Castaneda GR

Gemeinde im Kanton Graubünden, Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Castaneda ist eine Ortschaft und eine politische Gemeinde im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden. Sie gehört zur Region Moesa.

GR ist das Kürzel für den Kanton Graubünden in der Schweiz. Es wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Castanedaf zu vermeiden.
Schnelle Fakten Lage der Gemeinde ...
Castaneda
Wappen von Castaneda
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Moesa
BFS-Nr.: 3805i1f3f4
Postleitzahl: 6540
Koordinaten: 731179 / 124374
Höhe: 750 m ü. M.
Höhenbereich: 386–1790 m ü. M.[1]
Fläche: 3,96 km²[2]
Einwohner: 254 (31. Dezember 2024)[3]
Einwohnerdichte: 64 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
14,2 %
(31. Dezember 2024)[4]
Gemeindepräsident: Attilio Savioni
Website: www.castaneda.ch
Castaneda GR
Castaneda GR
Lage der Gemeinde
Karte von Castaneda
Karte von Castaneda
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Geographie

Castaneda mit dem gelben Schulhaus und der Kirche
Grundschule Castaneda

Castaneda liegt auf einer Terrasse im südlichen Calancatal 500 Meter über der Einmündung der Calancasca in die Moesa. Das Dorf ist die erste Gemeinde am Eingang des Calancatales. Vom gesamten Gemeindegebiet von 394 ha sind 302 ha von Wald und Gehölz bedeckt. Weitere 61 ha sind unproduktive Fläche, meist Gebirge. Nur 15 ha sind landwirtschaftliche Nutzfläche und 16 ha Siedlungsfläche.

Castaneda grenzt an Buseno, Grono, Roveredo, Santa Maria in Calanca und Verdabbio.

Geschichte

Castaneda im Januar 2010

Castaneda ist ein Flurname und leitet sich von lateinisch *castanetum bei den Kastanienbäumen ab.

Urgeschichte

Ein seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekanntes eisenzeitliches Gräberfeld und Siedlungsspuren im Umkreis der Kirche von Castaneda wurden ab 1928 wiederholt systematisch untersucht. 1978 bis 1980 fanden sich in Pian del Remit Welt-Icon, nordwestlich der Kirche, unter einer eisenzeitlichen Kulturschicht neolithische Siedlungs- und Pflugspuren: eine rechteckige Grube mit umgebenden Pfostenlöchern, Feuerstellen, Keramikkonzentrationen sowie ein reichhaltiges Silex- und Bergkristallinventar. Typologisch steht der Fund anderen Komplexen aus dem Tessin (z. B. Arbedo-Castione, Giubiasco) und der Lombardei nahe. Bis zu 5 Meter lange und sich kreuzende Pflugspuren sind nach neuesten C-14-Analysen (Ergebnis: 2800–1500 v. Chr.) dem Neolithikum und der Frühbronzezeit zuzuweisen. Mehrphasige Trockenmauern in Pian del Remit sind nicht genau datierbar (Eisenzeit bis Neuzeit) und in ihrer Funktion (Gebäudegrundrisse, Terrassierungsmauern, Weidgrenzen) noch nicht näher zu bestimmen.[5]

Vom eisenzeitlichen Gräberfeld sind rund 100 Gräber dokumentiert, wohl kaum die Hälfte des ursprünglichen Umfangs. Nachgewiesen sind gestreckte Skelettbestattungen in Steinkammergräbern, darüber Steinmonumente. Da im säurehaltigen Boden Skelettreste nur in Ausnahmefällen erhalten blieben, sind Geschlecht und Graborientierung nur anhand von Ausstattung bzw. Fundverteilung innerhalb des Grabes möglich. Die beigabenreichen Gräber enthielten pro Bestattung zum Beispiel ein bis zwei Gefässe, verschiedene Fibelformen, bronzenen Ohr- und Armschmuck, Anhänger, Gürtelhaken, Bernstein- und Glasperlen, ferner Bronzesitulen (Gefässe), Holzbecher, Eisenmesser und Schwerter. Bemerkenswert sind unter anderem etruskische Schnabelkannen, darunter ein lokal gefertigtes Exemplar mit einer Inschrift im Alphabet von Sondrio. Innerhalb des Gräberfeldes sind verschiedene Belegungsphasen räumlich zu unterscheiden. Die Dauer der Belegung umfasst die Zeit vom späten Golasecca bis zum Mittellatène (erstes Viertel 5. Jahrhundert bis erste Hälfte 2. Jahrhundert v. Chr.); verschiedene Einzelobjekte deuten einen früheren Belegungsbeginn (6. Jahrhundert v. Chr.) an. Die Gräber der älteren Eisenzeit gehören zum tessinisch-lombardischen Kulturbereich (Golaseccakultur). In den Gräbern der jüngeren Eisenzeit finden sich neben lokalen Formen auch keltische Objekte.[5] Die Funde sind im Rätischen Museum in Chur, im Landesmuseum Zürich und im Britischen Museum in London.

Neuzeit

Castaneda teilte die Geschicke der Calanca und wurde wie die andern Talsiedlungen erst 1851 eine selbstständige Gemeinde. Die 1544 erwähnte Kirche San Salvatore bzw. später Santo Stefano wurde um 1633 barockisiert, 1932 bis 1933 renoviert. Sie war zunächst Filialkirche von Santa Maria in Calanca, ab 1848 Pfarrkirche. Nennenswert ist das sich in schlechtem Zustand befindliche Herrschaftshaus des Ritters Giovanni Antonio Gioiero, der in den Bündner Wirren eine Rolle spielte.[5]

Seit 1982 steht in Castaneda die Primarschule für das gesamte Calancatal. 1986 errichtete der Migros-Genossenschaftsbund nach dem Willen von Adele Duttweiler, der Witwe Gottlieb Duttweilers, oberhalb von Castaneda die Kurklinik für Komplementärmedizin Al Ronc, die 2001 umfassend erneuert wurde. Von der einst wichtigen Landwirtschaft war 1999 ein Bauernbetrieb übrig geblieben, daneben bestanden einige Bauunternehmen. Im neuen Gemeindehaus wurde 1999 eine permanente Ausstellung zur Urgeschichte in Castaneda eingerichtet.[5]

Wappen

Wappen von Castaneda GR
Wappen von Castaneda GR
Blasonierung: «In Gold auf grünem Dreiberg grüner Kastanienbaum mit Früchten»

Bevölkerung

Weitere Informationen Bevölkerungsentwicklung ...
Bevölkerungsentwicklung
Jahr1808185018601900195019602000[5]20102020
Einwohner129188232178182151221233278
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Von den Ende 2004 230 Bewohnern waren 211 (= 91,74 %) Schweizer Bürger.

Politik

Castaneda und Santa Maria in Calanca, Luftbild von Werner Friedli (1954)

Der Gemeindepräsident ist seit 1980 Attilio Savioni (Stand 2025).[6]

Sehenswürdigkeiten

Persönlichkeiten

  • Giovanni Pietro Giovanelli (* um 1540 in Castaneda; † nach 1583 ebenda), Podestà von Bormio (1581–1583)[12]
  • Giovanni Antonio Gioiero (* um 1570 in Castaneda; † 16. September 1624 in Castione), Gerichtsvorsteher im Calancatal und Podestà von Morbegno
  • Giovanni Battista Giovanelli (* um 1620 in Castaneda; † nach 1681 ebenda), öffentlicher Notar, Podestà in Piuro (1667–1669) (1679–1681)[13]
  • Emilio Cerroti (* 31. Oktober 1859 in Castaneda; † 23. März 1909 in Genf), Kunstmaler, Mischtechnik und Ölmalerei[14]

Literatur

  • Edoardo Agustoni, Marco Somaini: Guida all’arte del Moesano, Kunstführer durch den Moesano; Calanca. Sezione Moesana della Pro Grigioni Italiano, Locarno 1990, S. 34, 47.
  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 515.
  • Patrick Nagy, Cesare Santi: Castaneda. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 20. April 2005.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band VI: Die italienischbündnerischen Talschaften Puschlav, Misox und Calanca (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 17). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1945, ISBN 978-3-906131-55-9.
  • Tommaso Semadeni: Castaneda. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 2: Brusino – Caux. Attinger, Neuenburg 1921, S. 508 (Digitalisat).
  • Sandro Tamò: Il problema economico della fusione dei comuni della Valle Calanca. In: Quaderni grigionitaliani, 43/4, Chur 1974, S. 241–255.
  • Verschiedene Autoren: Castaneda. In: Storia dei Grigioni. 3 Bände. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2000.
  • Maruska Federici-Schenardi, L’alimentazione degli abitanti di Castaneda nella preistoria.
Commons: Castaneda – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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