Brigitte Rauscher
deutsche Kirchenmusikerin
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Brigitte Rauscher (* 1961 in Curitiba, Brasilien) ist eine deutsch-brasilianische Kirchenmusikerin[1] und seit September 2024 Landeskirchenmusikdirektorin der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Leben
Brigitte Rauscher wurde in Curitiba, Brasilien geboren. Nach dem Studium der Psychologie (Diplom) an der Bundesuniversität von Paraná und an der Musik- und Kunsthochschule ihrer Heimatstadt in den Fächern Orgel und Klavier absolvierte sie ein Aufbaustudium im Fach Orgel bei Michael Schneider an der Hochschule für Musik und Tanz Köln mit abschließender Reifeprüfung. Darüber hinaus studierte sie Kirchenmusik an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, A-Examen, Chorleitung bei Volker Hempfling.
Sie besuchte Meisterkurse u. a. bei Michael Radulescu, Luigi Ferdinando Tagliavini, Guy Bovet und Jon Laukvik im Bereich der Orgelinterpretation und bei Frieder Bernius, Uwe Gronostay, Anders Eby und Eric Ericson in Chorleitung.
Sie war von 2001 bis November 2024 Kantorin der Evangelischen Kirchengemeinde Troisdorf[2] in der Evangelischen Kirche im Rheinland und Kreiskantorin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein, Vorsitzende des Chorverbandes in der Evangelischen Kirche im Rheinland e.V., und berufenes Mitglied im Ständigen Ausschuss Kultur des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Seit 2017 ist sie Vizepräsidentin des Chorverband in der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Als Dozentin ist sie im Rahmen von Fortbildungen (Stimmbildung, Singen mit Kindern, experimentelle Chormusik, Chorgeragogik, Orgel) in Deutschland und Brasilien aktiv.
2017 wurde sie von der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland in Anerkennung ihrer „herausragenden Arbeit [...] weit über ihren eigenen Kirchturm hinaus“ v. a. im Bereich Chormusik (Kinderchorarbeit, Kantorei, Experimentalchor Alte Stimmen) zur Kirchenmusikdirektorin ernannt.[3] Aufgrund ihrer musikpädagogischen Fähigkeiten war sie einige Jahre die Beauftragte für Kinderchorarbeit, bevor sie 2016 Vorsitzende des Chorverbandes in der Evangelischen Kirche im Rheinland wurde. 2020 veröffentlichte sie bei YouTube ihr erstes Video mit einer Orgelinterpretation einer zweistimmigen Fuge, einem Jugendwerk von Ludwig van Beethoven.[4]
Experimentalchor Alte Stimmen
Der Experimentalchor Alte Stimmen Troisdorf entstand aus einem künstlerischen und soziokulturellen Projekt, welches von der Addy-von-Holtzbrinck-Stiftung angeregt und vom Komponisten Bernhard König 2010 umgesetzt wurde. 2015 übernahm Brigitte Rauscher den so entstandenen Chor. Der Chor entwickelte selber Programme mit Stimmimprovisationen. Grundlage der Improvisationen ist „die vielschichtige Expressivität der faltigen Stimme“.[5][6] Nach Aussagen eines Mitglieds wäre das Zittern der Stimme nicht nur zugelassen „ja manchmal gar erwartet oder erwünscht“.[7] Der Chor hätte, so die Laudatio bei der Ernennung zur Kirchenmusikdirektorin, inzwischen auch überregional Nachahmerinnen und Nachahmer gefunden. Ab Oktober 2025 startete der Chor nach einer längeren Pause neu unter der Leitung von Frau Rauscher in der Trägerschaft der Musikschule der Stadt Troisdorf.[8]
Wirken als Landeskirchenmusikdirektorin
2024 wurde sie als Nachfolgerin von Ulrich Cyganek zur neuen Landeskirchenmusikdirektorin berufen. Sie äußerte sich zum Amt der Landeskirchenmusikdirektorin und betonte, dass es komplex sei. Es sei eine Herausforderung, alle Generationen der Kirchenmusiker mit ihren unterschiedlichen Gaben an einen Tisch zu bringen und diese Gaben produktiv für die rheinische Kirche wirksam werden zu lassen.[9] Im August 2025 war Brigitte Rauscher Studiogast beim Podcast „Stimmtisch“ mit dem Thema „Kirchenchöre – was geht?“ Gemeinsam mit dem Kollegen Thomas Neuleben gab sie Einblicke in ihre Arbeit und schaffte Aussichten für die Zukunft der Kirchenchöre.[10] Die für den Sonntag Kantate geplante jährliche Verleihung der vom Amtsvorgänger Ulrich Cyganek initiierten Joachim-Neander-Medaille fand 2025 nicht statt. Im Jahr 2025 übernahm sie vertretungsweise die Kantorei Altenkirchen, mit der sie die Johannespassion von Johann Sebastian Bach für eine geplante Aufführung im März 2026 einstudierte.[11]
Tondokumente bei YouTube (Auswahl)
Orgelmusik
Johann Sebastian Bach: „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ BWV 639 (Orgelbüchlein). Ludwig van Beethoven: Zweistimmige Fuge. Ernst Mahle: Praeludium Nr. 2 Dorisch; Praeludium Nr. 3 Phrygisch.
Vokalmusik
- Kantorei und Jugendkantorei: „Vergnügt, erlöst, befreit“. Matthias Nagel, 2018.
- Experimentalchor Alte Stimmen Troisdorf: „Im Lebensfluss“. Musik- und Text-Collagen zum Lebensfluss. 2018.
Schriften
- Chorarbeit in der Evangelischen Kirchengemeinde in Troisdorf, in: Odilo Klasen, (2018). Einfach himmlisch! Symposium: Kirchenmusik in den Gemeinden. 21.-22. Juni 2018 Düsseldorf. Köln: Erzbistum Köln, Generalvikariat. S. 24–25, ISBN 978-3-931739-72-0.
- Der Ferienchor in der evangelischen Kirchengemeinde Troisdorf – ein Praxisbeispiel, in: Ulrich Cyganek, (2019). MUS!K macht's möglich. Werkbuch. Düsseldorf: Evangelische Kirche im Rheinland. Landeskirchenamt. S. 107.
- Kreatives Arbeiten im Alter – „Experimentalchor 'Alte Stimmen' Troisdorf“, in: Kai Koch (Hg.). 2019. Handbuch Seniorenchorleitung. Kassel: Bosse Verlag. S. 89–91, ISBN 978-3-7649-2867-4.
- Chorimprovisation „Liebesbrief-Collage“, in: Koch, Kai (Hg.). 2019. Handbuch Seniorenchorleitung. Kassel: Bosse Verlag. S. 92–95, ISBN 978-3-7649-2867-4.
- Rauscher, Brigitte (Hg.). 2022. RhEINklang – Chormusik für den Gottesdienst. München: Strube Verlag. VS4262.
Weblinks
- Homepage der Gemeinde Troisdorf
- Kanal von Brigitte Rauscher auf YouTube
- Biografie auf der Website der Landesmusikakademie NRW