Caipira

Bevölkerungsgruppe Brasiliens From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Caipiras sind eine ethnografische Gruppe mit Ursprung im brasiliarischen Bundesstaat São Paulo,[1][2] die sich auch auf die brasilianischen Bundesstaaten Goiás, Minas Gerais, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul und Paraná verteilt. Historisch sind sie zudem mit der Besiedlung von Gebirgsregionen in Rio Grande do Sul und Santa Catarina verbunden, wo ihre Nachfahren als Birivias bezeichnet werden.[3]

Kaipiras aus São Paulo in einer ihrer typischen Trachten

In der Vergangenheit waren Caipiras leicht zu identifizieren, sowohl durch einen Phänotyp, der sie den Indigenen ähneln ließ, als auch durch ihre Kleidung, zu der Baumwoll-Leinenhosen, ein großer Hut und selbst an heißen Tagen ein traditioneller Poncho gehören konnten. Zu ihren wichtigsten ethnischen Formationen zählen auch Sephardim, Juden, die aufgrund der Inquisition aus Spanien und Portugal emigrierten, und zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert eingewandert in São Paulo waren.[4][5][6]

Die Gebiete, in denen die Caipira-Kultur eingeführt wurde, werden informell zu einer einzigen Region zusammengefasst, die als Paulistânia bekannt ist. Ein kulturelles und geografisches Konzept, das ab dem 20. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung gewann.

Während der Kolonialzeit war ihr wichtigstes Kommunikationsmittel die "Língua geral paulista" (Paulista Tupi-Sprache), die durch die Bandeiras in andere Regionen verbreitet wurde. Heute sprechen sie einen eigenen Dialekt[7] auf portugiesischer Basis, in dem einige Elemente der Paulista Tupi-Sprache und der galicisch-portugiesischen Sprache erhalten geblieben sind.[8]

Herkunft der Bezeichnung „Caipira“

Ursprung

Ursprünglich war „Caipira“ eine Bezeichnung, die vom Volk der Guaianá des Médio Tietê verwendet wurde, um die Bandeirantes zu benennen. Frühe Entdecker, die von São Paulo aus ins Hinterland aufbrachen, um nach Edelmetallen zu suchen.[9] Der Begriff entstand während der Existenz der Kapitanie São Vicente, die später unter der Bezeichnung São Paulo e Minas de Ouro reorganisiert und schließlich 1720 in São Paulo umbenannt wurde.

Etymologie

Die erste Definition des Namens „Caipira“ wurde im 19. Jahrhundert von Baptista Caetano d’Almeida formuliert, der verteidigte, dass der Begriff aus der Tupi-Sprache stamme: cai (Brandrodung) + pira (Haut), was als „verbrannte Haut“ übersetzt wird und sich möglicherweise auf das äußere Erscheinungsbild, etwa der Bandeirantes bezog.[10]

Im 20. Jahrhundert entstanden verschiedene etymologische Erklärungen zur Herkunft des Begriffs. Einige vertreten die Ansicht, er könne vom Tupi ka'apir oder kaa-pira stammen, was „Buschschneider“[11] bedeutet; von ka'a pora, „Bewohner des Waldes“, aus der Verbindung von caa (Wald) und pora (Mensch); von kopira, „Rodung“ oder „Rodender“; von caí-pyra, „Schüchterner“; oder vom Guarani caapiára, „Landwirt“.

Mögliche Synonyme

Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs „Caipira“ entspricht in Minas Gerais dem Wort Capiau, einem Begriff guaranischen Ursprungs, der ebenfalls „Buschschneider“ bedeutet. Caipora, aus dem Tupi caa'pora, bedeutet „das, was im Wald ist“.[12][13] Im Nordosten Brasiliens entspricht er dem Begriff Matuto, der sich von „Mato“ (Wald) ableitet. Der Begriff Caboclo, aus dem Tupi kari'boka, „vom Weißen abstammend“, der streng genommen die Kinder aus der Verbindung zwischen Weißen und Indigenen bezeichnet, wurde im 19. Jahrhundert mit dem Caipira assoziiert.[14] Caburé, aus dem Tupi kabu'ré, bezeichnet die Kinder aus der Verbindung zwischen Schwarzen und Indigenen.[15] In Rio Grande do Sul erhielten die Nachfahren der Caipiras, die die Serra Gaúcha kolonisierten, die Bezeichnung „Biriva“, „Biriba“ oder „Beriba“, die vom Tupi mbi'ribi stammt und „klein“ oder „wenig“ bedeutet.[16]

Abwertende Bezeichnungen und Stereotype

Ohne negative Wertung wird der Ausdruck bei der Beschreibung ländlicher Kultur (= cultura caipira) benutzt. Caipira wird aber auch herabwertend verwendet und bezeichnet dann eine einfache, ungebildete Person. In diesem Fall entspricht Caipira ungefähr der Bedeutung Hinterwäldler. Die stereotype Verwendung des Begriffs in abwertender Weise, etwa als Bezeichnung für eine naive oder ungeschickte Person, gilt als eine Form der Diskriminierung von Menschen aus ländlichen Gebieten.[17] Seit den 1980er/90er Jahren ist der Begriff Caipira immer mehr auch als mit Stolz verwendete Eigenbezeichnung der ländlichen Bevölkerung aufgekommen.

Die Gebiete, in denen die Caipira Kultur eingeführt wurde, sind informell zu einer einzigen Region zusammengefasst, die als Paulistânia bekannt ist, ein kulturelles und geografisches Konzept, das ab dem 20. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung gewann.[18][19][20][21][22]

Literatur

  • Darcy Ribeiro: O Povo Brasileiro. A formação e o sentido do Brasil. 2. Auflage. Companhia das Letras, São Paulo 1995, IV, Os Brasis na História, 5: O Brasil Caipira, S. 363–406 (brasilianisches Portugiesisch, Webarchive [PDF]).
Commons: Caipira – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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