Bretzenacker

Dorf und seit 1972 ein Ortsteil der Gemeinde Berglen im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis From Wikipedia, the free encyclopedia

Bretzenacker ist ein Dorf und seit 1972 ein Ortsteil der Gemeinde Berglen im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort liegt im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.

Schnelle Fakten Gemeinde Berglen ...
Bretzenacker
Gemeinde Berglen
Wappen von Bretzenacker
Koordinaten: 48° 51′ N,  27′ O
Höhe: 355 m ü. NN
Eingemeindung: 1972
Eingemeindet nach: Buchenberg
Postleitzahl: 73663
Vorwahl: 07195
Karte
Lage von Bretzenacker in Berglen
Ansicht aus dem 17. Jahrhundert (Andreas Kieser)
Ansicht aus dem 17. Jahrhundert (Andreas Kieser)
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Bretzenacker, Berglen
Die Volkhardtsmühle: Die ältesten Teilen des Gebäudes stammen noch aus dem 16. Jahrhundert

Geographische Lage

Das kleine Dorf mit acht benannten Straßen liegt von Streuobstwiesen umgeben oberhalb des Buchenbachs, der bei Burgstall in die Murr mündet.

Umliegende Ortschaften sind das kleine Oberweiler im Norden, Oppelsbohm im Nordosten, Ödernhardt im Südosten, Steinach und Reichenbach im Süden, Lehnenberg im Südwesten und das zu Winnenden gehörende Birkmannsweiler im Nordwesten.

Zur Altgemeinde Bretzenacker gehörte die Volkhardtsmühle.

Ortsname

Entgegen der weit verbreiteten Sage geht der Ortsname nicht auf das Wort Brezel, sondern auf den germanischen Männernamen Bretzo zurück. Bretzenacker bedeutet also Siedlung auf dem Ackerfeld des Bretzo.[1] Der Ortsname hat sich im Laufe der Zeit kaum verändert.

Geschichte

Bretzenacker

Der kleine Ort gehörte zu dem umfangreichen Grundbesitz des Klosters Lorch. Bretzenacker wurde am 22. Juli 1293 erstmals urkundlich erwähnt, als Graf Eberhard der Erlauchte zahlreiche Vogteirechte von dem Kloster erhielt und sich im Gegenzug verpflichtete, die Abtei zu schützen. Über diese Rechte, die das Haus Württemberg für das Kloster ausübte, kam das Dorf zu Altwürttemberg. Die Benediktinermönche aus Lorch besaßen 1542 noch fünf Lehen im Ort. Der Groß- und Klein-Zehnte gingen an die Pfarrei Oppelsbohm; der Neubruch- und Heu-Zehnte mussten an den württembergischen Staat abgeliefert werden. Bretzenacker war in altwürttembergischer Zeit dem Gericht Winnenden zugeteilt. Ab 1808 gehörte Bretzenacker zum Oberamt Waiblingen. Bis 1819 gehörte Bretzenacker zu Oppelsbohm und wurde dann eine eigenständige Gemeinde.[2]

Im 19. Jahrhundert galt Bretzenacker als eine sehr arme Gemeinde mit einem schlechten Boden, der als mager und steinig beschrieben wurde. Neben dem Feldbau wurde auch Obst- und Weinbau betrieben. Der Wein war nur von mittlerer Qualität und wurde oft nach Stuttgart verkauft. Hagelschlag kam in der Gemeinde allerdings vor und zerstörte oft die Ernte. In guten Jahren konnten Most- und Tafelobst sowie Kirschen an auswärtige Händler verkauft werden. Handwerk war in der Gemeinde – von einigen Leinenwebern abgesehen – kaum vorhanden.

Durch die Gebietsreform in der NS-Zeit kam die Gemeinde Bretzenacker 1938 zu dem neu gebildeten Landkreis Waiblingen.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform 1972 wurde die Gemeinde aufgelöst und der neu gegründeten Großgemeinde „Buchenberg“ zugeordnet. Buchenberg wurde am 27. Dezember 1972 in „Berglen“ umbenannt.

Volkhardtsmühle

Die Volkhardtsmühle befindet sich südöstlich des Dorfs im Tal des Buchenbachs. Die Siedlung wurde 1444 in einem Urbar erstmals als Volkhartzmüllin erwähnt. Der Ortsname bedeutet Mühle des Volkhard.[3]

Einwohnerentwicklung

  • 1828: 255 Einwohner[4]
  • 1850: 275 (alle evangelischer Konfession)[5]
  • 1961: 216
  • 1970: 245
  • 1979: 208[6]

Religion

Seit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich 1535 ist Bretzenacker wie ganz Altwürttemberg evangelisch-lutherisch geprägt. Die Einwohner besuchen seit dem 15. Jahrhundert den Gottesdienst in der Mauritiuskirche in Oppelsbohm. Die wenigen römisch-katholischen Christen sind meist nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogen und nach Winnenden eingepfarrt.[2] Bretzenacker verfügt über einen eigenen kleinen Friedhof.

Politik

Schultheißen und Bürgermeister

Die Schultheißen waren zumeist wohlhabende und angesehene Landwirte, die man umgangssprachlich auch Bauraschultes (Bauernschultes) nannte. Erst 1930 wurde in Württemberg die Amtsbezeichnung Schultheiß offiziell durch Bürgermeister ersetzt.

Liste der Schultheißen (unvollständig, Amtszeiten teilweise unklar):

  • 1828: Nachtrieb[4]
Wappen

Wappen und Flagge

Die Altgemeinde Bretzenacker führte ein Wappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.

Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: „In rotem Wappenschild eine goldene (gelbe) Brezel, darüber in weißem Schildhaupt ein Zweig mit drei roten Kirschen“.

Wappenbegründung: Die Kirschen weisen auf den früher bedeutenden Obstbau hin.

Mit der Auflösung der Gemeinde am 1. April 1972 ist das Wappen erloschen. Es kann noch von Vereinen und Privatpersonen zur Traditionspflege, etwa als Abzeichen oder Wimpel verwendet werden.

Sehenswürdigkeiten

  • Volkhardtsmühle: Ehemalige Mahlmühle mit schönem Fachwerk und Walmdach. Die ältesten Teile der Mühle stammen noch aus dem 16. Jahrhundert.

Brauchtum

In Bretzenacker hat sich der alte Brauch der Pfingslümmel erhalten. Dabei handelt es sich um einen Kinderumzug an Pfingsten mit einem von Zweigen und Schellen umhüllten, tanzenden und gabenheischenden Pfingstbutz.[7]

Ortsneckname

Ältere Einwohner von Bretzenacker wissen noch, dass die Einwohner in früheren Zeiten scherzhaft Wasserüble (Wasser-Rüben) genannt wurden. Mit dieser Bezeichnung wurden die Dorfbewohner wegen ihrer Armut von den Bewohnern der umliegenden Orte verspottet.

Sonstiges

Nach der Gründung der Gemeinde Berglen herrschte bei vielen Straßen Namensgleichheit. Um Verwechslungen zu vermeiden, beschloss der Gemeinderat die Umbenennung der Straßen. Man entschied sich dabei, Bezeichnungen aus einem festumrissenen Bereich zu wählen. Man entschied sich bei Bretzenacker für Vögel: Adler-, Amsel- und Bussardstraße. Weiterhin Drosselweg, Falken-, Fasanen-, Finken- und Zeisigstraße.

Persönlichkeiten

  • Denis Scheck (* 1964), Literaturkritiker, Übersetzer und Journalist, in Bretzenacker aufgewachsen

Literatur

  • Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Waiblingen. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1850, S. 126–127.
  • Ilse Böwing-Bauer: Die Berglen. Hopfer Verlag, Tübingen 1958.
  • Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Konrad Theiss 1980, ISBN 3-8062-0243-5. S. 284f.
  • Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 198.
  • Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1993, ISBN 3-17011967-2.
Commons: Bretzenacker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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