Carentan

ehemalige französische Gemeinde From Wikipedia, the free encyclopedia

Carentan (kaʁɑ̃'tɑ̃) ist eine französische Stadt und ehemalige Gemeinde mit 6024 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2022) im Département Manche in der Region Normandie. Die Gemeinde Carentan gehörte zum Arrondissement Saint-Lô. Mit Wirkung vom 1. Januar 2016 wurden die früheren Gemeinden Angoville-au-Plain, Carentan, Houesville und Saint-Côme-du-Mont zur Commune nouvelle Carentan-les-Marais zusammengelegt.

Schnelle Fakten
Carentan
Carentan (Frankreich)
Carentan (Frankreich)
Staat Frankreich
Region Normandie
Département Manche
Arrondissement Saint-Lô
Gemeinde Carentan-les-Marais
Koordinaten 49° 18′ N,  15′ W
Postleitzahl 50500
Ehemaliger INSEE-Code 50099
Eingemeindung 1. Januar 2016
Status Commune déléguée

Hôtel de ville (Rathaus) der Gemeinde Carentan-les-Marais in Carentan
Schließen

Geografie

Carentan liegt zwischen Cherbourg und Saint-Lô inmitten ausgedehnter trockengelegter Sümpfe, die inzwischen als Weide- und Anbauflächen dienen. Die sind jedoch jeden Winter noch überflutet, wenn es genug regnet. Man sagt dann, dass die Sümpfe „weiß“ werden. Durchflossen werden sie von den Flüssen Taute und der Douve.

Die in der Normandie auch als Capitale des Marais (Sumpfhauptstadt) bezeichnete Stadt war im Mittelalter auf einem der wenigen trockenen Wege zur Halbinsel Cotentin platziert. Aus der Bucht von Les Veys (Baie des Veys) gelangt man auch mit dem Schiff über den künstlichen Kanal aus der Zeit Napoleons zum Hafen von Carentan.

Die Stadt liegt mitten im Regionalen Naturpark Marais du Cotentin et du Bessin.

Geschichte

US-amerikanische Soldaten bei der Befreiung der Stadt
Kirche Notre-Dame

Da Carentan innerhalb dieser Region eine strategische Schlüsselposition einnahm, war der Ort in der Geschichte in Kriegen stets umkämpft. In römischer Zeit nannte sich der Ort Carentomagos. Im Englisch-Französischen Krieg wurde er oft belagert und zerstört. Blanche de Castille ließ schließlich Carentan befestigen. Diese Anlagen wurden jedoch 1853 wieder geschleift.

Carentan wurde international vor allem als Schauplatz eines Gefechtes im Zweiten Weltkrieg zwischen der Wehrmacht und den nachrückenden Fallschirmtruppen der Amerikaner (101. US-Luftlandedivision) bekannt. Auf deutscher Seite war das Fallschirmjägerregiment 6 unter dem Kommandeur Major Freiherr von der Heydte und die 17. SS-Panzergrenadier-Division „Götz von Berlichingen“ eingesetzt. Diese Schlacht um Carentan wurde Gegenstand mehrerer Spielfilme. Am 12. Juni 1944[1] wurde Carentan von der deutschen Besatzung befreit.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr19621968197519821990199920082013
Einwohner52565563618765896300634060585884

Sehenswürdigkeiten

  • Kirche Notre-Dame: Eine romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert wurde 1443 zerstört und später im gotischen Stil wieder errichtet.
  • Das Rathaus (Hôtel de ville) stammt aus dem 17. Jahrhundert und diente im Laufe der Zeit auch als Kaserne und Schule.
  • Die mittelalterlichen Arkaden am Place de la République sind einmalig in der gesamten Normandie. Sie sind die Überreste eines überdachten mittelalterlichen Handelszentrums.

Verkehr

Bahnhof Carentan um 1900

Carentan hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Mantes-la-Jolie–Cherbourg der Relation Paris-Cherbourg, die in diesem Abschnitt (von Caen nach Cherbourg) am 17. Juli 1858 von der Compagnie des chemins de fer de l’Ouest eröffnet wurde. Am 8. Juli 1894 ging eine Zweigstrecke nach La Haye-du-Puits in Betrieb, die den Endabschnitt einer bislang dort endenden Strecke von Carteret darstellte. Auf letzterer verkehrte im Sommer 1976 der letzte Personenzug, am 2. Juni 1991 endete dort auch der Güterverkehr. Auf der Hauptstrecke halten heute Züge des TER Normandie im Bahnhof Carentan.

Die Stadt wird auch von der Manéo-Expressbuslinie 1 (Saint-Lô–Carentan–ValognesCherbourg) bedient.[2]

Partnerschaften

Partnerschaften bestanden mit der deutschen Gemeinde Waldfischbach-Burgalben in Rheinland-Pfalz und mit der englischen Stadt Selby in Yorkshire. Auf der Grundlage des Deutsch-Französischen Vertrages von 1963 fand ein regelmäßiger Schüleraustausch zwischen den Gymnasien in Carentan und Kevelaer am Niederrhein (Nordrhein-Westfalen) statt. Die Schülerinnen und Schüler waren stets in Gastfamilien untergebracht, so lernten sie ihre Gasteltern besonders gut kennen und konnten ihre Fremdsprache im Alltag erproben.

Persönlichkeiten

Commons: Carentan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

Related Articles

Wikiwand AI