Brandsteig

archäologische Stätte in Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Brandsteig ist eine Flur zwei Kilometer westlich des Dorfes Rötenberg, das zur Gemeinde Aichhalden im Landkreis Rottweil in Baden-Württemberg gehört. Er ist bekannt als archäologische Fundstelle einer römischen Anlage, die im Jahre 2013 als Tempelbezirk erkannt wurde. Der Ort liegt auf 690 Metern Höhe und damit am höchsten Punkt der römischen Kinzigtalstraße, die ab dem Jahre 73 n. Chr. das römische Straßburg (Argentoratum) mit Rottweil (Arae Flaviae) verband.

Der Diana Abnoba geweihter Altar von der Fundstelle Brandsteig (Nachbildung)

Geografische Lage

Der Brandsteig liegt am Rande des Gemeindegebiets von Aichhalden direkt an der Grenze zur Gemeinde Schenkenzell. Die Lage bildet zugleich den deutlich sichtbaren Übergang zwischen dem Oberen Kinzigtal und der sich östlich anschließenden Gäulandschaft. Heute liegt der Brandsteig direkt am Schwarzwald-Ostweg, auf der Etappe zwischen Alpirsbach und Schramberg. Der Flurname „Brandsteig“ bezieht sich auch auf die beiden anliegenden Höfe, und auf den oberen Teil der asphaltierten Straße vom Tal hinauf.

Geschichte

Das Kinzigtal als Teil des Schwarzwaldes war in der Antike eine schwer zugängliche, kaum besiedelte Landschaft, wogegen die Hochfläche des Gäugebiets ein fruchtbarer, bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. von Kelten bewohnter Landstrich war. In römischer Zeit war die Region Teil des Dekumatlandes. Die nahegelegenen ehemaligen Kastelle von Waldmössingen und Sulz sowie das Municipium Arae Flaviae als Vorgänger des heutigen Rottweil wurden ab dem Jahre 73 n. Chr. im Zuge der römischen Eroberung der Gäuflächen errichtet.

Viel später verlief an dieser Stelle die Grenze zwischen Baden und Württemberg.

Archäologische Erforschung seit 1770

Die ersten Reste der Anlage wurden spätestens 1770 entdeckt bzw. als römisch erkannt. Einige Steine aus dem Fundgebiet sind heute in Rötenberger Häusern verbaut.

Erste Hypothese: Villa rustica

In einer Karte von 1836 ist der Fundort als Villa bezeichnet, wurde also (unrichtig) als landwirtschaftlicher Betrieb aus römischer Zeit interpretiert. 1841 wurde von Wilhelm Brandecker, dem Gründer des Schwarzwälder Boten, dem Geologen Friedrich von Alberti und anderen örtlichen Honoratioren ein Altertumsverein gegründet, der sich erstmals wissenschaftlich mit den Funden auseinandersetzte.

2. und 3. Hypothese: Mansio bzw. Benefiziarier-Posten (Straßenstation)

Im Areal deutlich zu erkennen waren die Umfassungsmauer und der Grundriss eines Tempels. Der Fund eines der Abnoba, der Schutzgöttin des Schwarzwaldes, gewidmeten Altars aus dem 1. Jahrhundert sowie die Lage an einer Süßwasserquelle direkt am Aufstieg aus dem Kinzigtal legten den Schluss nahe, dass die Fundstelle an der in den Jahren 73 und 74 unter Vespasian angelegten Kinzigtalstraße von Straßburg nach Rottweil gelegen habe, was auch dem heutigen Forschungsstand (2026) entspricht. Noch heute führen am Brandsteig mehrere kleine Straßen von Schiltach im Kinzigtal hinauf. 1909 interpretierte Eugen Nägele den Ort deswegen als Mansio, eine römische Straßenstation mit Unterkunft von Verpflegung für die Reisenden.[1] Der Archäologe Philipp Filtzinger deutete die Anlage dann als so genannte Benefiziarier-Station, also einen Posten der römischen Straßenpolizei.

Verständnis seit 2013: Gallo-römischer Tempelbezirk an der römischen Kinzigtalstraße

Umgangstempel, Nachbau im Römermuseum Schwarzenacker

2001 wurde die Interpretation als Benefiziarer-Station in Frage gestellt[2] und im Januar 2013 wurde das Areal ausführlich geomagnetisch untersucht.[3] Dabei wurden die Überreste von insgesamt mindestens sieben Umgangstempeln im Boden dokumentiert. Es scheint sich also weniger um einen militärisch gesicherten Straßenposten als um einen gallo-romanischen Tempelbezirk, ähnlich jenen in Tawern oder in Hochscheid gehandelt zu haben. Die im 19. Jahrhundert dokumentierten Münzfunde werden nun als Votivgaben interpretiert, mit denen von Westen kommende Reisenden für die geglückte Durchquerung des Schwarzwaldes dankten.

Fundstücke und Erhaltungszustand

Nachbildung des Merkur-Reliefs

Das bedeutendste überlieferte Fundstück ist der Abnoba-Altar aus dem 1. Jahrhundert. Der Altar wurde laut Inschrift von einem Zenturio der XXII. Legion als Einlösung eines Gelübdes gestiftet und muss wegen des Namenszusatzes der Legion D(omitianae) vor 96 n. Chr. geschaffen worden sein. Das Original wurde 1944 im Stuttgarter Lapidarium zerstört, es steht aber eine Nachbildung am Fundort.

Dort befindet sich ebenfalls eine künstlerische Adaption des 1983 in der Nähe gefundenen Merkur-Reliefs, eines dem Schutzgott der Händler gewidmeten Steins. Das Original befindet sich im Archäologischen Museum Colombischlössle in Freiburg.

Außerdem sind zwei antike Säulen ausgestellt und auf einer Infotafel ein seit der Untersuchung von 2013 allerdings überholter Plan des Fundgebiets.

Der Brandsteig als Ziel für Radfahrer

Für Radsportler ist die Auffahrt zum Brandsteig von Schiltach im Kinzigtal aus mit ihren 360 Höhenmetern eine beliebte Tour. Die Auffahrt hat drei verschiedene Varianten, alle mit anspruchsvollen Steigungen zwischen 15 und 20 Prozent. Ob eine dieser Trassen genau der alten Römerstraße folgt, ist unklar, da deren genauer Verlauf in diesem Abschnitt bisher nicht bekannt ist (Stand 2026). Sie verlief jedenfalls knapp nördlich der mittelalterlichen Schiltacher Steige, die die Hochebene des Gäus knapp zwei Kilometer weiter südlich (bei "Zollhaus") erreicht hat.

Literatur

  • Harald von der Osten-Woldenburg, Ute Seidel, Daniela Tränkle, Florian Tränkle: Neues aus „claßischem Boden“. Ein römischer Tempelbezirk am „Brandsteig“ bei Aichhalden-Rötenberg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg – Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege 42 (2013), Nr. 4, S. 208–212.

Einzelnachweise

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