Calwer Passage
Ladenpassage und Gebäudekomplex in Stuttgart
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Die Calwer Passage in Stuttgart bildete mit dem Stadtquartier Calwer Straße einen Gebäudekomplex aus Wohn- und Geschäftshäusern, den sanierten und teils ergänzten historischen Wohngebäuden entlang der Calwer Straße und einer dazwischenliegenden Passage. Der Komplex stammte von den Architekten Kammerer + Belz und wurde ab 1974 geplant und 1975–78 erbaut.[1] Während die Passage unter Denkmalschutz steht, wurden die Wohn- und Geschäftshäuser entlang der Theodor-Heuss-Straße 2019 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Es handelt sich um die erste Ladenpassage in Deutschland nach der Renaissance dieses Bautyps in der Postmoderne.[1] Mit der Sanierung der Häuser entlang der Calwer Straße bildete das Projekt zudem eine Abkehr vom Prinzip der Flächensanierung durch Abriss zugunsten einer Sanierung historischer Wohngebäude.[2]

Beschreibung
Die Passage befindet sich im Blockinneren zwischen den sanierten Altbauten entlang der Calwer Straße und den Neubauten entlang der Theodor-Heuss-Straße. Sie ist von einem gläsernen Tonnendach überfangen. Die Fußböden aus Marmor und Granit und die Beschilderung folgen einem einheitlichen anspruchsvollen Gestaltungskonzept.[3]
Das Geschäftshaus an der Ecke Fritz-Elsass- und Theodor-Heuss-Straße bestand aus einer zweigeschossigen Sockelzone, über der zwei weitere Geschosse auskragten, sowie ein weiteres zurücksprang. Die Gebäudeecken waren abgeschrägt und der Bau wurde durch zwei Treppentürme aus Beton visuell betont. Der Rest des Gebäudes war überwiegend mit Kupfer verkleidet. Auf der Rückseite bildete der Bau einen Innenhof aus, der den Eingang zur Passage markierte. Entlang der Theodor-Heuss-Straße befand sich ein niedrigeres langes Wohn- und Geschäftshaus nach dem gleichen Grundprinzip mit zwei Treppentürmen.
In der Calwer Straße befinden sich verschiedene Altbauten, die im Rahmen des Projekts saniert wurden, darunter ein Fachwerkhaus aus den 17. Jahrhundert (Nr. 40), ein spätbarockes Bürgerhaus (Nr. 50), ein Doppelhaus des Jugendstil des Architekten Karl Hengerer von 1904 (Nr. 62–64). Inmitten dieser Zeile befindet sich ein mit kupfer verkleideter Neubau mit Giebel, der als Eingang zur Passage dient.[3]
Geschichte

Bauherr war die Allgemeine Rentenanstalt, die ein Büro- und Geschäftshaus zum Rotebühlplatz erbauen wollte und zugleich eine Aufwertung der Calwer Straße wünschte. Dem in den 1970er Jahren ungewöhnlichen Engagement des Bauherrn ist es zu verdanken, dass die historischen Bauten, die einen Überblick Stuttgarter Architektur des Barock bis zum Jugendstil bieten, erhalten blieben. Die Baugruppe wurden als erste Nordwürttembergs 1976 unter Ensembleschutz gestellt.[3]
Seit 2013 steht die Passage unter Denkmalschutz, nicht jedoch die dazugehörigen Wohn- und Geschäftshäuser der 1970er Jahre. Der Investor Ferdinand Piëch kaufte den Komplex und ließ diese 2019 abreißen und durch einen Neubau ersetzen, der 2022 eröffnet wurde und durch seine begrünte Fassade auffällt.[4][5]
Literatur
- Werkbericht / Kammerer + Belz / Kucher und Partner. Stuttgart 1985, ISBN 3-87346-072-6, S. 78–87.
- Heidi Kief-Niederwöhrmeier, Hartmut Niederwöhrmeier: Neue Glaspassagen / Lage Gestalt Konstruktion / Bauten 1975–85. 2. Auflage. Leinfelden-Echterdingen 1987, ISBN 3-87422-602-6, S. 31–35.
- Martin Wörner, Gilbert Lupfer, Unte Schulz: Architekturführer Stuttgart. 3. Auflage. Berlin 2006, S. 16, Nr. 20.
- Uta Lambrette, Birgit Schmolke: Architekturführer Stuttgart. Berlin 2019, S. 184, Nr. 113.