CRINK

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CRINK ist ein in den 2020er Jahren entstandenes Akronym für eine informelle Allianz der Staaten China (C), Russland (R), Iran (I), und Nordkorea (NK). Alle vier Staaten teilen das Ziel einer Revision der von den Vereinigten Staaten und ihren NATO-Verbündeten geprägten Weltordnung. Obwohl es sich nicht um einen formellen Block handelt, koordinieren diese Staaten zunehmend ihre wirtschaftlichen, militärischen und diplomatischen Bemühungen und unternehmen große Anstrengungen, um sich gegenseitig zu unterstützen und den Einfluss des Westens zu untergraben, was sich nach der russischen Invasion in der Ukraine noch verstärkt hat.[1]

Karte der CRINK-Staaten

Begriffsgeschichte

Auf dem jährlichen Halifax International Security Forum, einem wichtigen Treffen westlicher außenpolitischer Entscheidungsträger, am 17. November 2023 stellte Präsident Peter Van Praagh in seiner Eröffnungsrede das Akronym „CRINK“ vor.[2] Er sagte dazu: „Die Isolierung Russlands von der internationalen Gemeinschaft hat andere autoritäre Regime dazu veranlasst, Putin zu Hilfe zu kommen. Jetzt arbeiten China, Russland, Iran und Nordkorea, die wir als CRINKs bezeichnen, daran, die globale Ordnung zu zerstören“.[3] Das Akronym CRINK wurde auf der Veranstaltung noch weitere Male genutzt, u. a. im Rahmen von Sitzungen mit Titeln wie „Vergessen Sie die BRICS, hier kommen die CRINKs“.[4] Nach der Treffen in Halifax wurde der Begriff von den internationalen Medien aufgegriffen und diskutiert. Ein verwandter Begriff für die Allianz ist „The Axis of Upheaval“ (die Achse des Umbruchs), der 2024 von den Außenpolitik-Analysten Richard Fontaine und Andrea Kendall-Taylor vom Center for a New American Security in einem gleichnamigen Artikel in dem Magazin Foreign Policy geprägt wurde.[1] In deutschsprachigen Medien wurde auch der Begriff „Neue Achse des Bösen“ sowie „Achse der Autokraten“ für die Zusammenarbeit der CRINK-Staaten verwendet.[5][6][7][8]

Charakteristiken der CRINK

Bei den CRINK-Staaten handelt es sich nicht um eine homogene ideologische Allianz, da sie islamische Theokratien (Iran) und staatsatheistische kommunistische Staaten wie China und Nordkorea umfasst. CRINK bildet zwar keine formelle Organisation oder Allianz, doch sind die CRINK-Staaten im Allgemeinen durch eine gemeinsame Ablehnung der sogenannten US-Hegemonie und der von den USA angeführten internationalen Ordnung vereint. Ohne formelles Bündnis sind die CRINK offenbar durch ein Prinzip verbunden, das dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ ähnelt.[9]

Was die CRINK-Staaten teilen, sind eine autokratische Regierungsform, übereinstimmende außenpolitische Interessen und die Ablehnung des kulturellen und sozialen Liberalismus, der durch die Vereinigten Staaten repräsentiert wird. Orlando Figes schrieb 2022, dass „wir in Eurasien die Entstehung einer neuen Art von Imperium beobachten können, das Länder mit historischen Ressentiments gegenüber dem Westen vereint“. Er sagte, dass „nationalistische, sozial konservative, antiwestliche und religiöse Ideen ... die Diktaturen in Russland, China und Iran stützen“.[10] Sich selbst verstehen diese Staaten in offizieller Lesart als „antihegemonial“ und „antiimperalistische“ Koalition mit der Absicht, sich aus der als Bevormundung empfundenen westlichen Vorherrschaft zu lösen.

Verstärkte Zusammenarbeit

Als sozialistische Staaten verbanden Nordkorea, die Sowjetunion und die Volksrepublik China während des Kalten Krieges enge Verbindungen, auch wenn die gegenseitige Zusammenarbeit durch das chinesisch-sowjetische Zerwürfnis und Nordkoreas Isolationismus gehemmt wurde. Der Iran war anfangs ein Verbündeter der USA, begann allerdings nach der Islamischen Revolution 1979 eine antiwestliche Außenpolitik zu betreiben. Die jüngere Annäherung der Staaten begann in den 2000er Jahren, als der russische Staatschef Wladimir Putin die alten Kontakte nach Nordkorea wiederbelebte und die wirtschaftliche und militärische Kooperation mit China und dem Iran verstärkte. Nach dem Zerwürfnis mit dem Westen nach der russischen Annexion der Krim 2014 vertiefte Russland seine Beziehungen mit den restlichen CRINK-Staaten weiter.

Kim Jong-un und Putin auf dem Kosmodrom Wostotschny (2023)

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 begann der Iran die russische Kriegsführung durch die Lieferung von Shahed-Drohnen zu unterstützen. China unterstützte Russland zwar nicht direkt, lieferte jedoch Güter mit doppeltem Verwendungszweck und intensivierte den Handel mit Russland, was dessen Wirtschaft das Überleben sicherte. Für Nordkorea stellte der Krieg eine Möglichkeit dar, seine wirtschaftliche und politische Isolation zu überwinden. So lieferte das Land Russland zuerst Munition und schickte ab Ende 2024 eigene Streitkräfte zur Unterstützung der Russen in den Kampf. Im Juni 2024 wurde ein militärischer Beistandspakt zwischen Russland und Nordkorea unterzeichnet.[11] Vorher hatte Nordkoreas Diktator Kim Jong-un bereits bei einem Treffen mit Putin seine Unterstützung für Russlands „heiligen Kampf“ gegen den Westen bekundet.[12]

Zwischen dem Iran und China bestehen ebenfalls gute Kontakte, so hat sich China gegen die westlichen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran ausgesprochen und ist dessen wichtigster Handelspartner. Im März 2021 unterzeichneten beide Länder ein strategisches Partnerschaftsabkommen mit einer 25-jährigen Laufzeit.[13] Chinas Verhältnis zu Nordkorea war lange belastet, da China das nordkoreanische Atomprogramm verurteilte und sich den Sanktionen gegen das nordkoreanische Regime anschloss. Anfang der 2020er Jahre entspannte sich das Verhältnis jedoch, als Chinas Xi Jinping im Oktober 2020 Nordkorea besuchte und die „starke Führung“ von Kim Jong-un lobte. Insbesondere die verschlechterten Beziehungen Chinas zu den USA haben den „Wert“ Nordkoreas als „Druckmittel“ gegenüber den USA wieder ansteigen lassen, was die diplomatische Wende erklärt.[14]

Die vier Staaten haben ihre wirtschaftliche, diplomatische und politische Zusammenarbeit stetig ausgebaut. Auf militärischer Ebene wurden 2019 erstmals Marineübungen zwischen Russland, dem Iran und China abgehalten, die danach jährlich wiederholt wurden.[15] Nordkorea und Russland wurden 2024 militärische Verbündete. Einigen Berichten zufolge soll es auch eine nukleare Zusammenarbeit zwischen dem Iran und Nordkorea gegeben haben.[16]

Einzelnachweise

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