Pichia kudriavzevii

Art der Gattung Candida From Wikipedia, the free encyclopedia

Pichia kudriavzevii (Synonym Candida krusei, Issatchenkia orientalis)[1] ist ein diploider Hefepilz, der ubiquitär verbreitet ist und in Wein, Bier, Konfitüre, Fleisch, Joghurt, Obstsäften[2] und Zucker, aber auch im Boden und im Abwasser gefunden wurde (Do Carmo-Sousa, 1969[3]). Er ist als Erreger von Candidosen und Candidämien (systemischer Befall innerer Organe über die Blutbahn) bekannt und wird auch vereinzelt industriell verwendet. Durch C. krusei verursachte Candidämien, Endophthalmitis (McQuillen, 1992[4]), Endokarditis (Rubinstein, 1975[5]) und Arthritis (Ngyuen und Penn, 1987[6]) treten vor allem bei immunsupprimierten Patienten wie Krebs- und AIDS-Patienten, Transplantat-Empfängern sowie Diabetikern, Drogensüchtigen und Patienten mit hämatologischen Malignomen[7] auf. C. krusei. kann bei immunkompetenten Personen Windeldermatitiden, Haut- und Nagelmykosen,[8] Vaginalsoor (Singh u. a., 2002[9]) und Infektionen der Mundhöhle bei Gebissträgern (Holmstrup, 1999[10]) auslösen.[11] 2018 wurde die industriell verwendete Species Pichia kudriavzevii als identisch mit Candida krusei (syn. C. glycerinogenes und Issatchenkia orientalis) festgestellt.[12] Die Taxonomie des NCBI führt die Spezies aber auch weiter noch unter der Bezeichnung Pichia kudriavzevii (Stand 26. September 2024).[13]

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Pichia kudriavzevii

Wachstum auf Sabouraud-Dextrose-Agar

Systematik
Unterabteilung: Saccharomycotina
Klasse: Saccharomycetes
Ordnung: Echte Hefen (Saccharomycetales)
:
Gattung: Pichia
Art: Pichia kudriavzevii
Wissenschaftlicher Name
Pichia kudriavzevii
Boidin, Pignal & Besson
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Merkmale

Die Hefezellen sind ellipsoid bis zylindrisch und 4–5 × 2–5 µm groß. Auf Sabouraud-Agar bilden sich bei 37 °C cremefarbene, raue Kolonien mit einem Pseudomycel.[14]

Industrielle Anwendung

Kakaobohnen müssen bei der Schokoladenproduktion, zwecks Beseitigung des bitteren Geschmacks und um bestimmte Inhaltsstoffe aufzuschließen, fermentiert werden.[15] Dieses findet mit zwei Pilzen statt, C. krusei und Geotrichum candidum, die meistens bereits auf den Samen anwesend sind. Die Hefezellen produzieren Enzyme, die das Fruchtfleisch der Kakaofrucht (die Pulpe) zersetzen. Dabei wird Essigsäure gebildet, wobei sich ein Schokoladenaroma entwickelt und die Bitterkeit in den Bohnen beseitigt wird.[16]

C. krusei eignet sich ebenfalls zur Verbesserung der Reifung von Harzer Käse, zur Entsäuerung von Sauermilchkäse[17] und zur Unterstützung der Produktion von Bäckerhefe.[18] C. krusei produziert Ethanol ohne Erzeugung von Bernsteinsäure, ein Vorteil bei der Gewinnung von Ethanol.[19] Seine thermische Toleranz weist auf weitere Verwendbarkeit bei industriellen Anwendungen[20] hin.

Diagnose

Zum Nachweis von C. krusei bieten sich mehrere Methoden an:[21]

Gentechnik

Die typische Pilz-Enolase-Gen codierende Sequenz ist 1.300 bp lang und codiert für ein 440 Aminosäuren umfassendes Polypeptid. Unter Ausschluss der Primersequenzen enthielt das amplifizierte PCR-Produkt 1264 bp der C. krusei Enolase Gen-Sequenz, von der eine 353 Aminosäuresequenz abgeleitet wurde. Dies entspricht 92 % der gesamten C. krusei Gen-Sequenz. Das C. krusei Enolase-Gen ist durch Introns unterbrochen. Eine derartige Unterbrechung des Enolase-Gens durch ein Intron wurde erstmals in Neocallimastix frontalis[25] erwähnt.[26][27]

Behandlung

C. krusei weist eine höhere Resistenz gegen Fluconazol[28] und Itraconazol[29] als andere Candida-Arten auf.[30][31] Er wird sehr oft bei Patienten gefunden, die bereits mit Fluconazol therapiert wurden, was die prophylaktische Verwendung von Fluconazol in Frage stellte.

C. krusei ist aber empfindlich gegen Voriconazol,[32] Amphotericin B, Miconazol und Pilzmittel wie die Echinocandine Micafungin,[33] Caspofungin und Anidulafungin[34] sowie das Polyen Nystatin.[35] In der Zahnmedizin ist nach neusten Forschungen Chitosan wirksam.[36]

Die Sterblichkeitsrate bei C. krusei ist sehr viel höher als bei Candida albicans. Weitere Candida-Arten dieser Kategorie sind: Candida parapsilosis, Candida glabrata, Candida tropicalis, Candida guillermondii und Candida rugosa.

Literatur

  • M. A. Pfaller: Candida krusei. a multidrug-resistant opportunistic fungal pathogen: geographic and temporal trends from the ARTEMIS DISK Antifungal Surveillance Program, 2001 to 2005. In: J Clin Microbiol. 46(2), Feb 2008, S. 515–521.
  • S. D. Rao, S. Wavare, S. Patil: Onycholysis caused by Candida krusei. In: Indian J. Med Microbiol. 22(4), 2004, S. 258–259.
  • E. G. Evans: Resistance of Candida species to antifungal agents used in the treatment of onychomycosis: a review of current problems. In: Br J. Dermatol. 141 Suppl 56, 1999, S. 33–35.
  • E. Rubinstein, E. R. Noriega, M. S. Simberkoff, R. Holzman, J. J. Rahal: Fungal endocarditis: analysis of 24 cases and review of the literature. In: Medicine. 54, 1975, S. 331–334.
  • Werner Mendling: Vaginose, Vaginitis, Zervizitis und Salpingitis. Springer, Berlin 10/2006, S. 77: Candida krusei ist die nichtsexuelle, anamorphe Form von Issatchenkia orientalis.
  • W. G. Merz u. a.: Increased incidence of fungemia caused by Candida crusei. In: J Clin Micro. 24, 1986, S. 581.
  • Yichen Liu, Bo Miao, Wenying Li, Xingjun Hu, Fan Bai, Yidilisi Abuduresule, Yalin Liu, Zequan Zheng, Wenjun Wang, Zehui Chen, Shilun Zhu, Xiaotian Feng, Peng Cao, Wanjing Ping, Ruowei Yang, Qingyan Dai, Feng Liu, Chan Tian, Yimin Yang, Qiaomei Fu: Bronze Age cheese reveals human-Lactobacillus interactions over evolutionary history. In: Cell, 25. September 2024; doi:10.1016/j.cell.2024.08.008 (englisch). Dazu:

Einzelnachweise

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