Brioverium

spätneoproterozoische suprakrustale siliziklastische Einheit From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Brioverium bildet in der Nördlichen Zone des Armorikanischen Massivs[1] eine mächtige spätneoproterozoische suprakrustale siliziklastische Einheit, die zusammenfassend als Brioverium-Supergruppe[2] bezeichnet werden. Diese wurde in der Bretagne und der Normandie sowie auf den Kanalinseln abgelagert. Es wird angenommen, dass sie in mehreren Phasen in verschiedenen vulkanischen Bögen und Backarc-Becken gebildet, abgelagert, deformiert, metamorphosiert und intrudiert wurden. Entstanden ist sie während der Cadomischen Orogenese. Namengebend ist eine Unterteilung der geologischen Zeitskala zu der das Ediacarium und das Cryogenium gehören in einem Intervall von ca. 626 bis 575 mya. Die Typlokalität befindet sich bei der Stadt Saint-Lô, lateinisch Briovera.

Geologische Karte des Armorikanischen Massivs.

Neue Uran-Blei-Datierungen von einzelnen und kleinen Fragmenten von Zirkonen aus ausgewählten Plutonen in der Region um Saint-Brieuc liefern verlässliche geochronologische Daten zur zeitlichen Einordnung dieser Ereignisse. Der dortige Jospinet-Granodiorit bildet einen Teil des lokalen Grundgebirges, das direkt von brioverischen Sedimenten und basischen Vulkaniten überlagert wird, welche ein Alter von ca. 626 mya ergibt. Der prätektonische Tonalit von Port Moguer-, bzw. Plouha, der zusammen mit seinem amphibolitfazialen Nebengesteinen stark geschert wurde, hat ein Kristallisationsalter von etwa 600 mya. Der syntektonischen Fort La Latte-quarzitische Diorit platzierte sich um ca. 575 mya, während der spättektonische Quarzdiorit von Saint-Quay-Portrieux das Ende der Ablagerungen und den Zeitpunkt der nachfolgenden regionalen Deformationen der Brioverium-Sequenz in der Region Saint-Brieuc definiert. Die neuen Datierungen bestimmen somit das Alter der brioverischen Sedimentationen auf ein Intervall von ca. 626 bis 575 mya.

Die Ablagerung der Brioverium-Einheit erfolgte wahrscheinlich hauptsächlich in zwei geologischen Umgebungen: (1) vulkanogene Ablagerungen in einem System aus vulkanischen Bögen (Volcanic Arc)- und Backarc-Becken an einer Kontinentalrand-Riftzone in einem orogenen nördlichen Gebiet, zu dem die heutige nördliche Bretagne und die nördliche Normandie gehören und (2) detritische Ablagerungen, die in der Südlichen Domaine des Armorikanischen Massivs vorherrschen, das einen stabilen Kontinentalrand und eine Schelf-Umgebung darstellte. Diese sind vor allem in der Normandie und der zentralen Bretagne zu finden. Die heutige Grenze zwischen diesen beiden Gebieten liegt in etwa zwischen Saint-Brieuc und Saint-Malo.

Stratigraphisch wird die Brioverium-Sequenz gemäß neuerer Studien gegliedert in eine schwach deformierte obere Sequenz, die aus einer deformierten unteren Sequenz hervorgegangen ist. Auch wird sie stratigraphisch in Einheiten vor 585 mya (untere) und nach 585 mya (obere) aufgeteilt. Diese Einteilung basiert weitgehend auf Alter von ca. 595 bis 585 mya für die Quarz-Diorite von Saint-Quay-Portrieux und Fort La Latte in der Bretagne und einem Alter von ca. 584 mya für die Diorite von Coutances in der Normandie, die so interpretiert wurden, dass sie zwischen den Ablagerungen der beiden Sequenzen intrudiert wurden.

Außerhalb Nordfrankreichs wurde auf der britischen Kanalinsel Jersey das Alter mittels Uran-Blei-Datierungen des jüngsten detritischen Zirkons in der Brioverium-Schiefer (Shale)-Formation mit ca. 587 mya ermittelt, während Zirkone aus einer darüber liegenden Brioverium-Rhyolith-Einheit ein Alter von 583 mya ergab. Diese Einheiten wurden anschließend gefaltet und dann von einem posttektonischen Granit durchdrungen, der auf 580 mya datiert wurde.

Das Gesteinsspektrum besteht überwiegend aus Grauwacken, Mudstone, Schluffsteinen, Sandsteinen und undeformierten Schiefern (shale), Es kommen aber auch Konglomerate und verschieden zusammengesetzte Kalksteine vor. Diese wurden wahrscheinlich in einem submarinen Schwemmkegel abgelagert.

  • Romain Gougeon, Didier Néraudeau, Marie Pierre Dabard und Anne-Catherine Pierson-Wickmann:

Trace Fossils from the Brioverian (Ediacaran–Fortunian) in Brittany (NW France). In: Ichnos, 25(1):11-24, March 2018.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI