CargoBeamer

From Wikipedia, the free encyclopedia

CargoBeamer ist ein horizontales Verladungsystem der CargoBeamer AG für den kombinierten Eisenbahnverkehr, welches den vollautomatischen Umschlagvorgang an allen Waggons eines Zuges parallel ermöglicht. Zum CargoBeamer-System gehören spezielle Waggons des Typs Sdkmss[1] zusammen mit dem JetModul, einer Art Schublade, in der jeweils ein nicht kranbarer Sattelauflieger abgestellt wird, und dem CargoBeamer-Terminal, in dem an einem Gleis die speziellen Einrichtungen zum Verschub der JetModule verbaut sind. Das System wurde nach der Erfindung im Jahr 1998 von der CargoBeamer AG 2013 durch die Inbetriebnahme erster Pilotverkehre zur Marktreife gebracht. Im Jahr 2021 wurde im französischen Calais das erste Terminal eröffnet, welches vollständig über die Umschlagtechnologie von CargoBeamer verfügt und für den freien Markt zugänglich ist.

Schnelle Fakten
CargoBeamer AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Sitz Leipzig, Deutschland Deutschland
Leitung
  • Nicolas Albrecht (Vorstandsvorsitzender)
  • Markus E. Fischer
  • Hans-Jürgen Weidemann
  • Boris Timm
  • Julian Hagenschulte
Branche Logistik, Kombinierter Verkehr
Website https://www.cargobeamer.com/
Schließen

Neben der Entwicklung des Verladesystems betreibt das Unternehmen auch Zugverbindungen, auf denen die CargoBeamer Waggons eingesetzt werden. Zwischen 2015 und 2018 konnte eine kontinuierliche Steigerung der Anzahl Züge (von 2564 auf 12285), des Transportvolumens (von 26 auf 152 Millionen tkm) und der Auslastung der Züge (von 60 auf 85 Prozent) erreicht werden.[2]

Umschlagvorgang

Sattelauflieger werden in den JetModul-Wannen horizontale verschoben.

Die Sattelauflieger werden von der Zugmaschine auf die bereitstehenden JetModule im CargoGate, einem speziellen Umschlagbahnhof, abgestellt. Dort werden sie abgekuppelt und die Zugmaschine fährt weg. Danach fährt ein Güterzug – bestehend aus CargoJet-Güterwagen – in die Umschlaganlage ein. Aus den Taschenwagen werden die JetModule, auf dem der Lkw-Auflieger transportiert wird, seitlich herausgeschoben. Von der anderen Seite werden die beladenen Wannen in die Güterwagen hineingeschoben. Der Zug ist nun wieder abfahrbereit. Der gesamte Umschlagvorgang soll laut Hersteller 20 Minuten dauern.[3]

Der CargoBeamer ist in erster Linie für den Transport von Sattelaufliegern ausgelegt. Diese machen den Großteil des europäischen Lkw-Fernverkehrs aus. Es ist prinzipiell auch möglich, Wechselbrücken oder ISO-Container damit zu transportieren.

Vor- und Nachteile

Vorteile
  • Der Umschlag erfolgt relativ schnell im Vergleich zu einer Kranverladung oder Reach-Stacker, wenn alle Auflieger richtig positioniert in der Schale liegen.
  • Das System funktioniert unter elektrifizierten Gleisen.
  • Zugmaschine und Zug müssen nicht zeitgleich im Terminal sein.
  • Sattelauflieger in der JetModul-Wanne wird mit einem Reach-Stacker verladen
    Der Waggon ist kompatibel zu konventionellen Umschlagterminals. Die Wagenaufsätze können durch die in diesen Terminals eingesetzten Portalkräne oder mit Reach-Stackern aus den Wagen gehoben werden. Dadurch kann auch die große Mehrheit der Trailer, die sonst nicht kranbar wäre, mittels der Wagenaufsätze auf Eisenbahnwagen gehoben werden.
  • Die CargoBeamer GateModule (Terminaltechnik) sind mit 13 m Breite plus Fahrspuren für die Lkw sehr effizient und benötigen bei gleichem Durchsatz weniger Fläche als ein konventionelles Umschlagterminal.
  • Die Güterwagen sind frei von Elektrik und Hydraulik und damit einfacher und günstiger als die Wagen anderer Horizontalumschlagsysteme.
Nachteile
  • Die Güterwagen sind schwerer als Taschenwagen – dieser Nachteil wird insbesondere auf Strecken mit hohen Steigungen (Gebirgsstrecken) wirksam.
  • Die Güterwagen sind technisch komplexer und teurer als bisherige Taschenwagen, sowohl die für den Vertikalumschlag mit Kränen als auch die Wagen der Rollenden Landstraße.
  • Mit dem CargoBeamer-System können keine Lastzüge befördert werden, nur die Auflieger von Sattelzügen.

Zulassung

Erster CargoBeamer-Zug im Einsatz im Gotthardmassiv im April 2015, gezogen von BLS Cargo

Die Wagen sind seit dem Jahr 2010 als TSI-konform vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassen und können somit in der ganzen EU eingesetzt werden.

Streckennetz

Bestehende Routen

Kaldenkirchen–Domodossola

Die CargoBeamer AG betreibt seit mehreren Jahren mit mittlerweile 20 wöchentlichen Rundläufen[4] eine Zugverbindung vom Cabooter Rail Terminal, Kaldenkirchen an der deutsch-niederländischen Grenze, zum Schenker Italiana Terminal, Domodossola, und zurück. Dabei verkehrt der Zug auf der Lötschberg-Simplon-Route durch die Schweizer Alpen. Da an beiden Endpunkten der Strecke noch keine CargoBeamer-Terminals vorhanden sind, werden die Auflieger konventionell mit Greifstaplern verladen. Zwischen 2015 und 2020 wurden mehr als 64‘000 Auflieger mit CargoBeamer AG auf dieser Route transportiert. Mit einer realisierten Frachtkapazität von mehr als 636 Millionen Tonnenkilometer konnte die Firma fast 18‘000 Tonnen CO2-Emissionen gegenüber dem Straßenverkehr einsparen. Mit einem Durchschnitt von über 87 % Auslastung wurde das Angebot der CargoBeamer AG genutzt.

Calais–Perpignan

Seit Juli 2021 betreibt die CargoBeamer AG die erste Linie vom unternehmenseigenen CargoBeamer-Terminal in Calais aus. Diese führt ins südfranzösische Perpignan, wird mit vier wöchentlichen Rundläufen bedient und von DB Cargo France (ehemals Euro Cargo Rail) traktioniert.[5]

Das CargoBeamer-Terminal in Calais im Einsatz. Zu sehen ist der horizontale Umschlag von Sattelaufliegern, welche auf die speziellen Wannen geladen wurden.

Stuttgart–Domodossola

Mit drei Rundläufen pro Woche verkehren seit Anfang 2025 CargoBeamer-Züge zwischen Kornwestheim bei Stuttgart und Domodossola in Norditalien. Die Traktion wird von SBB Cargo International bereitgestellt. Auf deutscher Seite wird das DUSS-Terminal Kornwestheim genutzt, während die Züge in Italien im CargoBeamer-Terminal in Domodossola umgeschlagen werden. Die Verbindung ist die zweite Linie des Unternehmens zwischen Deutschland und Italien.[6]

Venlo–Oradea (Rumänien)

CargoBeamer-Züge verkehren seit September 2025 zwischen Venlo-Blerick und Oradea (Rumänien).[7] Sie brauchen 60 Stunden für die rund 1500 km lange Strecke.[8]

Lüttich–Domodossola

Seit Januar 2026 betreibt CargoBeamer eine Verbindung zwischen Lüttich und Domodossola. Die Traktion übernimmt BLS Cargo[9]. Nach einem Start mit drei Rundläufen wird die Linie aktuell mit sechs wöchentlichen Umläufen bedient. CargoBeamer gibt eine Transitzeit von 38 Stunden an.[10]

Ehemalige Routen

Die CargoBeamer AG hat in der Vergangenheit mehrere Verbindungen innerhalb Europas betrieben, die heute nicht mehr Teil des aktiven Streckennetzes sind. Diese Routen dienten teils als Teststrecken, teils als reguläre Linien und lieferten wichtige Erfahrungen für den Ausbau des kombinierten Schienengüterverkehrs.

Calais–Domodossola

Ende 2021 wurde dem Terminal in Calais eine zweite Linie hinzugefügt, welche Nordfrankreich mit Domodossola verbindet. Nach einer Hochlaufphase mit vier wöchentlichen Fahrten je Richtung wurde diese Route mit sechs Umläufen betrieben.[11] Seit Dezember 2022 wird die Verbindung pausiert.

Kaldenkirchen–Perpignan

Die im Januar 2022 eröffnete Route zwischen Kaldenkirchen und Perpignan wurde ab Februar 2022 mit fünf wöchentlichen Rundläufen bedient, wobei als Traktionspartner DB Cargo France hinzugeholt wurde.[12] Seit April 2023 wird die Verbindung pausiert.

Domodossola–Bari

In drei wöchentlichen Rundläufen verkehren CargoBeamer-Züge zwischen Domodossola und Bari. Die Transitzeit zwischen dem CargoBeamer Terminal im norditalienischen Domodossola und dem Terminal Bari Ferruccio im Süden Italiens beträgt 35 Stunden. Es gibt außerdem die Option Domodossola als Gateway zwischen Kaldenkirchen und Bari zu nutzen.[4]

Testverkehre

CargoBeamer Terminal in Leipzig (2014)

Auf den folgenden Strecken führte CargoBeamer Testverkehre durch, die bisher nicht zu einem dauerhaften Angebot weiterentwickelt wurden: Leipzig-Hagen[13], Kaldenkirchen-Kaunas, Kaldenkirchen-Šeštokai und Marseille-Calais.

Realisierte und geplante CargoBeamer-Terminals

Am 22. Dezember 2020 schloss die CargoBeamer AG mit der Europäischen Investitionsbank eine Vereinbarung über ein bis 2022 laufendes Darlehen in Höhe von 12,6 Millionen Euro zur Finanzierung der neuen Terminals in Kaldenkirchen, Calais und Domodossola.[14]

Calais

Im Sommer 2020 fand der Spatenstich für das erste komplette CargoBeamer-Terminal in Calais statt. Die CargoBeamer AG errichtete in unmittelbarer Nähe zum Fährterminal und zum Kanaltunnel eine hochinnovative Umschlaganlage mit zwei Gleisen in 18 sogenannten „Doppel-Gate Modulen“. Nach dem Vollausbau kann die Anlage Züge mit jeweils 36 Sattelaufliegern voll automatisiert innerhalb von 20 Minuten ent- und wieder beladen. Ein Konsortium unter der Leitung des französischen Baukonzerns Eiffage führte die Bauarbeiten durch. Die nordfranzösische Hafenstadt Calais festigt damit ihre Position als Logistik-Drehkreuz zwischen England und dem europäischen Kontinent. Wichtige Unterstützung erhält das Projekt durch eine europäische Förderung in Höhe von 7 Millionen Euro und weitere Fördermittel des französischen Staates und der Region Hauts-de-France.[15] Im Juli 2021 wurde das Terminal eröffnet. Es hat eine Kapazität von sechs täglichen Zugpaaren. Seit Mitte Juli 2021 werden wöchentlich vier Rundläufe nach Perpignan angeboten.[4]

Kaldenkirchen

Im Juni 2025 gab CargoBeamer bekannt, dass in Kaldenkirchen in Nordrhein-Westfalen das erste CargoBeamer-Terminal in Deutschland errichtet wird. Am Standort nahe der deutsch-niederländischen Grenze soll eine der modernsten und leistungsfähigsten Umschlaganlagen in Europa entstehen, welche speziell für die Verlagerung von Sattelaufliegern auf die Schiene konzipiert ist. Der Bau soll in der zweiten Jahreshälfte 2025 beginnen, während die Inbetriebnahme der Anlage laut CargoBeamer für 2026 geplant ist.[16][17]

Domodossola

Im März 2021 gab CargoBeamer den Kauf eines Terminalgeländes in Domodossola bekannt, wo künftig das zweite vollständige CargoBeamer Terminal entstehen soll. Von und nach Domodossola betreibt das Unternehmen eine Route nach Kaldenkirchen mit 20 wöchentlichen Rundläufen.[4]

Wolfsburg

Als Teil eines dreijährigen Pilotprojekts wurde auf dem Gelände des Volkswagenwerks in Wolfsburg eine Pilotanlage errichtet und zwischen 2013 und 2016 erfolgreich betrieben.[18] Dabei wurde das Terminal auf die Funktionalität getestet. Der Pilotbetrieb war für wöchentlich zwölf Rundläufe nach Bettembourg (Luxemburg) ausgelegt. Wie aus dem Projektschlussbericht hervor geht, erzielte die Anlage eine Zuverlässigkeit von fast 100 %. Offizieller Baubeginn war am 29. November 2012. Die Anlage ist im Frühjahr 2013 in Betrieb gegangen und Ende des Versuchs und wurde nach erfüllen aller Ziele Ende 2016 wieder zurückgebaut. Wegen den Platzverhältnissen am Werk wurde von einem Ausbau oder einer Weiterentwicklung vor Ort, wie geplant, abgesehen.

Hagen-Hengstey

In Hagen-Hengstey war ein CargoBeamer-Umschlagbahnhof auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Hengstey, dessen Rangierbetrieb am 1. Februar 1976 eingestellt wurde, am Ufer des Hengsteysees in der Planung. Dieses Gelände am Schnittpunkt der Ruhr-Sieg-Strecke, der Ruhrtalbahn, der Bahnstrecke Hagen–Hamm und der Oberen Ruhrtalbahn wäre über die in unmittelbarer Nähe befindliche Abfahrt Hagen-Nord der parallel verlaufenden Bundesautobahn 1 gut an das Straßennetz angebunden. Da der Standort vor allem bei den Anliegern auf Bedenken stieß,[19] wurde dieser nicht realisiert.[20]

Konkurrierende Horizontalumschlagsysteme

Commons: CargoBeamer – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI