Bugatti Bolide

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Der Bugatti Bolide ist ein von der Bugatti Engineering GmbH und Bugatti Automobiles in Wolfsburg entwickelter Supersportwagen mit dem stark modifizierten 8,0-Liter-Motor des Bugatti Chiron. Aus einem technischen Vorführer entwickelte sich innerhalb von drei Jahren ein Serien-Sportwagen in einer Kleinserie von 40 Einheiten.

Schnelle Fakten Bolide ...
Bugatti
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Bugatti Bolide
Bolide
Produktionszeitraum 2024–2025
Klasse Sportwagen
Karosserieversionen Coupé
Motoren Ottomotor:
8,0 Liter
(1176 kW)
Länge 4835 mm
Breite 2100 mm
Höhe 1047 mm
Radstand 2750 mm
Leergewicht 1450 kg
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Geschichte

Im August 2021 gab Bugatti bekannt, dass der als „technischer Demonstrator“ vorgestellte Bolide in den folgenden drei Jahren zur Serienreife weiterentwickelt und anschließend in einer Kleinserie von 40 Exemplaren produziert werden soll.[1] Im April 2023 konkretisierte der Hersteller die technischen Eckdaten des Serienfahrzeugs und stellte eine auf Rennstreckeneinsatz ausgerichtete Version mit einer Leistung von 1.600 PS und einem maximalen Drehmoment von bis zu 1.600 Newtonmeter in Aussicht.[2]

Seit 2023 wurden erste Prototypen des Serienfahrzeugs auf Rennstrecken erprobt. Ab Ende 2024 begann die Auslieferung der ersten Kundenfahrzeuge zu einem Nettopreis von rund vier Millionen Euro pro Exemplar.[3][4]

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bugatti Type 35 präsentierte der Hersteller im August 2024 auf dem Laguna Seca Raceway während der Monterey Car Week das Einzelstück 100 Year Anniversary Edition. Das Fahrzeug ist in der Farbe „Grand Prix Blue“ lackiert, die als Neuinterpretation des historischen „Bleu de Lyon“ der frühen Type-35-Modelle konzipiert ist.[5] Der letzte Bolide wurde im Herbst 2025 fertiggestellt und markiert den Abschluss der auf 40 Fahrzeuge begrenzten Produktion.[6]

Technik

Der Motor des „technischen Demonstrators“ des Bugatti Bolide besitzt acht Liter Hubraum, leistet mit 110-oktanigem Rennbenzin 1360 kW (1850 PS) und entwickelt ein maximales Drehmoment von 1850 Newtonmeter. Mit der Überführung des Fahrzeugs in die Kleinserie ab 2024 wurde der Antrieb auf den Betrieb mit 98-oktanigem Super Plus ausgelegt; dadurch reduzierte sich die Leistung auf 1176 kW (1600 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 1600 Newtonmetern, das ab 2250/min anliegt.[2] Konstruktiv handelt es sich um einen Doppel-V-Motor mit vier Zylinderbänken, bei dem jeweils zwei Zylinderbänke aufgrund des engen Bankwinkels von 15° einen gemeinsamen Zylinderkopf besitzen. Der gesamte Antriebsstrang einschließlich des Ölkreislaufs mit Trockensumpfschmierung ist konsequent auf den Einsatz auf Rundstrecken ausgelegt. Zur Leistungs- und Ansprechoptimierung wurden unter anderem die Turboladerschaufeln sowie Ansaug- und Abgasanlage angepasst. Der Wechsel von einer Wasser-Luft-Ladeluftkühlung zu einer Luft-Ladeluftkühlung mit Wasservorkühlung verringerte das Gewicht des Antriebs im Vergleich zum Chiron. Der Bolide verfügt über drei luftdurchströmte Ölkühler für Motor, Getriebe und Differential, jeweils mit vorgeschalteter Wasserkühlung.[7]

Der als Wissens- und Technologieträger konzipierte „Demonstrator“ weist ein Trockengewicht von 1240 kg auf. Für das fahrfertige Serienfahrzeug gibt Bugatti eine Leermasse von 1450 Kilogramm an, woraus sich ein Leistungsgewicht von 0,91 kg/PS ergibt.[2] Sämtliche Schraub- und Verbindungselemente bestehen aus Titan. An zahlreichen Stellen kommen hohle, dünnwandige Funktionsbauteile aus einer Luft- und Raumfahrt-Titanlegierung zum Einsatz, die im 3D-Druck gefertigt werden. Die Zugfestigkeit des verwendeten Werkstoffs beträgt etwa 1250 N/mm². Ergänzend werden hybride Bauteile aus Titan und kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff eingesetzt, etwa bei der rund 50 cm langen Antriebsnebenwelle, die aus einem CFK-Rohr mit 3D-gedruckten Titan-Endfittings besteht und für Dauerbetriebstemperaturen bis 260 °C ausgelegt ist. Mit einem Gewicht von lediglich 1,5 kg trägt diese Bauweise zur Reduktion rotierender Massen und damit zu einer verbesserten Drehfreudigkeit des Motors bei. Der „Demonstrator“ verfügt über eine Rennsportbremsanlage mit vorn zwei Achtkolben-Monoblock-Bremssätteln und 390 × 37,5 mm großen Carbon-Bremsscheiben sowie hinten zwei Sechskolben-Monoblock-Bremssätteln mit 390 × 34 mm großen Scheiben. Die Bremssättel bestehen aus gefräster und nickelbeschichteter Aluminiumlegierung.[2] Die Kühlung erfolgt über Radialventilatoren aus einem Titan-Carbon-Verbund. Wie im Motorsport üblich, besitzen die Räder Zentralverschlüsse. Während der Demonstrator geschmiedete 18-Zoll-Magnesium-Felgen von OZ Racing erhielt, kommen beim Serienfahrzeug 18-Zoll-Magnesium-Felgen von BBS mit Michelin-Slicks der Dimensionen 30/68/18 (Vorderachse) und 34/71/18 (Hinterachse) zum Einsatz. Für kurze Boxenstopps ist das Fahrzeug mit einer Druckluft-Hebeanlage und einer Schnellbetankungsanlage ausgestattet.[7][2][8]

Die auf Front- und Heckflügel wirkenden Kräfte werden über leichte und hochfeste Titan-3D-Druck-Bauteile in die Struktur eingeleitet. Bei 320 km/h erzeugt der Bolide auf der Vorderachse einen Abtrieb von etwa 8 kN und auf der Hinterachse rund 18 kN; bei einer Höchstgeschwindigkeit von 380 km/h beträgt der Gesamtabtrieb etwa 30 kN.[2][9]

Alle Räder sind an doppelten Querlenkern aufgehängt. Die Feder-Dämpfer-Einheiten an der Vorderachse sind mit integrierten Ölreservoirs liegend angeordnet und werden über Schubstangen betätigt; die Querlenker bestehen aus Stahl und sind als strömungsgünstige Flügelprofile ausgeführt.[7] An der Hinterachse sind die Feder-Dämpfer-Einheiten stehend ausgeführt und direkt mit den Radträgern verbunden.

Das Fahrzeug besitzt ein Monocoque aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, an das der Vorderwagen sowie der aerodynamisch ausgeformte Unterboden angeflanscht sind. Am Heck nimmt ein als Stahlschweißbaugruppe ausgeführter Rahmen Motor und Getriebe auf.[7] Die gemeinsam mit Dallara entwickelte Carbonstruktur erfüllt die Sicherheitsanforderungen der FIA, wie sie auch für LMH- und LMDh-Fahrzeuge gelten. In die seitlichen Strukturen des Monocoques sind CFK-Kühlwasserleitungen integriert, die zugleich als Seitencrashstrukturen und zur Versteifung dienen. Auf einem Motorsport-Kombiinstrument lassen sich sämtliche fahr- und motorsportrelevanten Daten ablesen. Sowohl die Pedale als auch die Beifahrerfußstütze sind um jeweils 150 mm längsverstellbar.[7][10]

Technische Daten

Weitere Informationen Fahrleistungen ...
Bugatti Bolide[7][11][2]
Motorart Ottomotor
Motorbauart Doppel-V-Motor mit 16 Zylindern
Hubraum 7993 cm³
max. Leistung 1176 kW (1600 PS) bei 7050/min
max. Drehmoment 1600 Nm von 3800 bis 7050/min
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb Allrad
Fahrleistungen[12]
Beschleunigung auf 100 km/h 2,2 s
Beschleunigung auf 200 km/h 5,4 s
Beschleunigung auf 300 km/h 11,5 s
300–0 km/h 6,0 s (228 m)
200–0 km/h 4,2 s (105 m)
100–0 km/h 2,5 s (30 m)
Höchstgeschwindigkeit 380 km/h
Maximale Querbeschleunigung 2,5 g (mit Slicks)
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Konkurrenzumfeld

Commons: Bugatti Bolide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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