Bubenreuth

Gemeinde im Landkreis Erlangen-Höchstadt in Bayern From Wikipedia, the free encyclopedia

Bubenreuth (fränkisch: Bumrait[2]) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt. Sie gilt als Zentrum des fränkischen Streich- und Zupfinstrumentenbaus.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Bubenreuth
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bubenreuth hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 49° 38′ N, 11° 1′ O
Bundesland:Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Erlangen-Höchstadt
Höhe: 288 m ü. NHN
Fläche: 4,14 km²
Einwohner: 4547 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 1098 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91088
Vorwahl: 09131
Kfz-Kennzeichen: ERH, HÖS
Gemeindeschlüssel: 09 5 72 119
Gemeindegliederung: 1 Gemeindeteil
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Birkenallee 51
91088 Bubenreuth
Website: www.bubenreuth.de
Erster Bürgermeister: Norbert Stumpf (CSU)
Lage der Gemeinde Bubenreuth im Landkreis Erlangen-Höchstadt
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Geografie

Das Industriedorf liegt an der Regnitz, etwa 4 km nördlich des Zentrums von Erlangen und ist baulich fast damit verschmolzen.[3]

Die Gemeinde besteht nur aus der Gemarkung[4] und dem Gemeindeteil Bubenreuth.[5] Die Gemarkung Bubenreuth hat eine Fläche von 4,141 km². Sie ist in 2670 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1551,08 m² haben.[6][7]

Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Baiersdorf, Langensendelbach, Marloffstein, Erlangen und Möhrendorf.

Panoramaansicht von Bubenreuth aus dem Nordosten

Geschichte

Denkmal Geigenbau nach 1947, ähnliches Denkmal in Schönbach
Hinweis auf Geigenbau der ehemaligen Schönbacher

Über die Gründung Bubenreuths ist nichts bekannt. Die Bubenreuther Geschichte während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit liegt weitgehend im Dunklen. In einer Urkunde König Konrads IV. vom 24. November 1243 wurde der Ortsname als „Bubenrode“ zum ersten Mal genannt. Das Grundwort -reuth weist auf eine Rodungssiedlung hin. Als Gründer der Siedlung ist eine Person namens Bubo anzunehmen.[8][9] In der Urkunde wird bezeugt, dass der Bamberg Bischof Heinrich I. von Bilversheim das verpfändete Dorf wieder einlöste. Im Rechtsbuch des Bischofs Friedrich I. von Hohenlohe von 1348 sind in der „villa pubenreut“ zehn zinspflichtige Güter aufgeführt, die dem Domkapitel gehörten. Durch die Angaben im Zins- und Lehensbuch des bambergischen Dompropsteiamt Büchenbach von 1580 können die damals elf Güter sämtlich entlang der heutigen Hauptstraße lokalisiert werden, die damit die Urzelle des Dorfes bildet.

Nordwestlich davon, jenseits des Entlesbachs, lag Scherleshof. Ob dieser Name einen Einzelhof oder die Wüstung eines unbekannten frühmittelalterlichen Dorfes bezeichnet, ist nicht zu erhellen. Urkundlich erstmals erschien der Scherleshof im Jahr 1390. Damals erhielt der Nürnberger Burggraf Johann von König Wenzel den Scherleshof als Lehen. Durch diese Belehnung an die Hohenzollern wurde der Hof später Bestandteil des Markgraftums Bayreuth. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurde der Scherleshof immer weiter zersplittert. Heute erinnert nur noch ein Straßenname an ihn.

Im Baiersdorfer Vertrag vom 13. Mai 1524 zwischen Bamberg und dem Markgraftum Bayreuth erhielt dieses die Hochgerichtsbarkeit auch über das eigentliche Bubenreuth, während es weiterhin dem Bamberger Domkapitel zins- und lehenbar blieb. Die niedere Gerichtsbarkeit lag beim Bischof. Kirchlich gehörte Bubenreuth zur Pfarrei Erlangen. Nach der Reformation wurden nur die Bauern auf dem Scherleshof evangelisch, die Besitzer der bambergischen Güter blieben weiterhin katholisch. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Bubenreuth vollständig niedergebrannt. Die letzte Brandstätte wurde erst 1815 wieder bebaut.[10]

Von 1797 bis 1810 unterstand Bubenreuth dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. 1810 kam der Ort an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde der Ort dem 1813 gebildeten Steuerdistrikt Baiersdorf[11] und der zugleich gebildeten Ruralgemeinde Baiersdorf zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Bubenreuth.[12] Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen (1919 in Finanzamt Erlangen umbenannt). Ab 1862 gehörte Bubenreuth zum Bezirksamt Erlangen (1939 in Landkreis Erlangen umbenannt) und zum Stadt- und Landgericht Erlangen (1879 in das Amtsgericht Erlangen umgewandelt).

Burschenschaft der Bubenreuther

In der Zeit der Demagogenverfolgung konnten sich die Erlanger Burschenschafter in Bubenreuth unbeobachtet von den Behörden des Staates und der Universität treffen. Bald schon wurden sie deshalb „die Bubenreuther“ genannt. Die Burschenschaft übernahm den Ortsnamen zunächst in latinisierter Form als Bubenruthia, später nannte sie sich Burschenschaft der Bubenreuther. Die Bubenreuther Bauern und die Bubenreuther Studenten sind seitdem zu einer engen Gemeinschaft verwachsen. Seit 1914 gehört der Burschenschaft der Bubenreuther der Landgasthof Mörsbergei.[13] Dort finden auch die Kneipen der Burschenschaft statt, auf dem Anwesen wird die Bubenreuther Kirchweih ausgerichtet, gemeinsam von Bubenreuthern und den Bubenreuther Burschenschaftern.

Zentrum des Streich- und Zupfinstrumentenbaus nach 1945

Von der Joseph-Stiftung errichtete Schönbacher Geigenbauer-Siedlung in den 1950er Jahren

Einen großen Einschnitt brachte die Ansiedlung der aus Schönbach im böhmischen Musikwinkel vertriebenen Geigen- und Gitarrenbauer. Als der Gemeinderat im Herbst 1949 einstimmig beschloss, 2000 Schönbacher aufzunehmen, hatte der landwirtschaftlich geprägte Ort Bubenreuth lediglich 415 Einwohner.[14] In den Jahren von 1949 bis 1957 wurden in fünf Bauabschnitten rund 500 Wohnungen errichtet. Das Viertel erhielt den Namen Geigenbauersiedlung. Gleichzeitig entwickelte sich Bubenreuth zu einem europäischen Zentrum des Streich- und Zupfinstrumentenbaus mit den großen Unternehmen wie Framus, Höfner oder Klira als internationalen Marktführern. Mehr als 1500 Einwohner waren zeitweilig im Musikinstrumentenbau beschäftigt, bevor sich die industrielle Fertigung der Massenware im Saiteninstrumentenbau ab Ende der 1970er Jahre nach Fernost (Japan und China) verlagerte. Durch diese Entwicklung wurde das Ende der großen Produktionsstätten in Bubenreuth eingeleitet, was einen enormen Strukturwandel bedeutete.

Hochwertige Gitarren und Streichinstrumente wurden und werden weiterhin in Bubenreuth in handwerklicher Meisterarbeit hergestellt, wie durch den Gitarrenbauer Gerold Karl Hannabach und den Geigenbauer Günter H. Lobe. Die von Max Junger in sechster Generation geführte Firma Pyramid (1850 gegründet in Schönbach) ist auf die Herstellung von Saiten für Musikinstrumente spezialisiert und bietet die weltweit breiteste Produktionspalette.

Bubenreuth verfügte zwischen 1951 und 1964 über eine Fachschule für Instrumentenbau[15] und besitzt noch den ersten Musikkindergarten Europas. Mit Instrumenten aus Bubenreuth spielten u. a. Elvis Presley, die Beatles, die Rolling Stones und Yehudi Menuhin.

Die Geschichte von Musik und gelungener Integration befindet sich in einer Ausstellung im Rathauskeller. Die Ausstellung wird vom Verein Bubenreutheum e. V. betreut.[16][17]

Demographie

Einwohnerentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr 18181840185218611867187118751880188518901895190019051910191919251933193919461950196119701987200720152022
Einwohner 190215279236237241236226216211231231274304302306337415674880288434144104453745914599
Häuser[18] 30293635394461122456106713011357
Quelle [11][19][20][21][22][23][24][25][26][27][20][28][20][29][20][30][20][20][20][31][32][33][34][35][36][37]
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Konfessionsstatistik

Gemäß dem Zensus 2011 waren 34,1 % der Einwohner evangelisch, 40,1 % römisch-katholisch und 25,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.[38] Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Ende 2017 hatte Bubenreuth 5039 Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz, davon 36,4 % (1833) Katholiken, 30,5 % (1536) Protestanten und 33,1 % (1670) hatten entweder eine andere oder gar keine Religionszugehörigkeit.[39]

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 16 Mitglieder, dazu kommt der Erste Bürgermeister.

CSUSPDGrüneFWGesamt
200865-516 Sitze
2014543416 Sitze
2020734216 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 15. März 2020)

Bürgermeister

Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2014 Norbert Stumpf (CSU), der sich am 30. März 2014 in einer Stichwahl durchsetzte. Am 15. März 2020 hatte er sich mit fast 70 % im ersten Wahlgang gegen zwei Mitbewerberinnen durchgesetzt.[40] Sein Vorgänger war Rudolf Greif (CSU).

Wappen und Flagge

Wappen
Blasonierung: „Schräg links geteilt durch einen mit goldenen Eichenranken belegten schwarzen Balken; oben in Silber eine rote Geige mit schwarzem Griffbrett und schwarzem Saitenhalter, unten in Silber ein schwarzer Pflug.“[41]
Wappenbegründung: Die Eichenranken beziehen sich auf die Erlanger Burschenschaft der Bubenreuther. Der Pflug steht für den alten Ort Bubenreuth, die Geige für die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Geigenbauersiedlung.

Die Gemeinde führt das Wappen seit 1960.

Flagge

Die Gemeindeflagge ist rot-weiß.[42]

Patenstadt und Partnerschaft

  • 1956 übernahm die Gemeinde Bubenreuth die Patenschaft für die aufgrund der Beneš-Dekrete aus ihrer angestammten Heimat vertriebenen Deutschen aus der alten Geigenbauerstadt Schönbach (Eger) im Sudetenland.
  • 2016 wurde die Patenschaft mit dem auf Tschechisch Luby genannten Ort zu einer Städtepartnerschaft erweitert.[43]
  • Nach mehreren Begegnungen zwischen den Gemeinden und entsprechenden Gemeinderatsbeschlüssen konnte am 26. Mai 2022 die Städtepartnerschaft zwischen Bubenreuth und Saint-Gilles im Département Ille-et-Vilaine (35) in der Bretagne unterzeichnet werden.

Religion

Für die wachsende Zahl der Katholiken wurde an Stelle der St.-Josefs-Kapelle von 1927 im Jahr 1967 die Pfarrkirche Mariä Heimsuchung geweiht. Die Protestanten errichteten 1957 die Lukaskirche, die seit 1999 eine eigene Gemeinde bildet.[44]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Baudenkmäler

Bodendenkmäler

Verkehr

Straßenverkehr

Bubenreuth liegt unmittelbar am Frankenschnellweg (A 73) und ist von Norden über die Anschlussstelle Möhrendorf/Bubenreuth (AS 30) und von Süden über die Anschlussstelle Erlangen-Nord/Bubenreuth angebunden. Zwischen dem Frankenschnellweg und dem Ort verläuft die Staatsstraße 2244, die alte Bundesstraße 4.[3]

Öffentlicher Nahverkehr

Der Ort ist in das Tarifgebiet des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) eingebunden. Bubenreuth besitzt einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg, der seit 2010 von der S-Bahn Nürnberg (S1) bedient wird. Zusätzlich stellen zwei Regionalbuslinien Verbindungen nach Erlangen und einigen weiteren Nachbargemeinden her.

Weitere Informationen VGN-Linie, Strecke ...
VGN-Linie Strecke Takt Fahrzeugmaterial
S1 Bamberg Strullendorf Hirschaid Buttenheim Eggolsheim – Forchheim Nord Forchheim (Oberfr) Kersbach (Oberfranken) Baiersdorf Bubenreuth Erlangen – Erlangen Paul-Gossen-Straße Erlangen-Bruck Eltersdorf – Vach Fürth Klinikum Fürth Hbf Nürnberg Rothenburger Str. Nürnberg-Steinbühl Nürnberg Hbf Nürnberg-Dürrenhof Nürnberg Ostring Nürnberg-Mögeldorf Nürnberg-Rehhof Nürnberg-Laufamholz Schwaig Röthenbach (Pegnitz) – Röthenbach-Steinberg – Röthenbach-Seespitze – Lauf West Lauf (links Pegnitz) Ottensoos Henfenfeld Hersbruck (links Pegnitz) Happurg Pommelsbrunn Hartmannshof
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2025
60 min DB 1440[45]
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Persönlichkeiten

Literatur

Fußnoten

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