Brantôme

ehemalige französische Gemeinde From Wikipedia, the free encyclopedia

Brantôme (Aussprache [bʁɑ̃ˈtom], okzitanisch Brantòsme) ist mit 2125 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2016) ein Ortsteil der französischen Gemeinde Brantôme en Périgord im Norden des Départements Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Als bis 2015 selbstständige Gemeinde gehörte Brantôme zum Arrondissement Nontron. Die Einwohner werden Brantômais und Brantômaises genannt.

Schnelle Fakten
Brantôme
Brantôme (Frankreich)
Brantôme (Frankreich)
Staat Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Dordogne
Arrondissement Périgueux
Gemeinde Brantôme en Périgord
Koordinaten 45° 22′ N,  39′ O
Postleitzahl 24310
Ehemaliger INSEE-Code 24064
Eingemeindung 1. Januar 2016

Die Abtei Saint Pierre de Brantôme mit der Dronne
Schließen

Der Ort erhielt 2025 die Auszeichnung „Zwei Blumen“, die vom Conseil national des villes et villages fleuris (CNVVF) im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs der blumengeschmückten Städte und Ortschaften verliehen wird.[1]

Der Erlass des Präfekten vom 14. Dezember 2015 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2016 die Eingliederung von Brantôme als Commune déléguée zusammen mit der früheren Gemeinde Saint-Julien-de-Bourdeilles zur Commune nouvelle Brantôme en Périgord fest.[2]

Der Erlass der Präfektin vom 31. Oktober 2018 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2019 die Eingliederung von Brantôme en Périgord als Commune déléguée zusammen mit den früheren Gemeinden Cantillac, Eyvirat, La Gonterie-Boulouneix, Saint-Crépin-de-Richemont, Sencenac-Puy-de-Fourches und Valeuil zur gleichnamigen Commune nouvelle Brantôme en Périgord fest. Mit dieser erneuten Zusammenlegung verloren Brantôme und Saint-Julien-de-Bourdeilles ihren Status als Communes déléguées.[3]

Geografie

Lagekarte von Brantôme

Brantôme liegt etwa 18 Kilometer südlich von Nontron und etwa 21 nordnordwestlich von Périgueux am Übergang der Région naturelle des Périgord central zur Région naturelle des Ribéracois im touristisch benannten Landesteil des Périgord vert.

Brantôme besteht neben dem Ortskern aus folgenden Lieu-dits, Weilern, Gehöften und Mühlen: Bas Doumen, Bas Gourdouchez, Blanchou, Bois de Nadieu, Bois de Nadieu, Bost Levé, Bostsempey, Chaboussier, Chambarot, Chambon, Chez Blanchou, Chez Fricassée, Chez Ravaille, Clos-Bois, Clos de Meygnot, Clos du Prieur, Combe Curade, Combe de Fougère, Croix de Beaupuy, Faye, Faye, Fosses, Grande Vigne, Grassaval(les), Haut Doumen, Haut Gourdoule, Incombas, l'Alizier, La Bouchette, La Claperie, La Côte, La Coupelle, La Pépide, La Pouge, La Roque, Laforest, Laforesterie, Lamourier, Landrivie, Larat, Le Chachas, Le Cérijol, Le Chatenet, Le Cussou (Ruinen), Le Grand Bost, Le Hazard, Le Mas, Le Moulin de Lafon, Le Moulin de Lombraud, Le Moulin de Thermes, Le Mounet, Le Petit Puy-Laurent, Le Pic, Le Puy Fournier, Le Roc Blanc, Le Roussat, Le Sautereau, Le Terme Rouge, Le Tourteloux, Le Tout Blanc, Le Vignaud, Les Balans, Les Barrières, Les Bouchardies, Les Catalots, Les Clauds, Les Combeaux, Les Combes, Les Courrières, Les Gourdoux, Les Grandes Pièces, Les Grands Thèves, Les Habrands, Les Jarrisses, Les Martres, Les Nadauds, Les Rebières, Les Reclus, Les Roches, Lombraud, Montagrier, Montégrier, Moulin de Grenier, Pauvre Terre, Peyrelevade, Puy-Foucaud, Puy-Gombert, Puy-Henry, Puy-Laurent, Puy-Loubet, Puy-Marteau, Puyclaud, Puyjoubert, Puynadal, Rechignac, Saint-Pardoux-de-Feix, Subreroches, Thermes, Vigneras und Vigonac.

Der künstlich angelegte linke Abzweig der Dronne vor den Überresten der einstigen Stadtmauer, dahinter das Altenheim

Brantôme befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird in Nordost-Südwest-Richtung von der Dronne durchflossen, dem rechten Hauptnebenfluss der Isle. In die Dronne mündet beim Lieu-dit Moulin de Thermes die Côle als linker Nebenfluss und bildet hier die Nordostgrenze zu Condat-sur-Trincou. An der Nordwestecke des Gemeindegebietes wird beim Weiler Puy-Henry noch der Belaygue erreicht, ein linker Nebenfluss des Boulous.

Rechte Seitenarme der Dronne sind vor allem der in Süd-Richtung fließende Libourny, der in der Gemeinde Champagnac-de Belair entspringt und dann kurz vor dem Ortskern mündet. Flussabwärts vom Ortskern folgen dann rechtsseitig noch fünf kleinere Trockentäler. Auch linksseitig besteht eine ganze Reihe von Trockentälern. Das letzte und größte unter ihnen mündet beim Lieu-dit Les Rebières in die Dronne. Es verläuft in etwa Ost-West und drainiert den gesamten Südosten des Ortsgebietes. Sein stark verästelter linker Seitenarm reicht bis zu den Höhenlagen um Puy-de-Fourches. All diese Trockentäler führen nur bei Starkregen oder Überschwemmungen Wasser, einige Unterläufe in Dronne-Nähe Speisen jedoch kleine Bäche und Weiher.

Brantôme gehört zum Flusssystem Isle-Dronne.

Der historische Ortskern befindet sich auf einer nahezu runden Insel von 300 Meter Durchmesser inmitten der Dronne, weswegen Brantôme auch als „Venedig des Périgords“ bezeichnet wird. Die Insellage des Ortskerns von Brantôme im Mäander der Dronne ist künstlich und wurde zu Verteidigungszwecken durch einen neu angelegten linken Abzweig geschaffen.

Der topografisch tiefstgelegene Punkt mit 94 m über dem Meer liegt im Südwesten beim Lieu-dit Les Rebières an der Dronne, die hier das Ortsgebiet verlässt. Zwei höchstgelegene Punkte mit je 208 m Meereshöhe befinden sich an der Südostecke beim Weiler Le Grand Claud (der nördliche grenzt an bereits Eyvirat, der etwas weiter südlich gelegene an Sencenac-Puy-de-Fourches). Die maximale Höhendifferenz beträgt somit 114 Meter bei einer durchschnittlichen Meereshöhe von 151 m. Das Rathaus in der Stadt nimmt eine Höhe von 104 m ein.

Brantôme wird von folgenden drei Nachbargemeinden und sieben Ortsteilen von Brantôme en Périgord umgeben:

Saint-Crépin-de-Richemont (Brantôme en Périgord) Cantillac (Brantôme en Périgord) Champagnac-de-Belair
Saint-Julien-de-Bourdeilles (Brantôme en Périgord)
La Gonterie-Boulouneix
(Brantôme en Périgord)
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Condat-sur-Trincou
Valeuil (Brantôme en Périgord)
Bourdeilles
Sencenac-Puy-de-Fourches (Brantôme en Périgord) Eyvirat (Brantôme en Périgord)

Etymologie und Geschichte

Der Name des Orts erschien 769 erstmals in den Schriften in der latinisierten Form Brantosma, danach 817 in (monasterium) Brantosmii (apud Petrocorios) (deutsch (Kloster von) Brantôme (in der Nähe von Périgueux)). In der Folge änderte sich der Name wenig, legte sich am Ende des 10. Jahrhunderts auf Brantosme (994) fest und wurde manchmal mit einem schmückenden h versehen wie in Brantholmensis conventus. Das -os_ wurde wie bei vielen Wörtern zu einem -ô-.

Die Herkunft des Namens bleibt ungeklärt. Die erstmalige Schreibweise weist mit der Endung -sm- auf einen gallischen Ursprung hin, aber es ist unklar, was die Basis °Branto- bedeuten soll. Nach einer anderen Hypothese nach greift Brantôme den Namen einer ursprünglich germanischen Person Brantho, der Stumme auf.[4] Eine weitere Hypothese besagt, dass der Name auf die beiden Wörter brant (deutsch Felsen) und ona (deutsch Quellen) zurückzuführen ist, was zumindest sehr gut zur geografischen Lage des Orts passt, der auf einer Klippe zwischen dem Fluss Dronne liegt.[5]

Abtei Saint-Pierre de Brantôme mit romanischem Kirchturm

Einer Legende zufolge wurde Brantôme an einer alten Straße am Schnittpunkt von Périgueux und Angoulême erbaut. Archäologische Funde konnten diese Hypothese bisher nicht bestätigen. Die Anwesenheit von Megalithen beweist jedoch, dass der Ort schon vor langer Zeit besiedelt war. Seine strategische Lage auf einem Felsen und die vielen Vorteile erklären, warum sich Menschen dort niederließen.[5]

Es wird überliefert, dass eine Gruppe von Frommen im ersten Jahrhundert in den Höhlen von Fontaine-du-Rocher lebten, wo Fronto von Périgueux dort heidnische Götzenbilder zerstörte.[4]

Der Ort entwickelte sich auf der gegenüberliegenden Seite der Benediktinerabtei Saint-Pierre de Brantôme, die im Jahr 769 von Karl dem Großen unmittelbar an einer Steilwand gegründet worden war. In der Abtei wurden damals die Reliquien des heiligen Sicarius aufbewahrt, weswegen sie von vielen Pilgern aufgesucht wurde. Die Siedlung blühte deshalb schnell auf. Im 8. Jahrhundert schufen die Mönche die heutige Insel, indem sie die Flussschleife mit einem Durchstich abkürzten. Die Abtei wurde in den Jahren 848 (oder 849) und 859 von Wikingern (bzw. Normannen) zerstört, die von der Dordogne und dem Isle aus die Dronne heraufgezogen waren. Die Abtei wurde 1075 wieder aufgebaut, während des Hundertjährigen Kriegs erneut zerstört und nach dem Ende des Krieges in den Jahren 1465 und 1480 wiederhergestellt. Der Kirchturm der Abteikirche aus dem 11. Jahrhundert gilt als einer der ältesten romanischen Kirchtürme im ehemaligen Limousin; an seiner Basis finden sich merowingische Mauerreste. Die Abteikirche Saint-Pierre selbst geht auf das 12. und 13. Jahrhundert zurück.

Nach dem Konkordat von Bologna im Jahr 1516 wurden die Äbte fortan vom französischen König ernannt. Die Anwesenheit dieser angesehenen Äbte ermöglichte die Entwicklung repräsentativer Architektur, darunter den Bau eines heute nicht mehr existierenden Abteischlosses im Renaissancestil. Der Pavillon und der Rundturm, die die Brücke überblickten, bildeten die südliche Verteidigungsanlage des Abteikomplexes. Die Brücke Porte des Réformés diente als nördlicher Eingang.[5]

Der Mönchsgarten, der über die Brücke Pont Coudé zugänglich ist, wurde im 16. Jahrhundert von Pierre de Mareuil, Bischof von Lavaur, angelegt, der 1538 zum Abt von Brantôme ernannt wurde. Er stellte den Frieden und das klösterliche Leben wieder her, die durch die seit 1520 bestehenden Rivalitäten um die Nachfolge als Abt gestört waren, und schloss die Gemeinschaft der Kongregation der Abtei Saint-Pierre von Chézal-Benoît an. Im Jahr 1564 zählte die Abtei 37 Mönche, dreimal so viele wie bei seiner Ankunft. Durch sein Handeln hat er die Geschichte der Abtei und der Stadt geprägt.[5]

Die Abtei entging 1569 während der Hugenottenkriege zweimal knapp der Zerstörung durch Hugenottentruppen unter Gaspard de Coligny. Pierre de Bourdeille konnte dies in Verhandlungen abwenden.

Während der Französischen Revolution wurde die Abtei als Nationalgut säkularisiert. Die letzten sieben Mönche wurden abgefunden; die umfangreiche Bibliothek wurde aufgelöst und ihre Werke wurden zerstreut.

Brantôme war im Mittelalter Etappenort an der Via Lemovicensis, einem der vier historischen Wege der Jakobspilger in Frankreich.

Bevölkerungsentwicklung

Brantôme: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2013
Jahr  Einwohner
1793
 
1.081
1800
 
2.461
1806
 
2.357
1821
 
2.643
1831
 
2.722
1836
 
2.692
1841
 
2.780
1846
 
2.832
1851
 
2.737
1856
 
2.614
1861
 
2.584
1866
 
2.609
1872
 
2.591
1876
 
2.522
1881
 
2.558
1886
 
2.381
1891
 
2.422
1896
 
2.344
1901
 
2.369
1906
 
2.363
1911
 
2.428
1921
 
2.014
1926
 
2.073
1931
 
2.027
1936
 
2.047
1946
 
2.230
1954
 
2.026
1962
 
1.966
1968
 
1.991
1975
 
2.026
1982
 
2.101
1990
 
2.080
1999
 
2.043
2006
 
2.112
2013
 
2.198
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[7][8]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Die Höchstzahl seiner Einwohnerzahl hatte Brantôme im Jahr 1846 mit 2832 Einwohnern, der Tiefstand in den letzten beiden Jahrhunderten war 1962 mit 1966 Einwohnern. Seitdem erfolgte unter einem leichten Rückgang um 1999 ein erneuter Anstieg.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Im Rahmen des Festival Sinfonia en Périgord finden an den letzten beiden Sonntagen im August Konzerte der Barockmusik in der Abtei statt.
  • In der Hauptsaison im Juli/August werden auf der Dronne regelmäßig Fischerstechen ausgetragen.

Wochenmärkte

Jeden Freitagvormittag findet in Brantôme ein regional bedeutender Wochenmarkt statt.[9] Im Juli bis August findet zusätzlich jeden Dienstagmorgen ein Markt mit den Erzeugnissen aus der ortsansässigen Landwirtschaft statt.

Sehenswürdigkeiten

  • Neolithischer Dolmen von Peyrelevade, seit 1889 als Monument historique klassifiziert
  • Höhle Jugement Dernier in der Steilwand hinter der Abtei
  • Ehemalige Kirche Notre-Dame, zu Beginn des 16. Jahrhunderts errichtet, Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Markthalle verändert, seit den 1960er Jahren als Festhalle genutzt, seit 1958 als Monument historique eingeschrieben
  • Abteikirche, heute Pfarrkirche Notre-Dame aus dem 11. und 12. Jahrhundert, seit 1840 als Monument historique klassifiziert
  • Überreste der Kirche Saint-Pardoux-de-Feix mit romanischem Kirchturm aus dem 12. Jahrhundert, damals erste Pfarrkirche der Gemeinde, seit 1949 als Monument historique eingeschrieben
  • Museum Fernand Desmoulin
  • Einsiedelei Chambrebrune aus dem 10. und 12. Jahrhundert, seit 1988 als Monument historique eingeschrieben[10]
  • Parkanlage des Jardin des Moines aus der Renaissance
  • Pont Coudé (deutsch gekrümmte Brücke), rechtwinklig geknickter Brückenverlauf über die Dronne aus dem 16. Jahrhundert, mit Renaissancepavillon, seit 1912 als Monument historique klassifiziert
  • Rue de la Boétie mit seltenem Kamin aus dem 13. Jahrhundert
  • Rue Joussen mit Häusern aus der Gotik und der Renaissance
  • Schloss La Hierce aus der Zeit Franz I., 16. Jahrhundert, seit 1892 als Monument historique klassifiziert[11]
  • Schloss Le Puymarteau aus dem 16. und 17. Jahrhundert, seit 1981 in Teilen als Monument historique eingeschrieben
  • Stadtmauerreste (Tor und Rundturm)
  • Taubenturm des Herrenhauses Le Chatenet

Auf Grund seines noch sehr intakten mittelalterlichen Stadtbildes ist Brantôme ein beliebtes Touristenziel im Périgord.

Fotogalerie

Persönlichkeiten

Literatur

  • J.-P. Floc'h u. a.: Feuille Nontron. In: Carte géologique de la France à 1/50 000. BRGM, Orléans.
  • J.-P. Platel u. a.: Feuille Périgueux (Ouest). In: Carte géologique de la France à 1/50 000. BRGM, Orléans 1989.
  • Dominique Richard (Hrsg.): Le Guide Dordogne-Périgord. Fanlac, Périgueux 1993, ISBN 2-86577-162-8.
  • Périgord, Quercy (= Le guide vert. 20). Michelin Éditions du Voyage, Paris 2000, ISBN 2-06-037005-1.
  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Brantôme – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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