Burg Allenstein
Burg in Polen
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Die Burg Allenstein war eine bedeutende Deutschordensburg in der ostpreußischen Stadt Allenstein, heute Olsztyn. Mit ihr wurde der Übergang über die Alle kontrolliert. Später wurde die Burg der Sitz der Kanoniker des Domkapitels im Ermland.
| Burg Allenstein | ||
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Burg Allenstein | ||
| Staat | Polen | |
| Ort | Olsztyn | |
| Entstehungszeit | 1353–1360 | |
| Burgentyp | Ortslage | |
| Erhaltungszustand | gut | |
| Ständische Stellung | Ordensburg und Residenzschloss | |
| Geographische Lage | 53° 47′ N, 20° 28′ O | |
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Geschichte

Die Burg, damals vermutlich ein Holzbau, ist schon in der Handfeste von 1353 erwähnt. 1353 bis 1360 wurde die Ordensburg auf einem quadratischen Grundriss am Steilhang oberhalb der Alle errichtet. Die Deckenbalken des Nordflügels des heutigen Baus konnten dendrochronologisch auf 1372 datiert werden. Auch die Balken des Dachstuhls, die für Museumsbesucher sichtbar sind, stammen aus dieser Zeit. Der schmalere Südflügel wurde 1429 erhöht. Im Zusammenhang mit den damaligen Erweiterungsarbeiten ist überliefert, dass sich prußischen Bewohner des Kammeramts Allenstein beim Hochmeister des Deutschen Ordens über die ihnen auferlegten Schararbeiten beschwerten. 1530 wurde im Südflügel eine neue Kapelle eingerichtet. Nach einem Arbeitsvertrag mit dem Maurer Niklaus sollte dort ein „czyrlich gut crewz gewelbe“ dort eingebaut werden. Nach dem Vertrag musste der Baumeister mit seinem gesamten Besitz für die Dauerhaftigkeit des Gewölbes haften. Eine letzte große Erweiterung erfolgte 1756/58 mit der Anfügung eines barocken Ostbaus.
Das Dach des Bergfrieds wurde erst 1926 aufgesetzt. Der zweite Turm existiert nicht mehr. Neben den Wirtschaftsgebäuden und Stallungen war auch ein Gefängnis untergebracht. Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Anlage ihre Wehrfähigkeit verlor, reduzierte man die Höhe der über 11 Meter hohen Mauern und schüttete einen Damm auf, über den die Burg von der Stadt aus erreichbar wurde. 1758 errichtete man das barock-klassizistische Gebäude im Osten, um den Kanonikern des Domkapitels eine zeitgemäße Unterkunft zu bieten. Im Zeitalter der Romantik gestaltete Friedrich Leopold Schimmelpfennig die Burg zur heutigen Form um. Seit 1921 ist in der Burg das Museum für Ermland und Masuren untergebracht.
Architektur
Die Burg liegt am westlichen Rand der kleinen Altstadt und zählt zusammen mit der Burg Rößel und Burg Seeburg zu einer Gruppe gleichzeitig entstandener Kammeramtssitze im Ermland. Das Vorbild war vermutlich die einige Jahre ältere Deutschordensburg Soldau. Es handelt sich um den ausgereiften Burgentyp mit nur einem Hauptflügel. Dieser zeigt eine charakteristische Dreiteilung der Raumstruktur, nach der Kapelle, Remter und Amtswohnung von Ost nach West angeordnet sind und mit ihren Stern- und Zellengewölbe den Mittelpunkt der Burg bilden. Die Hauptsäle sind von einem zweigeschossigen Laubengang aus zugänglich, der zur Hofseite hin angeordnet ist. Das Dachwerk hat die Besonderheit, dass es nach Süden verschoben ist und deutlich über die Außenmauern hinausreicht. Hier bilden die Dachbalken große Wurföffnungen, sogenannte Hurden. Der geräumige Burghof besitzt noch den alten Brunnen in seiner Mitte. Im Hof sind mittelalterlichen prußische Steinfiguren, die sog. Baben aufgestellt. In der Südwestecke der Burg erhebt sich der markante Bergfried mit einem quadratischen Sockelbau und zylindrischem Aufsatz steht. Auch dieser Turmtyp ist ein charakteristisches Element der oben genannten ermländischen Burgengruppe.
Trivia
Nikolaus Kopernikus wohnte in seiner Funktion als Verwalter des ermländischen Domkapitels in den Jahren 1516, 1524, 1531, 1535 und 1538 auf der Burg. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche erhaltene Inventare der Dörfer des Kammeramts, die Kopernikus regelmäßig aufzusuchen hatte. Von Kopernikus stammen Putzritzungen an der Wand im Obergeschoss, die ihm zur Berechnung von Himmelsbeobachtungen dienten. Im Park an der Brücke ist ein Denkmal ihm zu Ehren, auf Initiative des Deutschen Kaisers Wilhelm II. errichtet worden. Der Bau wurde aus seiner Privatschatulle mit 10.000 Reichsmark finanziert und im November 1916 – 400 Jahre, nachdem Kopernikus in Allenstein seinen Dienst antrat. Das Schutzdach ist heute verloren und das Denkmal trägt heute eine polnische Inschrift. im Burghof befindet sich ein weiteres Denkmal.
Weblinks
Quellen
- Christofer Herrmann: Burgen im Ordensland Preussen: Handbuch zu den Deutschordens- und Bischofsburgen in Ost- und Westpreussen. Michael Imhof Verlag, 2015, S. 239–241.

