Burg Ransbach

BURG RANSBACH | Deutschland | Hessen | Hochtaunuskreis | Neu-Anspach/Taunus From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Burg Ransbach, auch Festes Haus genannt, ist eine abgegangene Burg in Ransbach, einem Ortsteil der Gemeinde Willingshausen im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Das kurz nach Beginn des 16. Jahrhunderts an gleicher Stelle errichtete Feste Haus bzw. Weiherhaus wurde 1979 behutsam abgebaut und steht, versetzt, seit 1985 als kulturhistorisches Denkmal im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach im Hochtaunuskreis in Hessen. Es ist der älteste Profanbau im Hessenpark.

Schnelle Fakten
Burg Ransbach
Das „Feste Haus“ aus Ransbach im Hessenpark

Das „Feste Haus“ aus Ransbach im Hessenpark

Alternativname(n) Festes Haus, Steinernes Haus, Wehrspeicher
Staat Deutschland
Ort ursprünglich: Willingshausen-Ransbach; heute: Hessenpark
Entstehungszeit etwa 1504
Burgentyp Niederungsburg
Erhaltungszustand nach Ortswechsel gut restauriert
Ständische Stellung Kloster
Bauweise Bruchstein und Fachwerk
Geographische Lage 50° 17′ N,  32′ O
Höhenlage 228 m ü. NN
Burg Ransbach (Hessen)
Burg Ransbach (Hessen)
Schließen

Geschichte

Spätestens ab 1215 besaß das Kloster Haina Güter in Ransbach, und 1231 wurde dort eine Grangie, ein Klostergut, bekundet. Um oder kurz nach 1370, vermutlich durch den Sternerkrieg veranlasst, ließ das Kloster dort, zum Schutz seiner Besitzungen in der Umgebung, eine kleine Wasserburg anlegen, deren Wassergraben von einem Nebenarm oder gegrabenen Kanal des kleinen, südlich des Guts vorbeiführenden Wälzebachs gespeist wurde.

Kurz nach Beginn des 16. Jahrhunderts, vermutlich 1504/05, wurde an gleicher Stelle zu besseren Sicherung ein Festes Haus errichtet, als Wehrspeicher des Klosterhofs (Lage). Mit der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen wurde das Kloster 1527 säkularisiert; sein Besitz in Ransbach wurde landgräflicher Hof und dann 1544 an freie Bauern verpachtet.

Das Gebäude erlebte in der Folgezeit mannigfache Nutzungen. Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) diente es den Ransbacher Einwohnern als Schutzbau. Die umliegenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden mehrfach niedergebrannt, aber das Feste Haus blieb weitgehend verschont. 1775 ist es als Wohnung des dörflichen Schweinehirten bekundet, und noch bis 1858 diente es als Hirtenhaus. Danach war es bis 1920 Dorfschmiede und Dorfschenke. Dann endete die gewerbliche Nutzung mit dem Tod des damaligen Besitzers. Noch bis 1968 war das Haus von einer Tochter des letzten Besitzers bewohnt. Danach stand es leer, am Südostrand des kleinen Dorfs, verwahrloste allmählich und sollte schließlich abgerissen werden.

Dann jedoch wurde es 1979 auf Initiative von Historikern und Geographen vollständig abgebaut und die Einzelteile wurden ins Freilichtmuseum „Hessenpark“ transportiert. Dort wurden sie zunächst eingelagert, bis man das Haus 1985 originalgetreu wieder aufbaute und restaurierte und auch den umgebenden Wassergraben nachbildete (Lage). Heute erinnert vor Ort in Ransbach ein Gedenkstein an das Gebäude.

Das Gebäude

Das Haus ist ein gutes Beispiel eines seltenen Wehr- und Speicherbaus. Es hat einen quadratischen Grundriss von genau 9,07 × 9,07 Metern Größe. Das massive Erdgeschoss mit dem spitzbogigen Portal an der Südwestecke ist aus Bruchsteinen gemauert, mit einer Mauerstärke von etwa 1 Meter, und hat an allen vier Seiten jeweils zwei Schießscharten. Darüber befinden sich zwei in Ständerbauweise errichtete schmucklose Fachwerkgeschosse, seitlich holzverschalt, mit nur wenigen Fenstern sowie das Dachgeschoss unter dem, jüngeren, Krüppelwalmdach.

Literatur

  • Angus M. Fowler: Probleme der geschichtlichen Entwicklung des Hofes Ransbach. In: Hessische Heimat, Marburg, 1973, Band 23, S. 74–77.
  • Gerhard Seib: Das feste Haus (Weiherhaus) zu Ransbach. In: Hessische Heimat, Marburg, 1973, Band 23, S. 77–84.
  • Gerhard Seib: Neue Erkenntnisse zum "festen Haus" von Ransbach. In: Hessische Heimat, Marburg, 1983, Band 33, Heft 3/4, ISSN 0178-3173, S. 127–130
  • Karl Baeumerth: Das "Feste Haus" aus Ransbach im Freilichtmuseum Hessenpark. In: Schwälmer Jahrbuch, Schwälmer Heimatbund, Ziegenhain, 1986, S. 100–115.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen, 2. Auflage, Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen, 1995, ISBN 3-86134-228-6, S. 162
  • Carsten Sobik: Die Burg im Dorf. Wehrspeicher am Beispiel des "Festen Hauses" aus Ransbach. In: Thomas Schindler und Carsten Sobik: Die Burg im Blick. Volkskundliches zu einem populären Ort (Hessische Blätter für Volks- und Kulturforschung, Neue Folge, Band 48), Jonas Verlag, Marburg, 2013, ISBN 978-3-89445-473-9, S. 38–54.
  • Brigitte Warlich-Schenk: Denkmaltopographie „Schwalm-Eder-Kreis“. unter Mitarbeit von Hans Josef Böker. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (= Baudenkmale in Hessen. Band 1). Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1985, ISBN 3-528-06233-9, S. 526.
Commons: „Festes Haus“ aus Ransbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Related Articles

Wikiwand AI