im Rittergut standen zwei Wohn- und fünf Wirtschaftsgebäude, darunter eine Brennerei und eine Ziegelei.[6] Zum Dorf gehörte 1871 der Wohnplatz Kolonie Assau (auch erwähnt 1885, 1895), zum Rittergut der Wohnplatz Vorwerk Assau (auch 1885, 1895, 1905).

20. Jahrhundert

Das Dorf umfasste im Jahr 1900 eine Fläche von 807 Hektar (ha) und bestand aus 97 Häusern. Im Rittergut standen auf 229 ha lediglich drei Häuser.[3] Das Vorwerk Karlshof kam 1909 zur Gemeinde Boßdorf, der Gutsbezirk Assau 1928. Boßdorf war 1931 Landgemeinde mit den Wohnplätzen Assau, Karlshof und Ziegelei und umfasste insgesamt 98 Wohnhäuser mit 109 Haushaltungen, die auf einer Fläche von 1162 ha standen. Im Jahr 1939 gab es 13 land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit einer Fläche zwischen 20 und 100 ha. Weitere 33 Betriebe waren zwischen 10 und 20 ha groß, 19 Betriebe zwischen 5 und 10 ha sowie 16 Betriebe zwischen 0,5 und 5 ha.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 125 ha enteignet: 62 ha Acker und Wiese sowie 62,5 ha Wald. Davon gingen 28,5 ha an vier Neubauern sowie 80,75 ha an 31 Altbauern. Boßdorf gehörte ursprünglich zum Landkreis Zauch-Belzig (bis 1947 preußische Provinz Brandenburg, 1947 bis 1950 Land Brandenburg). 1950 wurde die Gemeinde dem Kreis Wittenberg im Land Sachsen-Anhalt zugeordnet (ab 1952 Bezirk Halle, ab 1990 wieder Land Sachsen-Anhalt). Im Jahr 1952 gründete sich eine LPG Typ I mit neun Mitgliedern und 51 ha Fläche. Das Dorf umfasste im Jahr 1957 den Ortsteil Assau sowie die Wohnplätze Karlshof und Ziegelei. Im Jahr 1960 gab es im Dorf eine LPG Typ III mit 269 Mitgliedern und 1514 ha Fläche, eine LPG Typ I mit 17 Mitgliedern und 86 ha Fläche, die 1963 an die LPG Typ III angeschlossen wurde. Zwei Jahre später wurden die Gemeinde Kerzendorf (Bezirk Halle) und Weddin (Bezirk Halle) als Ortsteile eingegliedert.[6]

21. Jahrhundert

Am 1. Januar 2010 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Boßdorf zusammen mit den Gemeinden Straach und Kropstädt nach Lutherstadt Wittenberg eingemeindet. Ortsteile der ehemaligen Gemeinde waren Assau, Kerzendorf und Weddin.

Bevölkerungsentwicklung

Weitere Informationen Einwohnerentwicklung in Boßdorf von 1772 bis 1971 ...
Einwohnerentwicklung in Boßdorf von 1772 bis 1971
Jahr17721801181718371858187118851895190519251939194619641971
Einwohner214232240321Dorf 398 und Gut 25377 und 5371 und 13487 und 10473 und 7433437689497787
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Kultur und Sehenswürdigkeiten

Dorfkirche Boßdorf

Religion

Die Kirchengemeinde Boßdorf gehört zum Pfarrbereich Niemegk des Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz,[7] die Kirchengemeinden Kerzendorf und Weddin hingegen zum Pfarrbereich Dobien des Kirchenkreises Wittenberg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.[8] Ebenso gehören Boßdorf und Assau zum Erzbistum Berlin (Pfarrei Belzig), Kerzendorf und Weddin hingegen zum Bistum Magdeburg (Pfarrei Wittenberg).

Verkehr

Boßdorf liegt an der Landesstraße L 123 zwischen Straach und Kropstädt. Zur Bundesstraße 2, die Berlin und Lutherstadt Wittenberg verbindet, in Kropstädt sind es in östlicher Richtung 6 km.

Der Fernradweg Tour Brandenburg führt durch Boßdorf.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil V – Zauch – Belzig. Bearbeitet von Peter P. Rohrlach. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 14. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 48 ff.

Einzelnachweise

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