Bridgetown
Hauptstadt von Barbados
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Bridgetown [] im Parish Saint Michael ist die Hauptstadt des karibischen Inselstaates Barbados und ebenso dessen Haupthafen und wirtschaftliches Zentrum.
| Bridgetown | ||
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| Koordinaten | 13° 5′ 46″ N, 59° 36′ 30″ W | |
| Basisdaten | ||
| Staat | Barbados | |
| Parish | Saint Michael | |
| ISO 3166-2 | BB-08 | |
| Höhe | 4 m | |
| Fläche | 40 km² | |
| Einwohner | 110.000 (2014) | |
| Dichte | 2750 Ew./km² | |
| Gründung | 1628 | |
| Kultur | ||
| Partnerstädte | ||
Luftbild der Innenstadt | ||
Geschichte
Die Stadt wurde 1628 von Briten an der Stelle einer ausgedehnten einheimischen Siedlung gegründet. Ursprünglich wurde die Stadt Indian Bridge genannt, nach einer indianischen (vermutlich Taino) Brücke über den Constitution River. Sie wurde bis 1654 verwendet[1].
Barbados gilt als die erste Kolonie, in der ein systematisches System der Bewirtschaftung von Zuckerplantagen in Zwangsarbeit durchgeführt wurde, zuerst durch Schuldknechte und kriegsgefangene Iren, dann durch afrikanische Sklaven. Bridgeton war der Hauptumschlagplatz für afrikanische Sklaven, zunächst sogar noch vor den Häfen von Jamaika[2]. Hier waren auch die Zwischenhändler und Geldverleiher ansässig, die "den Handel" erst ermöglichten. Sklaven wurden von hier weitergehandelt, sowohl in die spanischen als auch die französischen Kolonien[3]. Die Aufzeichnungen der Hafenbehörden sind jedoch nicht erhalten, was genaue Angaben schwierig macht[4].
1663 wurden auf der Blackamore, die König Karl II. gehörte, durch die Company of Royal Adventurers trading to Africa 373 Sklaven aus Allada nach Barbados verschifft. Nur 150 davon kamen lebend an, eine Sterblichkeit von ca. 60 %.[5]
Zwischen 1685 und 1715 waren mindestens die Hälfte der Bewohner von Bridgetown Sklaven[6]. Das Gebiet um den Markt der Butcher's Shambles[7] war hauptsächlich von schwarzen Sklaven bewohnt[8]. Bridgetown bot aber auch einen Unterschlupf für Sklaven, die von den Plantagen entkommen waren[9]. Seit 1650 gab es in der Broad Street einen Käfig, um entkommene Sklaven festzuhalten[10].
1781 wurde ein Käfig in einer Nebenstraße gebaut, wo er weniger ins Auge fiel[11]. Seit dem frühen 19. Jahrhundert gab es auch eine wachsende Zahl freier Schwarzer in der Stadt[12]. Mitglieder der großen jüdischen Gemeinde lebten vor allem in der Swan Street[13].
Wirtschaft
Stadtzentrum

Die Mündung des Constitution River ist heute ein Yachthafen. Er wird im Zentrum der Stadt als Careenage bezeichnet, weil hier früher die Segelschiffe kielgeholt wurden (englisch: careening), um die Rümpfe zu säubern. Direkt an der Careenage liegt der National Heroes Square (früher: Trafalgar Square), der zentrale Platz der Stadt, wo jeden Tag von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends laut gesetzlicher Regelung die Flagge von Barbados weht.
Hier sind auch die Parliament Buildings (früher: Public Buildings), der Sitz der beiden Kammern des barbadischen Parlaments zu finden. Im Zentrum des Platzes steht das Nelson-Denkmal, das 1813 eingeweiht wurde und damit fast 30 Jahre älter ist als die Nelsonsäule in London. Am Heroes Square beginnt mit der Broad Street die wichtigste Geschäftsstraße Bridgetowns, an der Kaufhäuser mit internationalem Angebot, kleinere Geschäfte sowie Banken liegen.
In Bridgetown gibt es einige bedeutende Beispiele britischer Kolonialarchitektur, so das alte Barbados Mutual Building, die anglikanische St. Michael’s Cathedral, das Harrison College und die St. Ann’s Garrison. Die Altstadt von Bridgetown ist zusammen mit der Garnison seit 2011 UNESCO-Welterbe.[14] Betont wird auch die hybride kreolische Kultur, die auch die heutige Funktionsweise der Stadt präge[15].
Die Stadt hat zwei Sklavenfriedhöfe, in Fontabelle und Pierhead[16] auf ansonsten wertlosem Land gelegen[17].
Wirtschaft
Bridgetown ist der Sitz der Barbados Stock Exchange, der Wertpapierbörse des Landes.
Sonstiges
- Am Rande der Stadt befindet sich das Kensington Oval, das größte Stadion von Barbados. Das Stadion ist ein Test-Cricket-Stadion und wird vom West Indies Cricket Team sowie vom West Indies Women’s Cricket Team benutzt. Das Stadion war auch einer der Austragungsorte beim Cricket World Cup 2007, der ICC World Twenty20 2010, der gleichzeitigen ICC Women’s World Twenty20 2010 und des ICC Men’s T20 World Cup 2024, darunter jeweils das Finale.
- 2010 fanden die Boxweltmeisterschaften, 2004 der Pan American Cup der Frauen und 2001 die NORCECA-Meisterschaft in Bridgetown statt.
- Der internationale Flughafen Bridgetown Grantley Adams liegt 12,9 km östlich von Bridgetown und wurde 1939 eröffnet.
- Die Stadt ist Sitz des katholischen Bistums Bridgetown[18] sowie der gleichnamigen anglikanischen Diözese.
Söhne und Töchter der Stadt
- Arthur Barclay (1854–1938), Präsident von Liberia
- Chester Gill (1928–2003), Jazz-Saxophonist und Komponist
- Albert Beckles (1930–2022), professioneller Bodybuilder
- Kamau Brathwaite (1930–2020), Dichter und Schriftsteller
- Ken Farnum (1931–2020), Radsportler
- Harry Beckett (1935–2010), Trompeter und Flügelhornist
- Peter Jackson (1949–2011), britischer Informatiker
- Grandmaster Flash (* 1958), Hip-Hop-Pionier, DJ
- Anthony Forde (* 1962), Dartspieler
- Sue Gardner (* 1967), Journalistin
- Obadele Thompson (* 1976), Leichtathlet und Olympiamedaillengewinner
- Kahlil Cato (* 1977), vincentischer Sprinter
- Leah Martindale (* 1978), barbadische Schwimmerin
- Alberta Whittle (* 1980), barbadisch-schottische Künstlerin
- Ramon Gittens (* 1987), Leichtathlet
- Rihanna (* 1988), Pop-Sängerin
- Ryan Brathwaite (* 1988), Leichtathlet und WM-Goldmedaillengewinner
- Kierre Beckles (* 1990), Hürdenläuferin
- Jason Holder (* 1991), Cricketspieler
- Darren Matthews (* 1991), Radrennfahrer
- Darian King (* 1992), Tennisspieler
- Kyle Mayers (* 1992), Cricketspieler
- Jofra Archer (* 1995), englischer Cricketspieler
- Akela Jones (* 1995), Leichtathletin
- Sebastian Hunte (* 1996), Fußballspieler
- Sada Williams (* 1997), Sprinterin
- Alex Sobers (* 1998), Schwimmer
- Amber Joseph (* 1999), britisch-barbadische Radsportlerin
- Rasheeme Griffith (* 2000), Hürdenläufer
- Amanda Haywood (* 2000), Squashspielerin
- Raheem Taitt-Best (* 2001), Sprinter
- Thierry Gale (* 2002), Fußballspieler
- Margot Prow (* 2002), barbadisch-englische Squashspielerin
- Danielle Titus (* 2002), Schwimmerin
- Jacob Bethell (* 2003), englischer Cricketspieler
- Zane Maloney (* 2003), Rennfahrer
- Kyffin Simpson (* 2004), Rennfahrer
- Sakena Massiah, Sprinterin
Städtepartnerschaften
Wilmington, USA (2004)[19]
Bridgetown, Kanada (2004)[20]
Londoner Stadtbezirk Hackney, Großbritannien[21]
Siehe auch
Literatur
- Pedro L. V. Welch, Slave society in the city: Bridgetown, Barbados 1680-1834. Ian Randle, Kingston, Jamaica, 2003.



