Carl Rinsch

Filmregisseur From Wikipedia, the free encyclopedia

Carl Erik Rinsch (* 1977) ist ein US-amerikanischer Filmregisseur und Straftäter. Der einzige Spielfilm, bei dem er Regie führte, war 47 Ronin aus dem Jahr 2013. Er wurde 2025 schuldig gesprochen, 11 Millionen Dollar an Produktionskosten für eine Serie veruntreut zu haben.

Leben

Rinsch wuchs als Sohn eines Versicherungsmanagers im San Fernando Valley auf. Bereits als Teenager beschäftigte er sich mit Kurzfilmen. Er studierte an der Brown University und kehrte dann nach Los Angeles zurück.[1]

Zurück in Südkalifornien begann er im Produktionsunternehmen von Ridley Scott eine Tätigkeit als Lehrling und begann Werbespots zu drehen.[1] Für Scotts Unternehmen entwickelte er den futuristischen Action-Kurzfilm The Gift, der 2010 beim Cannes Lions International Advertising Festival den Goldenen Löwen erhielt. Hiernach war er im Gespräch die Regie für die Alien-Fortsetzung Prometheus – Dunkle Zeichen zu führen, was dann Ridley Scott tat. Universal Studios bot ihm stattdessen die Regie für 47 Ronin an.[2] Die Premiere des zunächst für den November 2012 angekündigten 175 Millionen Dollar teuren Films musste zweimal verschoben werden, bis sie am 25. Dezember 2013 stattfinden konnte. Finanziell war 47 Ronin an den Kinokassen einer der teuersten Misserfolge des Jahres.[3]

Nachdem 47 Ronin ein 2013 Misserfolg an den Kinokassen war, kehrte Rinsch zu Werbefilmen zurück. Rinsch begann mit seiner Frau unter dem Arbeitstitel White Horse eine Science-Fiction-Serie zu entwickeln.[4] Die Fernsehserie sollte sich um künstlich geschaffene Wesen names Organic Intelligence, drehen, die sich von der Menschheit abgeschottet und eine eigene Gesellschaft gegründet hatten und zusätzlich in einen internen Kampf der sie führenden zwillinghaften Doppelspitze geraten.[5]

Finanzierte das Paar dieses Projekt zunächst selbst, konnte dann das Produktionsunternehmen 30West für eine Investition gewonnen werden. Als Rinsch eine Frist versäumt hatte, drohte diese Zusammenarbeit zu scheitern. Rinschs Freund Keanu Reeves sprang dann ein, so dass sechs Kurzfolgen in Längen bis zu zehn Minuten gedreht werden konnten. Auf diese boten Streaming-Unternehmen auf dem Höhepunkt der Streamingwelle. Netflix erhielt vor Apple TV+ 2018 den Zuschlag. Carl Rinsch sollte für 61,2 Millionen Dollar in mehreren Raten eine dreizehnteilige Serie schaffen, wobei ihm künstlerische Freiheit zugestanden wurde. Die Serie sollte nun Conquest heißen. Rinsch zeigte während der Dreharbeiten 2019 zunehmend unberechenbares Verhalten. Bis zum Erreichen der COVID-19-Welle in den USA im Frühjahr 2020 hatte Netflix schon 44,3 Millionen Dollar für Conquest gezahlt, es wurde aber nicht eine Serienfolge vollendet. Im März forderte er weitere 11 Millionen Dollar, die er erhielt, nachdem er gedroht hatte, dass sonst das Projekt zusammenbreche. Nach Änderungen im Management im September 2020 und nachdem die Ehefrau kurz vor Einreichung der Scheidung den Streaming-Anbieter über Rinschs Verhalten informiert hatte, bat die nun für das Projekt Verantwortliche um Ansicht des fertiggestellten Materials. Sie erhielt dies nicht. Schließlich verweigerte Netflix mit Email vom 18. März 2021 weitere Zahlungen. Er strengte daraufhin ein Schiedsverfahren an und behauptete, dass Netflix ihm noch über 14 Millionen Dollar schulde.[1] Das Schiedsgericht kam 2024 zu dem Schluss, dass Rinsch Netflix wegen Vertragsbruchs fast 12 Millionen Dollar an Schadensersatz und Rechtsgebühren schulde.[4] Netflix wurden die Rechte am Filmmaterial zugesprochen.[6]

Strafverfahren

Am 18. März 2025 wurde Rinsch in West Hollywood verhaftet und einem Bundesrichter vorgeführt, der ihm die Anklage eines Bundesgerichts in New York verlas. Ihm wurde ein Fall von Betrug mittels Telekommunikationseinrichtungen, zwei Fälle von Geldwäsche und vier Überweisungen zu illegalen Zwecken vorgeworfen. Die Anklage ging davon aus, dass er 11 Millionen Dollar, die Netflix am 6. März 2020 an sein Produktionsunternehmen Rinsch Co. für die Science-Fiction-Serie White Horse überwiesen hatte, über mehrere Zwischenkonten auf ein persönliches Konto überwies. Dort sollen 10,5 Millionen Dollar angelegt sein. Etwa die Hälfte habe Rinsch innerhalb von weniger als zwei Monaten bei Finanzspekulationen verloren. Den Rest habe er in Kryptowährung umgewandelt. Mit dieser erhielt er in den folgenden Jahren Gewinne. Er investierte hiervon laut Anklage 10 Millionen Dollar in sechs Luxuswagen der Marken Rolls-Royce und Ferrari, Antiquitäten und andere Luxusgüter, Kreditkartenrechnungen, seine Scheidungsanwälte und Anwälte im Schiedsverfahren mit Netflix.[7] Das Gericht in Los Angeles entschied, dass er bis zur Hauptverhandlung in New York gegen eine Kaution vom 100.000 Dollar auf freien Fuß zu setzen sei.[8]

Die Hauptverhandlung in Manhattan begann am 2. Dezember 2025.[9]

Die Verteidigung stellte den Angeklagten als kreatives und visionäres Genie dar, der als Produzent aber überfordert war. Das Projekt sei dann an kleinlichem ökonomischen Gruppendenken und der COVID-19-Pandemie gescheitert.[9] Im Strafverfahren trat Rinsch in den Zeugenstand und sagte aus. Er behauptete, dass er alle vereinbarten Leistungen erbracht habe und unter den Kosten geblieben sei, die 10,5 Millionen Dollar seien für ihn gewesen, um vorgeschossene Kosten wie die Hotel-Unterbringung einer Crew von 100 Personen während der Corona-Lockdowns zu erstatten. In seinen Augen habe er bereits über eine zweite Staffel verhandelt, er sei dabei gewesen nicht nur eine Serie, sondern ein Franchise wie Star Wars oder Game of Thrones zu liefern. Die Rolls-Royces seien für die Serie notwendig gewesen. Seine Verteidiger hatten bereits im Vorfeld angeregt, dass seine Zurechnungsfähigkeit ein Fall für das Gericht sein würde. So hatte Rinsch unter anderem in einer Email behauptet, dass er überzeugt sei Donald Trump würde sich mit dem chinesischen Volk verbünden, um Xi Jinping zu stürzen.[6] Er habe sich laut seinen Pflichtverteidigern seinerzeit im Zustand einer Psychose befunden, die wahrscheinlich von Faktoren wie Medikamentenkonsum und der Belastung durch die COVID-19 ausgelöst worden sei.[10]

Nach einer Woche Verhandlung sprachen ihn die Geschworenen des Telekommunikationsbetruges, der Geldwäsche und fünfmal der Verfügung über unrechtmäßig erworbene Mittel schuldig.[11]

Einzelnachweise

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