Byrhtnoth
Ealdorman der Grafschaft Essex
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Byrhtnoth altenglisch Byrhtnōð, auch Brithnoth oder Beorhtnoth (geboren um 931; gestorben am 11. August 991 in Maldon), war ein Ealdorman der Grafschaft Essex (Ostsachsen) und der tragische Held des in Fragmenten überlieferten altenglischen Gedichtes The Battle of Maldon.
Leben
Byrhtnoth war ein Sohn des adligen Byrhthelm (auch Beorhthelm) und hatte mindestens einen Bruder Brihtric und eine Schwester und einen Neffen, deren Sohn Wulfmær. Er war mit Æthelflæd, einer Tochter des Ealdormans Ælfgar verheiratet, dem er um 953 in seinem Amt nachfolgte. Deren Schwester, seine Schwägerin Æthelflæd, war seit etwa 944 die zweite Ehefrau König Edmunds, dem Ealdorman der Ostanglier. Von dessen Söhnen, den Königen Eadwig und Eadgar, erhielt Byrhtnoth in den Jahren 956, 964 und 967 mehrere Landschenkungen. So besaß er in den östlichen Teilen Süd- und Mittelenglands zahlreiche Güter. Er beschenkte die örtlichen Klöster und Kirchen, wobei er und seine Familie insbesondere Ely und Ramsey mit großzügigen Zuwendungen bedachten. Eines seiner Güter bei Essex setzte er zur Morgengabe aus, als er Æthelflæd heiratete, die durch ihre Schwester mit Chelsworth beschenkt wurde.[1] Er soll eine möglicherweise uneheliche oder in einer ersten Ehe geborene Tochter Leofflæd gehabt haben, die von seinem Erbe ausgeschlossen war.[2]
Heldentod
Byrhtnoth soll vor seiner letzten Schlacht den Abt Wulfsige von Ramsey um Proviant für sein Heer gebeten haben, der jedoch sagte, dass er nur die Versorgung des Ealdormans und einiger weniger seiner Gefolgsleute sicherstellen konnte. Brihtnoth wandte sich daraufhin nach Ely, wo seine gesamte Truppe vom Abt bewirtet wurde. Daraufhin soll er die Abtei mit weitläufigen Ländereien sowie reichlich Gold und Silber beschenkt haben. In der Chronik von Ely wird von einer früheren Schlacht berichtet, die bei Maldon verortet wurde. Im Jahr 991 überfiel eine norwegische Flotte unter Anlaf (Olaf Tryggvason), Justin (losteinn) und Guthmund Ipswich und plünderte die Stadt aus. Diesen feindlichen Truppen stellte sich Brihtnoth mit seinen Mannen in der Schlacht von Maldon am Ufer des Blackwater (ehemals Panta) entgegen. Die Kenntnis über dieses Ereignis beruht auf den Fragmenten des altenglischen Gedichts The Battle of Maldon sowie Berichten in der Angelsächsischen Chronik. Die Angreifer sollen zunächst einen Boten zu ihm entsandt haben, der verkündete, dass sie nicht angegriffen würden, wenn sie den Dänen einen Tribut zahlen würden. Laut dem Manuskript soll Byrhtnoth ihm folgendes geantwortet haben:
“Gehyrst þu, sælida, hwæt þis folc segeð?
Hi willað eow to gafole garas syllan,
ættrynne ord and ealde swurd,
þa heregeatu þe eow æt hilde ne deah.”
„Hörest du, Seemann, was das Folk sagt?
Es will euch als Gabe nur Gere senden
Giftige Spitzen und alte Schwerter
Die Heeresgeräte werden euch nichts nützen.“
Aus großer Herzensgüte oder Selbstüberschätzung ließ Byrhtnoth eine große Anzahl von Feinden den Fluss ungehindert überqueren und sich zum Kampf formieren. In der anschließenden Schlacht wurde er verwundet, erschlug jedoch noch mehrere Feinde. Schließlich erhielt er selbst einen tödlichen Schlag und seine Gefolgsleute, unter denen sich auch sein Neffe Wulfmær befand, versuchten seinen Leichnam zu schützen. Der Kampf ging verloren, Brihtnoth wurde enthauptet und sein Kopf wurde als Trophäe fortgetragen.
Nach dem Ende der Kampfhandlungen wurde sein Körper geborgen und nach Ely gebracht, wo er durch den Abt (möglicherweise Wulfstan II. von York) in der Kirche von Ely (siehe Kathedrale von Ely) bestattet wurde. Anstelle seines Kopfes wurde eine Wachskugel eingesetzt. Seine Witwe Æthelflæd beschenkte Ely mit vielen Gaben, zu denen auch ein Wandteppich gehörte, in dem sie die Taten ihres Mannes verewigt hatte.[3] Auf dem Grabstein in der Kathedrale von Ely steht, er sei ein Anführer (lateinisch Dux) aus Northumbria gewesen.
Rezeption
Das Thema der Schlacht und des Todes von Byrhtnoth sowie der altenglischen Texte wurde mehrfach bearbeitet.
- In Maldon wurde eine Statue für ihn errichtet und an der Stelle, an der die Schlacht stattgefunden haben soll, durch den National Trust eine Plakette angebracht.
- Unico Zernial: Das Lied von Byrhtnoths Fall. 991. Weidmann, Berlin 1882, S. 3–24 (Textarchiv – Internet Archive – Wissenschaftliche Beilage zum Programm des Humboldts-Gymnasiums Prognmm Nr. 59, mit einer Übersetzung des Gedichttextes).
- James M. Garnett: Byrhtnoth, or The fight at Maldon. In: Elene; Judith; Athelstan, or, The fight at Brunanburh; and Byrhtnoth, or The fight at Maldon : Anglo-Saxon poems. Ginn and company, Boston, Mass. 1889, S. 60–70 (Textarchiv – Internet Archive).
- Eric Valentine Gordon: The Battle of Maldon – with a frontispiece and a map. Methuen, London 1937 (Nachdruck, Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- J. R. R. Tolkien: The Homecoming of Beorhtnoth Beorhthelm’s Son. 1953. (Auch auf Deutsch erschienen: Peter Grybauskas (Hrsg.): Die Schlacht von Maldon und Die Heimkehr von Beorhtnoth. Klett-Cotta, Stuttgart 2024, ISBN 978-3-608-98769-0.
- Robin Campbell: Byrhtnoth at the battle of Maldon. Troubador Publishing Ltd, 2016, ISBN 978-1-78589-267-7.

Literatur
- Edward Augustus Freeman: Chapter V. The Danish Conquest of England 975–1016. In: The History of the Norman Conquest of England. 2. Auflage. Band 1: The Preliminary History to the Election of Eadward the Confessor. Clarendon Press, London 1870, § 1. of Eadward the Martyr. 975–979. und § 3. From the election of Æthelred to the first dispute with Normandy, 979–1000., S. 258–285 (englisch, Textarchiv – Internet Archive).
- William Hunt: Brihtnoth. In: Leslie Stephen (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 6: Bottomley – Browell. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1886, S. 342–343 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- Felix Liebermann: Zur Geschichte Byrhtnoths, des Helden von Maldon. In: Ludwig Herrig (Hrsg.): Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen. Georg Westermann, Braunschweig 1900, S. 15–28 (Textarchiv – Internet Archive).
- M. A. L. Locherbie-Cameron: Byrhtnoth, His Noble Companion and His Sister’s Son. In: Medium Ævum. Band 57, Nr. 2, 1988, ISSN 0025-8385, S. 159–171, doi:10.2307/43629206, JSTOR:43629206.
- Richard Abels: Byrhtnoth [Brihtnoth]. In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Band 9: Burt–Capon. Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861359-8; doi:10.1093/ref:odnb/3429 (Lizenz erforderlich), Stand: 23. September 2004.
- Katherine Weikert: The Land of the English Kin. Brill, 2020, ISBN 978-90-04-42189-9, Ely Cathedral and the Afterlife of Ealdorman Byrhtnoth, S. 555–581, doi:10.1163/9789004421899_028.
Weblinks
- Essex Greats: Byrhtnoth and the Battle of Maldon greatbritishlife.co.uk
- Byrhtnoth at Ely Cathedral penelope.uchicago.edu