Carl Grunow
deutscher Architekt und erster Direktor des Berliner Kunstgewerbemuseums
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Carl Friedrich Wilhelm Grunow (* 26. April 1823 in Calbe (Saale); † 16. Februar 1893 in Berlin) war ein deutscher Architekt und erster Direktor des Berliner Kunstgewerbemuseums.
Leben
Carl Grunow war Sohn eines wohlhabenden Mühlenbesitzers. Er besuchte von 1834 bis 1843 das Domgymnasium in Magdeburg, diente 1844 bei der 3. Pionierabteilung, machte das Feldmesser-Examen und studierte nach der praktischen Dienstzeit von 1846 bis 1849 an der Bauakademie in Berlin. Nach Abschluss war er an Eisenbahnbauten und bei der Rheinstrom-Bauverwaltung tätig. Von 1850 bis 1852 entstand der Bahnhof in Paderborn nach seinen Plänen und unter seiner Leitung. Nach einigen Jahren schwerer Krankheit ging er nach Berlin, wo er 1854 Mitglied des Architektenvereins wurde; von 1858 bis 1861 errichtete er gemeinschaftlich mit Martin Gropius Wohnhäuser im neu entstehenden Tiergartenviertel. Später führte er größere Fabrikanlagen aus. 1866 unternahm er zusammen mit dem Grafen Berg und dem Archäologen Karl Friederichs eine Studienreise nach Italien. 1867 übernahm er die Geschäftsleitung der Gesellschaft zur Begründung eines Deutschen Gewerbe-Museums und wurde 1868 Direktor dieses Museums sowie Geschäftsführer der angeschlossenen Unterrichtsanstalt.[1] Bei der Erweiterung des Museums 1872, bei der besondere Direktoren für die Sammlungen und die Unterrichtsanstalt bestimmt wurden, wurde ihm die Gesamtleitung des Museums als Erster Direktor übertragen.[2] Diese Stellung bekleidete er bis zu seinem Tod. Ihm war ebenfalls die Kronprinz-Friedrich-Wilhelm-Stiftung unterstellt. Im Jahr 1876 wurde Grunow in den gewerblichen Sachverständigen-Verein und 1883 in die Kommission für das technische Unterrichtswesen berufen.
Carl Grunow war zweimal verheiratet: 1850 ehelichte er Marie Louise Dohlhoff, Tochter eines Medizinalrats aus Magdeburg.[3] Nach dem frühen Tod seiner Frau heiratete er 1858 deren Schwester, Anna Dohlhoff.[4]
Veröffentlichungen
- 1871: Schinkels Bedeutung für das Kunstgewerbe
- 1881: Festschrift zur Einweihung des neuen Gebäudes für das Kunstgewerbemuseum.
- 1881: Plastische Ornamente der italienischen Renaissance. Verlag von Ernst Wasmuth, Berlin.
- 1884: Kerbschnitt-Vorlagen. Seemann, Leipzig.
Auszeichnungen
- 1872: Roter Adlerorden 4. Klasse
- 1881: Kronenorden 3. Klasse
- 1888: Ritterkreuz des Hohenzollern-Hausordens
Literatur
- Carl Grunow †. In: Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 8, 1893, S. 92 (zlb.de).
- Sandra Kriebel: Privater Kunstbesitz und öffentliche Interessen: Die Berliner Leihausstellungen alter Kunst im Deutschen Kaiserreich. arthistoricum.net, Heidelberg 2023, Kapitel 3: Die Ausstellungen alter Kunst aus Berliner Privatbesitz 1872–1914 und ihre Akteure; doi:10.11588/arthistoricum.1097