Carl Schnitzler
Ingenieur-Offizier der preußischen Armee
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Carl Joseph Heinrich Schnitzler (* 25. Januar 1789 in Düsseldorf; † 25. April 1864 in Köln) war ein Ingenieuroffizier der Preußischen Armee. Er begann seine Laufbahn beim Bau der Festung Koblenz, war aber auch an zivilen Projekten beteiligt.
Werdegang
Schnitzler besuchte von 1811 bis 1814 die Akademie der Bildenden Künste, Abteilung Baukunst,[1] in München und war anschließend kurzzeitig als Baukondukteur tätig. Am 21. Juni 1815 trat er als Ingenieurgeograph in die preußische Armee ein. Im März 1816 gehörte er zum im Koblenzer Schloss untergebrachten Topographischen Büro, das unter der Leitung des Majors Friedrich Ludwig Karl Knackfuß (1772–1842) die Aufgabe hatte, die Arbeiten des französischen Geographen Jean Joseph Tranchot zur topographischen Aufnahme der Rheinlande fortzusetzen. Schnitzer führte Vermessungsarbeiten im Raum Trier sowie an der Grenze zum heutigen Belgien durch.[2]
Am 11. November 1816 erfolgte seine Beförderung zum Sekondeleutnant und Aggregierung zur 3. Ingenieur-Brigade, wo er am Fortifikationsdienst in Koblenz teilnahm. Hier war er maßgeblich an der Bauleitung der Arbeiten auf der Festung Ehrenbreitstein (nachweislicher Entwurf der rückwärtigen Fassaden des Hauptwalles) und der Befestigungen des Niederehrenbreitsteins, der Werke Pleitenberg, Nöllenkopf, Glockenberg sowie des Forts Asterstein beteiligt.[3] Am 14. November 1817 wurde er in die 3. Ingenieur-Brigade einrangiert. Es folgten am 25. August 1818 die Beförderung zum Premierleutnant und am 27. September 1823 zum Hauptmann II. Klasse. 1828 waren die Arbeiten an der Festung Ehrenbreitstein und 1834 an der Großfestung Koblenz insgesamt vorerst abgeschlossen. Schnitzler erhielt am 25. Mai 1837 seine vorläufige Ernennung zum Garnisonbaudirektor im VIII. Armee-Korps mit Sitz in Koblenz. Die Bestätigung im Amt unter gleichzeitiger Beförderung zum Hauptmann I. Klasse geschah am 28. März 1840. Es folgte die Ernennung zum Major am 30. März 1844 und die vorläufige Versetzung zum Stab des preußischen Armeekorps nach Berlin, womit auch seine 28-jährige Tätigkeit in Koblenz endete. Bereits einen Monat später (25. April 1844) erhielt er seine Ernennung zum Platzingenieur in die Großfestung Köln und kehrte damit ins Rheinland zurück. Es folgte am 27. Juni 1852 seine Beförderung zum Oberstleutnant und am 23. Februar 1856 seine Verabschiedung mit dem Charakter als Oberst aus der preußischen Armee.[4]
Als einer der wenigen preußischen Ingenieuroffiziere war Schnitzler auch während seiner aktiven Dienstzeit an zahlreichen Zivilbauten beteiligt. So führte er beim Wiederaufbau von Schloss Stolzenfels bei Koblenz, einem bedeutenden Projekt der Burgen- und Rheinromantik, die Pläne von Karl Friedrich Schinkel fort, entwarf die 1845 vollendete Schlosskapelle und war am Bau der 1843 fertiggestellten Klause des Schlosses beteiligt. Der Ausbau der Burg Sooneck am Rhein zur Jagdburg (1842–1861) erfolgte vollständig nach seinen Plänen. Den Wiederaufbau der Konstantinbasilika in Trier zur evangelischen Kirche (1846–1856) setzte er zusammen mit seinem Sohn Anton um. Weitere nach seinen Plänen entstandene Bauten waren der Wiederaufbau des Kurfürstlichen Palais’ in Trier (Baubeginn 1841), der Malakoffturm in Köln (1852) sowie als sein letztes Werk die Planung und Bauleitung von Schloss Marienfels in Remagen (1859–1864).[5]
Der preußische König ernannte ihn am 24. September 1846 unter Beibehaltung seines Postens im Ingenieurkorps zum General-Baudirektor der Königlichen Schlösser von Sanssouci.
- Festung Ehrenbreitstein
- Konstantinbasilika
- Schloss Stolzenfels
- Schloss Marienfels
Familie
Schnitzler entstammte einer Familie von Baumeistern aus Düsseldorf. Sein Vater Anton Schnitzler (* 21. Februar 1756 in Glehn; † 8. Mai 1823 in Düsseldorf) hatte dort in der zweiten Hälfte der 1770er Jahre eine Baufirma gegründet. Seine Mutter war Maria Gertrudis Evertz (* 25. Februar 1762 in Solingen; † 26. Juli 1827 ebenda).[6] Seine zwei jüngeren Brüder Anton und Georg (* 17. Mai 1798 in Düsseldorf; † 12. Mai 1834 ebenda)[7] führten als Architekten das väterliche Baugeschäft in Düsseldorf weiter.
Carl Schnitzler heiratete am 24. Oktober 1819[8] in Ehrenbreitstein Gertrud Kother (* 16. Februar 1798 in Ehrenbreitstein; † 13. Juli 1864 in Köln)[9] eine Tochter des dortigen Amtschirurgen Johann Baptist Kother und der Valentine Staub. Aus der Ehe gingen fünf erwachsene Kinder hervor:
- Anton (* 27. August 1820 in Ehrenbreitstein; † 14. März 1880 in Rüdesheim)[10] wurde Baumeister, führte zusammen mit seinem Vater den Umbau der Konstantinbasilika in Trier durch, war zuletzt königlicher Kreis-Bauinspektor in Rüdesheim und Premierleutnant der preußischen Landwehr (Abschied am 9. September 1865), ⚭ Agnes Fischer.
- Valentine Catharine (* 13. August 1826 in Ehrenbreitstein; † 10. September 1893 in Frankfurt/Main),[11] ⚭ Carl August Ludwig Behm, Oberst der preußischen Armee.
- Carl (Michael) (* 28. Juli 1829 in Ehrenbreitstein, † 24. Januar 1886 in Langenberg)[12] wurde Ingenieur, zuletzt königlicher Eisenbahnmaschineninspektor in Langenberg, ⚭ Ida Warburg.
- Ida (* 18. Januar 1835 in Ehrenbreitstein; † 24. Dezember 1866 in Köln),[13] ⚭ Eduard Weyers, Apotheker.
- Xaveria (Anna Ferdinanda) (* 18. Juli 1837 in Koblenz; † 26. April 1916 in Höxter),[14] ⚭ August Nücker, Hauptmann der preußischen Armee, † 21. August 1870 in Gravelotte.
Carl Schnitzer wohnte zuletzt in Köln, Am Weidenbach 11–13, wo er am 15. April 1864 verstarb und auf dem Friedhof Köln-Melaten, Grabstelle Flur J, Nr. 119, beerdigt wurde.
Seine Enkelin Maria Nücker (* 30. Oktober 1867 in Wesel; † 25. November 1954 in Höxter) hatte am 8. September 1903 in Mainz den aus belgischem Hochadel stammenden Alfons Graf von Looz-Corswarem geheiratet, weshalb sich Schnitzlers Nachlass heute im Besitz der Familie der Grafen von Looz-Corswarem befindet. Dazu zählt beispielsweise sein Familienbuch mit Eintragungen von Familienereignissen und einem Kurzen Abriss meiner früheren Verhältnisse (1849) mit Nachtrag bis 1859 (als Depositum im Archiv der Vereinigten Adelsarchive im Rheinland) sowie ein Porträt des Ingenieurhauptmanns Karl Schnitzler zu Koblenz von Karl Franz Joseph Thelott, 1823 auf Leinwand angefertigt.
Auszeichnungen
- Preußen: Roter Adlerorden 4. Klasse (18. Januar 1839) und 3. Klasse mit Schleife (Januar 1859), Ritterkreuz des königlichen Hausordens der Hohenzollern (22. April 1852) und Dienstauszeichnungskreuz für Offiziere.
- Belgien: Offizierskreuz des Leopold-Ordens (Januar 1856).
Literatur
- Klaus T. Weber: Die preußischen Festungsanlagen von Koblenz (1815–1834) (= Kunst- und kulturwissenschaftliche Forschungen. Band 1). Weimar 2003, ISBN 3-89739-340-9.
- Wolfram Hagspiel: Lexikon der Kölner Architekten vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert (= Veröffentlichungen des Kölnischen Geschichtsvereins. Band 52). Köln 2022, ISBN 978-3-412-52447-0, S. 349 f.