Bürgerressource
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Als Ressource (französisch: Hilfsquelle, Auskommen, Hilfsmittel; vom lateinischen Präfix re- [= zurück, wieder] und von französisch source = Quelle, Ursprung; zu altfranzösisch resoudre und lateinisch resurgere = wiedererstehen,[1] deswegen ursprünglich resource) oder früher auch als Bürgerressource[2][3][4] (vgl. Ressource) wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ein Gebäude bezeichnet, das sich zumeist im Eigentum eines privaten Trägervereins der Bürgerschaft einer Stadt befand und in dem sich die Vereinsmitglieder und deren Gäste zu vielfältigen Zwecken betätigen konnten. Manchmal wurde auch der Verein selbst als Ressource bezeichnet.[5][6] Die Bürgerressourcen lagen häufig an städtebaulich herausgehobenen Orten.
Häufigkeit
Im aktuellen deutschen Sprachgebrauch und besonders in den Wörterbüchern wird das Wort Ressource (auch im eingeschränkten Sinn von Bürgerressource) viel häufiger gebraucht als das (auch historisch) nur selten nachweisbare Wort Bürgerressource. Der Fachbegriff Bürgerressource wird heute nur fachbezogen beziehungsweise diskursgebunden verwendet.
Das DWDS (Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: „Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute“) schreibt im Januar 2026: „Es tut uns leid, Ihre Anfrage Bürgerressource ist nicht in unseren gegenwartssprachlichen lexikalischen Quellen vorhanden.“
Zweck
In den Ressourcen organisierte sich in der Vergangenheit vielfältiges bürgerschaftliches Engagement. Ressourcen boten auch anderen Vereinen oder Gesellschaften eine Heimstatt, standen daneben auch den Bürgern allgemein zur Erholung und zur Freizeitbetätigung offen.[7] Abzugrenzen sind die Kasinogesellschaften; ein Kasino war ursprünglich der Speiseraum für Offiziere und später allgemein ein Gesellschaftshaus oder eine Unterhaltungsstätte, bis sich daraus ein „öffentlicher Betrieb für Glücksspiele“ entwickelte.[8]
In der Soziologie fasst man die Bürgerressourcen zusammen mit den Kasinogesellschaften (Casinovereine) und den Harmoniegesellschaften als Geselligkeitsvereine und somit als eine Form sozialer Sekundärgebilde auf. In ihrer historischen Entwicklung ist „eine Reduktion der Bedeutung des konstitutiv wirksam gewesenen Motivs“ zu erkennen. Nach ihrem deklarierten Zweck sind Vereine entweder Idealvereine (wie die Wohltätigkeitsvereine) oder Wirtschaftsvereine (ähnlich wie die Genossenschaften).[9]
Beschreibung
Insbesondere im 18., 19. und noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Bürgerressourcen errichtet, in denen sich in der Regel kleinere Konferenzräume, Konzerträume, Ballsäle und oft auch eine Kapelle für Andachtszwecke befanden und die meist von einer öffentlich zugänglichen Grünanlage umgeben waren, wie die Weimarer Erholungsgesellschaft.
Sprachgebrauch
Die Begriffe Ressource oder Bürgerressource als Bezeichnungen eines Gebäudes oder eines Vereins sind heute aus dem Sprachgebrauch verschwunden.
Johann Georg Krünitz definierte 1813 die Ressource einerseits als „Hülfsquelle, Zuflucht [und andererseits als] zum gesellschaftlichen Vergnügen, mehrentheils einer geschlossenen Gesellschaft, bestimmter Ort.“[10]
Konrad Duden erklärte eine Ressource von 1887 bis 1926 als „Erholungsgesellschaft“[11] und später als „veralteter Name geselliger Vereine“;[12] seit der 11. Auflage des Rechtschreibdudens von 1937 fehlt dieser Bedeutungsinhalt einer Ressource vollständig. Der Fremdwörterduden schrieb 1971: „veralteter Name geselliger Vereine und ihrer Häuser“;[13] in der sechsten Auflage fehlt 1997 diese Nebenbedeutung einer Ressource.
Meyers Kleines Lexikon definierte 1934: „Ressource: Hilfsquelle; auch Name von Vereinen und Lokalen“.[14] Der Sprach-Brockhaus schrieb 1949: „Ressource: Name geselliger Vereinigungen“.[15] Ein populäres Fremdwörterlexikon erklärte die Ressource noch 1965 als eine „Bezeichnung für gesellige Vereine und deren Häuser“.[16]
Geschichte
Schon lange vor der Gründung von Gesellschaftsvereinen gab es etwa mit den Zünften, den Gesellenvereinen, den Klöstern oder den Schützenvereinen Vereinigungen von Bürgern. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts traten daneben dann aber Vereine nach britischem Vorbild (Gentlemen’s Clubs, Members Only Clubs) auf, denen man sich als männlicher Gemeindebürger freiwillig nach einem besonderen Abstimmungsverfahren anschließen konnte. Es gab einen Gesellschaftsvertrag, eine Vereinssatzung (Statut) und Mitgliederversammlungen.
Beispiele
In Culmbach in Oberfranken wurde 1802 eine „Bürger-Ressource“ gegründet.
Die Ressource Detmold im Kreis Lippe existiert seit 1825.[17]
Die Grenzboten beschrieben mehrmals verschiedene Bürgerressourcen, zum Beispiel 1846 in Prag.[18]
Karl Marx erwähnte 1847 die Bürgerressourcen: „Der Verein reduziert sich hier also einerseits auf die Bourgeoisassoziationen und Aktiengesellschaften, andererseits auf die Bürgerressourcen, Picknicks usw.“[19]
Die Neue Rheinische Zeitung schrieb am 10. Dezember 1848: „Die Deputirten begnügten sich jedoch, im Saale der Bürgerresource zu einer Privatconferenz unter dem Präsidium des Hr. v. Unruh zusammenzutreten.“[20]
Ein Beispiel für ein Haus einer Bürgerressource war das 1850 errichtete Haus Knieperdamm 5 in Stralsund. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde im Jahre 2017 abgerissen.
Auch Die Gartenlaube erwähnte 1856 die Bürgerressourcen.[21]
Literarische Zitate
„In den zahlreichen sehr kleinen Städten Ost- und Westpreußens, die außer dem Prediger, dem Rektor der Stadtschule, dem Doktor und Apotheker, vielleicht dem Kreisrichter, sonst niemand von wissenschaftlicher Bildung zu enthalten pflegen, zu denen der Bürgermeister und Stadtkämmerer, oft aus einem subalternen Verwaltungsfach hervorgegangen, der Besitzer des vornehmsten Gasthauses, in welchem zugleich die "Bürgerressource" ihren Sitz hat und der vornehmste Kaufmann oder Krämer (die beiden letzterwähnten oft in einer Person vereinigt) als "Honoratioren" hinzutreten, nur von sogenannten Ackerbürgern und kleinen Handwerkern bewohnt werden, bildet sich leicht eine ziemlich versumpfte und beengende Atmosphäre von Beschränktheit, Kleinlichkeit und Krähwinkelei, in der selbst die ursprünglich Höhergebildeten verbauern und verphilistern.“[22]
„Besonders seitdem meine Mutter hier gewesen sei, die, obwohl von Hungerleidern abstammend, doch einen bedenklichen Hang zum Großtun und zur Verschwendung gezeigt habe, sei mit mir kein Auskommen mehr, und der Verkehr bei den Hornigs, deren Dünkelhaftigkeit schon dadurch erwiesen sei, daß sie sich in die Kasinogesellschaft eingedrängt hätten - während andere doch auch sehr anständige Leute höchstens in der Bürgerressource aufgenommen sein wollten -, schlüge dem Faß vollends den Boden aus.“[23]
Andere Bedeutung
Wenn Mitbürger ihre persönlichen Mittel, also ihre Ressourcen im ökonomischen Sinn, der Gemeinschaft zur Verfügung stellen, werden Bürgerressourcen im Sinne eines bürgerlichen Engagements, zum Beispiel bei der Freiwilligen Feuerwehr oder bei einer Nachbarschaftswache, aktiviert.
Den Städten und Gemeinden stehen Bürgerressourcen also als das zur Verfügung, „was die Bürger selbst leisten können“, wenn sie nur entsprechend motiviert werden.