Bronnzell

Stadtteil von Fulda From Wikipedia, the free encyclopedia

Bronnzell ist der älteste und südlichste Stadtteil der osthessischen Stadt Fulda.

Schnelle Fakten Stadt Fulda ...
Bronnzell
Stadt Fulda
Wappen der früheren Gemeinde Bronnzell
Koordinaten: 50° 31′ N,  41′ O
Höhe: 262 m ü. NHN
Fläche: 4,5 km²[1]
Einwohner: 1422 (31. Aug. 2024)[2]
Bevölkerungsdichte: 316 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 36043
Vorwahl: 0661
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Geographie

Luftbild von Bronnzell, 2015

Der Stadtteil Bronnzell liegt am rechten östlichen Ufer der Fulda in Osthessen etwa fünf Kilometer südlich der Stadtmitte. Er umfasst auch am anderen Ufer den etwa 2 Kilometer südwestlich der Ortsmitte gelegenen kleineren Ortsteil Ziegel, bei dem die Fliede als linker Nebenfluss von Süden in die Fulda mündet.

Die höchste Erhebung der Gemarkung liegt im Südwesten am Waldrand nordöstlich der Nippelskuppe (420 Meter) auf etwa 350 Meter Höhe. Im Osten reicht die Gemarkung am Westhang des Gehrenbergs (327 Meter) bis auf etwa 310 Meter hinauf, bis fast zum Schloss Fasanerie in Eichenzell. Die Gemarkung ist bis auf einige kleine Waldflächen entlang der Grenzen landwirtschaftlich genutzt.

Geschichte

Bronnzell um 1850
Die „Völkerschlacht“ von Bronnzell 1850

Die Gemarkung Bronnzell gehört zu jenem Territorium, das 743 vom fränkischen Hausmeier Karlmann dem hl. Bonifatius für die Gründung des Klosters Fulda geschenkt wurde, die sogenannte Karlmann-Schenkung. Namentlich wird Bronnzell (von lat. proxima cella, d. h. die dem Kloster Fulda nächstgelegene Zelle) erstmals im Jahr 778 vom Fuldaer Abt Eigil erwähnt, nachdem Bonifatius 34 Jahre zuvor dem hl. Sturmius den Auftrag gab, ein Benediktinerkloster auf dem Fuldaer Siedlungsgebiet zu errichten.

Im Türkensteuerregister der Fürstabtei Fulda aus 1605 ist der Ort unter dem Namen Bromzell mit 28 Familien erwähnt.[3]

Im Jahr 1815 kam Bronnzell mit dem Großherzogtum Fulda an das Kurfürstentum Hessen. Ende 1850 führte eine Verfassungskrise im Kurfürstentum zu einer militärischen Intervention auswärtiger Mächte. Am 8. November 1850 wäre es fast zur Schlacht zwischen bayerisch-österreichischen und preußischen Truppen gekommen, die sich bei Bronnzell gegenüberstanden. Letztlich ist nur der bekannte Schimmel von Bronnzell getötet worden. Zum 150. Jahrestag wurde im Ort das Schimmeldenkmal enthüllt.[4]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Bronnzell zugleich mit anderen Stadtrandgemeinden am 1. August 1972 kraft Landesgesetzes in die kreisfreie Stadt Fulda eingegliedert,[5] kam zusammen mit dieser aber am 1. Juli 1974 wieder zurück zum Landkreis Fulda.[6]

Einwohnerentwicklung

 1812:24 Feuerstellen, 1472 Seelen[7]
Bronnzell: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2017
Jahr  Einwohner
1812
 
172
1834
 
245
1840
 
218
1846
 
221
1852
 
224
1858
 
217
1864
 
222
1871
 
241
1875
 
228
1885
 
283
1895
 
300
1905
 
298
1910
 
306
1925
 
501
1939
 
612
1946
 
785
1950
 
805
1956
 
897
1961
 
1.051
1967
 
1.095
1970
 
1.240
1988
 
1.443
2010
 
1.404
2013
 
1.429
2015
 
1.406
2016
 
1.437
2017
 
1.422
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [7]; 2010,2012,2015:[8][9][10][2]

Religionszugehörigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

 1885:028 evangelische (= 9,89 %), 255 katholische (= 90,11 %) Einwohner
 1961:146 evangelisch (= 13,89 %), 895 katholische (= 85,16 %) Einwohner

Wappen

Das Wappen wurde am 23. Mai 1969 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „Der geteilte Schild zeigt oben in Silber das schwarze Fuldaer Kreuz und unten in Rot einen nach rechts sprengenden Schimmel,[11] den sogenannten Schimmel von Bronnzell.“[12]

Religion

Katholische Kirche

Bereits mit der Ersterwähnung im Jahre 778 gehörte es zum Kloster Fulda und im Jahre 1787 zur Fürstabtei Fulda im Centoberamt Fulda. in dieser Zeit zählte es zur Mutterpfarrei "Florenberg". Seit dem 17. Jh. gab es nur eine kleine Gebetskapelle am Kapellenrain, etwa dem heutigen Standort des Bürgerhauses.

Die Trennung von der Pfarrei Florenberg begann Ende des 19. Jh. mit der Einrichtung des ersten Friedhofs am Ortsrand von Bronnzell und dem Neubau einer neobarocken Saalkirche ohne Turm, die am 29. Juni 1927 durch Bischof Damian Schmitt geweiht wurde. Mit der Konsekrierung der fertiggestellten Pfarrkirche wurde Bronnzell und Kohlhaus als Lokalkaplanei der Pfarrei Florenberg erhoben und von den Franziskanern (OFM) vom Kloster Frauenberg seelsorgerisch betreut. In den 1960er Jahren wurde der Glockenturm mit 5 Glocken errichtet. Im Jahre 1972 wurde Bronnzell mit Ziegel und Kohlhaus zur Pfarrei erhoben.

Im Mai 2006 wurde Bronnzell durch Bischof Heinz Josef Algermissen im Rahmen der Neugliederung des Bistums dem Pastoralverbund Johannesberg im Dekanat Fulda zugeordnet. Die Betreuung und Verwaltung der heutigen Filialpfarrei wird nunmehr von der Pfarrei St. Johannes d. Täufer, Johannesberg sichergestellt.

Evangelische Kirche

Die evangelische Friedenskirche wurde 1969/70 samt Gemeindezentrum und Pfarrhaus auf einem nach Westen abfallenden Hanggrundstück nach Plänen des in Kassel tätigen Architekten Walter Seidel errichtet. Bemerkenswert ist die geschlossene bauzeitliche Ausstattung, darunter auch die vielteilige Verglasung von Joachim Spies, der auch die Fronten des Altars und der Empore entworfen hat.

Wirtschaft und Infrastruktur

Öffentliche Einrichtungen

Bronnzell verfügt über eine katholische und eine evangelische Kirche, eine Grundschule sowie einen Kindergarten. Im Bürgerhaus, dessen Sanierung 2025 fertiggestellt wurde[13], finden regelmäßig Veranstaltungen, zum Beispiel des Carneval Verein Bronnzell[14], statt. Der Fußballverein Viktoria Bronnzell[15] ist ein wichtiger Teil der Sportkultur des Ortes.

Versorgung

In dem im Jahre 2021 eröffneten[16] Mini-Supermarkt Tegut teo mit Selbstzahlungskassen werden rund um die Uhr Produkte des täglichen Bedarfs angeboten. Durch das Hotel Gasthof Jägerhaus und die Pizzeria Ristorante Pizzeria Blero gibt es zusätzliche kulinarische Angebote. Ebenfalls zu finden sind eine Kaffeerösterei, eine Metzgerei, ein Friseur und ein Beauty- und Pflegesalon.

Verkehr

Bronnzell ist an das Stadtbussystem von Fulda angeschlossen und wird von der Stadtbuslinie 6 angefahren. Die LNG Fulda betreibt zudem Buslinien, die Bronnzell mit Eichenzell, Kerzell, Hattenhof, Rothemann und Büchenberg verbinden.

Der Betriebsbahnhof Fulda-Bronnzell liegt an der Hessischen Kinzigtalbahn, von wo die Bahnstrecke Fulda–Gersfeld abzweigt. In der Vergangenheit verfügte Bronnzell über zwei Haltepunkte an der Bahnstrecke Fulda–Gersfeld, die beide geschlossen wurden.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Michael Mott: Um den Wert der Bockmühlallee / Im historischen Ortskern von Bronnzell stehen 15 Kastanien und zwei Linden / Denkmalbeirat muß über Schutz-Einstufung befinden, in: Fuldaer Zeitung, 8. Dez. 1994, S. 18 (Serie: DENK-mal!).
  • Michael Mott: Der Schimmel war nicht das einzige Opfer / Vor 150 Jahren wurde die „Schlacht bei Bronnzell“ geschlagen / Preußen standen Bayern und Österreichern gegenüber / Neuer Gedenkstein, in: Fuldaer Zeitung, 8. Nov. 2000, S. 15.
  • Literatur über Bronnzell nach Register In: Hessische Bibliographie
  • Suche nach Bronnzell. In: Archivportal-D der Deutschen Digitalen Bibliothek
Commons: Bronnzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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