Carves

französische Gemeinde From Wikipedia, the free encyclopedia

Carves (Aussprache [kaʁv], okzitanisch Carvas) ist ein Ort und südwestfranzösische Gemeinde mit 98 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Sarlat-la-Canéda und zum Gemeindeverband Communauté de communes Vallée de la Dordogne et Forêt Bessède. Die Bewohner werden Carvésois und Carvésoises genannt.

Schnelle Fakten Carvas ...
Carves
Carvas
Carves (Frankreich)
Carves (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département (Nr.) Dordogne (24)
Arrondissement Sarlat-la-Canéda
Kanton Vallée Dordogne
Gemeindeverband Vallée de la Dordogne et Forêt Bessède
Koordinaten 44° 47′ N,  4′ O
Höhe 87–262 m
Fläche 10,13 km²
Einwohner 98 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 10 Einw./km²
Postleitzahl 24170
INSEE-Code

Bürgermeisteramt (Mairie)
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Geografie

Bodenbedeckung, Hydrografie und Infrastruktur der Gemeinde (2018)

Carves liegt etwa 52 Kilometer südsüdöstlich von Périgueux, etwa 17 Kilometer südwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 46 Kilometer ostsüdöstlich von Bergerac in der Région naturelle des Périgord noir, Teil des gleichnamigen, touristisch benannten Landesteils. Die Gemeinde liegt im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von den Flüsschen Vallée und Neufond, die sie im Norden und Osten begrenzen, sowie von verschiedenen kleineren Fließgewässern.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Carves liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, einige Sedimentgesteinen aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.

Das Relief von Carves zeigt eine hügelige Landschaft, die an den Rändern des Gemeindegebiets bewaldet ist. Der topografisch höchste Punkt des Gemeindegebietes liegt mit 263 m im äußersten Süden, der tiefste Punkt am Zusammenfluss von Vallée und Neufond im äußersten Nordwesten. Das Zentrum befindet sich auf etwa 140 m Höhe.

Rund 57 % der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich, zumeist heterogen, genutzt, rund 43 % sind bewaldet.[2]

Carves wird von folgenden sechs Gemeinden umgeben:

Saint-Germain-de-Belvès Cladech
Sagelat Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Veyrines-de-Domme
Pays de Belvès Grives

Natürliche Risiken

Risikokarte zur Quellungs/Schrumpfung von Tonmineralen in Böden für Carves

Naturrisiken manifestieren sich in Carves als

Im nahezu gesamten Teil des Gemeindegebiets besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräte und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]

Wie die Risikokarte zeigt, ist ein Großteil des Gemeindegebiets in der Mitte und im Südosten von einer mittleren bis starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen.

In einigen Teilen des Landes kann Radon, das sich in manchen Häusern und anderen Gebäuden ansammelt, eine erhebliche Belastung für die Bevölkerung durch ionisierende Strahlung darstellen. Laut der Klassifizierung von 2018 ist die Gemeinde Carves der Zone 2 zugeordnet, was bedeutet, dass dort ein geringes Radonpotenzial besteht, jedoch bestimmte geologische Faktoren den Radoneintrag in Gebäuden begünstigen können.[4]

Etymologie und Geschichte

Die erstmalige Erwähnung von Carves erfolgte 1153 in einer päpstlichen Bulle als Vicaria de Cauves und verweist auf den Status eines Erzpriestertums des ehemaligen Bistums Périgueux im Mittelalter. Ebenfalls im 12. Jahrhundert erschien Carvas in den Schriften, in der Folge die Varianten Caraves (1344) und Carvis (1372). Der Name des Dorfes schildert das Aussehen des Gebiets, zumindest als die Menschen es besiedelten. Er kommt aus dem altokzitanischen calvas (deutsch kahl(er) Boden), was aus dem lateinischen calvus (deutsch kahl) abgeleitet ist. Das l ist dabei zu einem heutigen r geworden.[5]

Der Umkreis von Carves ist seit der Urgeschichte besiedelt, wie die Entdeckung von Elementen aus der Altsteinzeit, darunter Wetzrillen, an den Lieu-dits Auzol und La Veyssière belegt.[6]

Bevölkerungsentwicklung

Carves: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
 
485
1800
 
482
1806
 
470
1821
 
479
1831
 
635
1836
 
640
1841
 
615
1846
 
599
1851
 
626
1856
 
570
1861
 
578
1866
 
577
1872
 
477
1876
 
516
1881
 
478
1886
 
504
1891
 
421
1896
 
363
1901
 
312
1906
 
298
1911
 
289
1921
 
239
1926
 
236
1931
 
235
1936
 
216
1946
 
199
1954
 
182
1962
 
173
1968
 
153
1975
 
148
1982
 
138
1990
 
131
1999
 
112
2006
 
112
2013
 
106
2020
 
104
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[7] INSEE ab 2006[8][9][10]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Im 19. Jahrhundert hatte der Ort meist um die 500 Einwohner. Die Reblauskrise im Weinbau und der Verlust von Arbeitsplätzen durch die Mechanisierung der Landwirtschaft haben seitdem zu einem kontinuierlichen Bevölkerungsrückgang geführt.

Kirche Saint-Martin

Sehenswürdigkeiten

  • Die Kirche Saint-Martin ist ein dreischiffiger, teilweise romanischer Bau des 12. Jahrhunderts, von dem im Wesentlichen der Chorbereich erhalten ist. Die seitlich abgerundete und zur Gänze verputzte Westfassade ist von einem zweigeteilten Glockengiebel überhöht. Schmuckstück der Kirche ist ein Rokoko-Altarretabel mit Szenen der Passion Christi aus dem 18. Jahrhundert, der seit 1975 als Monument historique der beweglichen Objekte klassifiziert ist.[11]
  • Ein möglicherweise bereits im 10. Jahrhundert zu Verteidigungszwecken genutzter unterirdischer Raum-, Treppen- und Gängekomplex (Cluzeau du Pétrou) ist seit 1988 als Monument historique eingeschrieben.[12]
  • In Cantegrel im Nordwesten des Gemeindegebiets steht ein Herrenhaus, das ehemalige Lehen der Familie Gibbiat. Das Herrenhaus von Cantegrel besteht aus einem Hauptgebäude aus dem 18. Jahrhundert, das von zwei Pavillons flankiert wird. Bereits 1462 wurde es als Mansus dict de Catagrelh bezeichnet.[13]

Wirtschaft

Bis in die heutige Zeit spielt die Landwirtschaft die größte Rolle im Wirtschaftsleben der Gemeinde. Der ehemals auch hier betriebene Weinbau ist jedoch nach der Reblauskrise gänzlich aufgegeben worden.

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 35 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Carves erwerbstätig, entsprechend 73,3 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse. Die Zahl der Arbeitslosen war mit drei Personen im Jahr 2022 etwas höher als im Jahr 2016 (2). Die Arbeitslosenquote stieg von 5,6 % (2016) auf 9,1 % (2022).[14]

Landwirtschaft

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung.[15] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 23 bei der Landwirtschaftszählung von 1988, auf 16 im Jahr 2000, auf 8 im Jahr 2010 und stieg auf 9 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 60,9 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 521 Hektar im Jahre 1988 auf 340 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg von 22,7 auf 37,7 Hektar.[16][17][18]

Verkehr

Carves liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Die Departementsstraße D 51 verläuft an der südwestlichen Gemeindegrenze entlang über Grives nach Saint-Laurent-la-Vallée. An der nordwestlichen Ecke des Gemeindegebiets trifft sie auf die D 53, die an der nördlichen Gemeindegrenze entlang nach Sagelat im Westen und nach Osten hin in Richtung Veyrines-de-Domme geführt wird. Lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit den Weilern der Gemeinde und mit weiteren Nachbargemeinden.

Literatur

Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).

Commons: Carves – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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