Burtele-Fuß
Überreste eines Vormenschen aus der Afar-Region
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Burtele-Fuß ist die Bezeichnung[1] für acht zusammengehörige fossile Knochen vom rechten Fuß eines als hominin interpretierten Individuums, die im Zentrum der Afar-Region in Äthiopien entdeckt wurden. Burtele 1 und Burtele 2 sind zwei paläontologische Grabungsstätten im Woranso-Mille-Forschungsgebiet, knapp 50 Kilometer nördlich von Hadar und Gona. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurden die Fußknochen im März 2012 in der Fachzeitschrift Nature.[2] Die ungefähr 3,4 Millionen Jahre alten Fossilien galten als erster Beleg dafür, dass in dieser Epoche neben Australopithecus afarensis noch eine weitere Art der Vormenschen in der heutigen Afar-Region gelebt hat. Die Fossilien wurden jedoch bei ihrer ersten wissenschaftlichen Beschreibung im Frühjahr 2012 weder einer bestimmten Gattung noch einer Art zugeordnet. Erst im Spätherbst 2025 wurden die Fußknochen der Art Australopithecus deyiremeda zugeschrieben.[3]

Funde
Bei den Funden handelt es sich ausschließlich um Vorfußknochen, und zwar um die vollständig erhaltenen Mittelfußknochen der 1., 2. und 4. Zehe, den Kopf des Mittelfußknochens der 3. Zehe, die vollständig erhaltenen Grundglieder (Phalanges proximales) der 1., 2. und 4. Zehe sowie das vollständig erhaltene Mittelglied (Phalanx media) der 2. Zehe (Archivnummer BRT-VP-2/73a bis h aus der Grabungsstätte Burtele 2).
Den Beschreibungen der Ausgräber um Yohannes Haile-Selassie zufolge unterscheiden sich die Knochen in wesentlichen Merkmalen erheblich von den Australopithecus afarensis zugeschriebenen Fossilien; die Knochen weisen vielmehr Merkmale auf, die eine anatomische Nähe zum wesentlich älteren Ardipithecus ramidus nahelegen. Dies gelte insbesondere für die 1. Zehe (die große Zehe), die – wie beim 4,4 Millionen Jahre alten Fossil Ardi – weit abspreizbar war; der Besitzer des Fußes konnte sich demnach zu Lebzeiten auch mit Hilfe seiner großen Zehen gut auf Ästen festhalten. Eine Besonderheit ist ferner, dass der Mittelfußknochen der 4. Zehe länger ist als der Mittelfußknochen der 2. Zehe, was bislang weder bei Australopithecus noch bei Ardipithecus beobachtet wurde, wohl aber bei stammesgeschichtlich wesentlich älteren Menschenaffen des Miozäns wie zum Beispiel bei Proconsul. Alle Knochen sind zudem relativ lang und leicht gebogen, was ebenfalls auf eine zumindest zeitweise baumbewohnende Lebensweise schließen lässt.
Die vorläufige Zuordnung des „in mancherlei Beziehung affen-artigen Fußes“[4] zu einer Art der Hominini – also zu frühen Verwandten der unmittelbaren Vorfahren des Menschen – erfolgte vor allem deshalb, weil die Fußknochen zum einen eindeutig von den Merkmalen der Meerkatzenverwandten abzugrenzen seien; zum anderen gebe es zwar erhebliche Ähnlichkeiten mit den Gorillas (nicht aber mit den Schimpansen), überwiegend seien jedoch die den frühen Hominini zugeschriebenen Merkmale. Hierzu gehören insbesondere die Kontaktstellen zwischen den Knochen, aus denen „mehrere Hinweise auf evolutionäre Anpassung an den aufrechten Gang“[4] abgeleitet wurden.
Im Grabungsgebiet Woranso-Mille war 2011 bereits ein Oberkiefer-Fragment geborgen worden, das 2015 als Holotypus der neu eingeführten Art Australopithecus deyiremeda benannt wurde und ebenfalls rund 3,4 Millionen Jahre alt ist. Aber erst 2025, nach dem Fund weiterer Zähne und eines jugendlichen Unterkiefers, wurde auch der Fuß in einem Artikel in Nature dieser Art zugeschrieben. Begründet wurde dies damit, dass alle aus den Burtele-Fundstätten geborgenen Fossilien aufgrund ihrer „begrenzten räumlichen und zeitlichen Verbreitung“ und „mangels Beweisen dafür, dass diese mehr als eine Art repräsentieren könnten“, wahrscheinlich zu Australopithecus deyiremeda gehören. In einem Begleitartikel wurde jedoch betont, „dass die Zuordnung von Knochen der Gliedmaßen oder des Rumpfes zu einer Art eine Frage der Wahrscheinlichkeit ist, es sei denn, sie sind Teil eines einzelnen Skeletts, das artspezifische Merkmale aufweist, die in der Regel auf den Schädel beschränkt sind“.[5]
Weblinks
- Rätsel um vormenschliche Fußknochen gelöst. Auf: spektrum.de vom 26. November 2025.
- Burtele foot indicates Lucy not alone. Discovery of partial foot skeleton could mean hominin species lived side by side. Auf: eurekalert.org vom 2. April 2012. (mit Abbildungen)
- One foot in the past. Video zu Fund und Fundort auf nature.com vom 29. März 2012.
- Cleveland Museum of Natural History: „Lucy“ Lived Among Close Cousins: Discovery of Foot Fossil Confirms Two Human Ancestor Species Co-Existed. ( vom 27. Februar 2014 im Internet Archive) (mit Abbildungen)