Carl von Diebitsch

preußischer Architekt From Wikipedia, the free encyclopedia

Carl Wilhelm von Diebitsch (* 13. Januar 1819 in Liegnitz; † 15. Juni 1869 in Kairo) war ein preußischer Architekt.

Aufriss einer Villa, vermutlich Villa Oppenheimer in Kairo, von Diebitschs Hand

Herkunft

Carl von Diebitsch stammte aus der schlesischen Uradelsfamilie von Diebitzsch, seine Vorfahren waren Gutsbesitzer und zumeist Offiziere, wie auch der Großvater, Gutsherr und Leutnant a. D. Georg Heinrich von Diebitsch, verheiratet mit Friedrike Charlotte von Frankenberg und Ludwigsdorf. Sein Vater war der kgl. preuß. Major a. D. Major Heinrich von Diebitsch (* 1766; † 1835), seine Mutter Friederike Therese Johanne eine geb. von Biela (* 1786; † 1865).

Leben

Er erhielt zunächst eine militärische Ausbildung in der Potsdamer Kadettenanstalt, die er 1839 abbrach, um in die Berliner Bauakademie einzutreten, wo in der Tradition Schinkels gelehrt wurde. Nach Abschluss seines Studiums reiste er 1842 nach Italien, Frankreich, Algerien und schließlich nach Granada in Spanien, wo er die Alhambra studierte und 1847 den Kunststudenten Wilhelm Gentz aus Neuruppin kennenlernte. Seit seiner Ausbildung bevorzugte er die Applikation arabischer Architekturteile und betrachtete den maurischen Stil als architektonisches und den einheimischen Baustoffen Gips und Ton in seinen Farben Rot, Schwarz und Gelb als Ideal. Seine erste ausgeführte Arbeit im orientalisierenden Stil wurde die architektonische Ausstattung des in Neuruppin (Brandenburg) befindlichen ehemaligen Garten des damaligen Kronprinzen Friedrich, späteren König Friedrich II. von Preußen, mit dem Erstlingswerk des späteren Königlichen Baumeisters Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff von 1735. 1853 erwarben die Kaufleute Johann Christian und Alexander Gentz, Vater und Sohn, diesen Garten in Memoriam an Friedrichs Aufenthalt in Neuruppin und gestalteten ihn der aktuellen Mode im orientalisierenden Stil um. Dafür wurde v. Diebitsch gewonnen. Er erschuf hier eine Umfassungsmauer mit aufwändig gestaltetem Eingangstor, die „Türkische Villa“ und ein Gärtnerhaus.[1] Mit dem bei Alexander Gentz verdienten Geld und einem Kredit des Bankhauses Gentz errichtete er sich eine eigene Wohnanlage. In Berlin (heutiger Mitte, am Potsdamer Platz) entstanden am Hafenplatz 4 Wohnräume und Atelier in einem mehretagigen Hause im orientalisierenden Stil; es unterlag einem Volltreffer im Zweiten Weltkrieg 1945. Die Kosten überstiegen sein Budget, und er zahlte den Gentz’schen Kredit nicht zurück. Alexander Gentz verpflichtete ihn deshalb 1861 zur Liquidierung der Schuld, indem er ihn als Architekt für das Wohnhaus mit gleichzeitigem Kornspeicher auf dem Gentz’schen Familiengut Gentzrode am Rande der Stadt Neuruppin wiederum in den Dienst nahm. Mit den Gentz’schen Bauaufträgen brachte Diebitsch die industrielle Vorfertigung von Baumaterialien aus Ton in Gang. Auch in seiner Zeit in Ägypten ließ er Steine in Charlottenburg vorfertigen und nach Kairo bringen.[1]

1862 entwarf er für die Preußische Präsentation auf der V. Weltausstellung in London einen „Maurischen Kiosk“, der zunächst von dem Industriellen Bethel Strousberg und später vom bayrischen König Ludwig II. gekauft wurde; bis heute ist dieser in der Parkanlage des Schlosses Linderhof zu sehen. Dieser der arabischen Architektur so verwandte Kiosk begeisterte den ägyptischen Vizekönig Ismail Pascha derart, dass v. Diebitsch nach Kairo eingeladen und als in als sein Baumeister in den Dienste nahm. 1865 wurde der Architekt zum ordentlichen Mitglied der Königlichen Akademie der Künste in Berlin berufen.

Carl von Diebitsch heiratete in Venedig am 22. März 1864 Friedrike Reinhold (* 1843 in Nordhausen), die später den Hofrat Karl Kühne in zweiter Ehe sich wieder vermählte. Friedrike und Carl hatten Kinder; die Tochter Therese starb nach der Geburt in Kairo 1864 noch im gleichen Jahr in Wien. Der Sohn Karl (* 1865) wurde Offizier und gründete mit Hildegarde von Schmid eine Familie. Die Tochter Ella heiratete 1893 in Potsdam bürgerlich den damaligen Regierungsrat zu Münster Rudolf Angerer, 1923 durch Adoption später genannt Rudolf von Schoen-Angerer. Der jüngste Sohn von Carl und Friedrike, Wilhelm Valentin, wurde 1869 ebenfalls in Kairo geboren und starb im gleichen Jahr in Nordhausen.

Carl von Diebitsch starb inmitten der großangelegten Umbauarbeiten der Stadt Kairo zur im November des Jahres geplanten Eröffnung des Suez-Kanals durch den Ausbruch einer Cholera-Epidemie in der Großstadt. Um die Gefährlichkeit der Cholera wissend, hatte er seine Familie und seine preußischen Arbeiter vorsorglich nach Hause geschickt;[1] sein Grab befindet sich auf dem Englischen Friedhof in Kairo.

Durch Carl von Diebitsch erfuhr die orientalisierende Architektur in Preußen, eingeleitet von Karl Friedrich Schinkel und Ludwig Persius, eine entscheidende Weiterentwicklung. Die Forschungen um sein Wirken unterstützen u. a. die Kinder des Rudolf von Schön-Angerer.[2]

Werke

Kornspeicher in Neuruppin-Gentzrode

Genealogie

  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel) 1903. 4. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 10. November 1902, S. 265 f.

Literatur

  • Isabella Fehle: Der Maurische Kiosk in Linderhof von Karl von Diebitsch. Ein Beispiel für die Orientmode im 19. Jahrhundert. Dissertation München 1983, ISBN 3-8316-6130-8. f. 1987, In: Miscellanea Bavarica Monacensia; Band 130. Neue Schriftenreihe des Stadtarchivs München, Universitätsdruck, München 1987. ISBN 3-87821-219-4.
  • Elke Pflugradt-Abdel Aziz: Islamisierte Architektur in Kairo: Carl von Diebitsch und der Hofarchitekt Julius Franz – Preußisches Unternehmertum im Ägypten des 19. Jahrhunderts. Dissertation Universität Bonn 1992.
  • Julius Waldschmidt: Carl von Diebitsch – ein Meister des Maurischen Stils. In: Die Mark Brandenburg. Heft 19 (Halbmond und Krummschwert), (Altberliner Verlag) Lucie Groszer, Berlin 1995, S. 16–19.
  • Irina Rockel. Der Tempelgarten zu Neuruppin. In: Die Mark Brandenburg. Heft 19, S. 20–22
  • Irina Rockel. Der Tempelgarten. Edition Rieger, Karwe-Berlin 1996
  • Irina Rockel. Wilhelm Gentz. Stapp Verlag, Berlin 1997
  • Irina Rockel. Gentzrode. Edition Rieger, Karwe 2020. ISBN 978-3-947259-27-4
  • Irina Rockel. Wilhelm Gentz. Ein Orientmaler aus Neuruppin. Edition Rieger, Karwe 2023. ISBN 978-3-947259-61-8

Einzelnachweise

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