Breitenwisch
Siedlung in Deutschland
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Breitenwisch (plattdeutsch Bredenwisch) ist ein Ortsteil in der niedersächsischen Gemeinde Himmelpforten im Landkreis Stade.
Breitenwisch Bredenwisch Gemeinde Himmelpforten | ||
|---|---|---|
| Koordinaten: | 53° 39′ N, 9° 18′ O | |
| Fläche: | 5,37 km² | |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1972 | |
| Postleitzahl: | 21709 | |
| Vorwahl: | 04144 | |
Lage von Breitenwisch in Niedersachsen
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Spritzenhaus von Breitenwisch | ||
Geografie

Breitenwisch ist – im Gegensatz zum Hauptort Himmelpforten – eine Streusiedlung im Marschland rechts der Oste. Das Ortsgebiet erstreckt sich vom Geestrand Himmelpfortens in nördlicher Richtung entlang der Landesstraße 113 bis zur Gemeindegrenze von Engelschoff-Neuland. Seine Grenzen sind im Norden der Burgbeckkanal, im Osten die Gemarkung Seemoor in Himmelpforten, im Süden die Gemarkung Löhe auf dem Geestrand in Himmelpforten, im Südwesten die Horsterbeck und im Nordwesten die Oste.
Geschichte
Breitenwisch ist vermutlich ebenso wie seine Nachbargemeinden Engelschoff-Neuland und Großenwörden im 12. bzw. zu Anfang des 13. Jahrhunderts von holländischen Kolonisten besiedelt worden, die die fruchtbaren, aber von Sturmfluten bedrohten Marschen des Erzbistums Bremen urbar machten. Diese sogenannte Hollerkolonisation wurde von den Erzbischöfen von Hamburg und Bremen sowie von Heinrich der Löwe gefördert und begründete Siedlungen im ganzen Elbe-Weser-Dreieck. Die charakteristischen Merkmale dieser Epoche sind Marschhufensiedlungen mit einer linearen Anordnung der Gehöfte. Senkrecht zum Flussdeich erstrecken sich Gräben, die ein künstliches Entwässerungssystem bilden und zugleich das Land in die typische Beetstruktur teilen, die sogenannten Marschhufen. Die Grundstücke strecken sich ca. ein bis zwei Kilometer weit. Üblicherweise ist die „Grootdör“ des Bauernhauses dem Ostedeich zugewandt.
Der Ortsname Breitenwisch geht möglicherweise darauf zurück, dass die durch die Gräben abgeteilten Marschhufen, die hier allgemein „Stück“ genannt werden, ein wenig breiter sind, als anderswo. Die darauf angelegten Wiesen heißen niederdeutsch „Wischen“, eine Bezeichnung, der sich z. B. auch in den Ortsnamen Wisch, Wischhafen und in Kleinenwisch wiederfindet.
Religionen
Der Ort ist weit überwiegend evangelisch geprägt und gehört zur Kirchengemeinde St. Petri in Horst/Burweg. Die (wenigen) Katholiken gehören zur St.-Ansgar-Gemeinde im ca. 15 km entfernten Hemmoor.
Eingemeindung
Im Zuge der Gebietsreform wurde am 1. Juli 1972 das bis dahin selbstständige Dorf Breitenwisch der Gemeinde Himmelpforten in der Samtgemeinde Himmelpforten zugeordnet.[1]
Einwohnerentwicklung
Nach der Gebietsreform wurde Breitenwisch zum sog. „Außenbereich“ umgewidmet, in dem nahezu keine Neubautätigkeit zulässig war. Dadurch war die Einwohnerentwicklung zeitweise rückläufig. Erst in den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung 1989, als ein erhöhter Bedarf an Wohnungen u. a. für Aussiedler auftrat, wurde die Schaffung neuen Wohnraums auch in Breitenwisch wieder ermöglicht. Inzwischen hat die Gemeinde Himmelpforten einen kleinen Teil des Ortes Breitenwisch für die Bebauung mit Einfamilienhäusern freigegeben, so dass insbesondere hier aufgewachsene Bürger die Möglichkeit haben, sich in ihrem Heimatort niederzulassen. Nun leben auch wieder junge Familien mit Kindern in Breitenwisch, allerdings ist diese Zahl gering.
Kultur und Sehenswürdigkeiten

Romanische Feldsteinkirche von Burweg-Horst, aus der Zeit der Kolonisierung der Region. Die Kirche St. Petri auf der Horst gehört verwaltungstechnisch zur Gemeinde Burweg, geschichtlich und von der Lage her ist sie aber mit Breitenwisch eng verbunden und wird von den Bewohnern als „ihre“ Kirche angesehen. Sie ist von einem kleinen Kirchhof mit sehr alten Grabsteinen umgeben.
Der Ostedeich und die Beetstruktur der Marsch sind wichtige Kulturdenkmäler, die noch heute von der Mühsal der frühen Bewohner zeugen.
Von Breitenwisch nach Horst führt der auch heute noch so genannte Totenweg (Flur 5 bei 48/003). Auf ihm wurden in früheren Zeiten die Toten aus Neuland, Breitenwisch und Engelschoff auf Holzwagen in der Horster Matrosenkirche gebracht.
Am Rand der Gemarkung Breitenwisch liegt der Horster Beek. Ein kleiner Flusslauf (Nebenarm der Oste) bis nach Himmelpforten, der durch seinen Fischreichtum und seinen natürlichen Verlauf ein beliebter Erholungsort für Fischer und Einheimische ist. Die Deichanlagen stehen unter Denkmalschutz.
Es sind nur noch wenige typische alte Baustrukturen vorhanden. In den letzten Jahren wurden aber einige Höfe und Gebäude restauriert und für heutige Wohnzwecke wieder nutzbar gemacht.
Vereinsleben/Brauchtum
Einige Bräuche haben sich noch lange erhalten:
Neujahrs-Kloppen – An Neujahr zieht man von Haus zu Haus und „kloppte“ an die Türe, um den Bewohnern Neujahrsgrüße zu bringen. Dabei wurden die Gäste natürlich entsprechend bewirtet. Anschließend ging's weiter zum nächsten Haus.
Hochzeit – Zu Hochzeiten und besonderen Hochzeitstagen wurde öffentlich eingeladen. Die Gäste brachten dem Jubelpaar statt anderer Geschenke einen Briefumschlag mit, dessen Inhalt mindestens zur Finanzierung der üppigen Hochzeitsfeier reichte. Daher waren Hochzeiten mit 150 bis 200 Personen keine Seltenheit. Das Ende des klassischen Dorfgasthofs mit Saalbetrieb und die allgemeine Altersentwicklung haben diesen Brauch leider einschlafen lassen.
Hochzeitstage – Sofern nicht auf dem Saal „groß“ gefeiert wurde, haben die Nachbarn einen Kranz gebunden (eine Girlande), der mit viel Hallo um die Haustüre herum drapiert wurde. Die Hochzeitstage haben folgende Bezeichnungen: Papp- oder Gummihochzeit (5 Jahre); Hölzerne Hochzeit (10 Jahre); Rosenhochzeit (15 Jahre); Glas(Flaschen-)hochzeit (20 Jahre); Silberne Hochzeit (25 Jahre); Perlenhochzeit (30 Jahre). Natürlich wurde der Kranz dem Anlass gemäß dekoriert. Das geehrte Paar musste die Kranzbinder mit Speisen und Getränken entlohnen. Auch dieser bis in die 2000er Jahre übliche Brauch ist in Breitenwisch mittlerweile (Stand 2026) eingeschlafen.
Das Vereinsleben wird wesentlich durch die Freiwillige Feuerwehr Breitenwisch und den Breitenwischer Sportverein von 1970 bestritten sowie den Schützenverein Neuland u. Umgebung. Durch die rückläufige Einwohnerzahl und die verstärkte Orientierung der Kinder und Jugendlichen zum Hauptort Himmelpforten, wo mit Schulen, Sportstätten und Jugendhaus eine bessere Infrastruktur gegeben ist, wird die Situation aber zunehmend schwierig.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Die Landesstraße 113 verbindet Breitenwisch mit Himmelpforten und somit mit der Bundesstraße 73 Hamburg-Stade-Cuxhaven. In nördlicher Richtung kommt man in ca. 20 Minuten zur B495 und weiter zur Elbfähre Wischhafen-Glückstadt.
Mit dem Fahrrad sind es ca. 10 Minuten bis zum Bahnhof Himmelpforten. Breitenwisch liegt an interessanten Fahrradrouten: Radfernweg Hamburg-Cuxhaven; Nordseeküstenradweg; Deutsche Fährstraße; Niedersächsische Milchstraße;
Durch Breitenwisch plante die Niedersächsische Landesstraßenbauverwaltung die Vorzugstrasse der Bundesautobahn 22 (seit 2007 im Raumordnungsverfahren). 2005 startete der niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche die Planung. Mit Datum der Linienbestimmung vom 25. Juni 2010 ist die Küstenautobahn A 22 in A 20 umbenannt worden. 2021 hat die Autobahn GmbH des Bundes die Planung übernommen. Der Bauabschnitt BA 7 von der Landstraße L114 bei Elm bis zum Kreuz A20/ A26 bei Drochtersen durchquert den Landkreis Stade und gilt wegen des Baugrunds (Marschboden / Moorgebiete) und der erforderlichen Querung des Flusses Oste als besonders herausfordernd. Anfang 2026 befand sich der Planentwurf noch in der abschließenden Bearbeitung, um das Genehmigungsverfahren (Planfeststellungsverfahren) einzuleiten.
Die Autobahn würde Breitenwisch durchschneiden und stark verändern. In Breitenwisch ist die Bürgerinitiative gegen die A 22 beheimatet, die in den betroffenen Samtgemeinden Himmelpforten und Oldendorf etwa 400 Menschen vertritt. Sie koordiniert sich mit der Initiative A20-nie (Rastede).
Ansässige Unternehmen
Landwirtschaft und Tourismus bilden die wesentlichen Standbeine der örtlichen Wirtschaft. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat auch Breitenwisch verändert. Es gibt nur noch sehr wenige landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe, allerdings sind Flächen auch an auswärtige Landwirte verpachtet oder verkauft. Schwerpunkt ist die Milchvieh- und Grünland-Wirtschaft. Im Herbst 2012 hat ein Hofbetrieb aus dem benachbarten Neuland (Engelschoff) einen Legenhennenstall errichtet. Daneben spielt auch die Pferdezucht (Hannoveraner) eine Rolle. Auch Obstbau (Apfel) und Ackerbau (Weizen, Raps) wird betrieben. In Breitenwisch ist ein Viehhändler sowie ein Lohnunternehmer ansässig.
Die Dorfgaststätte hat vom früher üblichem Landgasthof-Betrieb umgestellt auf Party-Service, Menü-Lieferservice und Gemeinschaftsverpflegung für Schulen, Kindertagesstätten, Senioreneinrichtungen usw. Ein Hof betet „Urlaub auf dem Bauernhof“ an, die ruhige Lage in der Nähe des Bahnhofs von Himmelpforten wird geschätzt, die Region eignet sich besonders für Radtouren.
Sonstiges
Durch den nördlichen Bereich von Breitenwisch führt eine Hochspannungsleitung, die vom Umspannwerk Stade nach Hemmoor-Basbeck führt. Es handelt sich um eine klassische Gittermast-Freileitung zur Übertragung von Strom aus Richtung Norden/Nordwesten und ist Teil der Infrastruktur zwischen Umspannwerken in Stade und umliegenden Regionen.[2]
Im September 2025 haben Bauarbeiten für „Suedlink“ begonnen, eine rund 700 km lange Erdkabel-Gleichstromverbindung, die Windstrom von Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren soll. Die Strecke verläuft zwischen der Oste und der Landesstraße L113 auf ca. 3 Kilometer Länge durch Breitenwisch. Das Erdkabel wird in offener Bauweise verlegt, die Kabelgräben werden anschließend wieder mit Erdreich bedeckt. Die Fertigstellung ist geplant für 2028.[3]


