Castasegna

Dorf und ehemalige Gemeinde in Bregaglia im Kanton Graubünden, Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Castasegna ([kɐʃtɐˈzeɲɐ]/?; lombardisch Castascegna; deutsch veraltet Castasengen) ist ein Dorf in der politischen Gemeinde Bregaglia im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden.

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Castasegna
Wappen von Castasegna
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Maloja
Politische Gemeinde: Bregagliai2
Postleitzahl: 7608
UN/LOCODE: CH CAS
Koordinaten: 759993 / 133445
Höhe: 696 m ü. M.
Fläche: 6,77 km²
Einwohner: 191 (31. Dezember 2008)
Einwohnerdichte: 28 Einw. pro km²
Website: www.comunedibregaglia.ch
Castasegna
Castasegna
Karte
Castasegna (Schweiz)
Castasegna (Schweiz)
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Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2010

Geographie

Das Dorf liegt auf einer Höhe von 690 m ü. M. an der Grenze gegen Italien an der Strasse SamedanMalojaChiavenna am rechten Ufer der Maira und an der Einmündung des Lovero und des Baches des Val Casnaggina in diese; 9,7 km östlich von Chiavenna. Castasegna liegt unmittelbar an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz und ist damit das tiefstgelegene Dorf des bündnerischen Teils des Bergell. Das Strassen- und Zolldorf mit südländischer Vegetation liegt zwei Monate im Winterschatten.

Geschichte

Neben einem Schalenstein oberhalb von Caslacc wurden etruskische und römische Einzelfunde gemacht. Erstmals erwähnt wird das Dorf im Jahre 1374 unter dem damaligen Namen Castexegnia.[1] Burg und Dorf könnten römischen oder fränkischen Ursprungs sein; vielleicht entstanden sie zum Schutz der Strasse über den Septimer.

Der Loverobach begrenzte das mittelalterliche Hoheitsgebiet des Bischofs von Chur nach Süden. Im Spätmittelalter stand Castasegna unter Lehensherrschaft der von Salis und bildete mit Soglio und Bondo die Gemeinde Unterporta. 1526 wurde Castasegna selbstständiges Glied des Halbgerichts Unterporta.[1] Zusammen mit Soglio bildete es die Nachbarschaft Commune di qua dell’acqua (Gemeinde diesseits des Wassers) und zusammen mit der Commune di là dell’acqua (Gemeinde jenseits des Wassers) in Bondo die Gemeinde Unterporta. 1553 wurde diese Verbindung aufgehoben.

Kirchlich gehörte Castasegna ursprünglich zur Grosspfarrei Nossa Donna in Promontogno. Die 1409 erwähnte Kapelle S. Gian (Johannes Baptist) wurde im Spätmittelalter als Kuratie von Soglio aus betreut. Nach dem Übertritt zur Reformation 1552 erhielt Castasegna 1553 einen eigenen Prediger, 1664 eine eigene Kirche S. Trinità. Bei Castasegna stand einst der grösste Kastanienwald Europas.[1]

Heute lebt das lokale Gewerbe von den Vorzügen des Zollorts. Wichtig ist auch das Kraftwerk Castasegna des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich. 2000 lag der italienische Sprachanteil bei 81 Prozent, der deutsche bei 16 Prozent. Castasegna leidet unter Abwanderung.[1] Eine Dorfumfahrung entlastet seit 1999 das Dorf vom Durchgangsverkehr.[2]

Bis Ende 2009 war Castasegna eine eigene politische Gemeinde im damaligen Kreis Bregaglia (Bergell) im Bezirk Maloja. Auf den 1. Januar 2010 fusionierten alle Gemeinden des Bergell (d. h. Bondo, Castasegna, Soglio, Stampa und Vicosoprano) zur neuen Gemeinde Bregaglia.

Wappen

Wappen von Castasegna
Wappen von Castasegna
Blasonierung: «In Grün ein gelber, fruchtender Kastanienbaum mit Wurzelwerk, zwei schragenförmigen Hauptzweigen, fünf mal drei Blättern und sechs Früchten»

Bevölkerung

Pergola
Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850190019101950198019902000[3]20052008
Einwohner 207239261197174176190187191
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Sprachen

In Castasegna spricht man traditionell eine lombardische Mundart. Seit dem frühen 20. Jahrhundert gibt es eine deutschsprachige Minderheit. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt untenstehende Tabelle:

Weitere Informationen Sprachen, Volkszählung 1980 ...
Sprachen in Castasegna GR
SprachenVolkszählung 1980Volkszählung 1990Volkszählung 2000
AnzahlAnteilAnzahlAnteilAnzahlAnteil
Deutsch4425,29 %4123,30 %3015,79 %
Rätoromanisch148,05 %95,11 %63,16 %
Italienisch11566,09 %12671,59 %15280,00 %
Einwohner174100 %176100 %190100 %
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Religionen und Konfessionen

1552 traten die Bewohner zum protestantischen Glauben über.

Herkunft und Nationalität

Von den Ende 2005 187 Bewohnern waren 178 (= 95 %) Schweizer Staatsangehörige.

Wirtschaft

Ein Arbeitgeber ist die 1979 gegründete Soglio Produkte AG, die naturnahe Körperpflegemittel herstellt und vertreibt. Seit 1986 ist der Betrieb in Castasegna im ehemaligen Hotel «Croce Bianca» untergebracht.

Kulturlandschaft

Bei Castasegna liegt der Brentan, der grösste Edelkastanienwald Europas. Das Klima ist eher südländisch.

Sehenswürdigkeiten

Villa Garbald
  • Die reformierten Dorfkirchen Santa Trinità und San Giovanni stehen unter kantonalem Denkmalschutz[4]
  • Die «Villa Garbald» mit Pergola und Gartenanlage, die der Zolleinnehmer Agostino Garbald (1828–1909) für sich und seine Frau Johanna Garbald-Gredig 1862 von Gottfried Semper entwerfen liess.[5] Es ist das einzige Gebäude Sempers südlich der Alpen. 2004 wurde die Villa von den Architekten Quintus Miller und Paola Maranta restauriert. Oberhalb der Villa steht der preisgekrönte Wohnturm «Roccolo» aus dem Jahr 2004 von Miller & Maranta.[6][7]
  • Villa Garbald und Dépendence mit Turm im Villengarten[8]
  • Zwischen 1877 und 1879 erbaute der venezianische Architekt Giovanni Sottovia das Schulhaus und das Rathaus von Castasegna. Zuvor hatte er im Puschlav die Palazzi in Poschiavo und in Promontogno das Hotel Bregaglia gebaut.
  • Die Angestelltensiedlung der Bergeller Kraftwerke des Architekten Bruno Giacometti[9]
  • Hausruine Casnàcc[10]
Villa und Roccolo
Roccolo

Öffentlicher Verkehr

Castasegna wird von der Engadiner Buslinie 4 bedient. Konzessionär ist Postauto Schweiz.

Persönlichkeiten

  • Petrus Domenicus Rosius à Porta (1734–1806), reformierter Pfarrer in Castasegna 1771–1781 und Kirchenhistoriker
  • Silvia Andrea (1840–1935), Schriftstellerin und Übersetzerin
  • Andrea Garbald (* 1877 in Castasegna; † 1958 ebenda), Fotograf[11]
  • Walther Kauer (* 1935 in Bern; † 27. April 1987 in Murten), Schriftsteller

Literatur

  • Adolf Collenberg: Castasegna. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2. Dezember 2016.
  • Sonja Hildebrand (Hg.): Villa Garbald. Gottfried Semper – Miller & Maranta. Vorworte von Vreni Müller-Hemmi und Quintus Miller. Beiträge von Annemarie Bucher, Rino Fontana, Sonja Hildebrand, Werner Oechslin, Jürg Ragettli, Martin Tschanz, Stefanie Wettstein, John Ziesemer. Fotografien von Ruedi Walti. 2., überarbeitete, erweiterte und aktualisierte Auflage Zürich 2015, ISBN 978-3-85676-345-9.
  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 538–540.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band V. Die Täler am Vorderrhein, II. Teil. Die Talschaften Schams, Rheinwald, Avers, Münstertal, Bergell (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 14). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1943, ISBN 978-3-906131-20-7.
  • Tomaso Semadeni: Castasegna. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Brusino – Caux. Attinger, Neuenburg 1921, S. 508 (Digitalisat).
Commons: Castasegna – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

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